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Politik

Schülerstreiks zum Klima

Justizministerin Barley für Herabsetzung des Wahlalters

Justizministerin Katarina Barley zeigt sich beeindruckt von den Schülerprotesten zum Klima. Die SPD-Politikerin sprach sich auch deshalb für ein Wahlrecht ab 16 Jahren aus. Auch Kanzlerin Merkel lobte die Proteste.

DPA

Katarina Barley (SPD)

Samstag, 02.03.2019   12:44 Uhr

Seit Wochen gehen Tausende Schüler freitags für das Klima auf die Straße und lassen dafür den Unterricht ausfallen. Dafür stehen sie auch in der Kritik. Von Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) erhalten die Schüler nun allerdings Zuspruch. Die SPD-Politikerin lobte den Einsatz der Jugendlichen und sprach sich für eine Herabsetzung des Wahlrechts aus.

"Dass die Jugendlichen jetzt für den Klimaschutz demonstrieren und sich so engagieren, ist doch großartig", sagte Barley der "Passauer Neuen Presse" (Samstagsausgabe). "Das räumt mit dem Vorurteil auf, dass junge Leute nicht aktiv genug wären und sich nicht politisch engagieren."

Es verdiene "hohen Respekt", dass die Schüler für ihre Zukunft auf die Straße gehen. "Solche jungen Leute wünschen wir uns", sagte Barley. Die Justizministerin sprach sich in diesem Zusammenhang dafür aus, Jugendlichen mehr politische Teilhabe zu ermöglichen und das Wahlalter herabzusetzen. "Wir sollten ein Wahlrecht ab 16 Jahren einführen."

Merkel kontert Karliczek: "Gute Initiative"

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel lobte die Proteste. "Ich unterstütze sehr, dass Schülerinnen und Schüler für den Klimaschutz auf die Straße gehen und dafür kämpfen", sagte die CDU-Politikerin in ihrem Videopodcast. "Ich glaube, dass das eine sehr gute Initiative ist." Die Klimaschutzziele seien nur erreichbar, wenn es Rückhalt in der Gesellschaft gebe.

Gleichzeitig bat Merkel bei den Jugendlichen um Geduld: "Ich weiß, dass die Schülerinnen und Schüler sich manches schneller wünschen, zum Beispiel den Ausstieg aus der Kohle", erklärte sie. Als Regierungschefin erinnere sie aber daran, dass Vieles zu bedenken sei. "Wir müssen Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft auf der einen Seite mit den Zielen des Klimaschutzes versöhnen."

In Deutschland versammeln sich derzeit unter dem Motto "Fridays for Future" jeden Freitag in zahlreichen Städten Schüler und Studenten während der Unterrichtszeit, um gegen ausbleibende Maßnahmen gegen den Klimawandel zu protestieren. Die Demonstrationen sind nicht unumstritten, da sie während der Schulzeit stattfinden. So erklärte Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) jüngst, sie lehne Schülerstreiks während der Unterrichtszeit ab.

Für den Präsidenten des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, sind die Protestaktionen der Schüler ein Spagat. "Wir wollen auf der einen Seite eine Erziehung zum politisch mündigen Bürger", sagte er der "Passauer Neuen Presse". "Wir können es aber auch nicht Schülern und Eltern überlassen, ob man in die Schule geht oder nicht". An dem Gymnasium, das er leitet, habe er den verpassten Unterricht nachholen lassen.

asc/AFP

insgesamt 223 Beiträge
haiti 02.03.2019
1. Recht so!
Die CDU wird sich aber vor der Altersherabsetzung hüten, da die jungen Menschen in der Mehrheit Grün wählen würden. Mutig von Frau Barley. Respekt!
Die CDU wird sich aber vor der Altersherabsetzung hüten, da die jungen Menschen in der Mehrheit Grün wählen würden. Mutig von Frau Barley. Respekt!
holtadipolta 02.03.2019
2. Wahlrecht ab 16 ? Warum nicht...?
Bedenkt man, daß in der Bevölkerung die älteren Menschen klar in der Überzahl sin , dann sollte man der jungen Generation eine gewichtigere Stimme geben. Schließlich ist diese ja unsere Zukunft. Und ab 16 hat man i.d.R. [...]
Bedenkt man, daß in der Bevölkerung die älteren Menschen klar in der Überzahl sin , dann sollte man der jungen Generation eine gewichtigere Stimme geben. Schließlich ist diese ja unsere Zukunft. Und ab 16 hat man i.d.R. schon eine klare Vorstellung von der Gesellschaft und der Welt. Warum dann nicht wählen lassen ?
doc007 02.03.2019
3. Endgültig im Land der Moral und Ideologie angekommen
… das muss man sich mal trauen. Als verantwortlich Justizministerin und Volljuristin ernsthaft die Schülerstreiks im Rahmen einer gesetzlichen Schulpflicht zu loben, hat schon Chuzpe. Ein Rechtsbruch legitimiert sich als [...]
… das muss man sich mal trauen. Als verantwortlich Justizministerin und Volljuristin ernsthaft die Schülerstreiks im Rahmen einer gesetzlichen Schulpflicht zu loben, hat schon Chuzpe. Ein Rechtsbruch legitimiert sich als dadurch, dass er moralisch für was vermeintlich Gutes einsteht? Damit hat dann Klimareligion, Ideologie und Moral endgültig über Gesetze gesiegt. Es kommt eben immer auf den Grund an, mit dem man Gesetze bricht.
coyote38 02.03.2019
4. Die letzte Hoffnung ...
Ein logischer Vorstoß seitens einer dahinsiechenden SPD. Verspricht man sich doch davon, dass idealistische und schwärmerische Jugendliche besonders leicht für utopistische Weltentwürfe empfänglich sein dürften. Ein Beitrag [...]
Ein logischer Vorstoß seitens einer dahinsiechenden SPD. Verspricht man sich doch davon, dass idealistische und schwärmerische Jugendliche besonders leicht für utopistische Weltentwürfe empfänglich sein dürften. Ein Beitrag zur Lösung realer Probleme ist dies allerdings nicht. Und insofern reiht sich auch dieser Vorschlag lediglich in die lange Liste politisch leicht durchschaubarer Luftnummern einer ehemals stolzen Volkspartei ein.
haresu 02.03.2019
5. Ja, so langsam wird es Zeit
Die Älteren verfrühstücken die Welt und die Jugend soll den Mund halten dann auch noch die Illusion aufrecht erhalten, dass es mit Bildung schon irgendwie gelingen werde mindestens die eigene Zukunft zu retten. Das aber ist [...]
Die Älteren verfrühstücken die Welt und die Jugend soll den Mund halten dann auch noch die Illusion aufrecht erhalten, dass es mit Bildung schon irgendwie gelingen werde mindestens die eigene Zukunft zu retten. Das aber ist quasi eine Wette mit fremdem Geld. Vielleicht sollte man die Zukunft wirklich vermehrt denen anvertrauen, die sich für die Zukunft interessieren und nur nach Ausreden suchen.

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