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Politik

Zahl der Asylanträge gesunken

Die meisten Migranten kommen aus Europa nach Deutschland

Innenminister Seehofer hat den Migrationsbericht der Bundesregierung und die aktuellen Asylzahlen vorgestellt: In Deutschland beantragten 2018 deutlich weniger Menschen Asyl als 2015 und 2016.

picture alliance / dpa

Notunterkunft in Hessen (Symbolbild)

Mittwoch, 23.01.2019   14:17 Uhr

Im Jahr 2018 wurden rund 185.000 Asylanträge gestellt, das sind 16 Prozent weniger als im Vorjahr. Entscheidend ist laut Innenminister Horst Seehofer die Zahl der Asylerstanträge.

Die lag laut Seehofer bei 162.000 sowie knapp 24.000 Folgeanträgen - insgesamt gut 36.800 weniger als 2017. Seehofer stellte in Berlin die Asylzahlen für 2018 und den Migrationsbericht vor, der die Jahre 2016 und 2017 umfasst.

"Das Migrationsgeschehen wird uns noch jahrelang begleiten", sagte Seehofer. Inzwischen suchen deutlich weniger Menschen Schutz in Deutschland als noch vor wenigen Jahren. Viele der 2015 eingereisten Menschen haben erst im Jahr darauf einen Asylantrag gestellt. 2016 hat die Zahl der Erstanträge einen Spitzenwert von 722.000 erreicht. Das berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vorab. Seehofer wolle aber, trotz Rückgang der Flüchtlingszahlen, keinen Personalabbau beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf).

Die Zuwanderung nach Deutschland sei wieder mehrheitlich europäisch, sagte Bamf-Präsident Hans-Eckhard Sommer. Zunehmend kämen Menschen wieder zum Studium oder wegen eines Arbeitsplatzes nach Deutschland. Das sei eine positive Entwicklung.

Schwerpunkt der Asylzuwanderung nach Europa liege in Spanien

Die Tendenz war auch aus den monatlich veröffentlichten Asylzahlen bereits bekannt. Nach Zahlen aus dem Dezember wurden von Januar bis November 2018 rund 174.000 Asylanträge gestellt, 16 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Bereits 2017 war die Zahl der Asylerstanträge auf 198.000 zurückgegangen. Die meisten Asylbewerber kamen laut Innenministerium aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und Iran, gefolgt von Nigeria und der Türkei.

Über die organisierte Flüchtlingsaufnahme (Resettlement) und humanitäre Sonderprogramme kamen 2018 nach Angaben des Bundesinnenministeriums rund 3400 Menschen nach Deutschland. Weitere 38 500 Angehörige von Flüchtlingen durften mit Visa für den Familiennachzug einreisen. Berücksichtigt man die rund 23 500 Abschiebungen und Rücküberstellungen an andere EU-Staaten und die freiwillige Rückkehr von 16 000 Asylbewerbern, ergibt sich netto eine Asyl-Zuwanderung von rund 165 000 Menschen.

Seehofer sagte, die Wege, auf denen Asylbewerber nach Europa kämen, hätten sich zuletzt verändert. Es sei deutlich, "dass der Schwerpunkt zurzeit in Spanien liegt".

Größter Zuzug aus der EU

Der Migrationsbericht analysiert den Zuzug nach Deutschland für die Jahre 2016 und 2017 im Detail. 53,4 Prozent aller Zugewanderten seien 2017 aus einem Mitgliedstaat der EU gekommen, berichtete das RND unter Berufung auf den Bericht. Mit 15,4 Prozent stammte die nächstgrößere Gruppe demnach aus Asien.

Der eigentlich jährlich erscheinende Migrationsbericht umfasst diesmal zwei Jahre, weil es dem Bamf zufolge technische Änderungen bei der Erstellung der Bevölkerungsstatistik gab.

SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX

Horst Seehofer

Dem RND zufolge heißt es darin: "Im Jahr 2017 zogen mit 1,55 Mio. deutlich weniger Menschen zu uns als in den Vorjahren."

Die Fortzüge lägen dagegen im Vergleich zu den Vorjahren höher: "2016 waren es 1,37 und 2017 1,13 Mio. Personen. Damit gab es nach dem sehr hohen Wanderungsgewinn im Jahr 2015 von fast 1,14 Mio. Personen geringere Wanderungsgewinne von ca. 0,5 Mio. im Jahr 2016 und 0,4 Mio. 2017."



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apr/höh/dpa/AFP

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