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Reise

Verbot in Rom

Polizei vertreibt Touristen von Spanischer Treppe

Eine kurze Rast auf der berühmten Spanischen Treppe gehört eigentlich zu jeder Rom-Reise. Die Stadt hat das verboten - wer sich trotzdem auf das Monument setzt, muss zahlen.

Filippo MONTEFORTE / AFP

Ein Polizist vertreibt Touristen mit einer Trillerpfeife von der Spanischen Treppe

Mittwoch, 07.08.2019   10:49 Uhr

Touristen dürfen nicht mehr auf der berühmten Spanischen Treppe in Rom sitzen. Polizisten vertrieben am Dienstag mit Trillerpfeifen Besucher, die sich auf den Marmorstufen im historischen Zentrum der italienischen Hauptstadt ausruhen wollten.

Der Stadtrat hatte bereits im Juni einen Erlass mit verschiedenen neuen Regeln verabschiedet, der es unter anderem untersagt, sich auf Monumente zu setzen. Bei Zuwiderhandlungen drohen Strafen von bis zu 400 Euro. Nun geht die Polizei gegen Regelverstöße vor.

Ein Journalist der italienischen Nachrichtenagentur Adnkronos berichtete von acht Polizisten, die an der Spanischen Treppe am Dienstag Touristen vom Sitzen abhielten. "Steht auf, das ist Vorschrift", sollen sie demnach gesagt haben. Die Treppe sei am Vormittag menschenleer gewesen. Einige Touristen hätten protestiert und die Maßnahme als übertrieben bezeichnet.

Verboten sind durch die neuen Bestimmungen auch weitere Verhaltensweisen, die den Behörden ein Dorn im Auge sind - etwa das Baden in Brunnen und das Spazierengehen ohne T-Shirt oder Hemd sowie das Verkleiden als Zenturio und das Durchführen von sogenannten Pub Crawls, Kneipen-Hopping in größeren Gruppen. Rom will damit die Auswirkungen des Massentourismus unter Kontrolle bringen.

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Rom: Treppenparty mit Feuerwerk

Die im 18. Jahrhundert errichtete Spanische Treppe, die zur Kirche Trinita dei Monti führt, ist eine der berühmtesten Touristenattraktionen Roms. 2016 wurden sie für 1,5 Millionen Euro renoviert. Die Freitreppe war nicht nur durch Luftverschmutzung, sondern auch durch Kaugummis, Kaffee- und Rotweinflecken in Mitleidenschaft gezogen worden.

Der Präsident der "Via Condotti Association", Gianni Battistoni, begründete das Sitzverbot damit, dass man schwer kontrollieren könne, ob die Menschen essen, wenn sie sich erst einmal hingesetzt hätten. "Die Maßnahme ist eine Wiederherstellung der Zivilisation", sagte er Adnkronos. "Die Treppe ist ein Meisterwerk, und man sitzt nicht auf Meisterwerken. Es ist nicht möglich, ihre Schönheit zu genießen, wenn sich dort permanent Menschen aufhalten. So geht man hin, schaut, und geht weiter."

Bereits 2012 war es kurzzeitig verboten, in der römischen Altstadt ein Picknick zu machen: Bis zu 500 Euro mussten Touristen seitdem bezahlen, wenn sie sich etwa vor dem Kolosseum niederließen, um zu essen oder zu trinken.

Auch andere italienische Städte versuchen mit strengeren Regeln, des Touristenansturms Herr zu werden. In Venedig beschloss der Stadtrat im Mai strikte Maßnahmen, um die Unesco-Welterbestadt besser zu schützen. Das bekamen kürzlich zwei deutsche Touristen zu spüren: Sie mussten 950 Euro Strafe zahlen, weil sie an der berühmten Rialtobrücke Kaffee kochten. Auch in Florenz ist das Essen auf der Straße verboten.

kry/AFP

insgesamt 72 Beiträge
b1964 07.08.2019
1. Recht haben sie, die Römer!
Viele Touristen verhälten sich wie die berühtem Vandalen. Sie nehmen auf niemanden Rücksicht und glauben, sich alles erlauben zu können. Würden sie sich zuhause in den eigenen vier Wänden auch so aufführen? Natürlich ist [...]
Viele Touristen verhälten sich wie die berühtem Vandalen. Sie nehmen auf niemanden Rücksicht und glauben, sich alles erlauben zu können. Würden sie sich zuhause in den eigenen vier Wänden auch so aufführen? Natürlich ist es nett, wenn man auf der Spanischen Treppe sich setzt, die Atmosphäre des Platzes genießt und vielleicht dabei auch noch ein Eis isst. Nur so ist die Situation dort schon lange nicht mehr. Menschenmassen hocken dort, albernd und gröhlend, von Blumenverkäufern belagert. Man türmt Rucksäcke auf und schmeißt achtlos seinen Müll weg. So war es seit Jahren und auch fast an jedem Tag des Jahres. Natürlich ist Rom eine einmalige Stadt, denn wohl kann man 2700 Jahre durchgehende Geschichte in diesem Umfang an einer Stelle erleben? Vielleicht noch in Jerusalem. Aber das rechtfertigt nicht, dass Millionen von Menschen (nicht übertrieben) diese Stadt heimsuchen, verschmutzen und beschädigen? Rom ist eben kein Freilichtmuseum, sondern in erster Linie eine lebende italienische Stadt. Es kann nicht sein, dass die Römische Lebensart von Massentouristen ohne jedes Gespür von Anstand zerstört wird. Ich war mehrfach in Rom und habe es immer genossen, in diese Stadt einzutauchen und am italiensichen Lifestyle teilzuhaben. Ich habe diese Stadt erlaufen (!) und mit dem Roller erfahren (auch die Espositione Universale di Roma). Ich habe gelesen und entdeckt und nehme für mich in Anspruch, dass die Stadt von mir keine Notiz genommen hat oder nehmen musste. Es macht einen traurig, was der Massentourismus an Verwüstungen auch in kultureller Hinsicht bewirkt!
collapsar 07.08.2019
2. Wenn Denkfaule öffentliche Ämter bekleiden
>>> "Die Treppe ist ein Meisterwerk und man sitzt nicht auf Meisterwerken. Ah ja. Das Sitzmöbel von Charles Eames zählt also nicht zu den Meisterwerken, für die Bänke im Parc Guell gilt das gleiche, von Casa [...]
>>> "Die Treppe ist ein Meisterwerk und man sitzt nicht auf Meisterwerken. Ah ja. Das Sitzmöbel von Charles Eames zählt also nicht zu den Meisterwerken, für die Bänke im Parc Guell gilt das gleiche, von Casa Mila und Battla ganz zu schweigen (dort wohnt der Plebs sogar ...), die zahlreichen Meisterwerke der Sakralarchitektur verdienen nach dieser Logik ihr Prädikat wohl auch nicht. >>> Es ist nicht möglich, ihre Schönheit zu genießen, wenn sich dort permanent Menschen aufhalten. Die Erklärung des Unterschieds zwischen 'permanent' auf der Treppe Sitzenden und einem nicht enden wollenden Besucherstrom liegt, der (ohne anzuhalten !) einmal die Treppe hinauf- oder herabsteigt, bleibt uns der Spezialist leider schuldig ... MfG, Carsten
eisfuchs 07.08.2019
3. gut so
Manche Touristen, auch Deutsche in Deutschland, benehmen sich als wären sie bei sich zu Hause, wenn sie Sehenswürdigkeiten besuchen. und das heisst alles angrabschen, ihren Müll hinwerfen und generell sich breitmachen um [...]
Manche Touristen, auch Deutsche in Deutschland, benehmen sich als wären sie bei sich zu Hause, wenn sie Sehenswürdigkeiten besuchen. und das heisst alles angrabschen, ihren Müll hinwerfen und generell sich breitmachen um weniger rücksichtslosen Mitmenschen das Erlebnis möglichst sauer zu machen. Da empfinde ich rigoroses Durchgreifen gegen entsprechende Handlungen(wie kommt man nur auf die bescheuerte Idee mitten an der Brücke Kaffee zu kochen?) als sehr sinnvoll.
roninger2000 07.08.2019
4. Der Tourist
zerstört, was er sucht, indem er es findet. Hans Magnus Enzensberger (*1929)
zerstört, was er sucht, indem er es findet. Hans Magnus Enzensberger (*1929)
nathan13 07.08.2019
5. Volle Zustimmung
auch wir waren bereits mehrere Male in Rom und haben diese wundervolle Stadt genossen, mit viel Respekt vor den Altertümern und den Einwohnern, von daher spricht uns der Kommentar aus dem Herzen.
Zitat von b1964Viele Touristen verhälten sich wie die berühtem Vandalen. Sie nehmen auf niemanden Rücksicht und glauben, sich alles erlauben zu können. Würden sie sich zuhause in den eigenen vier Wänden auch so aufführen? Natürlich ist es nett, wenn man auf der Spanischen Treppe sich setzt, die Atmosphäre des Platzes genießt und vielleicht dabei auch noch ein Eis isst. Nur so ist die Situation dort schon lange nicht mehr. Menschenmassen hocken dort, albernd und gröhlend, von Blumenverkäufern belagert. Man türmt Rucksäcke auf und schmeißt achtlos seinen Müll weg. So war es seit Jahren und auch fast an jedem Tag des Jahres. Natürlich ist Rom eine einmalige Stadt, denn wohl kann man 2700 Jahre durchgehende Geschichte in diesem Umfang an einer Stelle erleben? Vielleicht noch in Jerusalem. Aber das rechtfertigt nicht, dass Millionen von Menschen (nicht übertrieben) diese Stadt heimsuchen, verschmutzen und beschädigen? Rom ist eben kein Freilichtmuseum, sondern in erster Linie eine lebende italienische Stadt. Es kann nicht sein, dass die Römische Lebensart von Massentouristen ohne jedes Gespür von Anstand zerstört wird. Ich war mehrfach in Rom und habe es immer genossen, in diese Stadt einzutauchen und am italiensichen Lifestyle teilzuhaben. Ich habe diese Stadt erlaufen (!) und mit dem Roller erfahren (auch die Espositione Universale di Roma). Ich habe gelesen und entdeckt und nehme für mich in Anspruch, dass die Stadt von mir keine Notiz genommen hat oder nehmen musste. Es macht einen traurig, was der Massentourismus an Verwüstungen auch in kultureller Hinsicht bewirkt!
auch wir waren bereits mehrere Male in Rom und haben diese wundervolle Stadt genossen, mit viel Respekt vor den Altertümern und den Einwohnern, von daher spricht uns der Kommentar aus dem Herzen.
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