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Reise

Cannes vor den Filmfestspielen

Wo Kommissar Léon Duval ermittelt

Bald werden die Stars der Filmwelt wieder über die Croisette von Cannes flanieren. Genau dort lässt Christine Cazon ihren ersten Krimi mit Léon Duval beginnen. Die Autorin zeigt die Kulissen ihrer Buchserie.

Raphael Chapot/ Moment/ Getty Images
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Montag, 13.05.2019   11:59 Uhr

Cannes leuchtet im Gelb der Mimose und dem Azurblau des Himmels. Es ist Frühling an der Côte d'Azur. Die Strandbistros sind gut besucht, und die ersten Schwimmer wagen sich ins kalte Wasser.

Christine Cazon blinzelt in die Sonne, sie freut sich über das gute Wetter von Cannes. Die Stadt spielt die Hauptrolle in den bislang sechs Krimis der Wahlfranzösin rund um den Kommissar Léon Duval. Die 57-jährige Autorin will mir die Orte ihrer Romanhandlungen zeigen.

Simone F. Lucas/ SRT

Krimi-Autorin Cazon

Cazon beginnt beim Festspielhaus neben dem Alten Hafen. Dort finden die Filmfestspiele von Cannes von kommendem Dienstag, 14. Mai, an statt. Und hier spielt ihr erster Kriminalfall.

Für den gerade aus Paris nach Cannes gekommenen Duval wird die Ermordung eines Produzenten während des Festivals zur Nagelprobe. Er muss Spürsinn beweisen in einem Fall, der die Öffentlichkeit aufwühlt. Hat sich das Opfer doch einen Namen als Umweltschützer gemacht und war gleich mit einer ganzen Gruppe Indigener aus dem Regenwald ins Luxushotel Majestic angereist.

"Das Hotel war kürzlich von Grund auf renoviert worden und strahlte von außen in makellosem Weiß", heißt es im Krimi "Mörderische Côte d'Azur" - und genauso ist es auch an diesem Tag, an dem Cazon uns "ihr" Cannes zeigt.

Von Fischern, Migranten, Drogenschmugglern

Lange halten wir uns nicht auf an der Croisette, wo der Glamour von Cannes zu Hause ist. Vor dem Festivalpalais haben Stars der Filmwelt ihre Handabdrücke und Unterschriften hinterlassen, ihre Silhouetten säumen die Strandpromenade. Cazon hat dafür keinen Blick übrig. "Mein Kommissar und ich, wir haben so ein Faible für das Cannes der kleinen Leute", sagt die blonde Autorin und biegt ab in Richtung Marché Forville, dem Markt, auf dem so manche ihrer Protagonisten einkaufen.

Frisches Gemüse türmt sich, Früchte leuchten in allen Farben, es gibt Stände mit Fleisch und Pasteten, solche mit Käse und Oliven. Man kann eine Socca, den berühmten Kichererbsenfladen frisch aus dem Ofen essen, frittierte Zucchiniblüten, eine Paella.

Ganz hinten ist der Fischmarkt, auf dem die Fischer ihren Fang des Tages ausgebreitet haben. Cazon spricht einen kräftigen Mann mit freundlichem Gesicht an. Sie hat sich hier Informationen über die Sorgen und Nöte der Fischer geholt, die sie in ihrem jüngsten Krimi "Das tiefe blaue Meer der Côte d'Azur" verarbeitet hat.

Preisabfragezeitpunkt:
06.06.2019, 13:34 Uhr
Ohne Gewähr

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Christine Cazon
Das tiefe blaue Meer der Côte d'Azur: Der sechste Fall für Kommissar Duval (Kommissar Duval ermittelt, Band 6)

Verlag:
KiWi-Taschenbuch
Seiten:
320
Preis:
EUR 10,00

All ihre Themen sind nah dran an Cannes: die Fischer, die sich mit ihren Booten kaum gegen die protzigen Yachten der Milliardäre behaupten können, die Cannes und das Meer wie ihr Privateigentum behandeln. Die Migranten aus Schwarzafrika, die als fliegende Händler am Strand nicht gern gesehen sind. Die Drogenschmuggler, die Diskussion um den Wolf im Hinterland.

Im sechsten Krimi spielt auch die Altstadt Suquet als Kulisse eine wichtige Rolle. Steile Treppen führen nach oben. In der schmalen Rue Hibert reihen sich heruntergekommene Werkstätten aneinander - alles graue Häuser. Hier ist nichts aufgehübscht, so manches wirkt wie der Hinterhof des glamourösen Cannes, ein bisschen schäbig mit abblätterndem Putz und verstaubten Fenstern.

Christine Cazon steuert zwei schmale Häuser mit zarter Wandmalerei und üppigem Blumenschmuck an. Hier, erzählt die Autorin, hat sie eine alte Frau beobachten lassen, wer in der Nachbarwohnung aus und ein ging. In Wirklichkeit sind viele der Häuser nicht mehr bewohnt, sie werden über AirBnB vermietet.

Drei Ordner mit Cannes' Kriminalfällen

Man könne Cazons Buch besser als Touristenführer denn als Krimi lesen, mäkelte ein Kritiker nach dem ersten Kommissar-Duval-Fall. Tatsächlich kann man mit den Krimis ganz neue Seiten der Festspielstadt entdecken. "Und das ist auch gut so", meint die Autorin. "Ich will Cannes erzählen", sagt sie. Und: "Ich schreibe für ein ausländisches, das deutsche Publikum. Die Franzosen warten sicher nicht darauf, dass ihnen eine Deutsche die Côte d'Azur erklärt."

Reise-Reportagen aus Südfrankreich

Vieles von dem, was ihrem Kommissar in seinem neuen Umfeld begegnet, hat sie selbst erlebt, als sie vor Jahren aus dem dörflichen Hinterland Südfrankreichs nach Cannes kam. "Cannes hat mich sehr eingeschüchtert", erinnert sie sich. Wurde sie, die in Heidelberg geborene Deutsche, in den Bergen "mit offenen Armen empfangen", blieben ihr in Cannes die Türen lange verschlossen. "Das war ein Schock."

Überwinden konnte sie die Entfremdung erst, als der Verlag, in dem sie lange Jahre gearbeitet hatte, bei ihr anfragte, ob sie nicht mal einen Cannes-Krimi schreiben könnte. "Das war der Moment, in dem ich angefangen habe, mich für Cannes zu interessieren", berichtet Cazon. Seither hat sie viele französische Krimiserien angeschaut, in der Zeitung "Nice Matin" Kriminalfälle studiert und Notizen gesammelt. Motto: "Das kann man alles mal brauchen."

Drei Ordner hat sie inzwischen angelegt - Cannes' Polizei, Cannes' Geschichte, Cannes' Kriminalität. Und die Themen gehen ihr wohl so schnell nicht aus, in ihrem fünften Krimi "Wölfe an der Côte d'Azur" nimmt sie die Leser mit ins bergige Hinterland. Dorthin, wo sie selbst ein paar Jahre gelebt hat, um nach einem Burnout zur Ruhe zu kommen. Und im dritten Krimi "Stürmische Côte d'Azur" geht es nach Sainte-Marguerite direkt vor Cannes.

Der Mann mit der eiserner Maske war schon da

Auf der Fähre zu der kleinen Insel sind wir nicht die einzigen. Ganze Familien sind bei der 15-minütigen Fahrt über das Meer an diesem sonnigen Tag dabei. Welch ein Glück, dass wir nicht ein Wetter erwischt haben wie Kommissar Duval, der auf den sturmgepeitschten Wogen nur mühsam gegen seine Seekrankheit ankämpften konnte. "Ich weiß genau, wie das ist", sagt Cazon, "ich bin extra bei schlechtem Wetter auf die Insel gefahren."

Authentizität ist ihr wichtig, sie sieht sich auch als Chronistin und bedauert, dass manches, was sie in ihren Krimis beschreibt, schon nicht mehr existiert. Auch auf der Insel wurde das baufällige Hotel, von dem im dritten Krimi die Rede ist, inzwischen abgerissen. "Alles verschwindet", klagt Cazon beim Anblick der leeren Fläche am Strand.

Wir betreten das malerische Fort Royal, das lange als Staatsgefängnis diente und als solches von 1687 bis 1698 den mysteriösen Mann mit der eisernen Maske beherbergte. Er war nicht der einzige Gefangene im Festungsknast. Politisch Andersdenkende waren hier inhaftiert, Hugenotten, Geistliche und Angehörige des algerischen Emirs Abd-el-Kader. Das Musée de la Mer in der Festung erinnert an ihr Schicksal.

Wir laufen auf schattigen Wegen bis zum Étang de Batéguier, einem Seevogel-Biotop. Sainte-Marguerite ist eine Welt für sich. Für ein paar Stunden genießen wir diese Abgeschiedenheit, ehe wir zurückkehren in den Trubel von Cannes. Eins hat sich bei unserer Tour gezeigt: Cazon werden die Themen so schnell nicht ausgehen. Der siebte Krimi um Kommissar Léon Duval ist bereits in Arbeit.

Informationen zu Cannes

Anreise
Der Flughafen Nizza ist 30 Kilometer entfernt. Der Pendelbus nach Cannes kostet 22 Euro für die einfache Fahrt, 33 Euro für Hin und Zurück: www.departement06.fr
Unterkunft
Zentral gelegen, einladend und nicht überteuert ist das Hotel Le Canberra in der Einkaufsmeile Rue d'Antibes: www.hotel-cannes-canberra.com
Wer's lieber abgeschieden mag: Auch auf der Insel Sainte Marguerite kann man übernachten, allerdings eher einfach im "Centre International de Séjour Iles de Lérins - Cannes Jeunesse" im Fort Royal: www.cannes-jeunesse.fr
Unterwegs sein
Auch ohne Auto ist man in Cannes mobil: Für 1,50 Euro kann man mit dem Bus (Busbahnhof Place Cornut) nicht nur die Innenstadt befahren, sondern gelangt auf dem Verkehrsnetz der Lignes d'Azur auch an sehenswrte Orte in der Umgebung. Ein Bus verbindet Cannes mit Le Cannet, Mandelieu la Napoule, Théoule und Mougins. Die Fähre auf die Insel Sainte Marguerite kostet 15 Euro, wer übers Internet bucht, zahlt 13,50 Euro.
Cannes Greeters
Greeters sind Einheimische, die ehrenamtlich und kostenlos ihre Stadt zeigen, Lieblingslokale inbegriffen. So eine Führung verspricht eine ganz persönliche Begegnung mit der Stadt und dem Greeter. Leider sprechen die wenigsten Deutsch: www.cannesgreeters.fr
Essen und Trinken
Nicht nur der Markt ist eine Einladung an Gourmets, auch Geschäfte wie der Käseladen Ceneri oder La Ferme Savoyarde in der Rue Meynadier lassen die Herzen von Feinschmeckern höher schlagen. Schön bodenständig essen kann man etwa im rustikal-charmanten Relais des Semailles in der Rue St. Antoine im Suquet: www.lerelaisdessemailles.com
Direkt am Strand liegt das Riviera Beach, Boulevard du Midi Jean Hibert: www.rivierabeach-cannes.fr
Informieren: Palais des Festivals et des Congrès de Cannes, La Croisette CS 30051, 06414 Cannes Cedex, Tel. 0033/492/998400 www.palaisdesfestivals.com,
www.cannes-destination.com

Simone F. Lucas ist Autorin des Journalistenbüros srt und recherchierte mit Unterstützung von Kiepenheuer & Witsch sowie dem Palais des Festivals et des Congrès de Cannes.

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