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Politik

Debakel um Instandsetzung

Fortschritt bei "Gorch Fock"-Sanierung offenbar sehr gering

Ende Juni sollte das Segelschulschiff wenigstens wieder schwimmen, doch einem Medienbericht zufolge verzögert sich die teure Sanierung der "Gorch Fock" weiter. CSU-Chef Söder schlägt eine radikale Lösung vor.

Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Segelschulschiff der Deutschen Marine "Gorch Fock" in der Werft

Sonntag, 07.04.2019   08:17 Uhr

Die "Gorch Fock"-Sanierungsarbeiten kommen einem Medienbericht zufolge nur schleppend voran. Der Arbeitsfortschritt an Bord des Segelschulschiffes sei "sehr gering und liegt deutlich hinter den Erwartungen zum Zeitpunkt der Unterzeichnung der Verpflichtungserklärung zurück", berichtete die "Welt am Sonntag" aus einem internen Schreiben der von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) eingesetzten "Task Force Instandsetzungsvorhaben" an Rüstungsstaatssekretär Benedikt Zimmer. Das Schreiben stammt demnach vom 4. April.

Bei der Sanierung der "Gorch Fock" war es zu einer Kostenexplosion von 10 auf bis zu 135 Millionen Euro gekommen, nach Vorwürfen der Korruption und Untreue wurde

Ein vertraulicher Prüfbericht über die seit mittlerweile drei Jahren andauernde Reparatur des Segelschulschiffs hatte chaotische Zustände bei der Werft aber auch im Verteidigungsministerium enthüllt. Die Kostensteigerung für die Reparatur der "Gorch Fock" sei nur durch gravierendes Missmanagement bei Marine, Beschaffungsamt und auch im Ministerium möglich geworden, hieß es in dem Bericht.

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Segelschulschiff: Was wird aus der "Gorch Fock"?

Mitte März einigte sich das Verteidigungsministerium mit der Werft auf die Aufhebung des Zahlungsstopps - im Gegenzug wurden strengere Kontrollregeln, mehr Transparenz und eine strikte Kostengrenze festgelegt. In der Vereinbarung ("Verpflichtungserklärung") ist vorgesehen, dass das Schiff zunächst für weitere 11 Millionen Euro bis zum Sommer dieses Jahres schwimmfähig werden soll.

Die Zeitung berichtete unter Berufung auf das Schreiben weiter, der geplante Termin für die Schwimmfähigkeit des Schiffes am 21. Juni müsse "zunehmend als kritisch bewertet werden". Der Aufsichtsratschef der Werft, Pieter Wasmuth, sagte der Zeitung: "Der Terminplan ist knapp, aber wir sind im Zeitplan." Die Arbeiten am Schiff seien bereits wieder aufgenommen worden.

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Söder: Lieber schwimmendes Museum daraus machen

CSU-Chef Markus Söder würde auf die teure Sanierung der Dreimastbark am liebsten ganz verzichten: "Die 'Gorch Fock' ist ein Millionengrab", sagte er der "Bild am Sonntag": "Man sollte aus dem Schulschiff lieber ein schwimmendes Museum machen und stattdessen mit dem Geld moderne Ausrüstung wie Flugabwehrsysteme und Transporthubschrauber anschaffen."

Auch die Pannen bei den Regierungsflugzeugen kritisierte der bayerische Ministerpräsident scharf: "Es ist peinlich für das Ansehen Deutschlands in der Welt, wenn unsere Regierungsmaschinen Pannen haben und deutsche Spitzenpolitiker zu internationalen Tagungen zu spät oder gar nicht kommen."

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen will bislang trotz aller Probleme und Skandale an der "Gorch Fock" festhalten und das Segelschulschiff bis zum Sommer 2020 wieder seetauglich bekommen. Die Arbeiten in der Werft werden fortgesetzt - allerdings unter strenger Beobachtung.

oka/dpa

insgesamt 97 Beiträge
gutmichl 07.04.2019
1. Söder hat recht
Es wird Zeit, dass die Bundeswehr wieder ein Armee wird. Segelschiffe und das Bohren von Brunnen waren vielleicht Themen des Militärs von Anno 1600. Die Nato-Forderung nach 2 % scheint man heute mit Museumsartikeln und [...]
Es wird Zeit, dass die Bundeswehr wieder ein Armee wird. Segelschiffe und das Bohren von Brunnen waren vielleicht Themen des Militärs von Anno 1600. Die Nato-Forderung nach 2 % scheint man heute mit Museumsartikeln und Beraterhonoraren erfüllen zu wollen.
peter-11 07.04.2019
2. Missmanagement
Es ist einfach nur unglaublich. Bei einer solchen Kostenexplosion kann schon mal der entfernte Gedanke von Korruption aufkommen. So schusselig oder, sorry ... doof, kann eigentlich niemand sein.
Es ist einfach nur unglaublich. Bei einer solchen Kostenexplosion kann schon mal der entfernte Gedanke von Korruption aufkommen. So schusselig oder, sorry ... doof, kann eigentlich niemand sein.
Ontologix II 07.04.2019
3. Symptomatisch für die CDU
1996 beschlossen Kanzler Kohl (CDU) und der regierende Bürgermeister Diepgen (CDU) den Bau des Flughafens BER am Standort Schönefeld, der als ungeeignet galt. 2006, Merkel war schon Kanzlerin, war Baubeginn. 2011 sollte [...]
1996 beschlossen Kanzler Kohl (CDU) und der regierende Bürgermeister Diepgen (CDU) den Bau des Flughafens BER am Standort Schönefeld, der als ungeeignet galt. 2006, Merkel war schon Kanzlerin, war Baubeginn. 2011 sollte eröffnet werden. 2014 war Baubeginn für den neuen Flughafen Istanbul. 2018/19 sollte eröffnet werden, was auch geschah. Vielleicht sollte man die Gorch Fock in die Türkei zu Erdogan verholen. damit sie dort noch zu unseren Lebzeiten restauriert wird.
demokrat2 07.04.2019
4. CDU-Ministerin Leyen liebt die Seefahrt ....
... koste es , was es wolle. Es ist ja nicht ihr Geld, das sie zum Fenster hinaus wirft. Wer gebietet dieser "unfähigen Dame" eigentlich mal Einhalt? Der Skandal bleibt uns erhalten, aber auch das Gespött der anderen [...]
... koste es , was es wolle. Es ist ja nicht ihr Geld, das sie zum Fenster hinaus wirft. Wer gebietet dieser "unfähigen Dame" eigentlich mal Einhalt? Der Skandal bleibt uns erhalten, aber auch das Gespött der anderen Nationen.
Kater Bolle 07.04.2019
5. Herr Söder hat hier wirklich recht .....
Selbst als Museumsschiff viel zu teuer. Auch an den Unterhalt denken. Auch hat die Gorch Fock nun wirklich nichts mit Verteidigung zu tun. Beim Stichwort Museumsschiff fällt mir auch auf, das in den Medien öfter von [...]
Selbst als Museumsschiff viel zu teuer. Auch an den Unterhalt denken. Auch hat die Gorch Fock nun wirklich nichts mit Verteidigung zu tun. Beim Stichwort Museumsschiff fällt mir auch auf, das in den Medien öfter von erfolgreichen Eröffnungen Museen aller Art berichtet wird als von Eröffnung zukunftsweisender Dinge. Da hört man aus China weit aus mehr. Wir sollten uns mehr mit unserer Zukunft befassen als das ganze Geld in Museen zu stecken. Bitte immer auch an Folge und Betriebskosten denken. Unsere nachfolgenden Generationen werden es uns danken. In Museen die Vergangenheit bestaunen aber keine Zukunft. Das kann nicht sein.

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