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Was die Unister-Insolvenz für Fluege.de-Kunden bedeutet

Was passiert, wenn Fluege.de und Ab-in-den-Urlaub.de Insolvenz anmelden, wie der Mutterkonzern Unister? Für Käufer von Flugschnäppchen könnte das durchaus gravierende Folgen haben.

fluege.de

Fluege.de-Werbung (2014)

Mittwoch, 20.07.2016   14:17 Uhr

Die Insolvenz des Reiseriesen Unister zieht Kreise. Am vergangenen Donnerstag war der Gründer Thomas Wagner auf dem Weg von Venedig nach Leipzig mit seinem Kleinflugzeug abgestürzt und ums Leben gekommen. Am Montag hatte der Mutterkonzern, zu dem mehr als 40 Internetportale gehören, Insolvenz angemeldet.

Am Dienstag folgte der Reiseveranstalter Urlaubstours GmbH, eine Tochter der Unister Travel Betriebsgesellschaft GmbH. Bereits gebuchte Pauschalreisen seien über eine Versicherung abgesichert und würden durchgeführt, teilte der vorläufige Unister-Insolvenzverwalter Lucas Flöther mit. Neue Buchungen würden vorerst nicht mehr entgegengenommen. Zurzeit ist auf der Webseite allerdings noch kein Hinweis zu finden, Reisen scheinen online noch buchbar zu sein.

Am Mittwoch meldeten auch das Reiseportal UDeals, über das Pakete aus Reisen, Hotels und Zusatzleistungen vermittelt wurden, und die Unister GmbH nach SPIEGEL-Informationen aus Unternehmenskreisen Insolvenz an. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters wollte auf Anfrage dazu nichts sagen.

Schon zuvor hatte Flöther gesagt, dass eine Zahlungsunfähigkeit weiterer Tochterfirmen möglich sei. "Es ist zumindest nicht auszuschließen, dass es da einen Ansteckungseffekt oder einen Dominoeffekt gibt. Das muss man jetzt prüfen", sagte er in einem Interview mit dem MDR.

Im Fall einer Insolvenz bei der Fluglinie nachfragen

Zu den zum Konzern gehörenden Portalen zählen auch die Buchungsseiten Fluege.de und Ab-in-den-Urlaub.de. Am Montag hieß es: "Die Portale werden von eigenständigen Unternehmen betrieben, die nicht von der Insolvenz betroffen sind." Wie Flöther sagt, habe sich nach der Urlaubstours-Insolvenz daran nichts geändert: Die Portale böten weiterhin ohne Einschränkungen ihre Vermittlungsleistungen an.

Eine Zahlungsunfähigkeit dieser Vermittler könnte für Kunden allerdings deutlich gravierendere Folgen haben als die des Reiseveranstalters Urlaubstours.

Wenn sie die Kaufsumme für Flüge oder Reisen direkt an Anbieter wie Fluggesellschaften gezahlt haben, würden sie keine Probleme bekommen. Falls das Geld aber an das Unister-Portal ging, könnte das anders aussehen. Das ist etwa bei Restplätzen vom sogenannten Graumarkt der Fall, auf dem Reiseveranstalter Flugtickets deutlich günstiger anbieten. Fluege.de hat solche Schnäppchenflüge im Angebot, wie das "Handelsblatt" meldet und der Zeitung von Unister bestätigt wurde.

Zwar sollte auch die Kaufsumme für solche Reisen abzüglich einer Provision an die Anbieter weitergeleitet werden. Aber der Bundesverband Verbraucherzentrale warnt: Im Falle einer Insolvenz sei nicht ohne Weiteres nachzuvollziehen, ob das bereits passiert ist. Kunden sollten dann in Kontakt mit dem eigentlichen Anbieter treten, raten die Verbraucherschützer, und sich versichern, dass die Reise angetreten werden kann.

Im schlechtesten Fall zählen bereits gezahlte Gelder wie An- oder Vorauszahlungen zur Insolvenzmasse, Forderungen müssten dann im Rahmen des Insolvenzverfahrens angemeldet werden. Wer einzelne Leistungen wie Flüge oder Hotelübernachtungen gebucht hat, die auch auf diesen Portalen angeboten werden, hat oft das Nachsehen: Anders als Pauschalreisen sind sie nicht über einen Sicherungsschein versichert.

abl/dpa

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