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Reise

Mit Digitaltechnik auf Reisen

Zwei Wochen Urlaub, fünf Jahre Haft?

Digitale Technik ist allgegenwärtig, auch auf Reisen. Das birgt Risiken: Eine hierzulande völlig normale Nutzung von Smartphones und Tablets kann uns im Ausland ungewollt zu Opfern machen - oder zu Tätern. Von Frank Patalong

Donnerstag, 18.08.2016   06:28 Uhr
Getty Images

Cheese! Aber sind Sie sicher, dass alle noch lächeln, wenn das Foto bei Facebook erscheint?

Haben Sie schon einmal etwas getan, für das man im Ausland angezeigt, angeklagt oder ausgewiesen werden könnte? Oder gar vielleicht inhaftiert, ausgepeitscht oder hingerichtet? Mit einiger Wahrscheinlichkeit ist das so.

Die globalisierte Welt mag kleiner geworden sein, weil jedes Ziel schnell erreichbar geworden ist. Doch in vielen Ländern der Welt sind uns die Gesetze und Regeln fern wie eh und je: Dinge sind verboten und werden drakonisch bestraft, die uns hierzulande erlaubt sind oder die toleriert werden.

Dass es nicht zu den besten Ideen gehört, mit tätowiertem, nacktem Oberkörper betrunken durch ein Einkaufszentrum in Dubai oder gar Saudi-Arabien zu taumeln, dürfte sich herumgesprochen haben. Da droht deutlich mehr als nur eine freundliche Ermahnung. In Südostasien mit Cannabis-benebelten Augen bei der Passkontrolle aufzulaufen, darf man als suizidal verbuchen. Und dass es gerade in Drittweltländern möglich ist, alles mögliche Getier und Gestein zu kaufen, macht den Rechtsbruch zwar leicht - kann bei der Ausreise aber zu einer Urlaubsverlängerung hinter schwedischen Gardinen führen. Selbst das ach so günstige und fast echte Adidas-Shirt bringt schnell mal Ärger.

Kurzum: Nicht alles, was vor Ort Usus ist, ist auch legal. So weit, so bekannt. Wie aber sieht es im Urlaub bei den Dingen aus, mit denen wir schon in Deutschland am häufigsten Gesetze brechen - unseren geliebten digitalen Gadgets und Geräten?

Mit denen hat in den letzten 15 Jahren womöglich das Gros der Deutschen Gesetze gebrochen. Klar, hier ist das Filesharing gemeint, der Zugriff auf P2P, Filehoster und Videoportale. Schnell verwischen da die Grenzen zwischen legal, illegal und völlig egal: Wir haben uns daran gewöhnt, Dinge als normal zu verbuchen, die eigentlich strafbar sind. Musik, TV und Video kommen alle aus der Cloud, das eine legal, das andere nicht. Nicht alles, was Pirate Bay verbreitet, ist illegal - und nicht alles, was man bei YouTube sieht, sollte dort zu finden sein.

Was ist nun was? Wir wissen es oft nicht - und nutzen es trotzdem.

In Hotels und Ferienwohnungen, die Internetzugang bieten, ist der Haftungsausschluss für die Betreiber deshalb stets Teil des Vertrags. Im Zweifelsfall werden Klagen als spätes Urlaubssouvenir an den Gast weitergereicht.

Das sei allerdings sehr selten, sagt der Kölner IT- und Medienrechtler Christian Solmecke: Viel häufiger sei es, dass "ausländische Besucher oder Arbeitnehmer in Deutschland eine Abmahnung bekommen. Davon sind aber auch Nachbarn oder Gastfamilien betroffen, die etwa ihr WLAN zur Verfügung gestellt haben." Das heißt: Diese Art des Rechtsbruches wird in Deutschland häufiger geahndet als im Ausland - was aber eben auch das Ferienhaus an der Nordsee einschließt.

Mitunter lauern juristische Fußangeln ausgerechnet dort, wo man sie überhaupt nicht vermutet: Die Wiedereinfuhr teuren digitalen Equipments, sagt Solmecke, sei so ein Ding. Immer wieder gebe es Probleme mit dem Zoll - weil der Besitzer nicht beweisen könne, dass er die Geräte auch schon bei der Ausreise dabei hatte. Es empfehle sich "zur Vermeidung von Zweifeln über die Herkunft der Ware und einer daraus resultierenden Abgabenerhebung einen entsprechenden Nachweis vorzulegen. Hilfreich sind hierfür auch Fotos oder Kaufbelege."

Richtig fies kann es allerdings werden, wenn man durch eine vermeintlich normale Nutzung seiner digitalen Geräte im Gastland Gesetze bricht. Als größte Fußfallen entpuppen sich zwei Technologien: Fotografie und Internet sowie deren Verbindung.

Sehr oft sind wir uns schon im Inland nicht darüber im Klaren, wie häufig wir mit Handy-Kameras Recht verletzen. Leisten wir uns das im Ausland, kann uns das teuer zu stehen kommen - spätestens, wenn wir die Beweise und Klageanlässe auch noch selbst bei Facebook posten.

Sich über solche Rechtsrisiken zu informieren, sollte darum zur Urlaubsvorbereitung gehören: Verbote sind landesspezifisch. Über die gefährlichsten Fehler informiert das Auswärtige Amt in seinen Reisewarnungen und Sicherheitshinweisen.

insgesamt 28 Beiträge
Plasmabruzzler 18.08.2016
1.
Und wie immer gilt: vorher erkundigen! In den preiswertesten Reiseführer stehen schon Dinge drin, die man am Urlaubsort auf jeden Fall lassen sollte. Und wenn ich unterwegs bin, nutze ich bei (öffentlichem) WLAN-Zugang [...]
Und wie immer gilt: vorher erkundigen! In den preiswertesten Reiseführer stehen schon Dinge drin, die man am Urlaubsort auf jeden Fall lassen sollte. Und wenn ich unterwegs bin, nutze ich bei (öffentlichem) WLAN-Zugang grundsätzlich VPN. Nicht, weil ich etwas verbotenes vor habe, sondern weil ich nicht weiß, ob sich der WLAN-Betreiber meiner Daten bemächtigen will.
h.hass 18.08.2016
2.
Angesichts der politischen Weltlage bleiben einem meiner Meinung nach nicht mehr allzu viele vertretbare Urlaubsziele. Der gesamte islamische Kulturraum kommt für mich grundsätzlich nicht in Frage, in autokratische Staaten oder [...]
Angesichts der politischen Weltlage bleiben einem meiner Meinung nach nicht mehr allzu viele vertretbare Urlaubsziele. Der gesamte islamische Kulturraum kommt für mich grundsätzlich nicht in Frage, in autokratische Staaten oder Diktaturen wie die Türkei, Russland, Kuba, Nordkorea, Thailand, Simbabwe mag ich nicht reisen. Ich finde es auch unangenehm, in irgendwelchen Bettenbunkern zu urlauben, während ein paar Kilometer entfernt die bitterarme Bevölkerung vor sich hin vegetiert. Insofern fallen große Teile Afrikas, Asiens und Südamerikas schon mal als potentielle Urlaubsziele weg. Die USA sind mir als Urlaubsland nicht mehr geheuer - wer weiß schon, ob man nicht auf irgendeiner Liste irgendeines Geheimdienstes als Terrorist oder "Bedroher" steht und man gleich bei der Passkontrolle von schwerbewaffneten Sicherheitstypen abgegriffen wird. Auf keinen Fall werde ich in kein Land reisen, wo einen ein harmloses Photo oder das Ansurfen einer "unmoralischen" Internetseite womöglich jahrelang in den Knast bringt. An den politischen/sozialen Zuständen in solchen Ländern kann ich nichts ändern. An meiner mentalen/seelischen Verfasstheit schon. Also bleibe ich lieber in Deutschland oder in einem anderen halbwegs zivilisierten europäischen Land, um zu urlauben. Da fühle ich mich nämlich wohler.
ich2010 18.08.2016
3.
sie wissen nicht, was sie verpassen... die welt hat so viel schönes zu bieten. kuba- zumindest vor dem massentourismus sehr schön. das ist echte karibik im vergleich zu domrep und co. mittlerweile wird allerdings auch [...]
Zitat von h.hassAngesichts der politischen Weltlage bleiben einem meiner Meinung nach nicht mehr allzu viele vertretbare Urlaubsziele. Der gesamte islamische Kulturraum kommt für mich grundsätzlich nicht in Frage, in autokratische Staaten oder Diktaturen wie die Türkei, Russland, Kuba, Nordkorea, Thailand, Simbabwe mag ich nicht reisen. Ich finde es auch unangenehm, in irgendwelchen Bettenbunkern zu urlauben, während ein paar Kilometer entfernt die bitterarme Bevölkerung vor sich hin vegetiert. Insofern fallen große Teile Afrikas, Asiens und Südamerikas schon mal als potentielle Urlaubsziele weg. Die USA sind mir als Urlaubsland nicht mehr geheuer - wer weiß schon, ob man nicht auf irgendeiner Liste irgendeines Geheimdienstes als Terrorist oder "Bedroher" steht und man gleich bei der Passkontrolle von schwerbewaffneten Sicherheitstypen abgegriffen wird. Auf keinen Fall werde ich in kein Land reisen, wo einen ein harmloses Photo oder das Ansurfen einer "unmoralischen" Internetseite womöglich jahrelang in den Knast bringt. An den politischen/sozialen Zuständen in solchen Ländern kann ich nichts ändern. An meiner mentalen/seelischen Verfasstheit schon. Also bleibe ich lieber in Deutschland oder in einem anderen halbwegs zivilisierten europäischen Land, um zu urlauben. Da fühle ich mich nämlich wohler.
sie wissen nicht, was sie verpassen... die welt hat so viel schönes zu bieten. kuba- zumindest vor dem massentourismus sehr schön. das ist echte karibik im vergleich zu domrep und co. mittlerweile wird allerdings auch cuba immer mehr zum massenziel. thailand, vor allem das hinterland, wunderschön. oder die inselwelt. gut mach dem 10. tempel weiß man nicht mehr wie der 3. ausgesehen hat.. aber sehr beeindruckend. bali - fantastisch, kann ich nur empfehlen. usa - auch sehr schöne natur. und nach 13+ flügen über den teich kann ich nur sagen, ihre aussagen sind zu 99% vorurteil.
keksguru 18.08.2016
4. Danebenbenehmen kann man vermeiden
aber meistens sind die Leute zu dumm und zu träge, sich zu informieren und selbst wenn sie es getan haben, sind sie zu dumm und zu träge um sich später auch dran zu halten... ich hab mit solchen Typen kein Mitleid. Ignoranz [...]
aber meistens sind die Leute zu dumm und zu träge, sich zu informieren und selbst wenn sie es getan haben, sind sie zu dumm und zu träge um sich später auch dran zu halten... ich hab mit solchen Typen kein Mitleid. Ignoranz wird hart bestraft oder bestraft sich von selbst wenn man z.B. mit einem feisten fetten Bauch und der 500.000$ Yacht durch Gewässer segelt, in denen es Piraten gibt. Ja auch das passiert jedes Jahr aufs Neue. Die Dummen sterben ja bekanntlich nicht aus. Die habe da eine gute Chance, Somalisch zu lernen oder das philippnische Kauderwelsch. Und wer einmal 500 Stockhiebe in Singapur für Kaugummiausspucken in der Metro kassiert hat, hat dann hoffentlich die Lektion gelernt... oder auch nicht denn es bleiben noch weiteren 500 Stockhiebe für das Tragen eines Minirock in Saudi-Arabien, 5 Jahre Djungelgefängnis für FKK in kambodjanischen Tempeln, Steinigung für Zungenküsse in Indien. Geradezu zivilisiert ist Rußland, wo Rauchen in der Öffentlihckeit mit 5000 Rubeln bestraft wird. Aber das sind dann "nur" 75 Euro.
Luna-lucia 18.08.2016
5. wir
sehen jede Art von Werbung grundsätzlich als Zeitverschwendung an. Wenn wir etwas möchten, besuchen wir in einschlägigen Geschäfte, Ausstellungen, ... geprüften Uni-Angebote ... oder buchen unsere Reisen am Flugplatz, in [...]
sehen jede Art von Werbung grundsätzlich als Zeitverschwendung an. Wenn wir etwas möchten, besuchen wir in einschlägigen Geschäfte, Ausstellungen, ... geprüften Uni-Angebote ... oder buchen unsere Reisen am Flugplatz, in einem dortigen Reisebüro, nach einem guten Gesptäch mit den dortigen Sachbearbeitern ... Wir haben unsere Sprache noch nicht > digitalisiert

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