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Reise

Kampagne gegen verantwortungslose Fotos

Oh wie schön, oh wie hässlich

Instagram und Facebook sind voller Selfies und Fotos, die verbotenes oder umweltfeindliches Verhalten verherrlichen. Eine einflussreiche Reisebloggerin wehrt sich nun, sie will die Plattformen zum Umdenken zwingen.

Getty Images/ iStockphoto

Selfie auf Reisen

Samstag, 22.09.2018   16:55 Uhr

Ein Mann schaut in die Linse seiner Handykamera. Im Hintergrund zeigt das Selfie die weite Ebene des Valley of the Gods, dem Tal der Götter, im US-Bundesstaat Utah. Mittendrin ein kleines Zelt und aufgetürmte Holzscheite, offenbar die Überreste eines Lagerfeuers. "Heute morgen bin ich an diesem magischen Ort aufgewacht", schreibt er auf Englisch unter den Post.

Es ist ein typisches Instagramfoto: ein bisschen Outdoor, ein bisschen #campfire, #sunrise, #desert, 149 Likes. Der einzige Haken: Im Valley of the Gods mit seinen beeindruckenden Sandstein-Monolithen und Felsnadeln ist offenes Feuer strengstens verboten.

Eine Instagrammerin weist den Fotografen darauf hin: "Hey da! Ich wollte nur deutlich machen, dass Feuer hier nicht erlaubt ist (es gibt etliche Schilder und eine Online-Info), es wäre also besser, wenn du das Foto löschst, um andere nicht dazu zu bringen, Regeln zu brechen", kommentiert Elisabeth Brentano unter den Post. Dahinter einen Peace-Smiley. Inzwischen ist das Foto auf Instagram nicht mehr auffindbar, Brentano hat es auf ihrem Blog veröffentlicht, den Namen des Users hat sie verpixelt, ebenso wie sein Gesicht.

Fotostrecke

#travelgram: Macht sich gut auf Instagram!

Brentano ist selbst sehr aktiv auf Instagram. Etwa 90.000 Menschen folgen der Reisebloggerin, sie ist eine sogenannte Influencerin: Durch ihre hohe Social-Media-Präsenz erreicht sie viele Menschen und bewirbt etwa Kameras oder Destinationen auf ihrem Profil, das Sehnsüchte nach Fernreisen, heißen Quellen und Safaris weckt.

Doch wie einige ihrer Influencer-Kollegen Sehnsüchte mit ihren Fotos wecken wollen, damit ist Brentano nicht einverstanden: Denn viele von ihnen würden vor beinahe nichts zurückschrecken, um das perfekte Foto zu erhaschen. "Wenn manche Instagram benutzen, um öffentlich Fotos und Videos davon zu posten, wie sie das Gesetz brechen oder sich an Aktivitäten beteiligen, die schädlich für die Umwelt sind, werden sie selten dafür belangt", schreibt sie auf der Plattform Change.org.

Ein Beitrag geteilt von Elisabeth Brentano (@elisabethontheroad) am

Insbesondere große Accounts erreichten mit derlei Posts Millionen von Menschen. Beispielhaft nennt sie das Entzünden von Lagerfeuern, das Fliegen von Drohnen in verbotenen Zonen oder das Betreten von historischen Stätten ohne Erlaubnis.

Brentano möchte dem Einhalt gebieten. Nicht nur auf ihrem Blog und auf Instagram schreibt sie über Fälle wie den in Utah. Sie hat auch eine Petition gestartet, in der sie Instagrammer und Reiseblogger zu verantwortungsvollem Verhalten auffordert. Viele Destinationen hätten durch Social Media erst an Popularität gewonnen, schreibt sie. Durch die steigenden Besucherzahlen hätten einige Outdoor-Ziele jedoch gelitten und teilweise sogar geschlossen werden müssen.

Appell an Instagram und Facebook

"Ich schlage vor, das Instagram und Facebook sofort handeln und ein System einführen, dass es Usern ermöglicht, illegale und umweltschädliche Handlungen zu melden", fordert Brentano in ihrer Petition. Diese Meldungen könnten, so ihr Vorschlag, an eine "Outdoor-Ethik-Abteilung" der Social-Media-Plattformen weitergeleitet werden, die wiederum in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern, Parks, Nonprofit-Organisationen und Juristen die Weiterverbreitung solcher Fotos verbieten müssten.

Zusätzlich sollten Accounts gekennzeichnet werden, die sich besonders vorbildlich und nachhaltig verhalten. Unternehmen und Organisationen könnten so gezielter nach Influencern als Werbeträger für ihre Produkte suchen. Die Petition haben bisher fast 14.000 Menschen unterzeichnet.

Auf dem Account von Elisabeth Brentano sind mehr als 500 Fotos zu sehen: rotgoldene Dünen im Westen der USA, wilde Tiere in einem Nationalpark in Namibia, Lamas in der Atacama-Wüste, Wasserfälle in Japan und Berggipfel in Alaska. Einige der Bilder tragen als Ortsmarke "Nope" oder "Not here" - vermutlich will die Instagrammerin diese Orte geheim halten.

kry

insgesamt 36 Beiträge
penie 22.09.2018
1. Die Zensoren gewinnen so langsam die Oberhand
Jetzt soll frau nicht mal mehr Fotos veröffentlichen dürfen, die unerwünschtes Verhalten zeigen. Sind die Leute, die so etwas fordern, eigentlich noch bei Trost? Scheint mir nicht so.
Jetzt soll frau nicht mal mehr Fotos veröffentlichen dürfen, die unerwünschtes Verhalten zeigen. Sind die Leute, die so etwas fordern, eigentlich noch bei Trost? Scheint mir nicht so.
jzeiler 22.09.2018
2. Komplett widersprüchlich
Diese Frau will erreichen, dass andere nicht "Instagram benutzen, um öffentlich Fotos und Videos davon zu posten, wie sie das Gesetz brechen oder sich an Aktivitäten beteiligen, die schädlich für die Umwelt sind" [...]
Diese Frau will erreichen, dass andere nicht "Instagram benutzen, um öffentlich Fotos und Videos davon zu posten, wie sie das Gesetz brechen oder sich an Aktivitäten beteiligen, die schädlich für die Umwelt sind" Sie selber postet aber Fotos aus Namibia, Südamerika, Japan, Alaska: Ich hoffe sie ist zu Fuss oder mit dem Fahrrad dorthin gereist und hat nicht umweltschädlich das Flugzeug genutzt?
peer.seus 22.09.2018
3. Klarer Fall von Aufruf zu SJW
An sich ist das Anliegen ok, schießt aber mit der Forderung, dass die Plattfrmen als Hilfspolizisten eingespannt werden sollen, deutlich übers Ziel hinaus! Wir leben ohnehin in einer merkwürdigen Zeit, in der allenthalben [...]
An sich ist das Anliegen ok, schießt aber mit der Forderung, dass die Plattfrmen als Hilfspolizisten eingespannt werden sollen, deutlich übers Ziel hinaus! Wir leben ohnehin in einer merkwürdigen Zeit, in der allenthalben braue Zombies und Antidemokraten aus ihren Gruften steigen: Wir brauchen keine digitalen Diktatoren und auch keine SJW, sondern echten Dialog auf Augenhöhe, wie Demokratie auch digital funtionieren kann. Gerade so ein Thema muss man ausdiskutieren und es muss sich ein Konsens bilden, wie man das lösen will. Ein Beispiel ist ja das hinlänglich bekannte bestrafen falscher Handlungen. Das Zensieren, weil es technisch scheinbar viel einfacher ist, ist eine perfide und zersetzerische Methode: Es ist das gegenteil von Aufklärung, es ist Etablierung von Macht und nachfolgend von willkürlicher Macht und von Machtmissbrauch!
three-horses 22.09.2018
4. Dann eben auch ich nicht.
Einverstanden. Aber auch etwas Egoismus dabei. Ich aber kein Andere. Dann eben auch ich nicht. Original ist oft sowieso nicht so interessant. Als ich Sparta besucht habe und die vielle Buden voll mit Antik gesehen, war ich echt [...]
Einverstanden. Aber auch etwas Egoismus dabei. Ich aber kein Andere. Dann eben auch ich nicht. Original ist oft sowieso nicht so interessant. Als ich Sparta besucht habe und die vielle Buden voll mit Antik gesehen, war ich echt geheilt. Dabei latschte ich noch ueber eine boden Mosaik und das Geschrei war riesengross. Solche Orte sollen geschlossen bleiben. Ein Bericht mit Photos und unter Aufsicht gemacht soll reichen. Auch so sind die Schaeden, die durch die Archeologen verursacht werden, die aber alles ausbudeln muessen, imens.
frenchie3 22.09.2018
5. @1 Wenn das was die Frau will
Zensur ist dann hoffe ich darauf daß die Zensur zur Mode wird. Was gehen mir diese "ich laß mir doch nichts verbieten" Laberer auf den Zeiger
Zensur ist dann hoffe ich darauf daß die Zensur zur Mode wird. Was gehen mir diese "ich laß mir doch nichts verbieten" Laberer auf den Zeiger
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