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Reise

Flughafenverband zu Chaossommer im Luftverkehr

"Was dieses Jahr gelaufen ist, darf nicht Routine werden"

Der Flugverkehr in diesem Sommer war durch zahlreiche Verspätungen und Ausfälle gekennzeichnet. Der Präsident des Flughafenverbands ADV nennt die Ursachen - und fordert politische Unterstützung.

DPA

Stefan Schulte

Montag, 24.09.2018   10:19 Uhr

Im Kampf gegen Verspätungen und Ausfälle im wachsenden Luftverkehr dringen die Flughäfen auf mehr politischen Beistand. "An fast allen Flughäfen werden in den nächsten Jahren größere und kleinere Projekte zur Kapazitätssteigerung erforderlich sein", sagte Stefan Schulte, der Präsident des Flughafenverbands ADV, der Deutschen Presse-Agentur vor dem geplanten "Luftfahrt-Gipfel" im Oktober.

Selbst wenn nur neue Vorfeldpositionen geschaffen würden, seien Planfeststellungsverfahren erforderlich. Dafür bräuchten die Betreiber die Unterstützung der Politik. "Langfristig wird die Infrastruktur sicherlich ein Bottleneck werden", sagte der Chef der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) in Bezug auf Engpässe.

Schulte, der auch Chef des größten deutschen Flughafen-Betreibers Fraport in Frankfurt ist, beklagte den wachsenden Widerstand der Anwohner. Die Flughäfen setzten auf eine transparente und intensive Bürgerbeteiligung. "Zunehmend geht es aber um die Grundsatzfrage, inwieweit die Gesellschaft heute noch aufgeschlossen ist, auch Beeinträchtigungen, etwa beim Lärm, hinzunehmen."

Planungsverfahren müssten auch vereinfacht werden, forderte Schulte. "Die Verfahren sind hochkomplex und dauern lange. Die Flughäfen betreiben die Vorhaben im eigenen Risiko und gehen bei der Bürgerbeteiligung in die Vorleistung." Dabei könnten sie nicht sicher sein, dass sie die Vorhaben am Ende auch durchbekommen. "Das ist nicht gut für den Wirtschaftsstandort Deutschland."

Air-Berlin-Pleite und fehlende Fluglotsen als Gründe für Probleme

Nach zahlreichen Verspätungen und Flugausfällen im zurückliegenden Sommer trifft die Luftfahrtbranche am 5. Oktober in Hamburg mit Vertretern des Bundes und der Länder zusammen, um Lösungen zu finden. "Das, was dieses Jahr gelaufen ist, darf nicht Routine werden und wird sich nicht wiederholen", sagte Schulte.

Die Probleme führte er vor allem darauf zurück, dass Fluglotsen fehlten und dass die Fluglinien um die Kunden der insolventen Air Berlin rivalisierten. "Airlines waren natürlich versucht, maximal Marktanteile zu gewinnen. Nicht immer waren die Flugzeuge oder Crews rechtzeitig verfügbar."

Schneller könnte es aus Sicht der Flughäfen auch an der Sicherheitskontrolle gehen. Die Betreiber wollen die Kontrollen selbst organisieren, bislang macht das die Bundespolizei. Notwendig sei ein neuer Ablauf, sagte Schulte. "Mit mehr Flexibilität. Mit mehr Überholmöglichkeiten. Das ist schließlich keine Raketenwissenschaft." Das Bundesinnenministerium wolle jedoch erst ein Gutachten einholen - aus Sicht der Flughäfen ist das nicht nötig. "Ich glaube, es ist offensichtlich, wo die Schwächen und Verbesserungspotentiale liegen, und es wäre gut, wenn Entscheidungen getroffen werden."

In diesem Jahr müssen sich Reisende aber auch zu den Herbstferien noch auf lange Wartezeiten an den Flughäfen einstellen. So erwartet Fraport zum Ferienbeginn in Hessen am Freitag bis zu 230.000 Fluggäste pro Tag.

Passagiere sollten wegen möglicher langer Wartezeiten an den Personenkontrollen mindestens zweieinhalb Stunden vor Abflug am Check-in sein, hatte Fraport am Freitag mitgeteilt. Um Wartezeiten gering zu halten, sei es ratsam, möglichst wenig Handgepäck mitzunehmen. Auch ließen sich einige Dinge wie das Einchecken schon digital von zu Hause erledigen. An Deutschlands größtem Airport lagen die Pünktlichkeitswerte laut Schulte zuletzt zehn Prozentpunkte unter dem Vorjahresniveau.

kry/dpa

insgesamt 18 Beiträge
scsimodo 24.09.2018
1. Wie wär's mit...
Steuervorteil für Kerosin aufheben? Niemand muß zum shoppen für 20€ nach Barcelona fliegen, 3 mal Malle pro Jahr sind auch eher verzichtbar. Die ach so wichtigen "Business-Hopper" sind auch überflüssig, kaum jemand [...]
Steuervorteil für Kerosin aufheben? Niemand muß zum shoppen für 20€ nach Barcelona fliegen, 3 mal Malle pro Jahr sind auch eher verzichtbar. Die ach so wichtigen "Business-Hopper" sind auch überflüssig, kaum jemand MUSS zum Kunden von München nach Berlin fliegen. Im Jahre 2018 geht sowas mit Videokonferenzen und der neuen digitalen Welt. Kein Problem, in unserer Firma sind wir nur im Notfall (wenn es um ordentlich Geld geht) beim Kunden. Alles andere wird über das Internet vom Firmensitz aus gemacht. Klappt wunderbar...
Sibylle1969 24.09.2018
2.
Ich fliege regelmäßig ab Frankfurt und verlasse immer 2 Stunden vor Abflug das Haus (Ausnahme USA-Flüge, dann etwas früher) und betrete anderthalb Stunden vor Abflug das Terminal. Ich checke immer vorher online ein und gebe [...]
Ich fliege regelmäßig ab Frankfurt und verlasse immer 2 Stunden vor Abflug das Haus (Ausnahme USA-Flüge, dann etwas früher) und betrete anderthalb Stunden vor Abflug das Terminal. Ich checke immer vorher online ein und gebe meinen Koffer am Bag-Drop-Schalter ab. Dann begebe ich mich umgehend zur Sicherheitskontrolle. Als Handgepäck nur meine Handtasche und den Laptop. Länger als 20 Minuten habe ich am T1 nur sehr selten an der Security gewartet. In der Regel bin ich spätestens 45 Minuten vor dem Abflug und spätestens 15 Minuten vor dem Boarding am Gate. An Hauptreisetagen in den Schulferien muss man aber sicher etwas mehr zeitlichen Puffer einplanen.
SiegfriedBeckmann 24.09.2018
3. Zuviel Flugverkehr
Es ist ein Irrglaube, dass der Flugverkehr endlos weiter wachsen muss. Mehr Flugverkehr führt automatisch zu noch mehr Beeinträchtigungen von Anwohnern, die jetzt schon den zunehmenden Verkehr in den Flugschneisen mitbekommen. [...]
Es ist ein Irrglaube, dass der Flugverkehr endlos weiter wachsen muss. Mehr Flugverkehr führt automatisch zu noch mehr Beeinträchtigungen von Anwohnern, die jetzt schon den zunehmenden Verkehr in den Flugschneisen mitbekommen. Flughäfen wie Frankfurt sträuben sich ja auch, Anflugverfahren einzuführen, die dem entgegen wirken können. 60 km vom Flughafen entfernt müssen wir heute einen Lärm ertragen, wie es ihn vor 20 Jahren in Kelsterbach oder Mörfelden hatten. Wo soll denn das hinführen. Und warum muss der (internationale) Flugverkehr durch billiges Kerosin gestützt werden? Diese Entwicklung ist widersinnig.
lazlo.lebrun 24.09.2018
4. Die ADV hat es immer noch nicht begriffen...
Die BARIG fordert ganz klar ein Moratorium des Expansionswahns an deutsche Flughäfen. Die ADV wird immer noch das Gegenteil... Sie ist im Dumpingwahn der letzten Jahren stecken geblieben. Immer mehr, immer billiger, immer [...]
Die BARIG fordert ganz klar ein Moratorium des Expansionswahns an deutsche Flughäfen. Die ADV wird immer noch das Gegenteil... Sie ist im Dumpingwahn der letzten Jahren stecken geblieben. Immer mehr, immer billiger, immer waghalsiger, immer schlechter... Das Fliegen hat heute den Comfort der Schweinetransporte zum Schlachhof, nur etwas weniger zuverlässig! Es ist höchste Zeit, dass die gesamte Branche sich wieder fängt und wieder einer Qualitätsdienstleistung "Fliegen" zu einem angemessenen Preis anbietet, von denen auch sie und ihr Personal korrekt leben kann. Dann lösen sich die Probleme des zu eng gewordenen Luftraums von allein. Laszlo
ruediger 24.09.2018
5.
Statt Einkaufszentren zu bauen sollten Flughäfen versuchen die Zeiten und Wege am Boden (von Auto oder S-Bahn bis zjum Abflug) zu reduzieren. Es kann nicht sein, dass man länger am Boden benötigt als der gesamte Flug dauert. [...]
Statt Einkaufszentren zu bauen sollten Flughäfen versuchen die Zeiten und Wege am Boden (von Auto oder S-Bahn bis zjum Abflug) zu reduzieren. Es kann nicht sein, dass man länger am Boden benötigt als der gesamte Flug dauert. Dies ist derzeit bei einem Inlandsflug (insbesondree mit aufgegebenem Gepäck) häufig der Fall Tegel wäre aus Sicht eines Passgiers da ein ideales Vorbild. München, Frankfurt und Köln genau das Gegenteil.

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