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Politik

Polizei-Einsatz gegen Islamisten

Ein kleiner Hieb gegen den Terrorismus

Razzien in Berlin, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen: Die Polizei ist gegen mutmaßliche Terroristen mit Kontakten zum IS vorgegangen. Was ist bekannt über die Verdächtigen und ihre Pläne? Der Überblick.

Foto: DPA
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Donnerstag, 04.02.2016   18:14 Uhr

Es war noch dunkel, kurz nach sechs Uhr, als eine Hundertschaft der nordrhein-westfälischen Bereitschaftspolizei ins sauerländische Attendorn einrückte. Ihr Ziel: die Flüchtlingsunterkunft in einer umfunktionierten Turnhalle.

Im Auftrag des Berliner Landeskriminalamts (LKA) nahmen die Beamten dort einen algerischen Asylbewerber fest, der unlängst mit Frau und zwei Kindern nach Deutschland eingereist war. Der 35-Jährige steht im Verdacht, Kopf einer dschihadistischen Zelle gewesen zu sein, die im Auftrag des "Islamischen Staats" (IS) einen Anschlag in Berlin geplant haben könnte. Auch seine 27 Jahre alte Frau wurde festgenommen.

Insgesamt erscheint das Szenario des großangelegten Anti-Terror-Einsatzes jedoch nicht so, als sei hier in letzter Sekunde ein drohendes Attentat verhindert worden. "Der ganz große Schlag gegen den internationalen Terrorismus war das sicherlich nicht", sagt ein Staatsschützer, "eher ein kleiner Hieb."

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Terrorverdacht: Razzien in drei Bundesländern
Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE begannen die Ermittlungen zur Abwehr einer Terrorgefahr vor einigen Wochen. Der Hinweis kam - wie so oft - von einem ausländischen Nachrichtendienst und ging an das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV). Das wiederum schaltete die Berliner Polizei ein.

Die Zahl derartiger Tipps befreundeter Sicherheitsbehörden hat sich in den vergangenen Monaten massiv erhöht. Sogar BfV-Chef Hans-Georg Maaßen, sonst eher kein Beschwichtiger, ruft inzwischen zu mehr Gelassenheit im Umgang mit solchen Informationen auf.

Wie gingen die Sicherheitsbehörden im aktuellen Fall vor?

Die Aktion fiel jedoch ausgerechnet auf den ersten Tag des Straßenkarnevals, der in diesem Jahr unter besonderer Beobachtung steht. "Wir haben derzeit keine Hinweise darauf, dass Anschläge in NRW - auch nicht im Zusammenhang mit Karneval - geplant worden sind", teilte ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Innenministeriums in Düsseldorf am Donnerstag umgehend mit.

Auch das Bundeskriminalamt (BKA) kommt in einer vertraulichen Gefährdungsbewertung zu einem ähnlichen Ergebnis. Es bestehe "weiterhin eine hohe abstrakte Gefahr" eines Terroranschlags in Deutschland.

Jedoch gebe es keine "konkrete Gefährdung der Karnevalsfeierlichkeiten 2016". Das gelte "sowohl für den Straßenkarneval als auch für begleitende Veranstaltungen in geschlossenen Räumen", notierte ein Leitender Kriminaldirektor in dem Dokument. Gleichwohl sei mit einem "erhöhten Hinweisaufkommen" in den jecken Tagen zu rechnen. "Der Mehrheit der Sachverhalte dürfte allerdings kein realer Hintergrund beizumessen sein", so das BKA.

Betreuer der Flüchtlingsunterkunft in Attendorn berichteten übrigens, der 35-Jährige habe sich vollkommen normal verhalten. Wie viele andere Zuwanderer auch habe er über den Koran sprechen wollen - und über den IS. Am Mittwochabend, so sagten die Helfer, habe der mutmaßliche Terrorist noch mit ihnen Tischtennis gespielt. Alles ganz unauffällig.

Im Video: Großrazzia bei mutmaßlichen Islamisten

Foto: REUTERS

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Jörg Diehl ist Chefreporter von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Joerg_Diehl@spiegel.de

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Mit Material von dpa

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