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Reise

Kreuzfahrtschiff-Unfall in Venedig

"Schiffe außer Kontrolle"

In Venedig kollidierte am Sonntag ein riesiges Kreuzfahrtschiff mit einem Touristenboot. Jetzt ist ein alter Streit neu entbrannt: Wie viel Kreuzfahrt verträgt Venedig?

Luca Bruno/ AP

Kreuzfahrtschiff in Venedig: "Wir wollen jetzt eine Lösung" - nicht in zehn Jahren

Montag, 03.06.2019   18:14 Uhr

Früher oder später musste es passieren. Ein Unglück mit einem Kreuzfahrtschiff in Venedig, vor atemberaubender Kulisse. Die Stadt ist knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt, als am Sonntag ein Zehntausende Tonnen schweres Schiff unkontrolliert in eine Anlegestelle und ein Touristenboot donnerte. Vier Menschen wurden verletzt. Der Unfall hat eine erbitterte Debatte über die Riesenschiffe in einer der bedeutendsten Kulturerbestätten der Welt neu entfacht.

Von "Schiffen außer Kontrolle" und einer "Wunde im Herzen von Venedig" ist am Montag in italienischen Tageszeitungen zu lesen - und von einer "Prophezeiung": Nicht mal einen Monat ist es her, dass der britische Street-Art-Künstler Banksy mit einem Kunstwerk ein Schlaglicht auf die Kreuzfahrtschiffe in Venedig warf. Seine Kritik in Form mehrerer Gemälde, die sich zu einem Kreuzfahrtschiff zusammensetzen, erregte weltweit Aufsehen.

So nah, so gefährlich

Die Kolosse inmitten der fragilen Lagune sind Dauerstreitthema. Venedig lebt vom Tourismus, und die Kreuzfahrtschiffe tragen einen wichtigen Teil dazu bei. Im vergangenen Jahr brachten sie mehr als 1,5 Millionen Reisende in die Stadt. Gleichzeitig sind die Schiffe, die sich gefährlich nah an den Häusern vorbeischieben, ein enormes Risiko für das ökologische Gleichgewicht in der Lagune und für die historischen Gebäude. Der Vorfall am Sonntag beweist das. Unternehmer dagegen sehen ihr Geschäft in Gefahr.

Foto: Robert Lauretti/REUTERS

Ein Aus für die Kreuzfahrtschiffe kam erstmals 2012 nach dem tödlichen Unglück mit der "Costa Concordia" auf den Tisch. Das Schiff hatte damals nahe der Insel Giglio einen Felsen gerammt und war auf die Seite gekippt. Noch immer streiten Politiker auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene, welche alternativen Wege besonders große Kreuzfahrtschiffe in Venedig abseits der spektakulären Route nehmen könnten. Eine mögliche Anlegestelle ist die Industriegegend Marghera. Andere Vorschläge sehen Offshore-Anlegestellen außerhalb der Lagune vor.

Doch in sieben Jahren und fünf Regierungen habe es "nur Worte und null Fakten" gegeben, klagt die Tageszeitung "La Repubblica". Transportminister Danilo Toninelli ist bemüht, Tatendrang zu zeigen. Bis Ende Juni will er ein Projekt präsentieren, das langfristig die großen Schiffe aus der Lagune verbannen soll. Auch werde an einer provisorischen Lösung gearbeitet, "die einige Monate braucht, um sie einzusetzen", sagte er "La Stampa".

"Wir wollen jetzt eine Lösung"

Doch Bürgermeister Luigi Brugnaro und Regionalpräsident Luca Zaia machen den Minister dafür verantwortlich, einen 2017 aufgestellten Plan zu behindern, der die Schiffe aus dem Giudecca-Kanal verbannen soll - jenem Kanal, wo jetzt das Unglück passierte. Der Unfall sei der Beweis dafür, was passiere, wenn es keinen Willen zum Handeln gebe, kritisierte Brugnaro im "Corriere della Sera". "Wir wollen jetzt eine Lösung" - nicht in zehn Jahren, sagte er.

Nach dem Unfall sind die Gemüter erhitzt - nicht auszumalen, was alles hätte passieren können. Die "MSC Opera" ist knapp 66.000 BRZ groß und hatte nach Angaben der Kreuzfahrtgesellschaft MSC Cruises ein technisches Problem. Den Giudecca-Kanal können sogar Schiffe von bis zu 96.000 BRZ befahren. Dort fahren auch Fähren, Taxi-Boote oder die noch kleineren Gondeln - sie wirken gegen die Kreuzfahrtschiffe wie Spielzeug.

"Wir sind alle sauer über diese Industrie, auf die diese Stadt nicht angewiesen ist", sagt Giuseppe Tattara, der sich beim Komitee Nograndinavi engagiert, das für den kompletten Bann der Kreuzfahrtschiffe in der Lagune kämpft. Er wohnt nicht weit entfernt von der Unfallstelle, habe den Lärm gehört und die Verletzten gesehen.

Das Unglück könne nun vielleicht die Suche nach einer provisorischen Lösung für die Kreuzfahrtschiffe beschleunigen, sagt Tattara. Den einzig denkbaren Weg, den man sofort realisieren könnte, wäre aber die Schließung der Lagune - und die Umleitung in größere Häfen wie Triest.

Dass diese Forderung durchkommt, hält aber selbst Tattara nicht für realistisch. "Es wird also alles so weitergehen wie bisher." Die Vereinigung von Kreuzfahrtschiff-Gegnern hat für nächsten Samstag zu einer größeren Kundgebung aufgerufen. "Man kann nicht darauf warten, dass diese Monster erst von Toten gestoppt werden", heißt es auf Facebook.

Lena Klimkeit, dpa

insgesamt 33 Beiträge
frenchie3 03.06.2019
1. Die wollen doch Eintrittsgeld
Dann macht einen Pendelverkehr mit kleinen Booten zu den Dampfern außerhalb der Lagune. Fahrpreis gleich Eintrittspreis. Ist natürlich nur eine halbgare Lösung da man die Kohle ja ohne Gegenleistung einsacken will
Dann macht einen Pendelverkehr mit kleinen Booten zu den Dampfern außerhalb der Lagune. Fahrpreis gleich Eintrittspreis. Ist natürlich nur eine halbgare Lösung da man die Kohle ja ohne Gegenleistung einsacken will
chjuma 03.06.2019
2. Wenn die Politik auch nur einen Funken Verstand hätte
.... Würde sie diesen Kreuzfahrtirrsinn weltweit verbieten, diese Dreckschleudern an die Kette legen und abwracken. Kein Mensch braucht das, niemand brauchte auf irgendwas verzichten und es würden - zig Millionen Tonnen [...]
.... Würde sie diesen Kreuzfahrtirrsinn weltweit verbieten, diese Dreckschleudern an die Kette legen und abwracken. Kein Mensch braucht das, niemand brauchte auf irgendwas verzichten und es würden - zig Millionen Tonnen Schweröldreck nicht für Spaß und Fun in die Atmosphäre gepumpt. Aber das wäre wohl zu viel Aufmerksamkeit für die Klimaziele.
isar56 03.06.2019
3.
Volle Zustimmung. Ein Irrsinn ohne Gleichen.... naja, da wären noch die Flugtouries nach Thailand, Mallorca und bis in die letzte Ecke des Planeten. Damit sich der Müll schön verteilt. Plastikflaschen am Himalaja, [...]
Zitat von chjuma.... Würde sie diesen Kreuzfahrtirrsinn weltweit verbieten, diese Dreckschleudern an die Kette legen und abwracken. Kein Mensch braucht das, niemand brauchte auf irgendwas verzichten und es würden - zig Millionen Tonnen Schweröldreck nicht für Spaß und Fun in die Atmosphäre gepumpt. Aber das wäre wohl zu viel Aufmerksamkeit für die Klimaziele.
Volle Zustimmung. Ein Irrsinn ohne Gleichen.... naja, da wären noch die Flugtouries nach Thailand, Mallorca und bis in die letzte Ecke des Planeten. Damit sich der Müll schön verteilt. Plastikflaschen am Himalaja, Einweggrill im See..... Co2 Inhalationen in Staus an Wochenenden, zu Ferienbeginn und - ende. ..... Was für fun, welch Mörderspaß.
Cr4y 03.06.2019
4. Kreuzfahrer: 100% Zerstörung, 0% Umsatz
Mag etwas überspitzt sein, aber die Richtung stimmt: sie fallen zu tausenden, wohl genährt durch die Bordreaturants, über die Städte her. Lassen kaum einen Euro liegen, da alles zentral vom Schiff geplant und vergeben wird. [...]
Mag etwas überspitzt sein, aber die Richtung stimmt: sie fallen zu tausenden, wohl genährt durch die Bordreaturants, über die Städte her. Lassen kaum einen Euro liegen, da alles zentral vom Schiff geplant und vergeben wird. Blockieren mit ihren Massen und Buskolonnen ganze Landstriche.
bartsuisse 03.06.2019
5. Porto Marghera
das ist gleich daneben und bietet sich an. Die Passagierterminals sind eh da
das ist gleich daneben und bietet sich an. Die Passagierterminals sind eh da

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