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Politik

Deutschland

Zahl der Asylbewerber aus der Türkei steigt deutlich

Offenbar fliehen immer mehr Türken aus ihrer Heimat und beantragen in Deutschland Asyl. Einem Medienbericht zufolge haben sich die Zahlen seit dem gescheiterten Putsch im Juli noch einmal erhöht.

DPA

Türkische Flagge im umkämpften Südosten des Landes

Freitag, 18.11.2016   14:18 Uhr

In Deutschland hat sich die Zahl der Asylsuchenden aus der Türkei einem Medienbericht zufolge deutlich erhöht: Von Januar bis Oktober hätten 4437 Menschen aus der Türkei einen entsprechenden Antrag gestellt, berichteten die Zeitungen der Funke Mediengruppe. Sie berufen sich dabei auf Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf).

Im gesamten Jahr 2015 waren es nur 1767 Menschen, 2014 lag die Zahl bei 1806 Menschen.

Besonders in den vergangenen Wochen habe das System zur Erstverteilung der Asylsuchenden eine stetige Zunahme registriert, heißt es in dem Bericht. Während in der ersten Jahreshälfte pro Monat nur rund 350 Flüchtlinge aus der Türkei registriert worden seien, waren es im August bereits 375 gewesen, im September 446 und im Oktober dann 485.

Mitte Juli hatten Teile des türkischen Militärs versucht, die Macht im Land zu übernehmen. Der Putsch scheiterte, seitdem geht Präsident Recep Tayyip Erdogan mit aller Härte gegen all jene vor, die er als Feinde betrachtet. Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass mehrere türkische Soldaten und ihre Familien aus dem Nato-Hauptquartier in Ramstein politisches Asyl in Deutschland beantragt haben.

Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Stephan Mayer, erwartet eigenen Angaben zufolge, dass auch künftig mehr Menschen aus der Türkei in Deutschland Asyl beantragen: "Wir müssen damit rechnen, dass die Zahl der Türken, die in Deutschland politisches Asyl suchen, noch weiter steigen wird", sagte der CSU-Politiker den Funke-Zeitungen.

"Wir lösen die Probleme in der Türkei aber nicht dadurch, dass wir alle regimekritischen Bürger einladen, bei uns Asyl zu beantragen", sagte Mayer. Diesen Gefallen dürfe Deutschland dem türkischen Präsidenten Erdogan nicht tun. "Denn genau das will er doch: dass die Opposition verschwindet."

aar/AFP/Reuters

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