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Politik

Strategiespiel

Gründen Sie eine neue Partei - aber richtig!

Sie sind unzufrieden mit der Parteienlandschaft in Deutschland? Dann machen Sie es doch besser: Mit welchen Themen gewinnen Sie Wähler? Wie bleiben Sie beliebt? Testen Sie Ihr Gründertalent in unserem Strategiespiel.

DPA
Von
Mittwoch, 29.07.2015   11:51 Uhr

Die Piraten stiegen auf, enterten fast den Bundestag und finden heute kaum noch statt. Die AfD zog in zahlreiche Landtage - und zersplittert jetzt öffentlich. Doch wie gründet man eine neue Partei richtig? Wie bleibt sie relevant? Zeigen Sie in unserem Strategiespiel, was Sie als Parteigründer draufhaben. Treffen Sie eine Entscheidung und klicken Sie auf eine Antwort.

Sie sind extrem unzufrieden mit der Parteienlandschaft in Deutschland. Aus großem Frust heraus entschließen Sie sich, eine eigene Partei ins Leben zu rufen. Sie soll nicht nur möglichst schnell populär werden, sondern vor allem langfristig bestehen bleiben. Mit welchen Themen gewinnen Sie Wähler?
Ich setze mich für mehr Volksabstimmungen ein, wettere gegen die Europapolitik und warne vor der Lügenpresse.
Ich bin für einen höheren Mindestlohn, eine bessere Netzpolitik und mehr erneuerbare Energien.
Damit haben Sie auf jeden Fall einen Nerv bei vielen Bürgern getroffen. Dass es in Deutschland mehr Mitbestimmung gibt, wünscht sich eine große Masse an Wählern. Und auf Brüssel wird auch gern geschimpft. Doch nun müssen Sie erst einmal genügend Mitstreiter finden, die sich auch in Ihrer Partei engagieren. Sprechen Sie Meinungsführer an, die bereits in anderen Parteien aktiv waren, oder sind Sie der junge, hippe Parteigründer, der sich an die Netzgemeinde wendet und versucht, von der Basis aus zu mobilisieren?
Ich geh auf Nummer sicher und frage die alten Hasen.
Ich setze auf das Potenzial der Unerfahrenen.
Das sind Themen, die sozial und ökologisch eingestellte Bürger mit Affinität für digitale Herausforderungen ansprechen. Nun geht es darum, den Bekanntheitsgrad für Ihre neue Partei zu erhöhen. Wie gelingt es Ihnen in einem politikverdrossenen Land, Wähler zu mobilisieren, um einen Gründungsparteitag auf die Beine zu stellen?
Ich verteile Infobroschüren und Gummibärchen auf dem Marktplatz.
Ich suche mir professionelle Berater und eine Social-Media-Agentur.
Sie konnten ehemalige Unions- und FDP-Politiker für sich gewinnen, die nun als Ihre Berater fungieren. Außerdem erhöht die Prominenz das Interesse an ihren Plänen: Mehr als tausend Interessierte kommen zu Ihren ersten Veranstaltungen. Sie gründen die Partei, doch schon stehen Ihnen die ersten Landtagswahlen bevor. Was tun Sie, um die Fünfprozenthürde zu knacken?
Ich tingel über die Dörfer, besuche Sportvereine und Verbandstreffen - und kämpfe dort um jede einzelne Stimme.
Ich mache mit meinem Wohnmobil eine große Tour durch Deutschland und halte Reden auf möglichst vielen Großveranstaltungen.
Es hat funktioniert. Netzaktivisten und Verbände schließen sich Ihnen an. Auch in den Medien sind Sie stark präsent. Sie gründen die Partei. Doch von Beginn an gibt es Diskussionen. Sie haben zwar viele Frauen in der Partei, aber kaum weibliche Funktionäre. Innerparteilich werden Sie stark dafür kritisiert. Was tun Sie?
Meine Aussage dazu: Funktionär wird der, der gut ist - unabhängig vom Geschlecht.
Ich versuche die FDP-Vorzeigefrau Katja Suding für meine Partei zu gewinnen.
Eine gute Idee, um eine Zielgruppe „Ü60“ anzusprechen. Diese Generation macht schließlich einen Großteil der Bevölkerung aus. Sie können auf eine breite Basis zurückgreifen und gründen die Partei. Allerdings kommt es in den Landesverbänden zu Konflikten. Einige Vorstandsmitglieder streiten über die grundsätzliche Ausrichtung der Partei und drohen zurückzutreten. Was tun Sie?
Ich suche den Kontakt zu den Medien und versuche die Probleme herunterzuspielen. Auch intern suche ich das Gespräch.
Sollen sie doch austreten.
Gute Idee! Mithilfe der Profis gelingt es Ihnen, viele Mitstreiter zu finden. Sie gründen in einem per Livestream übertragenen und bei Twitter viel kommentierten Parteitag die Neuen Sozialen. Zahlreiche Politikexperten halten Ihre Ideen für interessant. Allerdings attestieren sie Ihnen mangelnde Kenntnisse in Finanzmarkt-, Außen- und Familienpolitik. Bleiben Sie bei Ihrem Profil?
Ich schreibe mir zumindest auch die Forderung nach Kita-Ausbau auf die Fahne.
Ich sitze das aus.
Bislang sind sich die Politikexperten uneinig darüber, wo Sie in der Parteienlandschaft zu verorten sind. Wie äußern Sie sich zu Ihrer politischen Ausrichtung?
Sie bezeichnen sich klar als konservativ, aber nicht rechtsgewandt
Ich lege mich zunächst nicht fest, das muss die Zukunft zeigen.
Ihre Taktik geht auf. Ihre Reden beeindrucken, Sie sind ein rhetorisches Ass. Das haben auch andere Parteien bemerkt. Ein ranghohes CDU-Mitglied versucht, Sie abzuwerben. Geld und ein attraktiver Posten werden Ihnen geboten: „Das regeln wir dann schon alles“, lockt man Sie. Wie entscheiden Sie sich? Für die Macht in einer Regierungspartei, oder leben Sie weiter Ihren Traum, mit einer neuen Partei etwas bewegen zu wollen?
Ich nehme den Deal an.
Ich gehe den Weg weiter mit meiner Protestpartei.
Das kommt nicht gut an. Innerhalb der Partei gründet sich ein Frauen-Netzwerk. Auch die Außenwahrnehmung der Partei scheint gefährdet zu sein. Sie sind zwar in drei Landesparlamenten vertreten, aber laut Umfragen sinken Ihre Chancen auf einen Einzug in den Bundestag gewaltig. Sie liegen nur noch bei drei Prozent. Was tun Sie?
Obwohl ich gegen die "Lügenpresse" bin, bitte ich die Redaktionen von Maybrit Illner, Anne Will und Markus Lanz um eine Einladung zur Sendung.
Ich kette mich mit mehreren meiner Anhänger vor der EU-Kommission an einem Laternenpfahl fest und wettere gegen die Politik von Chef Jean-Claude Juncker.
Sie bekommen eine Absage, trotzdem verstummt die Diskussion nach kurzer Zeit. Doch durchatmen können Sie nicht, denn die Finanzabteilung beichtet Ihnen Fehlkalkulationen. Sie stehen kurz vor der Pleite. Was tun Sie?
Ich probiere es mit einer Fundraising-Aktion.
Ich versuche Millionenspenden einzutreiben.
Das Aussitzen zahlt sich aus. Bei den Europawahlen gewinnen Sie mehrere Sitze im Parlament. Laut aktueller Umfragen wandern Wähler aus fast allen Richtungen zu Ihnen ab - es heißt aber auch, dass sich zunehmend Mitglieder aus der rechten Szene bei Ihnen einnisten. Die anderen Parteien wenden sich deshalb von Ihnen ab. Sie betonen, dass Sie kein potenzieller Koalitionspartner wären. Wie reagieren Sie?
Ich drohe rechten Mitgliedern mit Parteiausschluss!
Es handelt sich sicherlich um eine Intrige, ich warte ab.
Ein anderes Vorstandsmitglied ist besonders sauer und lässt sich die Situation nicht gefallen. Er fordert Sie zum Rücktritt auf. Knicken Sie ein, oder kämpfen Sie weiter?
Ich fordere den Querulanten auf, beim nächsten Parteitag gegen mich anzutreten.
Ich ziehe mich mit meinen Anhängern aus der Partei zurück und gründe eine neue.
Mit Ihrem breit aufgestellten Programm lullen Sie die Wähler prima ein. Außerdem sind Sie ein charismatischer Typ. Medien attestieren Ihnen beste Chancen für einen raschen Aufstieg. Auch große Unternehmen kommen auf Sie zu und sehen Sie in einer Vorstandsposition - das große Geld lockt. Wie verhalten Sie sich?
Ich habe die Partei auf eine solide Basis gestellt. Ich kann beruhigt abtreten.
Ich arbeite weiter an meiner politischen Laufbahn.
In Ihrer jungen Partei herrscht nun große Uneinigkeit. Grundsatzfrage: Wie richtet sich die Organisation in Zukunft aus? Darüber entsteht ein so heftiger Streit zwischen dem linken und dem rechten Flügel der Partei, dass der bevorstehende Parteitag kurzfristig abgesagt wird. Welche Strategie sprechen Sie nun mit Ihrer Presseabteilung ab?
Ich gebe einem bekannten Medium ein umfassendes Interview zur Lage der Partei.
Reden ist Silber - Schweigen ist Gold.
Ihre Gegenkandidatin hat es tatsächlich geschafft. Sie löst Sie als neue Vorsitzende ab. Wie reagieren Sie?
Ich trete in eine andere soziale Partei ein.
Ich schreibe ein Buch über die Anfänge einer Partei.
Eine deutliche Position gegen rechts - das kommt gut an! Wenn Sie es schaffen, eine moderne Partei zu werden, die junge Wähler anspricht, weniger Floskeln verwendet und klare Aussagen trifft, dann könnte eine erfolgreiche Zukunft vor Ihnen liegen.
Ich will nochmal spielen!
Sie haben sich nicht eindeutig gegen rechts positioniert. Sie werden von den Wählern und anderen Parteien dafür abgestraft. Ihre Partei löst sich wegen interner Diskussionen um die Ausrichtung auf.
Ich will nochmal spielen!
Sie sind wohl eher der Macht- und Karrieretyp. Sie haben es nicht geschafft, Ihre Partei auf eine breite Basis zu stellen. Ihre Nachfolger an der Parteispitze versuchen es nun zu richten und fühlen sich von Ihnen im Stich gelassen. Sie selbst hingegen werden Büroleiter für ein führendes Mitglied der Unionsfraktion im Bundestag.
Ich will nochmal spielen!
Sie haben den Karren vor die Wand gefahren. Die Mitglieder Ihrer rechtspopulistischen Partei waren zu unerfahren. Ihr Protestversuch wird von den Medien als „abstrus“ gewertet. Sie schaffen es nicht in den Bundestag und auch in kein Landesparlament. Die Frauen in Ihrer Partei gründen eine eigene feministische Partei. Ihr Verein löst sich auf.
Ich will nochmal spielen!
Sie haben eine große junge Wählerschaft mobilisiert und signalisiert, dass Sie Frauen fördern wollen. Auch beim Fundraising kommt allerhand Geld zusammen. Sie sind gerettet. Distanzieren Sie sich nun klar vom rechten Spektrum, könnte es aufwärts gehen mit Ihrer Partei.
Ich will nochmal spielen!
Ihre Partei bleibt langfristig bestehen, aber leider versacken Sie in der Nische einer Rentnerpartei. Außerdem handelt es sich nicht um eine Intrige, Sie hätten sich wesentlich deutlicher von den rechten Strömungen distanzieren müssen.
Ich will nochmal spielen!
Sie geben aber schnell auf. Als Vorsitzender einer Partei dürfen Sie nicht so schnell den Kopf in den Sand stecken und müssen kompromissbereiter sein. Vielleicht haben Sie mit der neuen Partei mehr Erfolg.
Ich will nochmal spielen!
In Ordnung, Sie haben sich für die Wirtschaft entschieden. Ihre Partei wird dadurch allerdings deutlich geschwächt, schließlich verliert sie eine prominente und anerkannte Führungspersönlichkeit. Trotzdem bleibt Ihre Partei langfristig bestehen und regiert als kleiner Koalitionspartner der SPD mit.
Ich will nochmal spielen!
Sie haben auf das große Geld (vorerst) verzichtet. Und es läuft weiter blendend. Ihre Partei ist thematisch breit aufgestellt, Sie haben eine große Wählerschaft. Sie leisten erfolgreiche Oppositionsarbeit in mehreren Landtagen und im Bundestag.
Ich will nochmal spielen!
Professionelle Berater zu engagieren ist keine schlechte Idee. Doch sich immer gleich mit allem an die Medien zu wenden, kann nach hinten losgehen. Sie bleiben eine Nischenpartei, die ständig mit internen Querelen zu tun hat. Ein richtiger Erfolg war die Parteigründung nicht. Bundesweit liegen Sie bei den Umfragewerten nur noch bei einem Prozent.
Ich will nochmal spielen!
Sie sitzen auch den Richtungsstreit aus. In den Medien spielen Ihre Konflikte bald keine Rolle mehr. Allerdings kann diese Taktik auch nach hinten losgehen. Sie müssen Ihr Profil schärfen und durch Kampagnen auffallen, nur so werden Sie auch langfristig erfolgreich sein.
Ich will nochmal spielen!
Sie haben den Wechsel zu einer Traditionspartei geschafft. Glückwunsch, aber so richtig rund läuft es dort auch nicht. Als Abgeordneter für den Landkreis Bitterfeld nimmt Sie niemand mehr richtig wahr. Ihre Partei löst sich später auf, weil die Querulanten keine inhaltliche Linie finden.
Ich will nochmal spielen!
Glückwunsch, Ihr Buch landet auf Platz 25 der SPIEGEL-Bestsellerliste - für eine Woche. Sie versuchen, es in zahlreichen Talkshows zu promoten, danach wird es ruhig um Sie. Ihre linkspopulistische Partei hat ebenfalls wenig Erfolg, da die Medien Ihr ganzes Konzept auseinandernehmen und die Wähler nach und nach abspringen.
Ich will nochmal spielen!

Bei dieser Anwendung handelt es sich um eine Strategiesimulation. Sie bildet nicht die tatsächlichen Ereignisse ab und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

insgesamt 40 Beiträge
cgmp.camp 29.07.2015
1. Ernsthaft?
Schon die erste Antwortmöglichkeit wird ad absurdum geführt. Die genannten Kombinationsmöglichkeiten sind absolut untauglich. Volksabstimmung + Hetze gegen Europapolitik + Warnung vor der Lügenpresse? --> "Herr Ober, [...]
Schon die erste Antwortmöglichkeit wird ad absurdum geführt. Die genannten Kombinationsmöglichkeiten sind absolut untauglich. Volksabstimmung + Hetze gegen Europapolitik + Warnung vor der Lügenpresse? --> "Herr Ober, ich hätte bitte gerne ein Steak, dazu einen neuen Mercedes und das gelbe Hemd."
richooo 29.07.2015
2. Schade
Leider viel zu viel polemik und zu wenige antwort möglichkeiten. Das geht auch besser lieber spiegel.
Leider viel zu viel polemik und zu wenige antwort möglichkeiten. Das geht auch besser lieber spiegel.
bluejuly 29.07.2015
3. Frei nach Homer Simpson:
Das war ganz nett....aber nicht toll.
Das war ganz nett....aber nicht toll.
otto_iii 29.07.2015
4. 461
Wie soll man denn mit der Forderung nach höherem Mindestlohn, besserer Netzpolitik (was auch immer das konkret bedeuten soll) und mehr erneuerbaren Energien eine Protestpartei gründen? Diese Positionen werden doch von Linken und [...]
Wie soll man denn mit der Forderung nach höherem Mindestlohn, besserer Netzpolitik (was auch immer das konkret bedeuten soll) und mehr erneuerbaren Energien eine Protestpartei gründen? Diese Positionen werden doch von Linken und Grünen bereits vollständig abgedeckt. Für eine weitere Partei mit dieser Ausrichtung ist kein Potential vorhanden.
bafibo 29.07.2015
5.
Viel zu offensichtlich, so einfach dürfte es kaum sein.
Viel zu offensichtlich, so einfach dürfte es kaum sein.

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