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Reise

Technikprobleme am Terminal

Airlines müssen Passagiere bei Flughafen-Panne nicht entschädigen

Ärgerlich ist es, aber Geld gibt es nicht: Fällt am Airport die Technik aus und Flüge verspäten sich, steht laut einem Urteil des Bundesgerichtshofs Passagieren keine Entschädigung durch die Airline zu.

Getty Images

Warten am Flughafen (Symbolbild)

Dienstag, 15.01.2019   13:45 Uhr

Klagen endgültig abgewiesen: Fluggesellschaften müssen keine Entschädigung für Flugverspätungen zahlen, wenn sie auf einem unvorhersehbaren Ausfall der Technik des Flughafenbetreibers beruhen. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden.

Ein plötzlicher, mehrstündiger Ausfall der Elektronik im Abfertigungsbereich des Flughafens ist laut des Senats ein außergewöhnliches Ereignis, das für die Airline nicht beherrschbar sei. Überwachung, Wartung und Reparatur derartiger Einrichtungen nicht würden nicht in ihren Verantwortungs- und Zuständigkeitsbereich fallen, urteilten die Richter. Deshalb sei das Unternehmen von Ausgleichszahlungen befreit.

Mit zwei Klagen wollten fünf Passagiere jeweils 600 Euro von British Airways erstreiten, die bei British Airways einen Flug von New York über London nach Stuttgart gebucht hatten. Weil auf dem John F. Kennedy-Flughafen in New York alle Computersysteme an den Abfertigungsschaltern des Terminals 7 ausfielen, verzögerte sich der Start.

Mit mehr als zweistündiger Verspätung landeten die Passagiere in London und verpassten deshalb den Weiterflug nach Stuttgart. Bis sie am Zielort ankamen, war die Verspätung auf neun Stunden angewachsen. Grundlage für die Forderung nach einer Ausgleichszahlungen ist die Fluggastrechte-Verordnung der EU, die ab einer Verspätung von drei Stunden je nach Entfernung gestaffelt Zahlungen von 250, 400 oder 600 Euro vorsieht.

British Airways lehnte eine Entschädigung ab und machte außergewöhnliche Umstände geltend. Die Computerprobleme hätten erst nach 13 Stunden behoben werden können, weil in dem Unternehmen, das die Telekommunikationsleistungen für den John F. Kennedy-Flughafen erbringt, gestreikt wurde.

Verband: EU sollte den Begriff der außergewöhnlichen Umstände präzisieren

Bereits das Landgericht Stuttgart hatte die Forderung der Passagiere auf Entschädigung abgelehnt. British Airways sei nicht verpflichtet, selbst Fachkräfte vorzuhalten, um das vom Flughafenbetreiber zur Verfügung gestellte Computersystem bei Störungen aufrechtzuerhalten. Die Airline habe zudem Maßnahmen ergriffen und durch zusätzliches Personal und manuelle Abfertigung Flugausfälle verhindert.

Diese Rechtsauffassung bestätigte der BGH jetzt in letzter Instanz und wies die Klagen der beiden Passagiere endgültig ab. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Matthias von Randow, begrüßte die Entscheidung. "Dass der BGH erneut zur Auslegung der Fluggastrechteverordnung angerufen wird, zeigt jedoch, dass die EU diese Verordnung und damit den Begriff der außergewöhnlichen Umstände präzisieren und die Verordnung unmissverständlich neu formulieren muss."

ele/Reuters/dpa

insgesamt 15 Beiträge
RalfBukowski 15.01.2019
1. Allein schon die Idee...
...in so einem Fall das Geld von der Airline haben zu wollen... Warum nicht von der Putzfirma? Oder dem Cateringunternehmen? Die Leute werden immer bekloppter.
...in so einem Fall das Geld von der Airline haben zu wollen... Warum nicht von der Putzfirma? Oder dem Cateringunternehmen? Die Leute werden immer bekloppter.
m.klagge 15.01.2019
2. Immerhin wäre es wohl gerecht,
wenn der Airportbetreiber genau so wie die von ihm abhängige Airlines behandelt würde. Also ggf auch gleichwertige Entschädigungen bei nicht erbrachter Leistung zahlen müsste.
wenn der Airportbetreiber genau so wie die von ihm abhängige Airlines behandelt würde. Also ggf auch gleichwertige Entschädigungen bei nicht erbrachter Leistung zahlen müsste.
franpet 15.01.2019
3.
Muss der Flughafenbetreiber bestimmt auch, kriegt halt die Airline und der Endkunde kriegt einfach nix, weil da wieder Vollprofis Gesetzte gemacht haben...
Zitat von m.klaggewenn der Airportbetreiber genau so wie die von ihm abhängige Airlines behandelt würde. Also ggf auch gleichwertige Entschädigungen bei nicht erbrachter Leistung zahlen müsste.
Muss der Flughafenbetreiber bestimmt auch, kriegt halt die Airline und der Endkunde kriegt einfach nix, weil da wieder Vollprofis Gesetzte gemacht haben...
gammoncrack 15.01.2019
4. Was mich extrem stört,
dass ein solcher Fall bis vor den BGH getrieben wird. Normalerweise müsste doch der gesunde Menschenverstand das Ergebnis voraussagen können. Leider wird hier die Rechtschutzversicherung Deckung gewährt haben. Vieles [...]
Zitat von RalfBukowski...in so einem Fall das Geld von der Airline haben zu wollen... Warum nicht von der Putzfirma? Oder dem Cateringunternehmen? Die Leute werden immer bekloppter.
dass ein solcher Fall bis vor den BGH getrieben wird. Normalerweise müsste doch der gesunde Menschenverstand das Ergebnis voraussagen können. Leider wird hier die Rechtschutzversicherung Deckung gewährt haben. Vieles spricht dafür, dass es sich um einen Verwandschafts- oder Freundeskreis handelt, denn die erste Verhandlung erfolgte vor dem Amtsgericht Nürtingen. Weitere Klagen an anderen Orten sind ja nicht bekannt. Ich würde es eigentlich begrüßen, wenn solche Kläger nicht nur die Prozesskosten zu tragen hätten, sondern zusätzlich wegen unnötiger Beanspruchung der Gerichte zusätzlich zur Kasse gebeten würden. Das ganze lief übringens durch drei Instanzen: Amtsgericht, Landgericht und BGH. Abenteuerlichst!
Pecaven 15.01.2019
5.
Warum schliessen die Airlines nicht eine Pannenversicherung ab, und erstatten dann den Reisenden ihr Geld. Eine Privatperson kann keine besonderen Umstaende wie Krankheit oder Stau angeben. Entweder man hat eine [...]
Warum schliessen die Airlines nicht eine Pannenversicherung ab, und erstatten dann den Reisenden ihr Geld. Eine Privatperson kann keine besonderen Umstaende wie Krankheit oder Stau angeben. Entweder man hat eine Reiseruecktrittversicherung, oder das Geld ist "futsch".

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