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Politik

Vertriebenenstiftung

Ex-Beiratsmitglieder weisen Grütters Vorwürfe zurück

Im Streit über die Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" legen vier der zurückgetretenen Beiratsmitglieder nach: Bei der Wahl des neuen Direktors sei das Gremium nicht angemessen beteiligt gewesen, heißt es.

DPA

Kulturstaatsministerin Monika Grütters: "Immer wieder Turbulenzen"

Montag, 06.07.2015   20:22 Uhr

Die vier zurückgetretenen Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats der Bundesstiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" wehren sich gegen Vorwürfe von Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Die CDU-Politikerin hatte in einem Interview mit dem SPIEGEL gesagt, die Forscher würden mit ihrem Rückzug "Öl ins Feuer gießen".

Der wissenschaftliche Beirat sei keineswegs angemessen an der Wahl des neuen Stiftungsdirektors Winfrid Halder beteiligt gewesen, konterten die Wissenschaftler. Vielmehr habe der Bund der Vertriebenen mit seinen sechs Vertretern im Stiftungsrat erneut überproportional Einfluss ausgeübt. "Solange dieser Geburtsfehler nicht behoben ist, wird es in der Stiftung immer wieder zu Turbulenzen und Konflikten kommen."

Die Stellungnahme veröffentlichten die Wissenschaftler im Blog des polnischen Historikers Krzysztof Ruchniewicz. Dieser gehört ebenso zu den Unterzeichnern wie der frühere Vorsitzende Stefan Proebst.

Die seit Jahren umstrittene Stiftung soll eine Dauerausstellung zum Schicksal von Vertriebenen im 20. Jahrhundert erarbeiten. Nach der Wahl Halders zum neuen Direktor waren fünf Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats zurückgetreten. Sie vertreten die Auffassung, es habe qualifiziertere Kandidaten als den Düsseldorfer Historiker gegeben. Halder verfügt über einen guten Draht zur CDU. Grütters habe bei der "von Unions- und Vertriebenenvertretern dominierten Wahl" womöglich "eine Parteibrille" getragen, heißt es nun in dem Blogeintrag.

kev/dpa

insgesamt 6 Beiträge
bernard_bs 06.07.2015
1.
Frau Steinbach war zu alt, sonst wäre die Wahl aus Gründen der Ausgewogenheit wohl auf sie gefallen. Deutsche Geschichtsbewältigung in Reinkultur.
Frau Steinbach war zu alt, sonst wäre die Wahl aus Gründen der Ausgewogenheit wohl auf sie gefallen. Deutsche Geschichtsbewältigung in Reinkultur.
rathat 06.07.2015
2. Revanchismus
Um es mit den Worten des ebenfalls Heimatvertriebenen Dieter Hildebrand zu sagen: "Das merkwürdige an den deutschen Vertriebenen (aus den ehemaligen Ostgebieten, Anm. d. Red.) ist, dass es immer mehr werden." Wer sich [...]
Um es mit den Worten des ebenfalls Heimatvertriebenen Dieter Hildebrand zu sagen: "Das merkwürdige an den deutschen Vertriebenen (aus den ehemaligen Ostgebieten, Anm. d. Red.) ist, dass es immer mehr werden." Wer sich heutzutage mit Vertreibung beschäftigt, sollte Personengruppen in den Mittelpunkt stellen, die ohne eigenes Zutun ihrer Heimat beraubt wurden, und nicht solche, die 12 Jahre lang blind einem Verrückten hinterhergelaufen sind und maßgeblich an der systematischen Vernichtung von Millionen Menschen beteiligt waren. Doch mit der Ausstellung wollen sich Täter zu Opfern stilisieren. Ist halt nicht so toll, wenn auf die Frage nach seinen Vorfahren gefragt antworten muss: "Mein Opa/Vater war bei der SS bzw. hat auf seinem Gestüt Zwangsarbeiter ausgebeutet."
ostfale 07.07.2015
3. Wie?
Was soll wem dieser Zweisätzebeitrag sagen? Etwa, weil Frau Steinbach aus Altersgründen nicht gewählt wurde funktioniert die 'Deutsche Geschichtsbewältigung' nicht oder wie oder was? Im Übrigen sollten wir Deutschen unsere [...]
Was soll wem dieser Zweisätzebeitrag sagen? Etwa, weil Frau Steinbach aus Altersgründen nicht gewählt wurde funktioniert die 'Deutsche Geschichtsbewältigung' nicht oder wie oder was? Im Übrigen sollten wir Deutschen unsere Geschichte nicht 'bewältigen' sondern eher genauer studieren, damit wir aus ihr - und nicht nur aus 1933-1945- lernen und Konsequenzen für die Gegenwart ziehen können. Denn zweifelsfrei dürfte doch sein, daß ein Volk, das seine Geschichte nicht kennt, die Gegenwart nicht versteht und auch keine (gescheite) Zukunft hat.
drent 07.07.2015
4. Vertriebene?
Das waren doch Auswanderer, Umsiedler, Deserteure. Ganz mühsam haben dann nachrückende Polen, Tschechen diese elenden Gegenden zu blühenden Landschaften, schönen Städten gemacht, Kultur und Sitten eingeführt. Das ist die [...]
Das waren doch Auswanderer, Umsiedler, Deserteure. Ganz mühsam haben dann nachrückende Polen, Tschechen diese elenden Gegenden zu blühenden Landschaften, schönen Städten gemacht, Kultur und Sitten eingeführt. Das ist die wahre und einzig politisch korrekte Darstellung!
mundi 07.07.2015
5. Als (fast) Zeitzeuge kann ich berichten
Ich habe Schlesien und Pommern nach dem Krieg gesehen. Ganze Dörfer waren menschenleer bevor überhaupt dort eine Verwaltung installiert wurde. Die Polen, ihrer Ostgebiete beraubt, versuchten die aus Lemberg und Co [...]
Zitat von drentDas waren doch Auswanderer, Umsiedler, Deserteure. Ganz mühsam haben dann nachrückende Polen, Tschechen diese elenden Gegenden zu blühenden Landschaften, schönen Städten gemacht, Kultur und Sitten eingeführt. Das ist die wahre und einzig politisch korrekte Darstellung!
Ich habe Schlesien und Pommern nach dem Krieg gesehen. Ganze Dörfer waren menschenleer bevor überhaupt dort eine Verwaltung installiert wurde. Die Polen, ihrer Ostgebiete beraubt, versuchten die aus Lemberg und Co ausgesiedelten Landsleute irgendwo unterzubringen. Dem Geschenk der Allierten, die "wiedergewonnenen Gebiete", hatte man jahrelang nicht ganz getraut und daher dort kaum Aufbauarbeit geleistet. Die Restaurierungen begannen in Warschau und später in Danzig. Es wurden richtige Schmuckstücke. Die verbliebene deutsche Bevölkerung hatte die Wahl: als polnischstämmige Bürger zu bleiben, oder nach Deutschland zu ziehen. Wegen der schlechten Wirtschaftslage in Deutschland blieb man lieber in Polen. Denn in Polen gab es keine Probleme mit der Grundversorgung. Da war man eben polnischstämmig. Erst später, etwa 1956, sprach sich das Wirtschaftswunder der Westdeutschen auch in Polen rum. Jetzt entdeckten viele Polnischstämmige ihr Deutschtum und versuchten eilig, nach (West)Deutschland zu übersiedeln. Auch diese würden gerne von den Vertriebenenverbänden vereinnahmt und in ihre Statistik aufgenommen.

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