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Reise

Sternenparks in Deutschland

Gucke und staune

Den Blick in ferne Welten richten, ohne in den Flieger zu steigen - das geht. Dies sind die Hotspots für Astrotouristen in Deutschland.

Thomas Becker/ TMN
Mittwoch, 04.09.2019   12:31 Uhr

Flimmernde Punkte in unendlichen Weiten - allein die Milchstraße beherbergt mehr als hundert Milliarden Sterne. Um die Schönheit des Himmels erleben zu können, muss man nicht auf entlegene Inseln oder in entfernte Hochgebirge reisen. Auch in Deutschland gibt es Orte für faszinierende Aussichten nach oben.

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Astrotourismus: Gucke und staune

Vier Gebiete sind hierzulande von der amerikanischen Nichtregierungsorganisation International Dark Sky Association als Sternenparks ausgewiesen. Damit sind die Parks in Brandenburg, im Dreiländereck Thüringen-Hessen-Bayern, in Nordrhein-Westfalen und Bayern als Regionen zertifiziert. Aber exzellente Sternenblicke erlauben auch andere besonders dunkle Gegenden.

Ein Überblick über die himmlischen Adressen:

Freier Eintritt: Sternenpark Westhavelland

Deutschlands erster Sternenpark liegt etwa 70 Kilometer westlich von Berlin in Brandenburg zwischen der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt und Friesack. Er umfasst den gesamten, 1380 Quadratkilometer großen Naturpark. In der etwa 40 Quadratkilometer großen Kernzone zwischen Gülpe und Nennhausen kann man im Herbst tagsüber Kraniche und Wildgänse am Himmel fliegen sehen.

Nach Sonnenuntergang ziehen dort dann Sterne, Kometen oder sogar die Raumstation ISS ihre Bahnen. Der Sternenpark hat auf seiner Homepage neun Beobachtungsplätze für Amateurastronomen ausgewiesen. Führungen und Fotokurse sind auf der Naturparkwebsite zu finden.

Neue Schauplätze: Sternenpark Biosphärenreservat Rhön

Für die Mitte Deutschlands öffnet sich im Biosphärenreservat der Sternenpark Rhön das Fenster ins Universum. Die versprengten Dörfer im Dreiländereck Thüringen-Hessen-Bayern liegen in Tälern, deshalb bieten nicht nur die sechs bisher ausgewiesenen Sterneguckplätze einen guten Blick ins Firmament.

Auf dem Hohen Geba gibt es einen Beobachtungsplatz mit vier Plattformen, auf der auch Teleskope an eine Stromzufuhr angeschlossen werden können. Im September werden die ersten Himmelsschauplätze mit Liege, Infotafel und beweglicher Sternenkarte eingeweiht.

Offizielle Führungen gibt es das ganze Jahr über bei der Volkshochschule Fulda. Die Sternenführer des Vereins Sternenpark Rhön stehen auch für individuelle Führungen bereit, etwa in Fulda, der größten Stadt im Sternenpark, die sich dank einiger Maßnahmen gegen Lichtverschmutzung jetzt "erste Sternenstadt Deutschlands" nennen darf.

Insel der Dunkelheit: Sternenpark Nationalpark Eifel

Eine "Insel der Dunkelheit" nennt der Astronom Harald Bardenhagen den 110 Quadratkilometer großen Sternenpark Nationalpark Eifel - denn dieser liegt im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen und ist von hellen Städten und sogar einem Flughafen umgeben.

Besonders am Südrand des Gebiets um das Dorf Hellenthal-Udenbreth hat der auf Sternenhimmel spezialisierte Fotograf Bernd Pröschold aber sehr gute Plätze für die ganzjährige Sternenbeobachtung ausgemacht.

Eine halbe Stunde davon entfernt betreibt Bardenhagen eine Sternwarte und die Astronomie-Werkstatt "Sterne ohne Grenzen". Sie bietet geführte Sternenwanderungen an. Bardenhagen hat fünf Beobachtungsplätze ausgewiesen, denen im Rahmen der Initiative "Unterm Sternenzelt - Eifel bei Nacht" weitere folgen sollen.

Barrierefrei staunen: Sternwarte St. Andreasberg im Harz

In der frühen Bronzezeit galt der Brocken in Norddeutschland als zentraler Bezugspunkt der Himmelsbeobachtung. Davon zeugt die Scheibe von Nebra. Doch heute erschweren beleuchtete Gebäude die Sternenbeobachtung vom höchsten Berg im Nationalpark Harz. Der beste Platz für Himmelsgucker dort ist deshalb die Sternwarte St. Andreasberg mit ihrem Außengelände am Rehberg.

Das komplette Gelände an der Grenze des Nationalparks ist barrierefrei. In der Sternwarte erfahren Besucher unter anderem in Planetariumsprojektionen anschaulich, was wir vom Himmel wissen. Blinde können dank einer sogenannten sprechenden Himmelsscheibe und Tastmodellen von Asteroiden und mehr die Himmelskörper erfahren.

Hotspot der Himmelsbeobachtung: Sternenpark Winklmoos-Alm

Mit 3000, in sehr klaren Nächten sogar bis zu 6000 sichtbaren Sternen punktet der Sternenpark Winklmoos-Alm bei Reit im Winkl als deutscher Hotspot der Himmelsbeobachtung. Im Sommer und Herbst ist die Milchstraße detailreich erkennbar.

Das Almgebiet in den Chiemgauer Alpen breitet daneben auch ein beeindruckendes Gebirgspanorama auf 1200 Meter Höhe aus. Dort führt der Astronom und Physiker Manuel Philipp wöchentlich zwischen Mai und November in die Welt der Sterne ein.

Eine Alternative sind die Führungen fürs bloße Auge auf dem 40 Kilometer entfernten Höhenrücken Ratzinger Höhe am Chiemsee. Auf der Alm bieten drei Sternenliegen und ein Rundweg tagsüber einen guten Gebirgsblick und nachts beste Plätze sowie eine bequeme Position fürs selbstständige Sternegucken.

Und außerdem...

Wo es am dunkelsten ist, leuchten die Sterne am hellsten. Gute Bedingungen erfüllen jedoch nicht nur die Sternenparks. Der Astronom und Leiter der deutschen Fachgruppe der International Dark Sky Association, Andreas Hänel aus Osnabrück, hat auf der Insel Spiekeroog den dunkelsten Himmel über Deutschland gemessen.

Dem Kölner Fotograf Bernd Pröschold zufolge ist die nordfriesische Insel Pellworm statistisch gesehen der dunkelste Ort. Doch auf beiden Inseln sind Urlauber beim Sternebeobachten auf sich gestellt. Andere Regionen wie der Pfälzer Wald oder die Schwäbische Alb sind dabei, eine Infrastruktur mit Plätzen, Pfaden, angebotenem Equipment und ausgewiesenen Hotels für Sternegucker zu schaffen.

Das Mecklenburger Parkland in der Nähe von Rostock plant für 2020 einen Astrolehrpfad mit sechs Teleskop-Beobachtungsstationen. Quasi nebenan hat der Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide zehn Standorte ausgewählt, die Sterneguckern ebenfalls im nächsten Jahr zur Verfügung stehen sollen.

Auch Volkssternwarten und selbstständige Sternführer geben Einblicke ins Universum, während einzelne aufgeschlossene Hoteliers in nachtlichtarmer Umgebung ihre Terrassen und Wiesen und zum Teil auch Himmelsbeobachtungsinstrumente zur Verfügung stellen.

Karin Willen, dpa/ele

insgesamt 3 Beiträge
ontwoone 05.09.2019
1. In dunkler Nacht...
Danke für die Tipps. Es ist schon lange mein Wunsch, wieder mal eine wirklich dunkle Nacht zu erleben. Das letzte Mal bei Wildeck, am Rande des Thüringer Waldes. Es wäre zwar gut, wenn sich viele Menschen diesem Erlebnis [...]
Danke für die Tipps. Es ist schon lange mein Wunsch, wieder mal eine wirklich dunkle Nacht zu erleben. Das letzte Mal bei Wildeck, am Rande des Thüringer Waldes. Es wäre zwar gut, wenn sich viele Menschen diesem Erlebnis hingeben. Zu befürchten ist allerdings der laute Massentourismus mit vielen beleuchteten Handys um die Sterne zu fotografieren. Ich denke nur an die letzte Mondfinsternis. Mittendrin wollten die allermeisten plötzlich wieder nach Hause, so dass die vielen wegfahrenden Autos die Augen wieder blind machten. Schluchz!
darksky 05.09.2019
2. Spiekeroog geht nun auch den Weg...
Das passt: Am Dienstagabend hat der Rat von Spiekeroog beschlossen, den Antrag auf offizielle Anerkennung als Sternenpark weiter zu verfolgen - viel Erfolg!
Das passt: Am Dienstagabend hat der Rat von Spiekeroog beschlossen, den Antrag auf offizielle Anerkennung als Sternenpark weiter zu verfolgen - viel Erfolg!
darksky 05.09.2019
3. dunkler Himmel und Insketenschutz
achso: und wo besser als in Sternenparks können die Insekten vor Lichtverschmutzung geschützt werden: https://www.bmu.de/publikation/aktionsprogramm-insektenschutz/
achso: und wo besser als in Sternenparks können die Insekten vor Lichtverschmutzung geschützt werden: https://www.bmu.de/publikation/aktionsprogramm-insektenschutz/
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