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Politik

SPIEGEL-Umfrage zum neuen SPD-Spitzenduo

Die Anhänger mögen die Anfänger

Das neue Führungsduo der Sozialdemokraten könnte die Große Koalition sprengen. Bei vielen Linken in und außerhalb der SPD kommt das gut an, wie eine neue SPIEGEL-Umfrage zeigt. Die Zustimmung hängt allerdings stark vom Alter ab.

Carsten Koall/ DPA

Neues SPD-Führungsduo Walter-Borjans und Esken beliebt: Wer hat's uns verraten? Sozialdemokraten!

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Montag, 02.12.2019   18:00 Uhr

Seit dem Mitgliederentscheid über die künftige SPD-Spitze ist die Unruhe bei den Sozialdemokraten groß. Die Basis hat sich in der Stichwahl überraschend für die Außenseiter Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken ausgesprochen - und damit gegen das Favoritenpaar Olaf Scholz und Klara Geywitz. Bei den Genossen stellen sich mit dem designierten Führungsduo nun viele Fragen. Die drängendste ist sicherlich: Was wird aus der Großen Koalition?

Darüber will die SPD am kommenden Wochenende bei ihrem Parteitag reden. Lehnt die Union die vom neuen Führungsduo geforderten Nachverhandlungen ab, droht der Bruch. Diese Option haben Walter-Borjans und Esken während des Auswahlprozesses mehrfach ins Spiel gebracht.

Linker, erkennbarer und näher an der Basis - diese Botschaft kommt bei den SPD-Anhängern offenbar an. Das zeigt auch eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für den SPIEGEL. Knapp zwei Drittel der SPD-Anhänger bewerten das neue Duo an der Parteispitze als positiv.

68 Prozent empfinden die Wahl der designierten Spitze als "sehr" oder "eher positiv". Nur knapp 20 Prozent sehen die Entscheidung dagegen negativ.

Mehrheitlich positiv wird die Entscheidung auch bei Anhängern der Linken aufgenommen. Überraschend ist das wegen der möglicherweise stärkeren Linksausrichtung der Partei nicht. Auch Oskar Lafontaine, der frühere SPD-Vorsitzende und heutige Linkenpolitiker, lobte die Wahl des Führungsduos und hofft bei der Partei auf eine Rückkehr zu den sozialdemokratischen Wurzeln. Im Lager der Grünen wird die Wahl ebenfalls eher begrüßt als abgelehnt.

Bei der Frage nach der Zukunft der Großen Koalition zeigt sich eine Spaltung in den Reihen der SPD-Anhänger. Etwa 40 Prozent sagen, sie glauben nicht, dass das Bündnis aus SPD und Union mit dem neuen Führungsduo noch lange bestehen wird. Beinahe genauso viele glauben jedoch auch, es könnte bis zum Ende der Legislatur halten.

Die Unions-Anhänger sind dagegen skeptischer. Hier glauben knapp 30 Prozent an einen Fortbestand.

In der Gesamtbevölkerung überwiegt die Skepsis gegenüber "Nowabo" und Esken. Etwa 45 Prozent sehen das designierte Führungsduo "sehr" oder "eher negativ". Knapp 20 Prozent haben keine klare Meinung, rund 35 Prozent stehen ihnen positiv gegenüber.

Interessant ist zudem, wie die verschiedenen Altersklassen die Wahlsieger bewerten. Im Trend könnte man sagen: Je jünger, desto positiver werden Walter-Borjans und Esken wahrgenommen. Mehr als die Hälfe der Befragten im Alter von 18 bis 29 Jahre sieht die neue Führung als "sehr" oder "eher positiv". Und das über alle Parteigrenzen hinweg. Das spiegelte sich auch bei der Stichwahl am Samstag wider. Besonders die Jusos unterstützten "Nowabo" und Esken.

Hingegen sind die älteren Befragten sehr kritisch eingestellt. Besonders deutlich wird das bei der Altersklasse ab 65, die zu mehr als 50 Prozent die beiden "eher" oder "sehr negativ" beurteilen.

insgesamt 147 Beiträge
Sonia 02.12.2019
1. Es geht nicht um Anfänger
m.E. vielmehr darum, dass die Mitglieder der SPD absolut die Nase von den Intrigen im Willi-Brandt-Haus voll haben, von denen des Seeheimer-Kreises und dessen Strippenzieher, der wohl eher Mitglied der CDU werden sollte und von [...]
m.E. vielmehr darum, dass die Mitglieder der SPD absolut die Nase von den Intrigen im Willi-Brandt-Haus voll haben, von denen des Seeheimer-Kreises und dessen Strippenzieher, der wohl eher Mitglied der CDU werden sollte und von einer SPD, die sich über die Jahre schon mit Schröder in eine Richtung entwickelte, die mit sozialdemokratischer Politik nichts mehr zu tun hatte. Bevor sie ihre Macht aufgeben, das vermute ich, werden sie auch diese demokratisch gewählte neue Spitze demontieren - sicherlich mit Hilfe der Medien.
Kurt Kraus 02.12.2019
2. Sollen sie die Groko in die Luft sprengen
Je eher Merkel wegkommt, desto eher hört die deutsche antieuropäische Politik auf. Wir müssen endlich Macron entgegenkommen, das ist wichtiger als alles andere und mit Sicherheit wichtiger als das Überleben der SPD.
Je eher Merkel wegkommt, desto eher hört die deutsche antieuropäische Politik auf. Wir müssen endlich Macron entgegenkommen, das ist wichtiger als alles andere und mit Sicherheit wichtiger als das Überleben der SPD.
pterodactylus 02.12.2019
3.
"Lehnt die Union die vom neuen Führungsduo geforderten Nachverhandlungen ab, droht der Bruch. " Das juckt ja wohl kaum mehr. Der Haushalt 2020 ist verabschiedet, dass es für das Wahljahr keine Blockade geben wird [...]
"Lehnt die Union die vom neuen Führungsduo geforderten Nachverhandlungen ab, droht der Bruch. " Das juckt ja wohl kaum mehr. Der Haushalt 2020 ist verabschiedet, dass es für das Wahljahr keine Blockade geben wird ist auch klar. Dann gibt es halt ne Minderheitsregierung. Und die SPD steht zusätzlich als Buhmann da, wenn irgendwas vor die Wand gefahren wird. Gratulation! Bauchentscheidungen sind übrigens nur für einen selbst gut. Im großen Kontext sind sie hervorragende Kontraindikatoren.
yvowald@freenet.de 02.12.2019
4. SPD hat keine wirkliche Alternative
Für die SPD gibt es keine Alternative. Mit einem SPD-Vorsitzenden Olaf Scholz wäre keine politische Änderung erreichbar. Also mußte die Partei versuchen, mit neuen Gesichtern zu punkten. Das heißt aber auch, daß diese neuen [...]
Für die SPD gibt es keine Alternative. Mit einem SPD-Vorsitzenden Olaf Scholz wäre keine politische Änderung erreichbar. Also mußte die Partei versuchen, mit neuen Gesichtern zu punkten. Das heißt aber auch, daß diese neuen Gesichter eine neue politische Richtung einschlagen müssen, um bestehen zu können. Oskar Lafontaine hat bereits die Eckpunkte benannt, die für eine "reformierte" SPD unverzichtbar sind. Ein Weiter-so nach der Art eines Gerhard Schröder darf es nicht geben; vielmehr sollte Gerhard Schröder quasi symbolisch aus der SPD ausgeschlossen werden. Zumindest sollte ein entsprechender Antrag gestellt werden. Dann wird Schröder - wie seinerzeit Wolfgang Clement - schon freiwillig die SPD verlassen, und das wäre gut so.
DerFreddy 02.12.2019
5. demnach ist die SPD eine Partei der Jusos ?
Mit dem Alter wird man weiße, doch die scheinen dem Führungsduo die Gefolgschaft zu verweigern. Bleiben noch die SPDler, die noch nie in die Kassen eingezahlt haben, aber schon über das Geldverteilen reden, dort gibt es eine [...]
Mit dem Alter wird man weiße, doch die scheinen dem Führungsduo die Gefolgschaft zu verweigern. Bleiben noch die SPDler, die noch nie in die Kassen eingezahlt haben, aber schon über das Geldverteilen reden, dort gibt es eine zarte Mehrheit. Unglaublich, dass dies noch die Partei von Schmidt und Schröder sein soll. Es wirkt auf mich, als hätte eine radikale NGO die SPD gekapert und fährt sie egoistischerweise gänzlich an die Wand. Zum Glück sind die Genossen schon lange nicht mehr ohne Alternative.

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