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Reise

Neue Economy-Klassen im Flugzeug

Fliegen, so unkomfortabel wie möglich

Um nicht von den Billigfliegern abgehängt zu werden, verkaufen immer mehr etablierte Airlines Tickets zum Schnäppchentarif. Wer darauf einsteigt, muss einiges über sich ergehen lassen.

REUTERS
Von
Montag, 06.02.2017   05:24 Uhr

Wer den neuen Billigtarif von United Airlines bucht, wird behandelt wie das Letzte: im wahrsten Sinne des Wortes. Erst wenn alle anderen Fluggäste schon eingestiegen sind in die wartende Maschine, dürfen die Inhaber der Basic-Economy-Tickets zum Boarding-Schalter gehen.

Nicht ohne vorher nochmals genau gefilzt zu werden, versteht sich. Denn Handgepäck, das nicht unter den Sitz passt, dürfen die Sparfüchse nicht mehr mitnehmen. Und wenn sie das Personal doch dabei ertappt, müssen sie das Gepäck aufgeben und Strafe zahlen: 25 Dollar plus die Gepäckgebühr. Spätestens dann wird sich der Basic-Bucher als Paria-Passagier fühlen.

Fluggäste haben einiges hingenommen in den vergangenen Jahren: immer engere Sitzreihen. Immer neue Gebühren für Gepäckaufgabe, Check-in am Schalter, Kreditkartenzahlung und Sitzplatzreservierung. Horrende Preise für das Pappsandwich und lauwarmen Kaffee oder zu Rubbellosverkäufern mutierte Flugbegleiter. Die meisten dieser "Innovationen" haben die Billigflieger eingeführt, um ihre Basispreise kleinzurechnen - und viele traditionelle Gesellschaften haben abgekupfert.

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Flugzeugklassen: Spartanisch bei United, luxuriös bei Etihad

Jetzt aber übernehmen drei einstige US-Vorzeigelinien die Führung im Wettlauf nach unten: United, Delta und neuerdings auch American Airlines bieten Basic-Economy-Tickets an. "Dieses neue Produkt gibt uns die Möglichkeit, effektiver mit der wachsenden Zahl von Ultra-Billigfliegern zu konkurrieren", sagt American-Airlines-Chef Robert Isom. Am 10. Februar soll der Verkauf starten.

Zwischen 20 und 50 US-Dollar können Basic-Economy-Käufer in der Regel gegenüber normalen Holzklassetickets sparen. Dafür machen ihnen die Airlines das Fliegen so unkomfortabel wie möglich: Die Schnäppchenjäger dürfen sich vorab keine Plätze aussuchen; selbst Familien haben keinen Anspruch darauf, beisammen zu sitzen.

Sie können nicht umbuchen oder stornieren, bekommen weder Upgrades noch Meilen, selbst wenn sie treue Vielflieger sind. Sie müssen allen anderen Passagieren beim Einstieg den Vortritt lassen. Und außer bei Delta sind die Handgepäckfächer tabu. "Das sind Tickets für Kunden, denen alles egal ist", höhnt ein Insider der Luftfahrtbranche.

Gratis ist nur noch das Schokoherz

Früher war die Auswahl einfach: First, Business oder Economy? Heute weitet sich die Klassengesellschaft aus. Ganz oben protzen insbesondere die Golf-Carrier mit ultraluxuriösen Produkten: etwa Etihad aus Abu Dhabi mit The Residence, einem Mini-Apartment mit Wohnzimmer, Badezimmer, Doppelbett und Butler. Andere Linien wie Lufthansa hingegen bauen die First Class auf vielen Strecken ab.

Vor allem aber ist Economy nicht mehr gleich Economy. Am alleruntersten Ende verscherbeln die US-Carrier ihre Basic-Tarife. Bei Lufthansa-Low-Cost-Ableger Eurowings versorgen die Stewards nur noch diejenigen Holzklassepassagiere mit kostenlosem Essen und Trinken, die den teureren Smart-Tarif gebucht haben; Basic-Passagiere indes müssen darben oder zahlen. Immerhin dürfen sie noch Handgepäck mitnehmen - wie auch bei Air Berlin. Dafür bittet Deutschlands Nummer zwei auf Europaflügen Economy-Gäste neuerdings selbst für einen Plastikbecher Wasser zur Kasse. Gratis gibt es nur noch das Schokoherz.

Einige der Billigflieger wiederum versuchen seit einiger Zeit, den Kunden etwas mehr Komfort zu bieten. Ryanair etwa hat für einen Aufpreis Premiumsitze im Angebot - und verzichtet zunehmend darauf, Passagiere beim Boarding mit dem Abmessen oder Wiegen ihres Handgepäcks zu terrorisieren. So nähern sich die Iren bei der Qualität den Traditionsairlines an. Und preiswerter sind sie meistens nach wie vor.

"Die Produkte der Billigflieger und der traditionellen Gesellschaft nähern sich immer mehr an", sagt der Hamburger Luftfahrtberater Cord Schellenberg. "Für die Billigflieger ist das gut, sie haben verinnerlicht, wie man Kosten spart. Traditionelle Airlines hingegen müssten sich komplett umstellen. Die haben den Menschen jahrzehntelang erzählt, wie exklusiv und schön das Fliegen ist. Sie können diesen Wettlauf nach unten nicht gewinnen."

Etwas mehr Komfort in der Premium Economy

Mehr Zukunft gesteht Schellenberg der Premium Economy zu. Diese Klasse zwischen Economy und Business haben eine Reihe von Fluggesellschaften auf Langstreckenflügen eingeführt: von der Lufthansa über Hongkongs Cathay Pacific bis hin zur australischen Qantas.

Auch Emirates aus Dubai will demnächst nachziehen. Die Premium Economy füllt die Lücke zwischen der Holzklasse und der Business Class, die im Schnitt etwa dreimal so teuer ist. Für ein paar Hundert Euro Aufpreis gegenüber der Economy bekommen die Gäste etwas mehr Komfort geboten: etwas breitere Sitze, etwas mehr Abstand zum Vordermann, mehr Auswahl beim Essen, besseren Service, eine vom Fußvolk abgetrennte Kabine sowie oft auch Vortritt beim Check-in und bei der Sicherheitskontrolle.

Erdacht wurde Premium Economy für Geschäftsleute - als Reaktion auf Sparprogramme der Unternehmen. "Wenn Business Class laut den Reiserichtlinien nicht mehr möglich ist, kann Premium Economy eine gute Alternative sein", sagt eine Sprecherin der Lufthansa.

Aber auch Touristen, die sich nicht mehr wie in der Legebatterie fühlen wollen, buchen die Zwischenklasse. Und so führen nun immer mehr Gesellschaften die Premium Economy ein "Das Produkt ist supererfolgreich", sagt die Lufthansa-Sprecherin, " und erfreut sich hoher Beliebtheit."

Manchmal ist der Ansturm sogar zu groß - wie kürzlich Reisende eines Cathay-Pacific-Fluges von Hongkong nach Düsseldorf erfahren mussten. Die Premium Economy war rappelvoll, eng drängten sich die Gäste nebeneinander. In der Jedermann-Kabine hingegen waren viele Sitze leer. Und so schlichen sich einige Premiumpassagiere nachts nach hinten: auf die billigen Plätze.

insgesamt 288 Beiträge
C. V. Neuves 06.02.2017
1. Mindestanforderungen
Höchste Zeit, dass die Industrie reguliert wird und Mindestanforderungen an Komfort und Service festgeschrieben werden.
Höchste Zeit, dass die Industrie reguliert wird und Mindestanforderungen an Komfort und Service festgeschrieben werden.
tutnet 06.02.2017
2. Auch wenn ich Premium Economy bezahlt habe,
schlafe ich gerne voll ausgestreckt auf der freien Mittelreihe im Billigsegment. Die störenden Armlehnen lassen sich zum Glück hochklappen. Nach dem Essen muß man halt schnell sein, sonst sind die Plätze weg.
schlafe ich gerne voll ausgestreckt auf der freien Mittelreihe im Billigsegment. Die störenden Armlehnen lassen sich zum Glück hochklappen. Nach dem Essen muß man halt schnell sein, sonst sind die Plätze weg.
auto-trainer 06.02.2017
3. Was für ein Blödsinn
...... in der Premium-Economy drängten sich die Passagiere.... Sicherlich ist der Autor/die Autorin noch nie Premium-Eco bei Cathay geflogen. Nur sehr begrenzte Anzahl von Premium-Eco-Sitzplätzen. Bei dem sehr ausreichendem [...]
...... in der Premium-Economy drängten sich die Passagiere.... Sicherlich ist der Autor/die Autorin noch nie Premium-Eco bei Cathay geflogen. Nur sehr begrenzte Anzahl von Premium-Eco-Sitzplätzen. Bei dem sehr ausreichendem Platz in der Premium-Eco-Kabine müssen wohl andere Fluggäste gestanden haben, um sich freiwillig in die "Holzklasse" zu setzen. Anders ist der Artikel nicht zu verstehen, es sei die Aussage kann per Video bewiesen werden. Sollte Emirates mit Premium nachziehen - ich freue mich auf meine zukünftigen Asienreisen
jens10777 06.02.2017
4. Na ja.....
Dafür kann man sehr billig Fliegen. Wenn man mehr Komfort haben will, muß man das eben bezahlen. Solange es bei der Buchung ersichtlich ist..... Wenn es aber ins extreme betrieben wird, werden eben einige Plätze leer bleiben. [...]
Dafür kann man sehr billig Fliegen. Wenn man mehr Komfort haben will, muß man das eben bezahlen. Solange es bei der Buchung ersichtlich ist..... Wenn es aber ins extreme betrieben wird, werden eben einige Plätze leer bleiben. Die Airlines versuchen eben überall noch einen Euro raus zu quetschen. Ist das denen zu verübeln? Keiner hat was zu verschenken. Und jeder jammert und will höhere Löhne.....die wollen auch bezahlt werden.
mikn1000 06.02.2017
5. Gibt es beim Absturz auch Nachteile?
Oder werden da alle Klassen gleich behandelt?
Oder werden da alle Klassen gleich behandelt?
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