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Die deutsche Politik ist zu männlich, immer noch. Daran ändern auch die jüngsten Wahlen nichts - sie haben das Problem sogar verschärft.

DPA

Bayerischer Landtag

Von
Mittwoch, 31.10.2018   23:53 Uhr

Die Männer auf dem Bild blicken ernst. Es geht um was, das ist klar. Hier verhandelt die CSU mit den Freien Wählern darüber, wer Bayern in den nächsten Jahren regieren wird - und wie. Nicht mit am Tisch: Frauen. Nicht eine Frau.

In den sozialen Medien sorgt das Foto zurzeit für Aufregung. Eine Nutzerin kommentiert sarkastisch, dass Frauen in Bayern immerhin wählen dürften. Mehr Emanzipation könne man CSU und Freien Wählern nicht zumuten. Andere halten dagegen, dass es eben darum gehe, die Fähigsten an einen Tisch zu setzen - unabhängig vom Geschlecht.

Die CSU-Landtagsfraktion antwortete in einem Tweet, dass in wechselnder Besetzung verhandelt werde - und an anderen Tagen durchaus Frauen mit am Tisch säßen.

Nicht nur in der bayerischen Politik fehlen die Frauen

Doch wer sich umschaut in der deutschen Politik, der merkt schnell: Nicht nur bei den bayerischen Koalitionsverhandlungen fehlen die Frauen. Auch im frisch gewählten Landtag des Freistaats sind sie deutlich in der Minderzahl: Gerade einmal 27 Prozent der bayerischen Abgeordneten sind weiblich. In der letzten Legislaturperiode kratzten sie immerhin noch an der 30-Prozent-Marke.

Die Frauen, sie fehlen nicht nur, sie werden weniger.

Und auch im hessischen Landtag ist die Lage nicht viel besser: Im neuen Parlament, gewählt am vergangenen Wochenende, verschiebt sich das Geschlechterverhältnis zugunsten der Männer. Zwar sitzen insgesamt sogar mehr Frauen im Landtag als zuvor - 46 statt 40 - doch auch die Gesamtanzahl der Mitglieder hat sich erhöht. Auch in Hessen ist deshalb nur ein Drittel des Parlaments weiblich.

Selbst auf Bundesebene schrumpft der Anteil der Frauen in der Politik: Der deutsche Bundestag hat seit der letzten Wahl nur noch 218 weibliche Mitglieder, knappe 31 Prozent. In der vergangenen Legislaturperiode waren es immerhin noch 230.

"Die Situation ist so nicht hinnehmbar"

"Die Situation ist so nicht hinnehmbar", sagte Ulle Schauws, frauen- und kulturpolitische Sprecherin der Grünen. "Wenn sich wirklich etwas ändern soll, sind alle Parteien konsequent gefragt, Frauen per Quote gleichberechtigt aufzustellen." Besonders bei AfD und FDP sieht Schauws große Mängel.

Vor kurzem verordnete Kanzlerin Angela Merkel ihrer Partei mehr Frauen. Und das, obwohl die CDU bereits ein Frauenquorum hat. Es legt der Partei nahe, mindestens 30 Prozent der politischen Ämter mit Frauen zu besetzen.

Momentan erreicht die CDU diesen Schnitt nicht.

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