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Reise

Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn

"Olympische Spiele der Gärtner"

Rasenwellen wie Riesengurken und eine Million Blumenzwiebeln: Die Bundesgartenschau in Heilbronn zelebriert die Welt der Pflanzen. Doch ein Idyll ist das Ausstellungsgelände nicht.

BUGA Heilbronn 2019
Mittwoch, 17.04.2019   13:23 Uhr

Farbenprächtig recken sich die Tulpen in den Himmel, außerdem gedeihen auf dem früheren Industriegelände mitten in Heilbronn 5000 Rosenstöcke und 100.000 Stauden. Doch bei der diesjährigenBundesgartenschau (Buga), die nun eröffnet wurde, sollen Pflanzen nicht der einzige Blickfang sein. Die Organisatoren wagen Neues: Die Buga soll keine bunte Blümchenschau sein, sondern eine Stadtausstellung.

Erstmals in der 68-jährigen Geschichte der Veranstaltung leben während der Buga auch Menschen auf dem Ausstellungsgelände. 22 Wohngebäude und eine Jugendherberge stehen dort - 400 Bewohner sind bereits eingezogen, ein Café und ein Kindergarten haben geöffnet.

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Buga 2019 in Heilbronn: Stadtausstellung mit 100.000 Stauden

"Ein reales Labor", so nennt Buga-Geschäftsführer Hanspeter Faas den neuen Ansatz. Die Buga widme sich diesmal Zukunftsthemen wie dem autonomen Fahren, der Digitalisierung und Stadtentwicklung. Für die Besucher gibt es in manchen Häusern Musterwohnungen zum Erkunden.

Flächenverbrauch ist beim Blick in die Zukunft der Städte ein drängendes Thema. Die Buga setzt auf verdichtete Bauweise, also viele Wohnungen auf wenig Raum. Das werde auch kritisch hinterfragt, räumt Faas ein. Aber es sei nun mal ressourcenschonend, es bleibe mehr Platz für Grünflächen oder Seen. Der Geschäftsführer betont: "Es geht darum, langfristig zu denken und langfristig zu verändern." Endet die Buga am 6. Oktober, soll aus der Stadtausstellung ein Wohnquartier werden - mit 3500 Wohn- und 1000 Arbeitsplätzen.

Gartenwelten aus sechs Regionen

Trotz aller Zukunftsvisionen, die Pflanze steht nach Angaben der Macher weiterhin im Mittelpunkt. Eine Million Blumenzwiebeln und Hunderttausende Frühjahrsblüher wurden auf dem Gelände inmitten von Heilbronn gesteckt und gepflanzt. So entstanden "Gartenwelten aus sechs Regionen und 18 Gartenkabinette als Stätten der Begegnung, zum Entdecken und Erholen", wie es in einer Mitteilung der Buga heißt.

Mit 13.000 Besuchern am Tag rechnen die Organisatoren, 30.000 könnten es zu Spitzenzeiten werden. Durch Eintrittsgelder müssen der Kalkulation zufolge rund 40 Millionen Euro in die Kassen kommen. Die Kosten für die Buga liegen demnach bei etwa 194 Millionen Euro - die Stadt Heilbronn übernimmt davon rund 94 Millionen Euro, das Land Baden-Württemberg rund 60 Millionen Euro.

Dafür wurde unter anderem das Areal direkt hinter dem Heilbronner Hauptbahnhof - früher Hafen- und Industriegebiet, zuletzt Brachfläche - komplett umgekrempelt. Die Ecke war als schmuddelig verrufen und das Aufräumen gestaltete sich aufwendig. Gut 300 Tonnen Schrott wurden aus dem Boden geholt, 13 Tonnen Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg. Nun stehen dort das größte Holzhochhaus Deutschlands sowie ein Pavillon aus Glas- und Kohlestofffasern.

"Olympische Spiele der Gärtner"

Bei der Eröffnung der Buga am Mittwochvormittag war auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier anwesend. Man könne die Bundesgartenschau als die Olympischen Spiele der Gärtner bezeichnen, bei der sich auch Laien etwas abschauen könnten, sagte Steinmeier.

Deshalb habe er Hoffnung, sein gärtnerisches Talent noch zu entfalten. Er habe sich "vorgenommen, eines Tages übers Rasenmähen hinaus zu kommen", sagte er. Bisher ist der Bundespräsident eigenen Angaben zufolge eher "fürs Brot-und-Butter-Geschäft eingeteilt", wenn es um die Gartenarbeit daheim geht: "Rasenmähen oder Laubsäckeschleppen in aller Regel".

Steinmeier nannte die Stadt Heilbronn beim Thema Wohnungsnot ein Vorbild. Es brauche "beherzte Kommunen, Investoren, Bauherren und Stadtplaner, die sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind". Die Städte dürften nicht zum "sozialen Kampfplatz um das Wohnen werden", mahnte der Präsident. Mit Blick auf die Bundesgartenschau sagte er: "Hier hat das funktioniert, weil die Grundstücke nicht an den Meistbietenden verkauft wurden, sondern an denjenigen mit dem besten Konzept." Es sei "nicht um kurzfristige Gewinnmaximierung, sondern um langfristige Maximierung von Lebensqualität" gegangen.

In einem ökumenischen Festgottesdienst zur Eröffnung der Bundesgartenschau haben die christlichen Kirchen den Schutz der Umwelt angemahnt. Die Schau zeige die Farbenvielfalt der Schöpfung, sei offen für Begegnung und Gemeinsamkeit, erklärte der evangelische Landesbischof Frank Otfried July. Naturschutz sei notwendig, "damit auch in Zukunft alle Menschen Leben schmecken können". Darüber hinaus solle die Bundesgartenschau ein "Fest des Friedens" werden.

Auch der Bischof der katholischen Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, betonte die besondere Verantwortung der Menschen für die Natur. "In dieser Verantwortung sind wir aufgefordert, die Schöpfung zu bewahren und der Natur dankbar das zurückzugeben, was sie uns schenkt", erklärte er. Dies könne "durch einen Lebensstil, der Natur, Umwelt und Klima nicht zerstört", erreicht werden.


Information: Die Buga 2019 endet am 6. Oktober. Erwachsene zahlen 23 Euro Eintritt, junge Erwachsene bis 25 Jahre 8 Euro. Kinder bis 15 Jahre dürfen kostenlos hinein. Die Dauerkarte kostet 110 Euro für Erwachsene, 50 Euro für junge Erwachsene.

jus/dpa/AFP

insgesamt 6 Beiträge
DocFG 17.04.2019
1. Wer soll das bezahlen ...
Eintritt in Höhe knapp eines Flugtickets ins Ausland. Sanieren hier Bund und/oder Land ihre Haushaltspläne ?
Eintritt in Höhe knapp eines Flugtickets ins Ausland. Sanieren hier Bund und/oder Land ihre Haushaltspläne ?
t_mcmillan 17.04.2019
2. Passt!
Heilbronn ist schon seit 75 Jahren keine Idylle mehr. Daher ist das Konzept absolut stimmig. Ich bin gespannt.
Heilbronn ist schon seit 75 Jahren keine Idylle mehr. Daher ist das Konzept absolut stimmig. Ich bin gespannt.
hartmannulrich 17.04.2019
3.
Artikel gelesen? Die Eintrittsgelder sollen gerade mal ein Fünftel der Kosten erwirtschaften, der Rest sind Zuschüsse. Meinem Eindruck nach tritt bei solchen Gartenschauen, die gerade hier in Baden-Württemberg immer [...]
Zitat von DocFGEintritt in Höhe knapp eines Flugtickets ins Ausland. Sanieren hier Bund und/oder Land ihre Haushaltspläne ?
Artikel gelesen? Die Eintrittsgelder sollen gerade mal ein Fünftel der Kosten erwirtschaften, der Rest sind Zuschüsse. Meinem Eindruck nach tritt bei solchen Gartenschauen, die gerade hier in Baden-Württemberg immer aufwendiger gestaltet werden, das Gärtnerische in den Hintergrund. Sie werden eher als eine Gelegenheit zur Stadtgestaltung wahrgenommen.
spon_3055608 17.04.2019
4. von Gartenfeinden für Gartenfreunde?
Ich glaube dass Menschen vor allem deshalb eine Gartenschau besuchen um etwas über die verschiedenen Möglichkeiten der Gartengestaltung zu sehen um Blumen und Pflanzen anzuschauen und,- hochaktuell etwas über naturnahes [...]
Ich glaube dass Menschen vor allem deshalb eine Gartenschau besuchen um etwas über die verschiedenen Möglichkeiten der Gartengestaltung zu sehen um Blumen und Pflanzen anzuschauen und,- hochaktuell etwas über naturnahes Gärtnern und Gartengestaltung zu erfahren. Wer Architektur sehen will geht eher nicht auf eine "Gartenschau"! Wieder eine Bewusste Irreführung wie die "Gartenschau" in München? Mich ärgert noch heute das saftige Eintrittsgeld für die Münchner BUGA. Das Ganze sah aus wie die Anzucht-Äcker einer Großversenders von Friedhofspflanzen: ein Hektar Tagetes in Orange, daneben einer in Rot usw. Man hatte ja wenigstens Tulpen nehmen können, die deutlich mehr fürs Auge bieten,- war aber wohl zu teuer. Eine riesige Betonwanne die ansonsten völlig kahl war, wurde als "See" angepriesen, daneben die bürstenartigen völlig verwilderten Reste einer Baumschule. Und erst die herrlichen "Kunstwerke". Im Gedächtnis blieben mir die Riesen Betonneier. Das schönste an der ganzen Ausstellung war noch der Verkaufsraum der Fa. Dehner. Ich hoffe doch sehr die Gartenschau in Heilbronn folgt nicht diesem Muster.Ich glaube dass Menschen vor allem deshalb eine Gartenschau besuchen um etwas über die verschiedenen Möglichkeiten der Gartengestaltung zu sehen um Blumen und Pflanzen anzuschauen und,- hochaktuell etwas über naturnahes Gärtnern und Gartengestaltung zu erfahren. Wer Architektur sehen will geht eher nicht auf eine "Gartenschau"! Wieder eine Bewusste Irreführung wie die "Gartenschau" in München? Mich ärgert noch heute das saftige Eintrittsgeld für die Münchner BUGA. Das Ganze sah aus wie die Anzucht-Äcker einer Großversenders von Friedhofspflanzen: ein Hektar Tagetes in Orange, daneben einer in Rot usw. Man hatte ja wenigstens Tulpen nehmen können, die deutlich mehr fürs Auge bieten,- war aber wohl zu teuer. Eine riesige Betonwanne die ansonsten völlig kahl war, wurde als "See" angepriesen, daneben die bürstenartigen völlig verwilderten Reste einer Baumschule. Und erst die herrlichen "Kunstwerke". Im Gedächtnis blieben mir die Riesen Betonneier. Das schönste an der ganzen Ausstellung war noch der Verkaufsraum der Fa. Dehner. Ich hoffe doch sehr die Gartenschau in Heilbronn folgt nicht diesem Muster.
latimer 18.04.2019
5. Es geht nicht nur um Blumen und Garten!
Bundes-, Landes- und Internationale Gartenschauen dienen der Finanzierung von durchaus wichtigen Projekten im Rahmen der Stadterneuerung, bauen neue Parks und bringen ganz allgemein mehr Grün und damit Natur in unsere Städte. [...]
Bundes-, Landes- und Internationale Gartenschauen dienen der Finanzierung von durchaus wichtigen Projekten im Rahmen der Stadterneuerung, bauen neue Parks und bringen ganz allgemein mehr Grün und damit Natur in unsere Städte. Wenn dann finanzielle Ziele der Schauen, die nur der Eröffnung solcher Projekte dienen, manchmal nicht erreicht werden, ist das für mich zweitrangig, denn hätte man dies ohne die finanzielle Unterstützung von Oben gemacht, wären viele Projekte den Kommunen sehr teuer gekommen oder oft grundsätzlich nicht möglich gewesen. Ich finde es jedenfalls gut, dass sich unser Land solche Projekte leisten will. Ob dann jede Schau gelungen ist, darf aber sicher diskutiert werden. Zu teure Eintrittsgelder werden sicher nicht erhoben. Im internationalen Vergleich sind die Eintrittsgelder für solche Veranstaltungen in Deutschland verhältnismäßig günstig.
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