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Politik

Bewerberinnen für Parteivorsitz

SPD-Herren auf Damensuche

Die Kandidatensuche für den SPD-Vorsitz kommt nicht vom Fleck: Viele Männer wollen den Posten - doch sie finden keine Frau für die gewünschte Teambewerbung.

Peter Endig/ ZB/ DPA

SPD sucht Chefgenossin: Die Suche gestaltet sich kompliziert

Von
Dienstag, 13.08.2019   17:35 Uhr

Es ist alles vorbereitet. Ab dem 4. September sollen die Kandidatinnen und Kandidaten für den SPD-Vorsitz durch Deutschland reisen und an der Basis für sich werben. 23 Regionalkonferenzen in 38 Tagen. Ein hartes Programm.

Doch noch immer ist kein politisches Schwergewicht der Sozialdemokraten offiziell ins Rennen eingestiegen. Kein Minister, kein Ministerpräsident, kein Mitglied der engeren Parteiführung. Prominenteste Kandidaten sind bislang Michael Roth, Staatsminister im Auswärtigen Amt, sowie Karl Lauterbach, SPD-Fraktionsvize im Bundestag.

Nach außen geben sich die Genossen gelassen: Die Bewerbungsfrist laufe ja noch bis zum 1. September, man habe doch noch reichlich Zeit.

Doch intern wächst der Druck.

Von Chaos und Ultimaten ist die Rede. Auch führende Sozialdemokraten, die bereits abgesagt haben, sollen ihre Entscheidung nun noch mal überdenken.

Der Hintergrund: Neben der Frage, wer die Partei künftig führt, geht es in den kommenden Wochen auch um die Zukunft der Koalition. Raus aus der GroKo oder nicht? Jene Genossen, die das Bündnis mit der Union fortsetzen möchten, brauchen noch eine zugkräftige Kandidatur.

Doch die Suche gestaltet sich kompliziert. Aus der Partei heißt es, dass es zwar gleich mehrere führende Männer gebe, die sich den Job des Vorsitzenden vorstellen können. Doch alle haben ein gemeinsames Problem: Sie finden keine Frau für eine Teambewerbung.

Die Partei will eine Doppelspitze

Und allein antreten? Das Verfahren lässt das prinzipiell zu. Doch derzeit traut sich kaum ein Spitzengenosse einen Alleingang. Denn die Partei hat sich recht klar festgelegt: Diesmal soll eine Doppelspitze her.

Doch wer? Die beiden Ministerpräsidentinnen Malu Dreyer und Manuela Schwesig haben gleich nach ihrer Nominierung als Interimschefinnnen abgewunken. Und Familienministerin Franziska Giffey? Scheint wegen der andauernden Prüfung ihrer Doktorarbeit auch eher keine Kandidatur anzustreben.

SPD-Verfahren für den Parteivorsitz

Der Zeitplan im Überblick:
1. Juli: Bewerbungen
Ab diesem Tag können Zweierteams oder Einzelbewerber ihre Kandidatur für den SPD-Vorsitz einreichen. Für eine Kandidatur benötigen sie die Unterstützung von mindestens fünf Unterbezirken, einem Bezirk oder einem Landesverband.
1. September: Regionalkonferenzen
Die Bewerbungsfrist endet. Die Kandidaten präsentieren sich danach in 23 Regionalkonferenzen der Basis. Fünf Wochen lang können sie bei den Mitgliedern für sich werben. Der Auftakt ist am 4. September in Saarbrücken, der Abschluss am 12. Oktober in München.
14. Oktober: Basisentscheid
Die rund 440.000 SPD-Mitglieder dürfen in einem Basisentscheid ihren Kandidaten oder ihr Kandidatenteam für die Parteispitze bestimmen.
26. Oktober: Ergebnis des Mitgliedervotums
Das Ergebnis des Mitgliederentscheids soll vorgestellt werden. Sollte kein Kandidat beziehungsweise kein Doppelteam über 50 Prozent der Stimmen erhalten, soll es einen Stichentscheid zwischen den beiden Erstplatzierten geben. Die Wahl ist rechtlich nicht bindend, politisch dürfte der Parteitag aber kaum am Votum der Mitglieder vorbeikommen.
6. bis 8. Dezember: Parteitag
In Berlin kommt der Bundesparteitag der SPD zusammen. Er soll den oder die Gewinner des Mitgliederentscheids formell an die SPD-Spitze wählen - und über die Halbzeitbilanz der Großen Koalition entscheiden.

So ergibt sich die Konstellation, dass derzeit gleich mehrere führende SPD-Männer zunehmend verzweifelt auf der Suche nach einer Partnerin sind:

Umgang mit Nahles wirkt nach

Woran liegt die fehlende Begeisterung bei den umworbenen Sozialdemokratinnen?

Zum einen dürfte abschrecken, mit welchem Tempo die SPD in den vergangenen Jahren ihr Führungspersonal zerschlissen hat. Jüngstes Beispiel ist Andrea Nahles: Gerade mal 13 Monate war sie im Amt, als erste Frau an der Spitze der Sozialdemokraten.

In ihrem ersten öffentlichen Auftritt seit dem Rücktritt machte Nahles am Montag klar, wie schwer ihre Partei es ihr gemacht hat: "Ich bin in die Vorstände und Präsidien gekommen, aber die Macht war ein flüchtiges Reh." Auch wenn es kaum Zirkel gegeben habe, in denen sie nicht war, seien es doch zu viele gewesen, so Nahles: "Die Jungs haben sich vor und nach dem Präsidium getroffen."

Bei allen Fehlern, die Nahles als SPD-Chefin gemacht hat: Der Umgang mit ihr, der zu einem abrupten Verzicht auf Partei- und Fraktionsvorsitz führte, wirkt nach.

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SPD-Kandidaten: Partei sucht Retter

Schon eine Bewerbung öffentlich zu bekunden, ist ein Risiko. Schließlich droht die Gefahr, nicht die nötige Unterstützung für eine Nominierung zu bekommen. Nun schrumpft diese Gefahr, wenn die Kandidatin mit einem prominenten Mann antritt. Doch daraus ergibt sich ein anderes Problem: ein mögliches Ungleichgewicht in der Doppelspitze.

Gerade die jüngeren Frauen, die derzeit gehandelt werden, möchten nicht als Frau an seiner Seite kandidieren, nicht als Anhängsel eines Mannes. Zweieinhalb Wochen bleiben möglichen Bewerbern noch, ihre Kandidatur zu verkünden. Immerhin das lässt sich konstatieren: Die SPD macht es spannend.



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insgesamt 66 Beiträge
oli69 13.08.2019
1. Dilemma
Welch Dilemma, viele Herren möchten, aber es findet sich keine Frau. Das zeigt ja nur die wie dämlich die Diskussion betreffend Frauen-Quoten ist. Statt die fähigsten auszuwählen muss eine Quotenfrau her, damit die Statistik [...]
Welch Dilemma, viele Herren möchten, aber es findet sich keine Frau. Das zeigt ja nur die wie dämlich die Diskussion betreffend Frauen-Quoten ist. Statt die fähigsten auszuwählen muss eine Quotenfrau her, damit die Statistik auch stimm.
skai 13.08.2019
2. Eine Lösung ohne Geschlechterdiskriminierung?
Mir fällt eine Lösung für das Dilemma ein. Aber Vorsicht vor dem Weiterlesen, die Lösung könnte manche Menschen schockieren und in ihren Grundwerten erschüttern: Wie wäre es, wenn man einfach nicht auf das Geschlecht [...]
Mir fällt eine Lösung für das Dilemma ein. Aber Vorsicht vor dem Weiterlesen, die Lösung könnte manche Menschen schockieren und in ihren Grundwerten erschüttern: Wie wäre es, wenn man einfach nicht auf das Geschlecht achtet und insofern eben auch nicht nach dem Geschlecht diskriminiert. Sondern einfach schaut, wer sich den Job vorstellen kann und wie geeiget er ist. Im Ergebnis können das dann nämlich auch zwei Männer sein. Für nicht-diskriminierende Mesnchen wären das dann einfach zwei Menschen. Mit oder ohne Zipfelchen, das ist doch egal.
regenwurm 13.08.2019
3. Nur zu meine Herren, Gesine Schwan ist nicht sehr wählerisch
das hat sie ja nun vielfach verkündet, dass sie gerne den Vorsitz machen will. Ihr Wunschkandidat Kevin Kühnert ist zwar ob des Altersunterschieds gleich zurückgeschreckt. Aber die anderen Herren auf verzweifelter Balz in der [...]
das hat sie ja nun vielfach verkündet, dass sie gerne den Vorsitz machen will. Ihr Wunschkandidat Kevin Kühnert ist zwar ob des Altersunterschieds gleich zurückgeschreckt. Aber die anderen Herren auf verzweifelter Balz in der Damenwahl sind da vielleicht etwas weniger selektiv. Mit Photoshop lässt sich sicher fürs Wahlplakat noch was machen. Diese spezielle politische Fachkompetenz der SPD wurde schon bei den Europawahlplakaten für Frau Barley eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
hanka-matho 13.08.2019
4. Ich höre
Zu wenig vom Engagement des Führungstrios vor Ort in den Wahlländern. Drei Bundesländer mit Wahl, drei Vorsitzende, die hier auftreten. Dann kann die SPD auch in Ruhe ihre neue Parteiführung aufbauen. Eigentlich dachte ich [...]
Zu wenig vom Engagement des Führungstrios vor Ort in den Wahlländern. Drei Bundesländer mit Wahl, drei Vorsitzende, die hier auftreten. Dann kann die SPD auch in Ruhe ihre neue Parteiführung aufbauen. Eigentlich dachte ich die SPD wäre soweit und kann auch ein gleichgeschlechtiges Team stellen, aber das klingt nicht so.
ayee 13.08.2019
5. Einfach eine zwingen zur Quotenerfüllung
Wieso zwingt man nicht einfach eine? Und auch schon wieder die Ausflüchte, nach denen sie einfach nicht die zweite Geige eines Mannes sein wollen. Wenn es eine Frau allein werden sollte, würden sie plötzlich alle [...]
Wieso zwingt man nicht einfach eine? Und auch schon wieder die Ausflüchte, nach denen sie einfach nicht die zweite Geige eines Mannes sein wollen. Wenn es eine Frau allein werden sollte, würden sie plötzlich alle hervorspringen? Nein, es bleibt festzuhalten, dass es durchaus Gründe gibt, weshalb mehr Männer in Spitzenpositionen sind. Die haben nichts mit Sexismus zu tun, sondern einfach damit, dass es wesentlich mehr Männer gibt, die sich ein Spitzenamt einfach antun, anstatt bequem in der zweiten Reihe darüber herum zu jammern, dass man ja keine Chance hat und alles so ungerecht ist. Anspruch und Wirklichkeit ist etwas, was bei der Genderdebatte oft hinten angestellt wird.

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