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Politik

Koch-Buch

Selbsthilfe für Konservative

Mit einem Buch liefert Hessens Ex-Ministerpräsident Koch seinen Beitrag zur ewigen Profildebatte in der CDU. Was ist konservativ? Angela Merkel fällt es leicht, das Werk zu loben. Denn ihr einstiger Rivale schont die Kanzlerin - und schließt eine Rückkehr kategorisch aus.

Foto: REUTERS
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Montag, 04.10.2010   16:32 Uhr

Berlin - Ganz zum Schluss wird , 52, doch noch einmal seinem Image gerecht: Es gebe kein Recht auf Widerstand gegen "Stuttgart 21", sagt er scharf, das umstrittene Bahnhofsprojekt sei nun mal demokratisch legitimiert. Genauso hat sich gerade erst Bahnchef Rüdiger Grube festgelegt und dafür harsche Kritik der Gegner des Umbaus eingehandelt. Das interessiert einen Roland Koch nicht. "Da bin ich aus voller Überzeugung konservativ", sagt er, "und da rate ich der Bevölkerung, auf die Konservativen zu hören."

Koch knallhart. Dafür lieben ihn seine Fans, dafür hassen ihn seine Gegner.

Zu diesem Zeitpunkt ist im Berliner Kulturkaufhaus Dussmann bereits eine gute Stunde vergangen. Koch sitzt auf einer sehr roten Bühne, neben ihm die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende, die "liebe Angela". Sie stellt an diesem Montagmorgen Roland Kochs neues Buch vor. "Konservativ", lautet der Titel, Unterzeile: "Ohne Werte und Prinzipien ist kein Staat zu machen."

Es erscheint in einer Zeit, in der die mal wieder mit sich selbst ringt, um den richtigen Kurs, darum, ob sich die Traditionalisten in der Partei noch zu Hause fühlen können. Man könnte auf die Idee kommen, dass es unangenehm wird für die CDU-Vorsitzende, wenn der Kronzeuge der Konservativen, der vor ein paar Monaten seinen Rückzug aus der Politik verkündet hat, nun sein "Abschiedsgeschenk und politisches Manifest zugleich" vorlegt.

"Intellektueller Überbau"

Aber wäre nicht hier, wenn sie nicht wüsste: Roland Koch, der einst als ihr ärgster interner Widersacher galt, ist schon lange milde geworden. Die klare Ansage in Sachen "Stuttgart 21" ist die Ausnahme, dazu eine, bei der die Kanzlerin ganz bei Koch ist. Es fällt ihr daher leicht, dessen Buch als "spannenden" Beitrag für einen "intellektuellen Überbau" des Konservatismus zu loben. Einen Konservatismus, der "lebensbejahend und gestaltend" sein wolle, nicht ablehnend. "Das gefällt mir ausgesprochen gut", sagt Merkel, die die destruktive Nörgelei der üblichen Verdächtigen schon lange nervt.

Zu denen gehörte Koch tatsächlich nie. Er hat zwar oft genug den Hardliner gegeben und so den rechten Flügel der Union beruhigt. Unterm Strich jedoch trug er Merkels Modernisierungskurs weitestgehend loyal mit. Sein Buch ist daher auch keine Abrechnung, sondern eine durchaus selbstkritische Auseinandersetzung mit der Frage: Was ist heute konservativ? Und welche Rolle sollte das Konservative in der Politik spielen?

Dass diese Rolle aus seiner Sicht derzeit zu klein ausfällt, dafür macht Koch nicht die Parteichefin verantwortlich. Merkel müsse mit der falschen Unterstellung leben, sie schätze das Konservative nicht, schreibt Koch schon im Vorwort. An der Konturlosigkeit konservativer Politik in der CDU aber hätten vielmehr die Konservativen selbst Schuld. Diese seien "nicht heimatlos, aber planlos", schreibt der Ex-Ministerpräsident, der sich selbst einen "konservativen Reformer" nennt. "Die Konservativen leben noch. Sie wissen nur nicht mehr so genau, warum." Sie müssten sich "eindeutiger und verständlicher, aber auch einfühlsamer und zukunftsgewandter" einbringen.

Koch will keinen Ausstieg vom Ausstieg

Sein Buch, sagt Koch am Montag mahnend, wende sich an all jene, die Angst davor hätten, sich selbst als konservativ zu bezeichnen, weil sie einen Nachteil befürchten. Konservative müssten endlich wieder mit einem "fröhlichen, selbstbewussten Gesicht" herumlaufen können. Koch blickt dabei ziemlich fröhlich und selbstbewusst. Die Kanzlerin assistiert: "Sie müssen nicht mit gesenktem Haupt und schlechter Laune durch die Welt gehen", sagt sie an die Adresse der Enttäuschten, "mit diesem Buch noch weniger".

Mit dem konservativen Fundament, das Koch in neun Kapiteln auf 220 Seiten legt, kann Merkel gut leben: mit seinem klaren Bekenntnis zu Ehe und Familie, mit seiner "Liebe zum eigenen Land"; mit seinem Ruf nach einer "deutschen Leitkultur", an der sich Migranten zu orientieren hätten; mit seiner Rechtfertigung staatlicher Hilfe für den in Schieflage geratenen Autobauer Opel, auch in der Marktwirtschaft; mit seiner Kritik an den Versäumnissen einer nachhaltigen Umweltpolitik.

Die Gefahr einer Partei rechts von der Union sieht Koch nicht - vorerst. Doch er mahnt: "CDU und CSU können eine rechts außen verortete Partei nur verhindern, wenn sie das konservative Element der politischen Debatte pflegen und offensiv benennen." Der Gemeinschaftssinn der Union sei derzeit "glücklicherweise" aber immer noch so groß, dass sich auch in den nächsten Jahren kein Politiker von nationaler Bedeutung "vor den rechten Karren spannen" ließe.

Das gilt natürlich auch für Roland Koch selbst. Trotzdem wird in Berlin gerade wieder über eine mögliche Rückkehr des Hessen in die aktive Politik getuschelt. In die der Union. Schließlich fällt Finanzminister Wolfgang Schäuble, 68, gerade wieder wegen eines Klinikaufenthalts für einige Wochen aus - und Koch gilt einmal mehr als erste Wahl, falls ein Nachfolger gesucht würde. Stünde er bereit? "Ich finde diese Diskussion angesichts der Lebensleistung und der Lage des Betroffenen unangemessen", betont Koch. Sein konservatives Wertgefühl sei es, sich Dinge im Leben gut zu überlegen. Und er habe sich gut überlegt, aus der Politik auszuscheiden. "Ich werde diese Entscheidung nicht korrigieren."

Angela Merkel wirkt da sehr entspannt neben Koch, so, als ob sie diese Klarstellung beruhigt.

insgesamt 29 Beiträge
Klo 04.10.2010
1. schon wieder
Schon wieder ein Pamphlet der Kategorie "Bücher, die die Welt nicht braucht". Wer liest eigentlich diesen ganzen Unsinn?
Zitat von sysopMit einem Buch liefert Hessens Ex-Ministerpräsident Koch seinen Beitrag zu ewigen Profildebatte in der CDU.*Was ist konservativ? Angela Merkel*fällt es* leicht, das Werk zu loben. Denn ihr einstiger Rivale schont die Kanzlerin - und schließt eine Rückkehr kategorisch aus. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,721078,00.html
Schon wieder ein Pamphlet der Kategorie "Bücher, die die Welt nicht braucht". Wer liest eigentlich diesen ganzen Unsinn?
Parzival v. d. Dräuen 04.10.2010
2. Eher ist der Mann kochservativ.
Koch ist kein Konservativer. Die Positionen, die er vertritt, vertritt er nur so lange, wie er einen Nutzen daraus ziehen kann. Ändert sich die Gemengelage, variiert er seine Überzeugungen bis es wieder passt. Das wäre fast so, [...]
Koch ist kein Konservativer. Die Positionen, die er vertritt, vertritt er nur so lange, wie er einen Nutzen daraus ziehen kann. Ändert sich die Gemengelage, variiert er seine Überzeugungen bis es wieder passt. Das wäre fast so, als ließe der Papst täglich abstimmen, wie das neue Testament zu verstehen sei.
Mr Bounz 04.10.2010
3. Kein Geld von mir.
Hallo zusammen, als Hesse der viel zu lange unter Koch leiden mußte bin ich doch etwas neugierig was der Herr so schreibt. Lügengeschichten über die eigene Aufrichtigkeit und seinen unbeirrbaren Weg den er ging, immer um das [...]
Hallo zusammen, als Hesse der viel zu lange unter Koch leiden mußte bin ich doch etwas neugierig was der Herr so schreibt. Lügengeschichten über die eigene Aufrichtigkeit und seinen unbeirrbaren Weg den er ging, immer um das beste für Hessen bemüht .... bla bla bla Es wäre wahrscheinlich eine Freude sein Buch gegen sein Leben und Schaffen zu halten und die ganzen Widersprüche und Lügen direkt zu markieren. Leider wird das von meiner Seite nicht geschehen können, denn jeder Cent den Herr Koch damit verdient wäre eine noch größere Geldverschwendung als sein Gehalt, Pension und was er sonnst noch so vom Land bekommt. Konservativ bis zum Rassismus wäre ein schöner Titel für ein Ehrliche Biografie dieses Demagogen!
buutzemann 04.10.2010
4. dass jemand wie koch über werte referiert,...
...ist der größte witz des jahrhunderts. allerdings ist mir nicht nach lachen zumute, sondern nach kotzen.
Zitat von sysopMit einem Buch liefert Hessens Ex-Ministerpräsident Koch seinen Beitrag zu ewigen Profildebatte in der CDU.*Was ist konservativ? Angela Merkel*fällt es* leicht, das Werk zu loben. Denn ihr einstiger Rivale schont die Kanzlerin - und schließt eine Rückkehr kategorisch aus. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,721078,00.html
...ist der größte witz des jahrhunderts. allerdings ist mir nicht nach lachen zumute, sondern nach kotzen.
archelys 04.10.2010
5. Koch und Kellner
Soll das Mahl famos gelingen und der Kellner Saures bringen, braucht man als Systemadept Hessens Rolandkochrezept.
Zitat von sysopMit einem Buch liefert Hessens Ex-Ministerpräsident Koch seinen Beitrag zu ewigen Profildebatte in der CDU.*Was ist konservativ? Angela Merkel*fällt es* leicht, das Werk zu loben. Denn ihr einstiger Rivale schont die Kanzlerin - und schließt eine Rückkehr kategorisch aus. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,721078,00.html
Soll das Mahl famos gelingen und der Kellner Saures bringen, braucht man als Systemadept Hessens Rolandkochrezept.
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