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Reise

Raus aus Trumpistan

Wohin US-Amerikaner auswandern könnten

"Wenn Trump gewinnt, dann gehe ich": Vor den Wahlen in den USA war das keine seltene Drohung. Nach der Wahlnacht suchen nun wirklich viele bei Google nach Auswanderungszielen. Hier sind einige Vorschläge.

imago/ Westend61
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Donnerstag, 10.11.2016   05:01 Uhr

Im Stakkato der Nachrichten an dem Morgen, an dem Donald Trump wider Erwarten die US-Präsidentschaftswahl gewann, stachen immer wieder kleine, Erleichterung schaffende Pointen heraus.

Schon im Laufe der Nacht, erfuhren wir, waren Kanadas Webseite für Auswanderungsanträge kollabiert. Am frühen Morgen wurde das fast schon wieder konstruktive "Wie wandert man nach Kanada aus?" zur häufigsten Suchanfrage bei Google. Immerhin besser als "das Ende der Welt", das viele in den sozialen Netzwerken konstatierten.

Ist das Galgenhumor oder ernst gemeint? Und wäre es überhaupt möglich, dass Massen von US-Amerikanern außerhalb von Trumpistan Zuflucht suchen? Welche Länder kämen da überhaupt in Frage?

Kanada gehört definitiv dazu

Zurzeit ist der nördliche Nachbar Kanada auf Platz drei der bei US-Amerikanern beliebtesten Auswanderungsziele - da geht also noch was. Größere Populationen emigrierter US-Amerikaner gibt es nur noch auf den Philippinen und - man höre und staune - in Mexiko: Der von Trump und seinen Anhängern gern als Land der Kriminellen verfemte südliche Nachbar der USA ist das Sehnsuchtsziel Nummer eins für US-Auswanderer. Was nicht nur an Mexiko-stämmigen Rückkehrern liegt, sondern auch daran, dass selbst eine relativ karge Rente an Mexikos ewig warmen Stränden deutlich mehr wert ist als in den USA.

Kanada bietet sich qualifizierten US-Arbeitern dagegen als Ort an, an dem man ohne größere kulturelle Probleme ein neues Leben aufbauen kann. Schon Anfang 2016 hatten sich einige kanadische Gegenden, die sich nicht über zu hohen Populationsdruck beschweren können, den Scherz erlaubt, sich für den Fall der Fälle als Fluchtziel anzubieten.

Am Mittwochmorgen folgte beispielsweise das irische Eiland Inishturk diesem Beispiel: Die 53 Einwohner würden sich über Verstärkung freuen. Inishturk ist klein, bietet aber noch Platz. Mit 8,4 Einwohnern pro Quadratkilometer ist es halb so dicht besiedelt wie Finnland. Und für die ersten drei Monate bräuchten US-Amerikaner in Irland noch nicht einmal ein Visum.

Danach kommt es drauf an, wie grün die Wurzeln dieser Einwanderer sind. Viele Amerikaner reklamieren eine irische Herkunft, was eine Immigration erleichtern kann. Irland gilt noch immer als relativ einwanderungsfreundlich - aber in den Top Ten der Nationen, die Zuwanderung leicht machen, ist es schon seit Längerem nicht mehr.

Wer Geld hat, ist überall willkommen

Diese Top-Ziele, gemessen zum einen daran, wie viele US-Expats dort aktuell leben und zum anderen daran, wie leicht sie die Einwanderung machen, haben wir für Sie in einer Bildergalerie (Klicken Sie hier!) zusammengestellt. Darunter sind ökonomisch boomende Staaten, die Arbeitskräfte brauchen, und arme Länder, die sich über jeden freuen, der Geld hat. Denn über die genannten Länder hinaus gilt natürlich weiterhin: Wer massenhaft Geld mitbringt, ist überall willkommen.

Besser wäre es natürlich, wenn es zu gar keiner großen Flucht aus Trumpistan käme: Auch Niederlagen gehören zur demokratischen Kultur. Flucht schwächt diese nur, und in vier Jahren wird schließlich neu gewählt. Dann wird sich auch Donald Trump daran messen lassen müssen, ob ihm in der Zwischenzeit mehr als populistische Parolen eingefallen ist. Vielleicht macht das dann am Ende "America great again".

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