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Reise

Flughäfen im Check

Was Vielflieger glücklich macht

In Tokio geht nie Gepäck verloren, London-Heathrow ist ein Shoppingparadies: Über manche Airports geraten die Passagiere ins Schwärmen. Aber was genau macht einen Spitzenflughafen aus?

Changi Airport Group
Donnerstag, 12.01.2017   12:33 Uhr

Endlos lange Gänge, unbequeme Sitze in der Abflughalle, ewiges Warten an der Sicherheitsschleuse - Flughäfen können so anstrengend sein. Doch es gibt auch Airports, die Passagieren das Reisen erleichtern - und manch einem sogar Freude bereiten.

Das britische Luftfahrtinstitut Skytrax befragt jedes Jahr Millionen von Airline-Kunden, um die besten Airports der Welt zu ermitteln. 2016 lag zum wiederholten Mal der Airport Singapur-Changi ganz vorne, gefolgt von Seoul-Incheon in Südkorea. Dritter wurde der Flughafen München.

Fast 40 Aspekte fragt Skytrax in der Erhebung ab - angefangen von der Verkehrsanbindung des Airports bis hin zu den Sprachkenntnissen des Flughafenpersonals. Die Erhebung ist kleinteilig und stark auf Komfort und Service ausgelegt. Sie allein gibt damit noch keine Antwort darauf, was einen guten Flughafen ausmacht.

Bei der Bewertung, ob ein Airport was taugt oder nicht, zählen für viele Menschen andere Kriterien. Flughäfen erfüllen in erster Linie den Zweck, Reisende von dort aus an ihr Ziel zu befördern. Je mehr Orte von einem Airport aus angeflogen werden, desto besser. Die Anzahl der Destinationen habe natürlich Auswirkungen auf die Airport-Qualität, sagt Laura Frommberg, Vielfliegerin und Chefredakteurin der Fachzeitschrift "Aerotelegraph". "Im Zweifel entscheidet man sich für den Größeren."

Einen besonderen Vorteil haben Flughäfen, an denen Airlines eine Basis mit vielen Flugzeugen haben. Im Fachjargon werden sie "Hubs" genannt. Von dort aus fliegen die Airlines viele Ziele an. Damit wird der Flughafen zum Drehkreuz, das oft für Reisende nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu ihrem eigentlichen Ziel ist. Beispiele für Hubs sind etwa Zürich, die Basis von Swiss, oder London-Heathrow, die Basis von British Airways.

"Von London kann man fast überall hinfliegen", sagt Frommberg. Der Klassiker ist aber, mit Zwischenlandung in Heathrow weiter zu einem Flughafen in den USA zu fliegen. Vom Airport Hongkong geht es zu mehr als 40 Flughäfen in China, während Singapur ein typischer Stop-over ist, wenn es von Europa nach Australien geht.

Fotostrecke

Skytrax-Ranking 2016: Die besten Flughäfen der Welt

Durchreisende schätzen es, wenn sie sich die Wartezeit auf den nächsten Flug vertreiben können. Unterhaltung und gastronomische Angebote sind daher gefragt. In München gibt es das Airbräu, einen überdachten Biergarten mit eigener Brauerei. Hongkong bietet seinen Fluggästen ein Kino, im Terminal 5 von London-Heathrow gibt es mehr als 50 Geschäfte zum Shoppen.

Wellness, Kino und Dachterrasse

In Sachen Entertainment ganz vorne dabei ist Publikumsliebling Singapur-Changi. Hier gibt es unter anderem drei Spas, eine Dachterrasse mit über 100 Kaktusarten und zwei Kinos, die rund um die Uhr geöffnet haben. "Der Flughafen ist selbst zu einer Mini-Destination geworden", sagt Frommberg.

Viele Flugziele und ein bisschen Spaß sind aber noch lange nicht alles. Ein guter Airport muss auch funktionieren. Der Lufthansa-Kapitän Thomas Jahn fliegt seit 1989 und hat insgesamt schon fast drei Jahre seines Lebens in der Luft verbracht. Für ihn sind kurze Wege ein Qualitätsmerkmal, etwa "vom Check-in zu den Flugzeugen, aber ebenso beim Umsteigen." Außerdem sei Schnelligkeit wichtig: bei der Abfertigung, Pass- und Sicherheitskontrolle.

"Die Wartezeiten sollten gering sein", sagt auch Frommberg. In Zürich, ihrem Heimatflughafen, sei das zum Beispiel gut gelöst. "Die längste Wartezeit, die ich dort jemals an der Sicherheitskontrolle hatte, betrug 15 Minuten." Wenn Flughäfen schnell wachsen, auf die steigenden Passagierzahlen jedoch nicht vorbereitet sind und Personal oder schlichtweg Platz fehlt, gibt es da oft Probleme.

Kapitän Jahn sieht die Qualität von Flughäfen natürlich auch aus Pilotensicht. Er schätzt unter anderem unkomplizierte Anflugverfahren, gut markierte Rollwege sowie die Möglichkeit zu schnellem Be- und Entladen der Maschine.

Wo das Gepäck fast nie verschwindet

Besonders ärgerlich ist es, wenn nach einem Flug Koffer für Koffer auf dem Gepäckband vorbeiziehen - nur der eigene nicht. Dann müssen sich Reisende meist tagelang gedulden, bis der Koffer nachgeschickt wird. Wenn er überhaupt wieder auftaucht. Das Risiko, ohne Koffer zu landen, ist bei Abflügen von japanischen Airports am geringsten. An Flughäfen wie Tokio-Haneda, Osaka-Kansai oder Centrair in der Nähe von Nagoya gehe eigentlich nie Gepäck verloren, sagt Frommberg.

Neben praktischen Aspekten zählt für Frommberg bei Flughäfen noch etwas anderes: die Atmosphäre. Schmale, enge Gänge sorgen für Beklemmung statt Reiselust. Gerade ältere Flughäfen sind oft eher dunkel, als Beispiel nennt sie Berlin-Tegel.

Tageslicht ist bei der Planung neuer Terminals viel wichtiger geworden. Das Vorfeld und die Flugzeuge sind dort zu sehen. "Man muss hereinkommen und sich direkt wohl und in Reisestimmung versetzt fühlen", sagt sie. München etwa sei architektonisch gelungen. Der Airport vermittle ein Gefühl von Weite.

Kapitän Jahn schätzt an München unter anderem die Supermärkte in beiden Terminals. Klar ist wohl auch: Was einen Flughafen auszeichnet, ist extrem subjektiv.

Tom Nebe/dpa/jus

insgesamt 35 Beiträge
2cv 12.01.2017
1. Bin
...aber immer wieder verblüfft, wieviel man eigentlich als Vielflieger (und einer derjenigen, die ganz besonders die Erträge der Carrier und Airports finanzieren!) ertragen muss. Beispiele 1) Checkin: "Rimowa [...]
...aber immer wieder verblüfft, wieviel man eigentlich als Vielflieger (und einer derjenigen, die ganz besonders die Erträge der Carrier und Airports finanzieren!) ertragen muss. Beispiele 1) Checkin: "Rimowa Electronic Tag" - ein digitales Label am Koffer - leider ist die schnellere Gepäckabfertigung nicht möglich, trotz anderslautender Marketing-Versprechen. 2) "Zwangsbeglückung" durch Duty-Free-Shops, schlimmstes Beispiel ARN (Stockholm-Arlanda): einige Minuten längerer Fussweg als früher. Erinnert mich an IKEA wo es ebenso keinen Shortcut mehr gibt. 3) fehlende Steckdosen - an deutschen Flughäfen grosse Mangelware - wieso kann man nicht überall aus den Zwischendecken "Stromsäulen" installieren, wo Laptops, Tablets und Phones geladen werden können? 4) Verspätungs-Informations-Management: mangelhafte Kommunikation. Wieso kann Flightradar24 mir den eintreffenden Flieger anzeigen, mit dem ich später outbound unterwegs bin, aber das Anzeige-Board am Terminal nicht? So kann ich mir noch beim Warten ausrechnen, ob es noch möglich ist, die eine oder andere Arbeit / längeres Telefonat etc. vor Abflug durchzuführen. 5) Lage der Lounges - oftmals nicht zentral. 6) Nutzbarkeit der Lounges - nur Ausnahmen, aber keine Convenience. Ist eine bestimmte Buchungsklasse nicht erreicht: keine Nutzung der Lounge trotz FTL möglich. An ausländischen FLughafen in der Staralliance - keine Nutzung möglich. und und und... Fazit - man *erträgt* das Fliegen. Aber mit "Convenience" - und in dem Sinne Erleichterung bzw. Unterstützung meiner beruflichen Arbeit - hat das wirklich gar nichts mehr zu tun. Ich bin nicht aus Lust und Laune unterwegs...!
boingdil 12.01.2017
2. Viele der Bewertungskriterien sind für Vielflieger irrelevant
Das wichtigste Kriterium für mich: Zeit. Das beinhaltet auch die Länge der Wege. Was nützt mir ein architektonisch ansprechender Flughafen wie etwa Brüssel, wenn ich Kilometer zwischen Gate und Ein- bzw. Ausgang habe? Ein [...]
Das wichtigste Kriterium für mich: Zeit. Das beinhaltet auch die Länge der Wege. Was nützt mir ein architektonisch ansprechender Flughafen wie etwa Brüssel, wenn ich Kilometer zwischen Gate und Ein- bzw. Ausgang habe? Ein generelles Problem großer Flughäfen, die meist lieber elend lange Terminalgebäude bauen statt über intelligente Formen nachdenken. In der Hinsicht genial und gerade wegen der kurzen Wege meine zwei´europäischen Lieblingsflughäfen: Berlin Tegel (50 Meter zwischen Taxi und Flugzeug im Terminal A, ungeschlagen!) und London City (ebenfalls kurze Wege im Flughafen dazu sehr zentral, 30 Minuten nach der Landung bereits im Finanzdistrikt Canary Wharf). Auf überteuertes Shopping und Restaurants am Flughafen kann ich gerne verzichten. Da gehe ich sowieso nur in den seltenen Fällen rein, wenn ich mal zu viel Zeit auf dem Flughafen habe...
hermanngaul 12.01.2017
3. oh jetzt
kommen sie gleich wieder alle. Die Geschichtlein der ach so wichtigen Schlipsträger, dass sie so wenig Zeit haben und so unbeeindruckt von Flieger zu Termin hasten. Merkt euch mal: wenn ihr wirklich wichtig wärt, kämen die [...]
kommen sie gleich wieder alle. Die Geschichtlein der ach so wichtigen Schlipsträger, dass sie so wenig Zeit haben und so unbeeindruckt von Flieger zu Termin hasten. Merkt euch mal: wenn ihr wirklich wichtig wärt, kämen die Leute zu euch und nicht anders herum. Hihihi
marie02 12.01.2017
4. Airport-Berwertung
Fuer mich wäre ein Kriterium, ob es preiswert (oder kostenlos) Trinkwasser gibt, denn seitdem es nicht mehr erlaubt ist, Getränke durch die Sicherheitskontrolle zu bringen, sind sämtliche Laden- oder Kioskbesitzer auf [...]
Fuer mich wäre ein Kriterium, ob es preiswert (oder kostenlos) Trinkwasser gibt, denn seitdem es nicht mehr erlaubt ist, Getränke durch die Sicherheitskontrolle zu bringen, sind sämtliche Laden- oder Kioskbesitzer auf Flughäfen zu Halsabschneidern geworden - anders kann man das nicht ausdruecken, wenn ein halber Liter Wasser mehr als 3 Euro kostet.
rumpel84 12.01.2017
5.
Shopping, womöglich noch mit Umwegen durch denn Laden nervt einfach nur. München ist zwar ein toller Flughafen, nur leider mies an die Stadt angebunden
Shopping, womöglich noch mit Umwegen durch denn Laden nervt einfach nur. München ist zwar ein toller Flughafen, nur leider mies an die Stadt angebunden
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