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Politik

Ostdeutsche in Führung

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident lehnt Ost-Quote ab

Soll es für Spitzenämter in Wirtschaft und Verwaltung eine Quote geben? Noch ehe der Vorschlag so richtig diskutiert wird, wiegeln CDU-Politiker ab. Der Ostbeauftragte beklagte ein Jammer-Ossi-Image.

DPA

Straßenszene in Magdeburg 2011

Mittwoch, 20.02.2019   09:41 Uhr

In Führungspositionen in Behörden, Konzernen oder Unis sind Ostdeutsche auch 30 Jahre nach dem Mauerfall unterrepräsentiert. Ex-Linken-Chef Gregor Gysi forderte deshalb "eine strukturelle Lösung". Doch bevor klar ist, wie diese aussehen könnte, haben zahlreiche CDU-Politiker sich nun gegen mögliche Quotenregelungen ausgesprochen.

Er wünsche sich zwar mehr Sensibilität dafür, dass Ostdeutsche bundesweit in Spitzenfunktionen unterrepräsentiert seien, sagte nun etwa Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff der "Mitteldeutschen Zeitung" aus Halle. Eine Quote sei aber rechtlich problematisch.

Ostbeauftragter: SPD hat falschen Ansatz in neuen Ländern

Die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) hatten zuvor berichtet, dass die Präsidenten der 25 Obersten Gerichte in Ostdeutschland ausschließlich Westdeutsche sind. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch beklagte deshalb: "Wenn in Bayern alle Universitäts- und Gerichtspräsidenten-Posten von Ossis besetzt würden, dann würde es dort Volksaufstände geben." Eine Studie des Gütersloher Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) zeigte zudem, dass an den rund 80 öffentlichen Universitäten in Deutschland ebenfalls allein Westdeutsche an der Spitze stehen - egal ob in Ost oder West.

Auch der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte, positionierte sich in dem Streit. "Es hilft nicht, nur herumzujammern, dass die Ostdeutschen zu kurz gekommen sind und deshalb mehr Geld verteilt werden muss", sagte der CDU-Politiker der "Thüringer Allgemeinen" bereits am Wochenende. "Die Larmoyanz, welche die SPD vor sich herträgt, bestätigt nur das falsche Image des Jammer-Ossis und schadet uns als attraktivem Standort im Wettbewerb der Regionen."

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Reiner Haseloff

Er warf dem Koalitionspartner vor, dem Standort Ostdeutschland zu schaden. "Die SPD hat den falschen Ansatz für die Entwicklung in den neuen Ländern", sagte der CDU-Politiker. Eine Quote für Ostdeutsche in Führungspositionen lehnte er ab. Im Ergebnis könnten dann auch einzelne Bundesländer eine eigene Quote fordern, sagte Hirte dem Sender rbb. Es sei kein "Nachteil, aus den neuen Bundesländern zu sein".

Die Probleme liegen dem Ostbeauftragten zufolge woanders. Er warf den Sozialdemokraten in dem Interview am Wochenende vor, die Menschen in Ostdeutschland nicht zu verstehen. Die SPD könne "nur wenig mit den Themen ländlicher Raum und Landwirtschaft anfangen". Einer in ihren Spitzen weitgehend akademisierten Partei sei die Lebenswirklichkeit der dort lebenden Menschen fremd.

apr/AFP/dpa

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