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Reise

Heli-Plattform, Golfplatz, Unterwasserkino

So pimpen Milliardäre ihre Superjacht

Speed, Luxus, cooles Design - manchen Superjacht-Eignern reicht das nicht: Um ihren Hobbys zu frönen, bestellen sie noch allerhand Extras dazu. Eine Auswahl der unglaublichsten Gimmicks.

Magazin BOOTE EXCLUSIV
Von "Boote Exclusiv"
Freitag, 10.05.2019   13:49 Uhr

Den Basketballplatz aufs Deck holte Larry Ellison bereits vor 20 Jahren mit dem Refit von "Enigma". Auf "Rising Sun" spielte Ellison sogar während der Fahrt und stellte dafür eigens einen Balljungen ein, der im Tender und mit Kescher bewaffnet über Bord gegangene Bälle einsammelte.

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"Joy": Ein ausfahrbares Bandensystem macht den Court an Bord zum Basketballkäfig

Auf "Joy" bleibt diese Position innerhalb der 19-köpfigen Crew unbesetzt; wann immer einem der zwölf Gäste nach ein paar Würfen ist, macht ein Bandensystem den Court zum Käfig und waghalsige Ball-über-Bord-Manöver überflüssig.

Direkten Zugang aus seinem Apartment auf dem Oberdeck hat der junge Eigner, der die 70 Meter bei Feadship orderte. Alternativ wird das zwölf Meter lange Vorschiff zur Badminton-Arena. Im Charterbetrieb legen die luftig-kantigen Bannenberg-&-Rowell-Linien für 600.000 US-Dollar die Woche ab.

"Gene Machine": Die Golf-Jacht mit dem mobilen 19. Loch

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Weites Feld: Der erste Ingenieur übt den perfekten Schwung

Mit der Bugspitze erkor die Crew dieser 55 Meter langen Amels 180 einen besonders prominenten Platz für das Abschlagtraining aus.

Auf dem Sundeck - ein sonst sehr beliebter Ort - befindet sich das Laboratorium für die Tochter des "Gene Machine"-Eigners Jonathan Rothberg. Der US-amerikanische Chemie-Ingenieur benannte seine Jacht nach den wegweisenden DNA-Sequenzierautomaten seines Unternehmens Ion Torrent.

Gefunden in

Auf dem Foto arbeitet der Erste Ingenieur Liam Quilter auf den Bahamas an seinem Schwung. Wer das schwimmende Green von FunAir verpasst, muss sich nicht mit grünen Gewissensbissen plagen: Ausschließlich Biobälle von AlbusGolf landen im Nass. Die Außenhülle der einen Euro teuren Bälle löst sich vollständig auf und legt nach 48 Stunden den Kern aus Fischfutter frei.

"Areti": Die Jacht mit dem schönsten Schwitzkasten

Tom Van Oossanen/Magazin BOOTE E

"Areti": Sportler können auf Rollentrainern oder im Dampfbad ins Schwitzen kommen

Radsport-Connaisseuren geht beim Anblick der sieben an der Wand hängenden Aero-Renner von Canyon sofort ein Licht auf. Sie ordnen das rot-schwarze Farbkonzept dem Tour-de-France-Team Katusha Alpecin zu.

Der Hauptsponsor, der nicht im Teamnamen, aber auf den Trikots prangt, ist der russische Gaskonzern Areti. Dessen Gründer rief das Radsportteam ins Leben und nahm vor zwei Jahren die nach PYC klassifizierten 85 Lürssen-Meter gleichen Namens entgegen.

Die in einer Vitrine (!) gehaltenen Helme und Trinkflaschen dienen nicht nur der Zurschaustellung; der Eigner, der selbst Rennrad-Olympionike war, begrüßt zuweilen Teile des 24-köpfigen Teams tatsächlich an Bord. Dann laufen auf dem Unterdeck die Rollentrainer sowie die Sauna und das Dampfbad des Spa-Bereichs heiß.

"Game Changer": Eine Tiefgarage für den Aerotender

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"Game Changer": Der Heli-Hangar hat einige Special Effects

Auf der 69,15 Meter langen Expeditionsjacht ist der Heli-Hangar nur eines von vielen Ausstattungsmerkmalen abseits der Norm. Auf dem voll zertifizierten Heliport landet ein Airbus H130 T2, auch unter rauen Bedingungen. Ehe der Aerotender abtauchen darf, muss er jedoch vom letzten Salzkristall befreit werden. Danach startet unter Deck das Auftanken, die Wartung und die Auswertung der 8K-Kamera unterhalb der Nase.

Unter dem Hangar befindet sich eine Trimax-fähige Tauchbasis, die ein Gemisch aus Sauerstoff, Stickstoff und Helium für technisches Tauchen in großen Tiefen bereitstellt. Die Crew verlascht mittschiffs einen Open-Tender, ein Landungsboot, ein Tauchboot von U-Boat Worx und einen Tauchroboter von Saab. Beide können in Tiefen von bis zu 1100 Metern vordringen.

"Elandess": Mit Neptun auf Augenhöhe

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Glasiger Blick auf der "Elandess": Meereskino an Bord

Den 74 Meter messenden A-&-R-Bau konzipierte der Eigner in enger Absprache mit der Werft und den Designern von Harrison Eidsgaard als Familienjacht, was ebenso die Bedürfnisse der Enkelkinder einschließt. Die Kleinen wollen oftmals die Unterwasserwelt beobachten, ohne selbst in die ungewohnte Dunkelheit abtauchen zu müssen.

In der zweireihigen „Neptune Lounge“ hinter dem neun Zentimeter dicken Glaslaminat aus zehn Schichten sind die eifrigen Meeresbeobachter jederzeit sicher, denn das ist mehr als stahläquivalent; die norddeutschen Glasexperten von GL Jachtverglasung simulierten für die Klassifizierungsgesellschaft den unwahrscheinlichen Fall einer Kollision, bei dem lediglich die ersten vier Scheiben zu Bruch gingen. Bei Dunkelheit schaltet die Crew Unterwasserbeleuchtung und Soundsystem ein. Auf die dritte Nutzungsvariante als Kino verzichtet der Eigner vorerst.

"Driftwood": Die Jacht als perfekter Wellensucher

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Besser als im Surfshop: Das Surfcenter an Bord der "Driftwood"

Der größte Traum eines jeden Surfers ist der Ritt auf der perfekten Welle. Ebensolche erlebt aber in der Regel nur, wer sich an Weltklasse-Spots gegen Heerscharen von Profis durchsetzt oder wer hohl brechende Wellen über lange Zeit ganz für sich allein hat oder mit seinen Freunden teilt.

Aus diesem Grund suchen Surfer auch mithilfe von Jachten nach abgelegenen Riffen, etwa vor Fidschi oder Barbados. Dorthin bringt "Driftwood" zwölf Personen für eine wöchentliche Charterrate von 275.000 US-Dollar.

Das Juwel der 55 Meter langen Amels 180 ist der Beachclub. Der hält einem schwimmenden Surfcenter gleich zwei Dutzend Surfboards für jede Wellenhöhe bereit, und die "Driftwood"-Crew besteht größtenteils aus erfahrenen Surfern. Ist der Ozean flach, kommen Seabobs, Jetboards oder Tauchequipment zum Einsatz. Oder es geht auf ausgiebige Erkundungstour mit dem Chaseboat, einer 19 Meter langen SACS Strider.

"Solandge": Kreative Jacuzzi-Deckelung an Bord

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"Solandge": Tanzrunde auf dem Sundeck

Der 85 Meter lange Lürssen-Bau im Øino-Styling erzielt mit vergleichsweise kleinen Mitteln die wohl größte Wirkung des Rankings. Auf dem vorderen Sundeck mutiert der mit Mosaiksteinen verzierte Whirlpool dank einer auf acht Edelstahlstangen montierten Platte zur Tanzfläche. Dann bezieht der DJ hinter der Bar sein Pult und versorgt die tanzlustige Meute mit Klängen aus der Dolby-Surround-Anlage. Bunte LEDs runden den Partyabend weit über der Wasseroberfläche ab. Die Gebrüder Jacuzzi, die Erfinder des sprudelnden Rundbeckens, hätten sicher nichts gegen die kreative Deckelung einzuwenden.

Steht den "Solandge"-Gästen der Sinn nach Entertainment, spannt die Crew eine rund sechs Quadratmeter große Leinwand auf und aktiviert den über der Bar sitzenden Beamer. Ziehen wiederum Regenwolken auf, wird der Film im Kino auf dem Tankdeck zu Ende geschaut. Für eine Million Euro genießen zwölf Personen eine Woche lang alle Annehmlichkeiten des "schwimmenden Spas". Wen es in der Zeit doch mal von Bord zieht, der steigt auf die elf und zehn Meter langen Tender, das Wakeboardboot oder die Jetskis.

"Serene": Badevergnügen im gläsernen Pool-Nock

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"Serene": Viele Nocks für die bessere Aussicht - und für das Jacuzzi

Die 2011 gelaunchten 134 Fincantieri-Meter stechen in vielfacher Hinsicht hervor. Star-Jachtdesigner Espen Øino war bei der Vergabe der Nocks ungewöhnlich spendierfreudig. Und wollte damit vielleicht auch eine Referenz in Richtung der kommerziell äußerst aktiven Fincantieri-Werft senden. Denn den vorderen Seitendecks entspringen gleich auf drei Ebenen überbordende Buchten, die seitlich der Brücke klassisch für Anlegemanöver, den Feuerschutz oder die Sichtnavigation genutzt werden.

Die hedonistische Nock-Nutzung eine Etage tiefer mögen nautische Hardliner hingegen als respektlos empfinden. Aus ovalen Jacuzzis neben seiner Oberdecksuite beobachtet der Eigner, wie der Helikopter vom Vordeck aus operiert, oder er gibt sich ausgedehnten Naturbetrachtungen hin. Um das einmalige Badevergnügen weit über dem 18,50 Meter breiten Rumpf noch spektakulärer zu gestalten, bestand der Eigner auf Poolböden aus Glas.

Dass der jetzige "Serene"-Eigner, Mohammed bin Salman, regelmäßig in den Genuss der Pool-Nock kommt, ist zu bezweifeln; der saudische Kronprinz soll primär aus Sicherheitsgründen viel Zeit an Bord verbringen und sich entsprechend bedeckt halten. Der Vorbesitzer hingegen nutzte den Siebendecker mit einem Helikopter, einer Tender-Armada inklusive Docking-Pool und einem Unterseeboot für weite Abenteuerreisen. Die oben gezeigte Aufnahme entstand im Norden Alaskas, wo 98 Prozent der Küste nicht betretbar sind, sich aber bestens vom Privatpool aus beobachten lassen.

"Anna": Trainingslager auf See beim Fußball-Clubboss

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Kunstrasenplatz: Doch, das hier ist ein Schiffsdeck

Die 110-Meter-Feadship, auf deren Vorschiff dieser 19 Meter lange Kunstrasenplatz steht, gehört dem Mehrheitseigner des AS Monaco, Dmitry Rybolovlev. Er erwarb 66,7 Prozent der Grimaldi-Anteile im Jahr 2011 für einen symbolischen Euro und führte den Fürstenclub mit seinem 300-Millionen-Investment innerhalb von fünf Jahren von der zweiten französischen Liga zum Titel in der Ligue 1.

Der 52-Jährige war derjenige, der das Da-Vinci-Gemälde "Salvator Mundi" von Christie's versteigern ließ. Ob der Oligarch seine Equipe als Meisterschaftsprämie an Bord begrüßen wird, bleibt abzuwarten. Das Zeug zum Profiplatz hätte das Games-Deck von Superjacht Tenders and Toys (SYTT) allemal. Die Eckpfeiler, die wie alle Stangen und Tore aus Prepreg-Karbon sind, werden jeweils über Violinblöcke gespannt und von Diagonalstützen gehalten. Die Banden bilden drei Meter hohe Netze aus Dyneema, die Taljenzüge so straff ziehen, dass sie Windgeschwindigkeiten von bis zu 30 Knoten standhalten.

Das SYTT-Team zertifizierte das Games-Deck für Bodychecks, in die drei Personen involviert sind. Aus den Ecken ragen LED-Scheinwerfer sechs Meter nach oben. Und auch das Spiel auf dem Kleinfeld findet unter den Großen immer mehr Anklang. Für "5-a-side football" (fünf gegen fünf) gibt es in Großbritannien eigene Ligen. Um Chancengleichheit zu wahren, sollten regelmäßig Seitenwechsel durchgeführt werden. Denn das Spielfeld ist am Bug nur 6,50 Meter und ganze 10,50 Meter breit auf der anderen Seite.

Der Text ist im Heft "Boote Exclusiv" Mai/Juni 2019 erschienen.

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