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Reise

Tempo 300

Regierung plant drei weitere ICE-Schnellstrecken

Nicht nur auf einer neuen ICE-Strecke zwischen Bielefeld und Hannover sollen Fernzüge künftig mit 300 km/h fahren können. Der Bund plant drei weitere Hochgeschwindigkeitstrassen.

DPA

ICE bei Erfurt (Archivfoto)

Donnerstag, 21.03.2019   15:31 Uhr

Auf mehr Strecken als bisher sollen ICE-Züge künftig Tempo 300 fahren können: Neben der bereits angekündigten Schnellstrecke zwischen Bielefeld und Hannover plant der Bund drei weitere Hochgeschwindigkeitstrassen für Fernzüge: Diese sollen künftig auch zwischen Frankfurt am Main und Mannheim, Würzburg und Nürnberg sowie Hannover und Berlin "bis zu 300 Kilometer pro Stunde fahren können", sagte Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann (CDU) der "Wirtschaftswoche".

Hintergrund der neuen Strategie ist der sogenannte Deutschland-Takt, der ab 2030 den Fern- und Nahverkehr besser miteinander verbinden soll. Dafür müssten einige "neuralgische Strecken" beschleunigt werden, sagte Ferlemann dem Magazin.

So soll der Deutschland-Takt funktionieren: Züge fahren jede Stunde, in jede Richtung, zur selben Minute. Alle Fernzüge fahren in einem Takt von 60 oder 30 Minuten. Ziel ist, dass sich Reisende den Fahrplan so leichter merken können und dass er zuverlässiger und planbarer wird. Eine engere Verzahnung von Nah- und Fernverkehr soll zu kürzeren Fahrtzeiten führen.

Im Oktober 2018 hatte die Bundesregierung einen Entwurf für den Deutschland-Takt vorgestellt. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) begrüßte das Modell, weil der Fahrgast davon profitieren könnte. Gregor Kolbe vom VZBZ sagte aber auch, dass die Idee vielleicht in 10, 15 oder 20 Jahren funktionieren könne, wenn er heute auf den Weg gebracht werde. "Dafür braucht man viel Geld und einen langen Atem."

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sprach im Herbst vom "größten Projekt im Eisenbahnbereich seit der Bahnreform von 1994". "Gemeinsam wollen wir bis 2030 die Zahl der Fahrgäste verdoppeln."

Neue ICE-Strecke zwischen Bielefeld und Hannover

Staatssekretär Ferlemann hatte am Montag angekündigt, dass auf einer neuen ICE-Strecke zwischen Bielefeld und Hannover die Züge künftig mit einem Tempo 300 km/h fahren sollen. Die geplante Trasse ist im Bedarfsplan des Bundes für die Bundesschienenwege schon als vordringlich eingeplant.

Ein ICE soll nach Fertigstellung in weniger als vier Stunden von Berlin nach Köln fahren können. Bisher pendelt dieser stündlich zwischen Köln und Berlin und benötigt rund 4 Stunden und 40 Minuten.

Bevorzugt wird laut Ferlemann eine Trassenführung entlang der A2. In der Region, wo die neue Bahnstrecke verlaufen soll, formiert sich allerdings Protest gegen die Pläne. Sieben Kommunen von Porta Westfalica bis Seelze haben sich zusammengeschlossen und in einer "Nenndorfer Erklärung" vor wenigen Wochen eine Neubaustrecke fernab der bestehenden Strecke abgelehnt, die die Natur zerschneide und Wohngebiete beeinträchtige.

Möglichst weit weg solle die Bahn ihre Pläne verwirklichen und den Verkehr künftig über Soest, Paderborn, Kassel, Nordhausen, Halle/Leipzig Richtung Berlin lenken. Als eine denkbare Möglichkeit unter vielen tauchte diese Route zwar in der Vorbereitung des Bundesverkehrswegeplans auf, als chancenreicher Kandidat gilt sie aber nicht.

ECx und ein digitales Schienennetz

Als Vorbild für die neue Schnellstrecke zwischen Bielefeld und Hannover nannte Ferlemann die Ende 2017 in Betrieb gegangene neue ICE-Trasse von Berlin nach München. Auf der Verbindung verdoppelte die Bahn im ersten Jahr die Zahl ihrer Fahrgäste und löste das Flugzeug als meistgenutztes Verkehrsmittel ab. Die Fahrzeit sank dank der neuen Strecke von sechs auf vier Stunden in den schnellsten Zügen, den sogenannten Sprintern.

Fotostrecke

ECx: Ab 2023 im neuen Zug nach Amsterdam

Die Deutsche Bahn möchte insgesamt mehr Menschen für das Bahnfahren begeistern. Erst vor wenigen Tagen kündigte das Unternehmen mit dem ECx einen neuen Fernverkehrszug an, der ab Dezember 2023 auf der Strecke Berlin-Amsterdam fahren soll. Der ECx wird einen stufenlosen Einstieg haben und mehr Platz für Gepäck bieten. "Rollstuhlfahrer können künftig selbstständig an Bord kommen", sagte Bahnchef Richard Lutz. Außerdem gebe es in jedem Wagen WLAN.

Die Bahn befindet sich im Umbau - und dieser wird Milliarden kosten. Bis 2040 soll der deutsche Bahnverkehr vollständig digitalisiert sein: die Gleistechnik, die Stellwerke, die Lokomotiven. Das sogenannte European Train Control System (ETCS) soll Zügen unter anderem per Funk mitteilen können, wie schnell sie fahren dürfen oder ob sie anhalten müssen. Etwa 20 Jahre wird der Umbau des Streckennetzes dauern.

jus/AFP/dpa

insgesamt 125 Beiträge
Hans-Dampf 21.03.2019
1.
Investitionen in Infrastruktur sieht man heutzutage selten, von daher lautet mein Ergebnis: machen. Was ich mich aber dabei frage: sollen die Strecken für 300km/h trassiert werden oder es ermöglichen, Züge im Regelbetrieb bis [...]
Investitionen in Infrastruktur sieht man heutzutage selten, von daher lautet mein Ergebnis: machen. Was ich mich aber dabei frage: sollen die Strecken für 300km/h trassiert werden oder es ermöglichen, Züge im Regelbetrieb bis zu 300km/h zu fahren? Hintergrund: eine für X km/h trassierte Strecke wird im Regelbetrieb mit weniger Geschwindigkeit befahren. Eine Strecke, auf der regelmäßig 300km/h gefahren wird, muss für eine höhere Geschwindigkeit trassiert werden, um bspw. Zeit aufzuholen. Ein ICE 3 kann auf solchen Strecken Verzögerungen einholen, indem er ca. 320km/h fährt. Obendrein fährt der ICE 4 im Regelbetrieb maximal 250km/h, zum Zeit Aufholen bis ca. 270km/h. Da die alten ICEs, die über 300km/h schaffen, sukzessive ausgemustert werden, ist diese Planung doch nicht ganz richtig - es sei denn, die DB kauft bald wieder Züge, die über 300km/h fahren können.
chewbakka 21.03.2019
2. Ja, ne - schon klar ....
Autos weg, Bahn fördern aber doch bitte ohne neue Trassen - und wenn doch dann bitte irgendwo anders. Der Blick nach Japan lohnt sich - dort gibt es parallel zum 'normalen' Bahnnetz ein eigenes Netz NUR für die Shinkansen und [...]
Autos weg, Bahn fördern aber doch bitte ohne neue Trassen - und wenn doch dann bitte irgendwo anders. Der Blick nach Japan lohnt sich - dort gibt es parallel zum 'normalen' Bahnnetz ein eigenes Netz NUR für die Shinkansen und die verbinden Stadtzentren im 7 - 12 Minuten Takt mit Tempo 300 - 320. Das Angebot wird mit hoher Belegung (> 80%) angenommen, und jedem ist klar, daß dieser Komfort halt seinen Preis in Form von Flächenverbrrauch und Geräuschentwicklung hat ...... Was haben die berufsmäßigen Nein-Sage bei uns nicht verstanden?
Grummelchen321 21.03.2019
3. Wie
wäre es ersteinmal die vorhandenen Strecken auszubauen und zu modernisieren.Dazu noch den Nahverkehr ausbauen und modernisieren statt in teure Neubaustrecken für wenige zu inverstieren.
wäre es ersteinmal die vorhandenen Strecken auszubauen und zu modernisieren.Dazu noch den Nahverkehr ausbauen und modernisieren statt in teure Neubaustrecken für wenige zu inverstieren.
stelzerdd 21.03.2019
4. Schön wäre es....
...wenn man ähnliche Investitionen plante, um wieder Güterverkehr auf die Bahn zu bringen.
...wenn man ähnliche Investitionen plante, um wieder Güterverkehr auf die Bahn zu bringen.
Rossi-LSD 21.03.2019
5. Wow...
Wir fahren dann mit 300 km/h von Frankfurt nach Mannheim und halten dazwischen noch in Darmstadt. Deutschland ist mit der breiten Verteilung der Bevölkerung in der Fläche für solche Strecken ungeeignet. Besser wären mehr [...]
Wir fahren dann mit 300 km/h von Frankfurt nach Mannheim und halten dazwischen noch in Darmstadt. Deutschland ist mit der breiten Verteilung der Bevölkerung in der Fläche für solche Strecken ungeeignet. Besser wären mehr Sprinter mit weniger Halten und mehr Fuhrpark. In Frankreich sind die Strecken sinnvoll. Wer von Frankfurt nach Paris fährt, sieht das sehr gut. Abgesehen von Metz ist da nur Landschaft mit dünner Besiedlung. Metz sieht er aber auch nicht, da die Franzosen fan Bypässe bauen und um solche Bremsklötze mit Vollgas drumherum fahren. Das alles geht hier aber nicht. Wo sollte zum Beispiel so ein Bypass im Rhein Main Gebiet Platz finden.

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