Schrift:
Ansicht Home:
Politik

Mutmaßliche IS-Mitgliedschaft

Anklage gegen 47-jährige Deutsche

Jahrelang soll sie Mitglied bei der Terrororganisation "Islamischer Staat" gewesen sein. Nun hat die Bundesanwaltschaft gegen eine 47 Jahre alte Deutsche Anklage erhoben.

AFP

IS-Flagge in Syrien (Archiv)

Mittwoch, 17.04.2019   15:52 Uhr

Frauen, die sich der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) angeschlossen haben und dort "nur" den Haushalt geführt und die Familie versorgt haben, mussten lange Zeit kaum Strafverfolgung in Deutschland fürchten. Im Fall der 47 Jahre alten Deutschen Mine K. hat die Bundesanwaltschaft nun dennoch Anklage erhoben, wie die Behörde mitteilte. Relevant dafür ist, dass die mutmaßliche Dschihadistin im August 2015 in die irakische Stadt Tal Afar umgezogen und dort mit ihrer Familie ein Wohnhaus zugeteilt bekommen haben soll.

Das Gebiet um Tal Afar war bereits im Juni 2014 durch den IS erobert und besetzt worden. Im Zuge dessen hatte die Terrororganisation Wohnhäuser unter ihre Verwaltung gestellt, nachdem deren rechtmäßige Bewohner vor den Truppen des IS geflohen oder von ihnen vertrieben worden waren. Eines dieser Häuser soll die Familie der Angeschuldigten bezogen haben. Die Bundesanwaltschaft sieht darin den Versuch, "den Gebietsanspruch der Organisation zu festigen und eine Rückeroberung durch gegnerische Militärverbände zu erschweren."

Wie die Bundesanwaltschaft mitteilte, soll K. spätestens Ende des Jahres 2014 den Entschluss gefasst haben, nach Syrien auszureisen und sich dem IS anzuschließen. Im Januar 2015 habe sie dann per Videoanruf einen IS-Kämpfer nach islamischem Recht geheiratet. Der Mann habe sich zu diesem Zeitpunkt in der Türkei aufgehalten. Einen Monat später sei K. gemeinsam mit ihrem Kind zu ihrem Mann gereist. Von dort hätten sie sich nach Syrien bringen lassen.

Bei Rückkehr in Deutschland festgenommen

Während der Ehemann sich einer ideologischen Schulung des IS unterzog, habe K. zunächst drei Monate mit ihrem Sohn in einem Frauenhaus der Terrororganisation in Mossul gelebt. Später sei die Familie in besagte Wohnung nach Tal Afar gezogen. Nachdem Tod ihres Ehemanns sei K. der Bundesanwaltschaft zufolge wieder nach Mossul zurückgekehrt. Ende Oktober 2016 seien K. und ihr Sohn über die Türkei zurück nach Deutschland gereist. Dort wurde sie nach ihrer Einreise in die Bundesrepublik festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft.

Die deutschen Behörden tun sich im Umgang mit Rückkehrerinnen aus dem IS-Gebiet schwer. Das Führen des Haushalts eines IS-Kämpfers wertete die Justiz nicht als Mitgliedschaft oder Unterstützung einer Terrorgruppe. Seit einigen Monaten verfolgen die Ermittler jedoch einen anderen Ansatz. Sie versuchen, die mutmaßlichen Dschihadistinnen über das Völkerstrafrecht, das zum Schutz der Zivilbevölkerung bestimmte Verbrechen in bewaffneten Konflikten bestraft, zu belangen.

Im Video: Deutsche IS-Frauen

Foto: SPIEGEL TV

asc

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP