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Politik
Mittwoch, 14.08.2019   05:31 Uhr

Die Lage am Mittwoch

Liebe Leserin, lieber Leser,

heute fährt sie los, mit dem Segelschiff über den Atlantik nach Amerika, wie einst die Wikinger oder Christoph Columbus. Jetzt Greta Thunberg. Zwei Profisegler begleiten sie. Klar, CO2-freundlicher geht es nicht. Aber irgendwie ist das auch daneben, denn Thunberg und ihre Eltern werden kaum annehmen, dass die Menschheit zurück zu den Windjammern strebt. Ihr Handeln ist hier nicht mehr vorbildhaft, sondern unerreichbar für den Normalsterblichen. Thunberg hat ein großes, wichtiges Anliegen, aber sie wird mehr und mehr zur entrückten Klimagöttin und damit nur noch zum PR-Ereignis.

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Heft 33/2019
S.O.S.
Wahnsinn Kreuzfahrt - die dunkle Seite des Traumurlaubs

Ich muss da an die Jungstars aus dem Sport oder dem Showbusiness denken, früh rausgerissen aus der normalen Entwicklung, mit Erwartungen überfrachtet. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie das ausgehen könnte, den Boris-Becker-Weg (Daniel-Küblböck-Weg) oder den Steffi-Graf-Weg (Jodie-Foster-Weg). Bombastisch scheitern oder sich irgendwann abschotten, um halbwegs ruhig leben zu können. Greta Thunberg ist ein Mädchen, keine Göttin des Klimaschutzes. Zumindest die Eltern sollten das im Auge behalten.

Notstand in Potsdam?

Michael Kappeler/ DPA

Mit den Vergleichen ist es allerdings so eine Sache. Derzeit erklären sich deutsche Kommunen gern zum Klimanotstandsgebiet. Mir fällt dazu unwillkürlich eine Bewegung aus der Spätphase des Kalten Kriegs ein, als sich viele deutsche Städte und Dörfer ähnlich pathetisch zur atomwaffenfreien Zone ausriefen. Allerdings wollten die Amerikaner dort überhaupt keine Atomraketen aufstellen. Das war ungefähr so, als würde ich hier und jetzt feierlich ausschließen, jemals eine Wahl zum Weltfußballer des Jahres anzunehmen. Zum Ausschluss gehört die Möglichkeit, sonst wirkt er albern.

Deshalb ist die Klimanotstandsbewegung durchaus sinnvoll. Kommunen können eine Menge für den Klimaschutz tun, nicht nur beim Verkehr. Heute wird der Stadtrat von Potsdam darüber beraten, ob man mitmacht.

Nachtschatten

Hannibal Hanschke/ REUTERS

Kann die AfD recht haben? Das ist eine Frage, mit der sich demnächst das Bundesverfassungsgericht befassen muss. Die AfD-Bundestagsfraktion wird heute auf einer Pressekonferenz in Berlin erläutern, warum sie dort eine Organklage einreichen wird.

Es geht um eine Begebenheit im Bundestag Ende Juni. Die AfD wollte zu später Stunde feststellen lassen, dass der Bundestag nicht beschlussfähig ist, weil weniger als die Hälfte seiner Mitglieder anwesend waren. Im Prinzip hatte die AfD recht, aber es ist gängige Praxis, trotzdem Beschlüsse zuzulassen.

Es ist nicht gewiss, wie diese Angelegenheit ausgeht. Aber eins kann man grundsätzlich anmerken. Wer nicht will, dass die AfD Recht bekommt, sollte sehr genau darauf achten, im Recht zu sein.

Wir seit '89

Mathias Bothor

An dieser Stelle möchte ich Ihnen noch eine Veranstaltung ans Herz legen. Kommende Woche, am Donnerstag den 22. August, startet unsere Reihe SPIEGEL-live in Dresden. Wir haben mit Christiane Paul einen sehr interessanten Gast auf der Bühne des Staatsschauspiels.

Sie ist in Ost-Berlin geboren, nach der Wende modelte sie, studierte Medizin und spielte parallel in zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen mit. Heute zählt die mit dem Emmy ausgezeichnete Schauspielerin zu den profiliertesten des Landes. Über das schnelle Ende der DDR sagt sie: "Es war für mich sehr ernüchternd." All die Möglichkeiten, über die zuvor noch diskutiert worden sei, "ein Land mit anderen Vorzeichen und anderen Werten, waren plötzlich weg."

Wir verlosen für diese Veranstaltung 3x2 Karten. Wenn Sie dabei sein wollen, schreiben Sie uns bis zum 20. August unter dem Betreff "Mauerfall" an info@spiegelgruppe-veranstaltungen.de

Das Kontingent ist begrenzt. Die Gewinner werden benachrichtigt. Unter der Reihe "Wir seit '89" können Sie hier auch einen wöchentlichen Newsletter abonnieren, der Ihnen am Ende jeder Woche die besten Beiträge zu den Themen Mauerfall und Landtagswahlen im Osten empfiehlt.

Gewinner des Tages...

AP

... ist Earvin Johnson Junior, stellvertretend für viele andere. Er wird heute 60 Jahre alt, und es gab eine Zeit, da hätte man nicht geglaubt, dass er das schaffen kann. 1991 schockierte Johnson, damals als "Magic Johnson" berühmt, die Welt damit, dass er HIV-positiv ist. Er war einer der besten Basketballspieler jener Zeit und aller Zeiten, unvergleichlich elegant und gewitzt. Er war augenscheinlich weder homosexuell noch drogenabhängig, und nun trug er dieses Virus in sich, von dem damals viele dachten, es sei nur für Homosexuelle und Drogenabhängige eine echte Gefahr. Und auf jeden Fall tödlich.

Aber Johnson lebt. So wie inzwischen, dank pharmazeutischer Entwicklungen, viele mit einer HIV-Infektion leben und alt werden können. Gleichwohl bleibt es eine ernste Gefahr für die Gesundheit, und Johnson hat sich nach dem Ende seiner Karriere bei den Los Angeles Lakers sehr dafür eingesetzt, diese Gefahr allen bewusst zu machen.

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Ich wünsche Ihnen einen schönen Start in den Tag.

Ihr Dirk Kurbjuweit

insgesamt 58 Beiträge
Mach999 14.08.2019
1. Nein, die AfD hatte nicht recht
Nein, die AfD hatte nicht recht. Die Geschäftsordnung sagt aus, dass es zwei Möglichkeiten gibt beschlussfähig zu sein, nämlich entweder durch ein einstimmiges Votum der Sitzungsleitung oder durch die Anwesenheit der Hälfte [...]
Nein, die AfD hatte nicht recht. Die Geschäftsordnung sagt aus, dass es zwei Möglichkeiten gibt beschlussfähig zu sein, nämlich entweder durch ein einstimmiges Votum der Sitzungsleitung oder durch die Anwesenheit der Hälfte der Abgeordneten. Es müssen nicht beide Bedingungen zutreffen. Hierdurch wird verhindert, dass das Parlament durch eine unwillige Sitzungsleitung einfach für beschlussunfähig erklärt werden kann. Das Grundgesetz verlangt im übrigen auch keine Mindestanzahl an anwesenden Abgeordneten. Das Parlament wäre allerdings gut beraten, sich eine Geschäftsordnung zu geben, die auch Normalsterbliche verstehen. An einigen Stellen ist das einfach zu verschwurbelt, und da keilt die AfD dann mit destruktivenm Aktionen rein.
hausfeen 14.08.2019
2. Was hat Greta Ihnen getan, dass Sie sie als PR-Mäuschen denunzieren?
PR-Agenturen und PR-Abteilungen huschen Ihnen doch jeden Tag mehrfach über den Weg, Herr Kollege. Haben Sie sich darüber eben so oft beschwert? Nein. Ihnen gefällt weder die Aussage der F4F-Bewegung noch deren Wucht oder [...]
PR-Agenturen und PR-Abteilungen huschen Ihnen doch jeden Tag mehrfach über den Weg, Herr Kollege. Haben Sie sich darüber eben so oft beschwert? Nein. Ihnen gefällt weder die Aussage der F4F-Bewegung noch deren Wucht oder Erfolg. Mittlerweile hat sie an Kraft und Bedeutsamkeit die Bewegung der 68er in den Schatten gestellt, die dagegen nur eine Schüttellähmung gegen den autoritären Charakter der Nachkriegszeit war. Wie man heute sieht, nur mit mäßigen Erfolg. Naja, die Position von Jan ist ja vakant.
daira 14.08.2019
3.
Ich stimme zu. Greta Thunbergs Lösung zum Klimaschutz muss man sich erstmal leisten können. Wir haben schließlich nicht alle reiche Sponsoren. Nicht nur segelt sie nach Amerika, nein es ist wohl geplant, dass sie dort auch [...]
Ich stimme zu. Greta Thunbergs Lösung zum Klimaschutz muss man sich erstmal leisten können. Wir haben schließlich nicht alle reiche Sponsoren. Nicht nur segelt sie nach Amerika, nein es ist wohl geplant, dass sie dort auch für Monate bleibt um dann vorbildlich mit dem Zug oder Bus nach Südamerika zum nächsten Gipfel zu fahren. Und die zeit dazwischen klingt verdächtig nach 'nem tollen Urlaub. Muss man sich erstmal leisten können. Also ich bekomme nicht so viel frei im Jahr, dass ich segeln könnte. Ich glaube man sollte endlich mal Lösungen anstreben ohne sie romantisch zu verklären. CO2 industriell wieder aus der Atmosphäre waschen z.B. Is zwar nicht so Hipp wie sich das viele Besserökos wünschen, aber wir haben das Zeug nun mal industriell freigesetzt, da hilft es nun mal nicht mehr ein paar Milliarden Bäume zu pflanzen.
ackermart 14.08.2019
4. Recht bekommen und recht haben
... stehen in keinem gerichtsfesten Zusammenhang, da 'recht haben' auch vor Gericht kleingeschrieben wird trotzdem man doch wenigstens in orthografischer Logik recht gleich wohl wie Recht hätte, das zu beklagen.
... stehen in keinem gerichtsfesten Zusammenhang, da 'recht haben' auch vor Gericht kleingeschrieben wird trotzdem man doch wenigstens in orthografischer Logik recht gleich wohl wie Recht hätte, das zu beklagen.
mkaccorhotel 14.08.2019
5. Danebengegriffen!
Einem jungen Mädchen, das gerade zu einer Seereise aufbricht, den "Daniel Küblbock Weg" vorauszusagen, ist so gedanken- wie geschmacklos. Schämen Sie sich!
Einem jungen Mädchen, das gerade zu einer Seereise aufbricht, den "Daniel Küblbock Weg" vorauszusagen, ist so gedanken- wie geschmacklos. Schämen Sie sich!
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