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Politik

Große Koalition

Gabriel liebäugelt offenbar mit Finanzministerium

Die Sondierungen über eine GroKo haben noch nicht mal begonnen, doch Außenminister Sigmar Gabriel bekundet nach SPIEGEL-Informationen bereits Interesse, Finanzminister zu werden. "Fake News", sagt der SPD-Politiker dazu.

DPA

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD)

Samstag, 09.12.2017   07:13 Uhr

Am späten Freitagnachmittag ging auch Sigmar Gabriel noch ans Hallenmikrofon. Der geschäftsführende Außenminister, der auf dem SPD-Parteitag bis dahin sehr schweigsam gewesen war, wollte in der Debatte über die Flüchtlingspolitik einen eigenen Akzent setzen. Integration sei wichtig, aber die Politik müsse auch die Sorgen der Bevölkerung ernst nehmen, forderte Gabriel: "Sich um die kümmern, die kommen, und um die kümmern, die da sind: Das ist die doppelte Aufgabe."

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In diesen Tagen achten viele Sozialdemokraten darauf, wie der Niedersachse agiert. Er gilt als Befürworter einer Großen Koalition, und es ist kein Geheimnis, dass Gabriel gerne Minister bleiben würde. Das Außenamt macht ihm sichtlich Spaß. Doch offenbar könnte sich Gabriel auch vorstellen, ins Finanzministerium zu wechseln. Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, hat Gabriel kürzlich hochrangigen Sozialdemokraten mitgeteilt, dass er im Falle einer schwarz-roten Regierung Interesse hätte, Finanzminister zu werden. 2013 hatte er als damaliger Parteichef das Ressort nicht für die SPD beansprucht und stattdessen auf das Wirtschaftsministerium gesetzt. Intern gilt diese Entscheidung heute als Fehler.

Angesprochen auf seine Ambitionen, sagte Gabriel: "Typische Berliner Fake News, deren Urheber ja meist keinen Mut haben, ihren Namen zu nennen." Er beteilige sich "ganz sicher nicht an diesem Unsinn in einer Zeit, in der nicht mal klar ist, wer die nächste Regierung stellt".

Nach ihrem Parteitag will die SPD nun weiter ausloten, ob ein Bündnis mit CDU und CSU machbar ist. Parteichef Schulz hatte die Sozialdemokraten kürzlich dazu aufgerufen, vor den Gesprächen mit der Union keinesfalls über Posten und Ministerien zu reden. "Ich kann nur jedem raten, zum jetzigen Zeitpunkt nicht über die Vergabe von Ministerien für sich selbst oder an andere zu spekulieren oder spekulieren zu lassen", warnte er. Die SPD-Spitze will den Eindruck tunlichst vermeiden, der Gang in die Große Koalition sei bereits beschlossene Sache. Um Personalfragen dürfe es jetzt nicht gehen, heißt es. "In der Lage, in der die SPD ist, geht es nicht um Einzelinteressen", warnt auch Parteivize Thorsten Schäfer-Gümbel.

Auf dem Parteitag, der an diesem Samstag endet, versuchte die Partei auch, ihre dramatische Wahlniederlage aufzuarbeiten. Die Debatte zeigte, wie gespalten die SPD in der Frage der Großen Koalition ist. Viele der Redner warnten davor, dass ein Bündnis den Sozialdemokraten massiv schaden könne. Parteichef Schulz will am kommenden Mittwoch gemeinsam mit Fraktionschefin Andrea Nahles das nächste Gespräch mit der Kanzlerin und der CSU-Seite führen. Schulz wurde auf dem Parteitag mit rund 82 Prozent im Amt bestätigt.



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csc/vme

insgesamt 168 Beiträge
Mindbender 09.12.2017
1. ...
"Fake News" sagte er? Wenn das stimmt, macht ihn mir das umso unsypathischer. Trump-Parolen gehören in die USA.
"Fake News" sagte er? Wenn das stimmt, macht ihn mir das umso unsypathischer. Trump-Parolen gehören in die USA.
gsx1400 09.12.2017
2. Sie können alles?
Ich wundere mich schon! Vom Reise Siggi zum Kohle Siggi! Er ist sich für nichts zu schade wenn es darum geht sich lächerlich zu machen. Erst als Versager im Wirtschaftsministerium, dann als Schenkeonkel unterwegs und nun will [...]
Ich wundere mich schon! Vom Reise Siggi zum Kohle Siggi! Er ist sich für nichts zu schade wenn es darum geht sich lächerlich zu machen. Erst als Versager im Wirtschaftsministerium, dann als Schenkeonkel unterwegs und nun will er noch die Kohle zählen. Die sind doch sowas von geil auf Groko, denn Bürger interessiert diese Brut überhaupt nicht! Bitte lasst Neuwahlen folgen, größer kann das Unheil nicht mehr werden. Schönen Advent liebe Gemeinde
ahloui 09.12.2017
3. Bleibt zu hoffen,
dass er sich das noch einmal überlegt. Als Außenminister gefällt er vielen gut. Warum er jetzt plötzlich etwas anderes will, das er eigentlich gar nicht kann, erschließt sich mir nicht.
dass er sich das noch einmal überlegt. Als Außenminister gefällt er vielen gut. Warum er jetzt plötzlich etwas anderes will, das er eigentlich gar nicht kann, erschließt sich mir nicht.
räbbi 09.12.2017
4.
Clever, clever... geschickt die letzte Wahl umschifft und den aktuellen Posten als machtloser Grüßaugust sauber genutzt, bringt er sich langsam wieder in Stellung. Jetzt nur nicht gierig werden und die Karten überlegt [...]
Clever, clever... geschickt die letzte Wahl umschifft und den aktuellen Posten als machtloser Grüßaugust sauber genutzt, bringt er sich langsam wieder in Stellung. Jetzt nur nicht gierig werden und die Karten überlegt spielen, Sigmar.
Neapolitaner 09.12.2017
5. Als Finanzminister wirkmächtiger
Das Außenministerium gibt nicht den Einfluß her, den ein Finanzministerium verschafft. Zumal der Außenminister ja ebenfalls mit einem SPD-Minister besetzt werden könnte, mit Martin Schulz zum Beispiel. In der neuen [...]
Das Außenministerium gibt nicht den Einfluß her, den ein Finanzministerium verschafft. Zumal der Außenminister ja ebenfalls mit einem SPD-Minister besetzt werden könnte, mit Martin Schulz zum Beispiel. In der neuen Machtarithmetik würde sich erweisen, dass Merkel eben doch sehr geschwächt ist und - auf kalte Weise - die SPD die Regierung übernommen hätte. Trotz des schlechten Wahlausgangs. Um dann bei der nächsten Bundestagswahl einen Kantersieg einzufahren. Bei der CDU sollte man sich langsam zu fragen beginnen, welche Optionen eine Kanzlerin Merkel noch bietet (Nicht mehr viele)

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