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Reise

Vorbild Greta Thunberg

Plötzlich gibt es "Flugscham"

Welchen Einfluss haben Greta Thunberg und die Jugendbewegung für Klimaschutz wirklich? In der Tourismusbranche ist von einem "Greta-Effekt" die Rede.

DPA

Lufthansa-Maschine am Flughafen in München

Freitag, 12.04.2019   13:39 Uhr

Wochenendtrips nach Marrakesch oder Lissabon per Ryanair - ist das nötig? Und der Urlaub in Italien - geht das diesmal nicht auch per Bahn? Muss eine Lufthansa-Kurzstrecke wie München - Nürnberg, die lediglich 150 Kilometer lang ist, wirklich sein?

Zurzeit scheint das Bewusstsein, dass Flugreisen extrem klimaschädlich sind, zu steigen. Ein Begriff dafür kursiert in der Tourismusbranche: "Greta-Effekt". Die 16-jährige Greta Thunberg ist die Erfinderin der Schulstreiks fürs Klima, der "Fridays for Future". Statt das Flugzeug zu besteigen, fuhr sie mit dem Zug von Stockholm zum Weltwirtschaftsforum nach Davos und mit dem Elektroauto zum Klimagipfel nach Kattowitz.

Wirkt sich ihr Vorbild und die durch sie in Schwung gekommene Klimadebatte auf die Reiselust der Europäer aus? Reiseveranstalter rätseln, ob die Buchungszurückhaltung, die sich Anfang des Jahres überraschend abzeichnete, ein Greta-Effekt sei - oder nicht doch eine Folge des schönen Wetters des vergangenen Sommers. In Deutschland hat sich die Delle wieder gegeben. In der Schweiz wird dies weiter diskutiert.

Schweden sind extreme Vielflieger - das hat Folgen

Die Schwedin ist nicht die einzige Prominente ihres Landes, die der Umwelt zuliebe aufs Fliegen verzichtet. Dort gibt es sogar ein eigenes Wort: "Flygskam" - "Flugscham". Prominenter Vertreter der Bewegung ist der ehemalige Biathlet und Olympiasieger Björn Ferry. Er kündigte im vergangenen Jahr an, nur noch im Zug als Kommentator zu Sportveranstaltungen zu fahren.

Die "Flugscham" scheint in dem skandinavischen Land eine besondere Wucht zu entfalten. Vielleicht auch, weil die Schweden die Folgen des Klimawandels offenbar besonders deutlich spüren. Das Meteorologische Institut des Landes erklärte vergangene Woche, dass die Temperatur dort doppelt so schnell ansteige wie im globalen Schnitt.

Auch beim schwedischen Film wächst das Umweltbewusstsein. 250 Mitarbeiter der Branche unterzeichneten einen Aufruf in der größten Tageszeitung des Landes, "Dagens Nyheter", wonach Produzenten Dreharbeiten im Ausland beschränken sollen. Ein schwedischer Instagram-Account stellt seit Dezember Prominente an den Onlinepranger, die für Fernreisen werben. Der Account hat inzwischen mehr als 60.000 Follower.

Bislang gehörten die Schweden zu den Vielfliegern. Das liegt zum einen an der Lage des Landes weit im Norden Europas - vom nordschwedischen Kiruna bis zur südfranzösischen Côte d'Azur sind es 4000 Kilometer. Aber auch am Wohlstand und dem breiten Angebot an Billigflügen.

Das hat Folgen: Die Emissionen durch Flüge pro Kopf waren zwischen 1990 und 2017 fünfmal so hoch wie im weltweiten Durchschnitt, wie die Technische Hochschule Chalmers berechnete. Der Ausstoß klimaschädlicher Abgase durch Auslandsflüge ab Schweden stieg demnach seit 1990 um 61 Prozent.

Weniger Inlandsflüge: Flugscham oder geringeres Angebot?

Im März veröffentlichte die World Wildlife Foundation eine Umfrage, in der fast 20 Prozent der befragten Schweden angaben, der Umwelt zuliebe schon einmal den Zug statt das Flugzeug genommen zu haben. Vor allem Frauen und junge Menschen reisen demnach umweltbewusst. Um den Trend zu unterstützen, will die Regierung bis Ende 2022 wieder Nachtzüge in die wichtigsten europäischen Städte einsetzen.

Im Winter verzeichnete die Schwedische Bahn SJ einen Anstieg der Geschäftsreisen um 21 Prozent. Die Zahl der Inlandsflüge ging im vergangenen Jahr laut Daten der Verkehrsbehörde vom September um 3,2 Prozent zurück.

Die schwedische Psychologin Frida Hylander ist überzeugt, dass "Flygskam" nur ein Faktor für den Trend ist. Die neue Flugsteuer, die vor einem Jahr eingeführt wurde, könnte genausogut ein Grund sein. Oder die Pleite der regionalen Fluggesellschaft Nextjet, deretwegen viele Routen monatelang nicht mehr angeboten wurden.

Flugverkehr explodiert weltweit

In Deutschland rufen Umweltschützer seit jeher zu Einschränkungen beim Fliegen, zum Umstieg auf klimafreundlichere Verkehrsmittel wie die Bahn und zur CO2-Kompensation von Flügen etwa über Atmosfair auf. Und wenn das Flugzeug zur Anreise gewählt wird, dann bitte doch nur für längere Aufenthalte. Immerhin werden laut der Europäischen Umweltagentur pro Passagier und Kilometer 285 Gramm CO2 freigesetzt, beim Autofahren sind es 158 Gramm und beim Zugfahren 14 Gramm.

Ob sich jedoch "Flugscham" wirklich auf die Urlaubsplanung auswirkt und sich ein "Greta-Effekt" bemerkbar macht, ist zweifelhaft. Politik und Wirtschaft befürchten in Deutschland auch für den kommenden Sommer chaotische Zustände auf den Flughäfen. Und das liegt in erster Linie nicht an der Deutschen Flugsicherung (DFS), am Sicherheitspersonal oder den Airlines - sondern an der drastischen Steigerung des Flugaufkommens und den erhöhten Anforderungen, diese zu bewältigen.

Geflogen wird hierzulande und weltweit mehr denn je - trotz manch individueller Umweltbedenken: Die DFS rechnet nach dem Rekordwert von 3,4 Millionen Flugbewegungen im Vorjahr mit einer weiteren Steigerung von bis zu vier Prozent im deutschen Luftraum in 2019. Weltweit stieg die Zahl der Flugpassagiere 2018 um 6,1 Prozent auf 4,3 Milliarden im Vergleich zum Vorjahr. In den kommenden 15 bis 20 Jahren wird sich der Flugverkehr voraussichtlich verdoppeln.

abl/AFP

insgesamt 92 Beiträge
malcom1 12.04.2019
1. Flugscham
Wie alles hat auch diese Überlegung seine 2 Seiten. Flüge Nürnberg-München, Berlin-Hamburg, usw. sind unnötig. Bei Urlaubsreisen verhält es sich etwas anders. Keine Touristen bedeutet für viele Menschen in Kuba, Kenia, [...]
Wie alles hat auch diese Überlegung seine 2 Seiten. Flüge Nürnberg-München, Berlin-Hamburg, usw. sind unnötig. Bei Urlaubsreisen verhält es sich etwas anders. Keine Touristen bedeutet für viele Menschen in Kuba, Kenia, Kanaren usw. kein Einkommen. Es ist sehr schwierig hier eine Lösung zu finden die für beide Seiten sinnvoll sind.
fjt1967 12.04.2019
2. vielleicht sollte man gar nicht erst zur Welt kommen....
denn jeder Mensch, der auf die Welt kommt, verschmutzt diese. Die augenblicklichen Debatten sind wirklich nervig. Man sollte kein Fleisch mehr essen, nicht fliegen, nicht Auto fahren, keinen Strom verbrauchen, Wasser sparen, Geld [...]
denn jeder Mensch, der auf die Welt kommt, verschmutzt diese. Die augenblicklichen Debatten sind wirklich nervig. Man sollte kein Fleisch mehr essen, nicht fliegen, nicht Auto fahren, keinen Strom verbrauchen, Wasser sparen, Geld spenden, den Armen helfen, die Reichen besteuern, nicht die neuesten Handys kaufen, kein Plastik verwenden...es geht immer so weiter. Man will es gar nicht mehr hören, da zum Flugscham dann der Lebensscham hinzukommt...wir sollten mal damit aufhören unseren Lebensstil ständig zu kritisieren und schlecht zu reden, sondern diesen bewusst, nachhaltig und entspannt geniessen...bisher kam die Menschheit mit allen ihren Herausforderungen ganz gut zurecht.
Zwiling 12.04.2019
3. Freitags auf die Strasse gehen
und jetzt möchte ich mal gerne wissen, wieviele Kinder dieses Jahr wegen Greta lieber zu Hause bleiben und nicht mit den Eltern in den Urlaub fliegen, oder mit dem Auto oder mit dem Schiff fahren, sonder Fahrradurlaub machen. [...]
und jetzt möchte ich mal gerne wissen, wieviele Kinder dieses Jahr wegen Greta lieber zu Hause bleiben und nicht mit den Eltern in den Urlaub fliegen, oder mit dem Auto oder mit dem Schiff fahren, sonder Fahrradurlaub machen. Unser Regierung beklatscht das autistische Mädchen und schickt für Altmaier und von der Leyen 2 Bundeswehrmaschinen in die USA. Das nenne ich Vorbildfunktion. Mir geht das Getue von der Greta unheimlich gegen den Strich, vor allem ihr schwarz, weiß Denken und dass soviele auf so ein kindliches Geschwätz reinfallen. In Schweden ist das Fliegen teuer geworden, deshalb fliegen viele nicht. Die Greta soll bitte mit dem Fahrrad noch Afrika radeln und dort Vorträge über die Bevölkerungsexplosion halten, denn wenn Afrika so weiter macht, dann geht unsere Welt eh bald ganz kaputt.
equigen 12.04.2019
4. Hyggelig - Globalisierung war gestern
Die Welt kennen und verstehen lernen - war gestern. Die Hipster von morgen beschränken ihren Horizont wieder auf das Dorf oder die Stadt wo sie geboren wurden. Auf dem Speisezetteln stehen wieder Kartoffeln und Rüben, statt [...]
Die Welt kennen und verstehen lernen - war gestern. Die Hipster von morgen beschränken ihren Horizont wieder auf das Dorf oder die Stadt wo sie geboren wurden. Auf dem Speisezetteln stehen wieder Kartoffeln und Rüben, statt Ananas, Zucchini und Avocado.
niska 12.04.2019
5.
"Immerhin verursacht der Flugverkehr laut der Europäischen Umweltagentur insgesamt ein Viertel der Treibhausgase in Europa, wobei der Straßenverkehr mit 70 Prozent den größten Anteil in dem Sektor ausmacht." Ich [...]
"Immerhin verursacht der Flugverkehr laut der Europäischen Umweltagentur insgesamt ein Viertel der Treibhausgase in Europa, wobei der Straßenverkehr mit 70 Prozent den größten Anteil in dem Sektor ausmacht." Ich vermute mal, dass es hier nur um die verkehrsinduzierten Treibhausgase geht. Denn 5% Rest für Industrie und Heizung etc. wäre dann doch etwas unglaubhaft. Es wäre doch mal interessant, wieviel % der emitierten Treibhausgase in Europa verkehrsinduzierte Treibhausgase sind, wieviele auf Industrie und wieviele auf Wohnen/Heizen zurückzuführen sind.
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