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Politik
Dienstag, 23.04.2019   05:59 Uhr

Die Lage am Dienstag

Liebe Leserin, lieber Leser,

heute wird Deutschland, vertreten durch Außenminister Heiko Maas, zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder eine Sitzung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen in New York leiten. Unter Moderation von Maas wird der Sicherheitsrat über das Thema "Sexuelle Gewalt in Konflikten" debattieren. Um dem Thema mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, hat sich Maas prominente Unterstützung geholt: die Schauspielerin und Uno-Botschafterin Angelina Jolie. Sie traf er bereits vor ein paar Wochen am Rande einer Uno-Vollversammlung, bei der auch Jolie gesprochen hatte. Jetzt verfassten beide gemeinsam einen Artikel in der "Washington Post".

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Heft 17/2019
Wer glaubt denn sowas?
Warum selbst Christen keinen Gott mehr brauchen

Dem Außenminister dürfte ein furchtbares Osterfest in den Knochen stecken: Am Gründonnerstag war er erst nach Madeira geflogen, um die überlebenden Opfer des Busunglücks zu besuchen und einen Kranz für die 29 toten Touristen aus Deutschland niederzulegen.

Am Ostersonntag kam dann die Nachricht der verheerenden Terroranschläge auf Kirchen und Hotels in Sri Lanka, bei denen fast 300 Menschen starben und mehr als 500 verletzt wurden. Auch wenn offenbar nur ein Deutscher unter den Toten war, sind Maas' Beamte in Berlin und Colombo im Dauereinsatz. Das Auswärtige Amt hat einen Krisenstab eingerichtet.

Unsere Kollegen Fritz Schaap und der Fotograf Christian Werner haben gestern Abend eine Reportage von vor Ort geschickt.

Wann ist eine Komikerin eine Komikerin?

Gisela Schober/About You GmbH/obs

Es war ein Osterfest, an dem sich Schrecken und Satire abwechselten. Wer das "soziale" Netzwerk Twitter nutzt, dem begegneten viele Personen, die sich weniger für Tod und Leid in Sri Lanka zu interessieren schienen als für die Frage, ob man eine Komikerin, die öffentlich erklärt, dass sie nicht als Komikerin bezeichnet werden will, trotzdem spöttisch so bezeichnen darf, wie es die Fernsehkritikerin von Spiegel Online gewagt hatte. Die Kritisierte fand den Text über die TV-Show der "About you Awards 2019" nicht komisch und prangerte die Fernsehkritikerin vor ihrer sehr großen Fangemeinde im Netz an - worauf sich eine digitale Wutwelle über die Autorin ergoss.

Es war eine dieser typischen, ätzend-sinnlosen Social-Media-Keilereien, die jenseits von Twitter keinen normalen Menschen interessieren und auf die im Angesicht von - nochmal - 290 Toten und 500 Verletzten niemand auch nur eine Sekunde seiner kostbaren Lebenszeit verschwenden sollte.

Die "PARTEI" und die Linke - in einer Liga?

PATRICK SEEGER/EPA-EFE/REX

Wenn es eine Lehre aus dieser Geschichte gibt, dann die, dass mit KomikerInnen eben nicht zu spaßen ist, schon gar nicht, wenn sie politisch aktiv sind. In Italien sitzt die einst von einem Clown gegründete "Fünf Sterne"-Partei bekanntlich in der Regierung, und in der Ukraine wurde gerade der Komiker Wolodymyr Selensky zum Präsidenten gewählt. Oh weh: "Ihn soll man nicht mehr Komiker nennen", warnt meine Kollegin Christina Hebel, unsere Moskau-Korrespondentin, in ihrer sehr lesenswerten Analyse.

Da kann es kein Zufall sein, dass die seriöse Nachrichtenagentur dpa den heute in Berlin stattfindenden Wahlkampfauftakt der Satirepartei Die PARTEI zur Europawahl ganz selbstverständlich in der Rubrik "Politik Deutschland" ankündigt - so wie den ebenfalls heute anstehenden Wahlkampfauftakt der Linken in Berlin. PARTEI-Chef Martin Sonneborn und Linken-Chef Bernd Riexinger spielen für die dpa in derselben Liga. Gut zu wissen. Hiermit wird davor gewarnt, PARTEI-Chef Sonneborn als Satiriker oder gar Komiker zu bezeichnen, vor allem auf Twitter.

Auch Manfred Weber, Spitzenkandidat von CDU und CSU zur Europawahl, beginnt übrigens heute offiziell seinen Wahlkampf mit einem Auftritt in Athen. Aber es käme doch wohl niemand auf die Idee, Weber komisch zu finden?

Strafprozess in Amberg - ein politischer Termin?

DPA

Überhaupt sollte sich die Medienwissenschaft dringend mit der Einordnung von Ereignissen in dpa-Themenvorschauen befassen: Ebenfalls in der Rubrik "Politik" wird für heute ein Strafprozess gegen vier Flüchtlinge vor dem Amtsgericht Amberg angekündigt. Die Männer, ein Iraner und drei Afghanen, hatten Ende 2018 in Amberg wahllos mehrere Passanten angegriffen und verletzt.

Ein wichtiger Termin, keine Frage, aber ein politischer? Zu meiner Praktikumszeit in einer Lokalredaktion des Bonner "Generalanzeiger" - von Komikern in meiner Branche schon damals völlig zu Unrecht als "Generalverschweiger" verspottet, ach, hätte es 1999 nur schon Twitter gegeben, da hätte ich meine Follower auf diese Spötter gehetzt! -, damals jedenfalls hätte man einen solchen Prozess wohl in die Kategorie "Vermischtes" oder "Panorama" eingeordnet. Doch spätestens seit Aufkommen der Satirepartei AfD sind Gewalttaten von Asylbewerbern eben ein Politikum.

Apropos AfD: Wer wie manche SPIEGEL-Redakteurin die Ostertage im wunderschönen Mecklenburg-Vorpommern verbracht hat, dem könnte aufgefallen sein, wie wenige ausländische Gesichter an der Promenade von Kühlungsborn oder am Strand des Ostseebades Rerik zu sehen sind. Keine Kopftücher, kein arabisches oder türkisches Wort, dafür viele blonde Kinder und braungebrannte Rentner, die keine Döner verspeisen, sondern Matjes. Sicherheitshalber hat die AfD trotzdem an vielen Dorfstraßen Plakate mit der Forderung "Heimat bewahren!" angebracht.

Das muss wohl auch eine Satireaktion sein.

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Ihre Melanie Amann

insgesamt 7 Beiträge
dasfred 23.04.2019
1. Vielleicht hat sich Frau Rützel geirrt
Offensichtlich ist Anissa Amani nicht einmal Komikerin. Ihre Reaktion zeigt zumindest keinerlei Humor und Selbstreflexion. Als Profi weiß sie allerdings, wie man im Netzt einen Shitstorm entfacht. Meine volle Unterstützung gilt [...]
Offensichtlich ist Anissa Amani nicht einmal Komikerin. Ihre Reaktion zeigt zumindest keinerlei Humor und Selbstreflexion. Als Profi weiß sie allerdings, wie man im Netzt einen Shitstorm entfacht. Meine volle Unterstützung gilt Anja Rützel. Möge sie sich bitte nicht von dieser "Komikerin" aus der Fassung bringen lassen. Übrigens, wenn ihr diese Bezeichnung nicht passt, sollte sie gleich Google verklagen. Sobald man Anissa eingibt, erscheint sofort Amani, Komikerin.
segelflueger34 23.04.2019
2. Was manche nicht begreifen....
Sehr geehrte Frau Amann! Ich bin dem überdrüssig, dass Journalisten aus ihrem politischem Spektrum es ins lächerliche ziehen wenn bestimmte Parteien dafür werben die Heimat zu bewahren. Die Menschen und besagte Partei in dem [...]
Sehr geehrte Frau Amann! Ich bin dem überdrüssig, dass Journalisten aus ihrem politischem Spektrum es ins lächerliche ziehen wenn bestimmte Parteien dafür werben die Heimat zu bewahren. Die Menschen und besagte Partei in dem genannten Bundesland, haben einfach nicht so viel Lust darauf, dass es bei Ihnen bald auch so aussieht wie in Gelsenkirchen. Ich finde es wirklich merkwürdig, dass so viele Journalisten dies nicht begreifen können, wobei es wohl eher eine Frage des Wollens ist..... Mit freundlichen Grüßen und Ihnen einen schönen Tag wünschend, Segelflieger34(Kein Ostdeutscher)
mirage122 23.04.2019
3. "Lesenswerte Analyse"?
Es ist ja schön, dass die SPON-Redakteure auf der Seite von ihrer Kollegin, Frau Hebel, stehen, allerdings kann von "lesenswert" ganz sicher nicht die Rede sein. Eine schlimme einseitige Berichterstattung - mehr ist [...]
Es ist ja schön, dass die SPON-Redakteure auf der Seite von ihrer Kollegin, Frau Hebel, stehen, allerdings kann von "lesenswert" ganz sicher nicht die Rede sein. Eine schlimme einseitige Berichterstattung - mehr ist dazu nicht zu sagen. Was unseren Außenminister angeht, ist er in der Regierung scheinbar der einzige, der wirklich immer sofort handelt, wenn es erforderlich ist. Und sein gemeinsamer Auftritt mit Angelina Jolie vor der UNO ist für beide ein besonderes Anliegen ohne Show-Effekt. Und Natalie Wörner muss sich diesbezüglich sicherlich keine Gedanken machen. Danke den Mitarbeitern im Außenministerium, die keine freien Ostertage genießen konnten, sondern sich um die aktuellen Krisen in der Welt gekümmert haben. Wo war Frau Merkel eigentlich?
Intelligenz? Wo? 23.04.2019
4. Selten einen schlechteren Artikel gelesen
Es gibt in ihrem ganzen Artikel zwei wissenswerte Informationen, das sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen trifft, und das ab heute die Parteien in den Europawahlkampf gehen. Das es solche Veranstaltungen wie den [...]
Es gibt in ihrem ganzen Artikel zwei wissenswerte Informationen, das sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen trifft, und das ab heute die Parteien in den Europawahlkampf gehen. Das es solche Veranstaltungen wie den "About you Award" überhaupt gibt, daran tragen die Medien nicht allein die Schuld, nein daran trägt Twitter Facebook und co. genauso Mitschuld. Aber man hätte dem ganzen, wie sie das selbst in ihrem Artikel so trefflich erwähnen, einfach auch keine kostbare Zeit schenken können. Aber nein, schon ihre Kollegin hat am Wochenende hat darüber berichtet (Ich fand ihren Artikel tatsächlich sehr amüsant). Das hätte eigentlich schon mehr als gereicht, den diesen unwichtigen Wichtigtuern gleich mehrmals eine Plattform zu bieten. Das ist doch das einzigste was diese Leute wollen und brauchen um weiter machen zu können. Sie hatten vermutlich das Bedürfnis ihre Kollegin zu verteidigen, dafür kann ich sogar Verständnis aufbringen. Ich habe zwar nichts von der digitalen Wutwelle über ihre Kollegin mitbekommen, aber in der heutigen Zeit, wo viele wieder ansichten haben wie im Mittelalter. Und damit meine ich alles Schwarz und Weiß zu sehen, und man nicht mehr anderer Meinung sein kann/darf ohne direkt angegangen zu werden. Verwundert es mich nicht im geringsten das ihre Kollegin für ihre Aussage der Komikerin gegenüber eine solche Reaktion geerntet hat, das tut mir nichts desto trotz ehrlich leid. Nun zurück zum eigentlichen Thema, sie benutzen dann diese kleine Geschichte mit dem "About You Award" als Spurwechsel von relativ Seriöser Politischer Berichterstattung (Maas und Sicherheitsrat). Hin zu spöttischer ja gar Anmaßender Berichterstattung , über andere Politische Vorkommnisse. Angefangen damit das sie sich über die dpa lustig machen, eine Agentur die sie selbst als zu gerne auf ihrer Seite als Quelle angeben (Was nichts anderes bedeutet als das sie den Artikel der dpa Kopieren und auf dieser Seite hier veröffentlichen). Dann machen sie sich noch darüber lustig das die dpa den Strafprozess in Amberg in der Rubrik Politik bringt, ja das ist tatsächlich ein Punkt, darüber kann man sich streiten. Aber heute wird alles Instrumentalisiert für die Politik. Und wenn man dann bedenkt das die 4 Angeklagten des Prozesses Flüchtlinge sind, naja da stehen ja AfD und co. bestimmt schon schlange um das für ihre Zwecke zu benutzen. Und dann machen sie den für mich größten Fehler im ganzen Artikel, sie versuchen sich darin einen schlechten Witz zu machen, indem sie sich wieder diese Komikerin vom "Whatever Award" krallen. Und begeben sich, ja ich würde soweit gehen zu sagen sogar noch unter ihr Niveau. Weil sie einen verkorksten Witz darüber machen das sie über Social Media auf andere hetzen würden, gehetzt hätten, hätte es die Möglichkeit gegeben. Und genau hier ist Rock bottom für ihren Artikel, hätte ich davor nicht schon Zweifel an ihrem Artikel gehabt. Spätestens nach diesem Satz hätte ich nochmal nach oben geschaut, im Browser, um mich zu vergewissern, das ich nicht aus irgendwelchen Gründen auf Bild.de gelandet bin.
bedireel 23.04.2019
5.
“Unsere Verantwortung endet nie!”, schrieb Herr Maas bei BILD und schickt nicht mal `nen Vertreter zur Eröffnung der US-Botschaft. Was für eine aufschneiderische “Regierung” wir doch haben. Denn weshalb man niemanden [...]
“Unsere Verantwortung endet nie!”, schrieb Herr Maas bei BILD und schickt nicht mal `nen Vertreter zur Eröffnung der US-Botschaft. Was für eine aufschneiderische “Regierung” wir doch haben. Denn weshalb man niemanden schickt, ist wohl auch klar. Das hiesige Empörungs- und Gewaltpotenzial derjenigen, die noch nicht so lange hier leben, hat man sehr wohl auf dem Schirm. Feine “Gäste” hat die böse Frau (aber nicht nur die) uns da ins Land geholt. Und so dämlich, dass man daraus nicht auch lernen könnte, ist nicht einmal “unsere” Regierung. Ergo ist es Absicht. Die linken Einfaltspinsel haben keine Ahnung, welchen “Verbündeten” man dort ins Land geholt hat, um unseren Nationalstaat zu schleifen und da ist man mit Massen und ca. 150 Schurkenstaaten in der UN in guter Gesellschaft. M.f.G.
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