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Reise

EuGH zu Entschädigung

Schraube auf Landebahn ist "außergewöhnlicher Umstand"

Dreieinhalb Stunden Verspätung, weil eine Schraube im Flugzeugreifen steckte: Steht den Passagieren dafür eine Entschädigung zu? Der Europäische Gerichtshof hat dazu ein Urteil gefällt.

REUTERS

Flughafen von Dublin: Zwangsstopp wegen verirrter Schraube

Donnerstag, 04.04.2019   14:19 Uhr

Wenn eine Schraube auf der Landebahn zu Flugverspätungen führt, können die Passagiere nicht automatisch eine Entschädigung beanspruchen. Denn es handelt sich um einen "außergewöhnlichen Umstand", für den die Fluglinie zunächst nicht verantwortlich ist.

So entschied am Donnerstag der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg. Ein Entschädigungsanspruch bestehe daher nur dann, wenn die Fluglinie sich nicht ausreichend um Schadensbegrenzung bemüht hat.

Im Streitfall wurde nach der Landung einer Germanwings-Maschine in Dublin eine Schraube in einem der Reifen entdeckt. Vor dem Weiterflug nach Düsseldorf musste der Reifen ausgetauscht werden. Bei der Landung in Düsseldorf hatte der Flug deshalb dreieinhalb Stunden Verspätung.

Nach EU-Recht können Flugpassagiere ab drei Stunden Verspätung Anspruch auf eine sogenannte Ausgleichszahlung haben, in diesem Fall 250 Euro. Dieser Anspruch besteht allerdings nicht, wenn "außergewöhnliche Umstände" zu der Verspätung oder gar zum Ausfall des Fluges geführt haben und die Fluglinie die Verspätung daher nicht vermeiden konnte.

Ein solcher "außergewöhnlicher Umstand" liegt hier vor, urteilte nun der EuGH. Schäden durch Gegenstände auf der Start- oder Landebahn seien von der betroffenen Fluggesellschaft "nicht beherrschbar". Allerdings müssten die Fluglinien alles tun, um große Verspätungen durch solche Vorfälle zu vermeiden. So sei es auf den meisten Flughäfen möglich, Verträge über einen beschleunigten Service bei Reifenschäden abzuschließen.

Nach diesen Maßgaben muss nun das Landgericht Köln prüfen, ob Germanwings hier ausreichende Anstrengungen unternommen und in Dublin beispielsweise einen solchen Servicevertrag abgeschlossen hatte, um die Verspätung gering zu halten.

Europäischer Gerichtshof, Aktenzeichen Az: C-501/17

abl/dpa

insgesamt 5 Beiträge
Europa! 04.04.2019
1. Unsympathische Fluggäste
Das Anspruchsdenken rechtsschutzversicherter Billigflieger ist schon bemerkenswert. Ein kleiner Ausflug nach Dublin ist ja ganz schön, aber dann Stress zu machen und den Europäischen Gerichtshof wegen 250 Euro zu bemühen, weil [...]
Das Anspruchsdenken rechtsschutzversicherter Billigflieger ist schon bemerkenswert. Ein kleiner Ausflug nach Dublin ist ja ganz schön, aber dann Stress zu machen und den Europäischen Gerichtshof wegen 250 Euro zu bemühen, weil die Fluggesellschaft sich um die Sicherheit der Passagiere gekümmert hat, ist schon dreist.
DerBlicker 05.04.2019
2. Nicht nachvollziehbar
Eine Schraube auf der Landebahn ist Schlamperei des Flughafen, aber sicher keine höhere Gewalt. Korrekter Weise hätte der Flughafen in Dublin am Ende sehr wohl die Entschädigung zahlen müssen.
Eine Schraube auf der Landebahn ist Schlamperei des Flughafen, aber sicher keine höhere Gewalt. Korrekter Weise hätte der Flughafen in Dublin am Ende sehr wohl die Entschädigung zahlen müssen.
markus_wienken 05.04.2019
3.
In der Tat ist das Anspruchsdenken nicht nachzu vollziehen, nur weil Bürger versuchen Ihr gesetzlich verbrieftes Recht zu bekommen. Unerhört.
Zitat von Europa!Das Anspruchsdenken rechtsschutzversicherter Billigflieger ist schon bemerkenswert. Ein kleiner Ausflug nach Dublin ist ja ganz schön, aber dann Stress zu machen und den Europäischen Gerichtshof wegen 250 Euro zu bemühen, weil die Fluggesellschaft sich um die Sicherheit der Passagiere gekümmert hat, ist schon dreist.
In der Tat ist das Anspruchsdenken nicht nachzu vollziehen, nur weil Bürger versuchen Ihr gesetzlich verbrieftes Recht zu bekommen. Unerhört.
Gerdd 06.04.2019
4. Dreieinhalb Stunden ...
... für einen Reifenwechsel - das kann die Formel 1 schneller, selbst wenn man eine Safety-Car-Phase mit einplant, um die Strecke von etwaigen weiteren Schrauben zu befreien.
... für einen Reifenwechsel - das kann die Formel 1 schneller, selbst wenn man eine Safety-Car-Phase mit einplant, um die Strecke von etwaigen weiteren Schrauben zu befreien.
st2000 11.04.2019
5. Ersatzflieger im Hangar
Man kann Ersatzflieger geschickt in Europa stationieren, dann kann damit geflogen werden. Der verhinderte Flieger kommt stattdessen dann repariert in den Ersatzhangar. Sicher teuer, aber möglich. Also zumutbar. Die zumutbare [...]
Man kann Ersatzflieger geschickt in Europa stationieren, dann kann damit geflogen werden. Der verhinderte Flieger kommt stattdessen dann repariert in den Ersatzhangar. Sicher teuer, aber möglich. Also zumutbar. Die zumutbare Verspätung müsste demnach so kurz sein, wie die örtlich kürzeste aus allen theoretisch machbaren Maßnahmen, wobei Kostenbetrachtungen hierbei keine Rolle spielen dürfen. Denn einfach jede machbare Vorkehrung zu treffen, Verspätungen zu minimieren, ist ja implizite Pflicht laut Entschädigungsregeln und als im Preis abgedeckt zu betrachten. Auch wenn der nur 1€ ist: Die Airline kann ja verlangen, sowenig sie will, aber die Leistung ist zu erbringen. Fakeangebote können ja nicht noch geschützt werden.

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