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Politik

Ministerpräsidentin Schwesig über Krebserkrankung

"Ich habe schon einige Kämpfe in meinem Leben geführt"

Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, hat ihre SPD-Parteiämter niedergelegt. Es sei ihr wichtig, von vornherein "offen und ehrlich" mit der Diagnose Brustkrebs umzugehen.

Foto: Jens Büttner/ DPA
Dienstag, 10.09.2019   16:31 Uhr

"Krebs ist nicht gleich Krebs", sagte Manuela Schwesig in einer Pressekonferenz, während der sie über ihre Krebserkrankung informierte. Die gute Nachricht für sie sei, dass ihre Krebserkrankung heilbar sei.

Zudem könne die medizinische Behandlung überwiegend ambulant durchgeführt werden. Als Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern könne sie aber nicht alle Termine wahrnehmen. "Deswegen habe ich meine Ministerinnen und Minister gebeten, mich an diesen Tagen zu vertreten. Sie haben mir alle Unterstützung zugesagt. Dafür bin ich sehr dankbar", sagte die 45-Jährige. Sie sei "sehr zuversichtlich", wieder gesund werden zu können. Deswegen habe sie sich entschieden, weiter das Amt der Ministerpräsidentin auszufüllen. Sie stehe in der Verantwortung für das Land Mecklenburg-Vorpommern.

Schwesig erinnerte daran, dass jährlich viele Frauen in Deutschland an Brustkrebs erkranken. Viele Frauen zeigten, dass diese schlimme Krankheit heilbar sei und dass man dagegen ankämpfen könne. "Ich habe schon einige Kämpfe in meinem Leben geführt. Ich werde auch diesen Kampf führen", sagte Schwesig. Sie bedankt sich für die große Anteilnahme. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich auch diese schwierige Situation meistern kann", sagte sie.

"Sehr, sehr erschüttert"

Ihre bisherigen kommissarischen SPD-Co-Vorsitzenden Malu Dreyer und Thorsten Schäfer-Gümbel äußerten sich in einer Pressekonferenz ebenfalls zu der Diagnose ihrer Kollegin. "Sie können sich vorstellen, dass uns das sehr, sehr erschüttert, diese Diagnose", sagte Dreyer. Es mache sie "total traurig". Es sei schlimm, dass sie jetzt mit dieser Krankheit umgehen muss. Sie wünschten ihr viel Kraft und Stärke, seien aber auch zuversichtlich. "Manuela Schwesig ist eine starke, eine wunderbare Frau, die mit ganzer Kraft mit dieser Erkrankung umgehen wird", sagte Dreyer. Sie hätten größtes Verständnis dafür, dass Schwesig nun Prioritäten setze müsse.

Schäfer-Gümbel dankte ihr für die " wirklich wunderbare Zusammenarbeit". Es sei eine besondere Zusammenarbeit gewesen, die auch Freude gemacht habe, trotz der großen Herausforderungen. "Wir haben in den letzten Monaten ein Fundament dafür gelegt, dass wir optimistisch für die SPD nach vorne schauen können", sagte er. Gerade die fröhliche Art von Manuela Schwesig habe erheblich dazu beigetragen. Es bleibe bei der kommissarischen Parteiführung der beiden.

Dreyer wird SPD ab Oktober vorübergehend allein führen

Ab Oktober wird Schäfer-Gümbel hauptamtlich zur Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) wechseln, er wird die Parteiführung ab diesem Zeitpunkt nur noch ehrenamtlich unterstützen. Malu Dreyer wird die Partei kommissarisch weiterführen, bis im Dezember auf einem Parteitag die offizielle Nachfolge von Andrea Nahles gewählt wird. Derzeit hält die Partei eine Reihe von Regionalkonferenzen ab, auf denen sich die Bewerber-Duos, die für den SPD-Vorsitz kandidieren, vorstellen. Auch ein Einzelbewerber ist im Rennen.

Schwesig hatte sich in den vergangenen zehn Jahren im Eilzugtempo in die erste Reihe der deutschen Politik vorgearbeitet. Nach nur vier Jahren als Stadtvertreterin in Schwerin wurde sie 2008 - gerade 34 Jahre alt - Sozialministerin Mecklenburg-Vorpommerns und 2013 dann Bundesfamilienministerin. Nach nur sechs Jahren Parteizugehörigkeit war sie 2009 als Hoffnungsträgerin der Ost-SPD Bundesvize ihrer Partei geworden. Im Sommer 2017 gab sie ihr Ministeramt in Berlin vorzeitig auf und übernahm vom damals an Krebs erkrankten Erwin Sellering (SPD) auf dessen Wunsch das Ministerpräsidenten-Amt.

Merkel wünscht Schwesig Genesung

Die Nachricht von Manuela Schwesigs Krebserkrankung macht mich betroffen", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert. "Ich habe mit ihr telefoniert und ihr von Herzen gewünscht, dass sie wieder ganz gesund wird, dazu Kraft und Zuversicht in dieser schwierigen Zeit."

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer meinte im Kurznachrichtendienst Twitter, die Nachricht von Schwesigs Erkrankung "hat uns alle aus dem politischen Alltag herausgerissen". Was jetzt zähle, sei ihre schnelle und vollständige Genesung. Kramp-Karrenbauer: "Liebe Manuela, ich wünsche Dir dazu ganz persönlich und im Namen der Mitglieder der CDU dazu alles Gute."

höh/dpa

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