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Reise

Drohender Pilotenstreik

Was Lufthansa-Kunden wissen müssen

Bei der Lufthansa droht ein Streik. Die Piloten wollen mit nur kurzer Vorlaufzeit in den Ausstand treten. Anspruch auf kostenlose Stornierung oder Umbuchung haben Reisende deswegen nicht. Aber sie sollten ihre Reisepläne überprüfen.

REUTERS

Lufthansa-Pilot: Die Gewerkschaft VC will streiken

Montag, 25.08.2014   15:22 Uhr

Potsdam - Ein Streik bei der Lufthansa steht laut den Äußerungen der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit kurz bevor. Wer in den kommenden Tagen einen Flug mit der Airline gebucht hat, sollte seine Reisepläne jetzt auf den Prüfstand stellen. Denn ein Ausstand der Piloten wird vermutlich zum Ausfall zahlreicher Verbindungen führen.

Bei der Lufthansa hofft man noch auf eine Einigung, die einen Streik abwenden könnte. "Wir sind konsensbereit und suchen einen Kompromiss", sagte Lufthansa-Personalvorstand Bettina Volkens in Frankfurt. Noch am Nachmittag werde ein Schreiben an die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit gehen, um die Verhandlungen fortzusetzen.

Und falls nicht: Derzeit sei nicht davon auszugehen, dass die Piloten flächendeckend streiken, sagte Lufthansa-Manager Raimund Müller. Sie würden einen Ausstand zudem 24 Stunden vorher ankündigen. Mehrtägige Streiks erwartet die Airline nicht. Das Unternehmen werde einen Sonderflugplan entwickeln, um wesentliche Strecken aufrechtzuerhalten.

Stornieren, um Folgekosten gering zu halten

Bei früheren Streiks beim Konzern Lufthansa - wie etwa im April dieses Jahres - konnten Kunden, deren Flüge ausfielen, mit ihrem Ticket die Züge der Deutschen Bahn nutzen. Außerdem konnten sie ausfallende Flüge kostenlos stornieren, wenn sie online gekauft worden waren. Flüge, die trotz Streik stattfanden, konnten kostenlos einmalig umgebucht werden.

Rechtlich steht den Pasasagieren lediglich zu, eine Ersatzbeförderung zu erhalten oder kostenlos stornieren zu können. Außerdem muss die Airline Betroffenen während der Wartezeit Betreuungsleistungen wie Essen und Getränke bieten. Das Streiks immer als außergewöhnlicher Umstand gelten, schließt das einen Anspruch auf Entschädigung nach der Fluggastrechte-Verordnung der EU aus.

Besonders Vorsichtige sollten schon "überlegen, ob sie den Flug selbst stornieren wollen, um mögliche Folgekosten zu minimieren", sagte Sabine Fischer-Volk, Reiserechtsexpertin der Verbraucherzentrale Brandenburg.

Die gebe es zum Beispiel dann, wenn die Verbraucher auf eigene Faust Anschlussflüge, eine Hotelunterkunft oder ein Mietauto am Urlaubsort gebucht haben. Denn das Geld dafür bekommen sie auch bei einem Flugausfall aufgrund eines Streiks nicht zurück.

"Hier kann eine rechtzeitige Stornierung des Fluges, bei der sie zumindest Steuern, Gebühren und sonstige ersparte Kosten erstattet bekommen, eine wirtschaftlich sinnvolle Alternative sein", so Fischer-Volk. Vor allem dann, wenn die Stornokosten weit geringer sind als die möglichen Folgekosten eines Flugausfalls.

Für Pauschalreisende sind Veranstalter zuständig

Anders sieht die Situation für Verbraucher aus, die im Rahmen einer Pauschalreise einen Lufthansa-Flug gebucht haben. "Für sie ist der Reiseveranstalter und nicht die Airline der erste Ansprechpartner", sagt Fischer-Volk.

Und diesen Kontakt sollten sie angesichts der Streikankündigung auch nutzen, "denn es ist gut möglich, dass der Veranstalter bereits eine andere Airline mit der Beförderung beauftragt hat." Daraus könnten sich dann wiederum veränderte Flugzeiten oder sogar Änderungen im Ablauf der Reise ergeben. Auch Pauschalreisende sollten sich deshalb auf dem Laufenden halten.

Bereits im April dieses Jahres hatten die Piloten der Lufthansa gestreikt - mit gravierenden Auswirkungen: 3800 Flüge fielen aus, rund 425.000 Reisende waren betroffen. Sie konnten damals noch auf die Bahn ausweichen. Doch auch hier stehen die Zeichen derzeit auf Sturm: Im festgefahrenen Konflikt über die Vertretungsberechtigung verschiedener Lokführergewerkschaften bei Tarifverhandlungen scheint auch hier ein Streik möglich.

Und wenn es zum Streik kommt? Wie kann ich mich darauf vorbereiten? Hier finden Sie die wichtigsten Informationen:

Wo erhalte ich Auskunft zu meinem Flug?

Sobald Flüge gestrichen werden, listet die Lufthansa sie hier auf - gesucht werden kann über Flugnummer, Zeiten, Abflughafen und Zielflughafen. Den eigenen gebuchten Flug können Kunden hier überprüfen.

Wie kann ich bei einem Flugstorno mein Ziel erreichen?

Wer nicht mit der Bahn fahren kann oder will, hat auch die Möglichkeit mit Mitfahrgelegenheiten, Linienbussen oder Mietwagen zu reisen. Angebote gibt es auf den Seiten von mitfahrgelegenheit.de, Fahrgemeinschaften.de, Blablacar.de, Bessermitfahren.de oder Drivemee.de.

Das Fernbusangebot ist im vergangenen Jahr sprunghaft angestiegen - Verbindungen finden sich auf den Webseiten von Mein Fernbus, Deutsche Bahn, Flixbus und ADAC Postbus.

Habe ich Anspruch auf Schadensersatz?

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) müssen Fluggesellschaften ihren Passagieren keine Entschädigung zahlen, wenn sie wegen eines Streiks einen Flug streichen. Bei einem Streik handele es sich um "außergewöhnliche Umstände", bei denen die Unternehmen nicht haften müssen. Voraussetzung ist, dass die Flüge wegen Ereignissen außerhalb des Einflussbereichs der Fluggesellschaft und "außerhalb des Rahmens der normalen Betriebstätigkeit" ausfallen.

Wer trägt die Kosten, wenn ich strande?

Nach der EU-Fluggastrechteverordnung muss eine Airline oder der Veranstalter seine gestrandeten Kunden betreuen - unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen oder Ausfälle von Flügen verantwortlich ist. Verpflegung samt Getränke sollten gestellt werden, und wenn sich der Flug auf einen anderen Tag verschiebt, muss die Airline oder der Veranstalter die Hotelkosten tragen.

Fluglinien:

Flughäfen:

Aktuelle Informationen über Verspätungen und Flugausfälle geben die Flughäfen auf ihren Webseiten bekannt.

Hotlines von Veranstaltern:

abl/dpa/Reuters

insgesamt 4 Beiträge
Frank N. Stein 25.08.2014
1. Passt ja alles bestens zusammen
Der Pilotenstreik geht sicher wieder nahtlos in den Streik des Bodenpersonals, in den Streik der Fluglostsen, in den Streik des Bodenpesrsonals, in den Streik ... über. Da kann ich die Planung Berliner Flughafen nur als [...]
Der Pilotenstreik geht sicher wieder nahtlos in den Streik des Bodenpersonals, in den Streik der Fluglostsen, in den Streik des Bodenpesrsonals, in den Streik ... über. Da kann ich die Planung Berliner Flughafen nur als visionär bezeichnen.
spon-1290982200348 25.08.2014
2. Sozialabbau
Es gab zu diesem Thema mal eine Fernsehdiskussion (Frontal?). Da waren alle möglichen Leute/Vertreter dabei. Was mich völlig überraschte, waren die Beiträge von Sahra Wagenknecht. Die hat ja noch den Pilotenverteter [...]
Es gab zu diesem Thema mal eine Fernsehdiskussion (Frontal?). Da waren alle möglichen Leute/Vertreter dabei. Was mich völlig überraschte, waren die Beiträge von Sahra Wagenknecht. Die hat ja noch den Pilotenverteter (J.Handwerg) getoppt. Neben ihm war sie die Einzige in der illustren Runde, die geblickt hat, was in "D" abgeht... LH macht Minimum 1 Mrd Gewinn/anno und will, nicht nur den Piloten, den Mitarbeitern die Altersversorgung streichen....
herrschickhilfe! 27.08.2014
3. Mit Bus und Bahn nach USA?
Eine gute Idee waere es, einmal zu schreiben, welche Strecken denn vermutlich von den Streiks betroffen sind. Internationale Verbindungen oder nur domestic? Denn wer nach USA oder Asien muss, dem nutzt es herzlich wenig, wenn [...]
Eine gute Idee waere es, einmal zu schreiben, welche Strecken denn vermutlich von den Streiks betroffen sind. Internationale Verbindungen oder nur domestic? Denn wer nach USA oder Asien muss, dem nutzt es herzlich wenig, wenn er/sie als "Alternative" Anspruch auf die Nutzung von Bus und Bahn hat. Oder hat die LH jetzt auch flying buses eingerichtet?
mtroeller 27.08.2014
4. Zum Thema Altersversorgung...
Kann ich, und wahrscheinlich auch einige andere Foristen die Pilotenseite nicht verstehen. Bei einem Sozialversicherungspflichtigem Bruttoeinkommen zwischen 50.000€ und 150.000€ Und teilweiser 25h-Woche ist ein LH-Pilot nicht in [...]
Kann ich, und wahrscheinlich auch einige andere Foristen die Pilotenseite nicht verstehen. Bei einem Sozialversicherungspflichtigem Bruttoeinkommen zwischen 50.000€ und 150.000€ Und teilweiser 25h-Woche ist ein LH-Pilot nicht in der Lage, mit dem bißchen Geld noch etwas für seine Altersversorgung zu machen? Man kann sich doch seine Langstreckenflüge doch so setzen, daß man in jedem Dritteweltland sich ein Häuschen kauft (mal abgesehen von dem/denen, die hier in unserer bescheidenen Republik so herumstehen), und dann jammern, daß die Altersversorgung unter den Tisch fällt? Für das bißchen Knöpfedrücken inklusive Autopiloten? Ich stehe eigentlich auf Arbeitnehmerseite, aber für so etwas fehlt mir das Verständnis. Kann einer der sogenannten "Insider" ein bißchen mehr Info ins Forum werfen?

Infos zum Flugverkehr und Reiseveranstalter

Flughäfen
Fluglinien
Aktuelle Informationen über Verspätungen und Flugausfälle geben die Airlines auf diesen Websites bekannt:

Air Berlin: 01805-737800
Air France: 0180-5830830
British Airways: 01805-266522
Condor: 0180-5767757
Germanwings: 0900-1919100
Iberia: 01805-442900
Lufthansa: 01805-805805
Ryanair: 0900-1160500
SAS Scandinavian Airlines: 01805-117002
Southwest Airlines
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United Airlines: 069-50070387

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Thomas Cook: 01803/607090
Neckermann: 01803/901045
Alltours: 0203/3636360
Dertours: 01805/337666
FTI: 089/710451498
L'tur: 00800/21212100
Schauinsland: 0203/994050
ITS: 01805/670130
Tjaereborg: 01805/670140
Jahn: 01805/670120

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