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Reise

Katalonien

Hier ist die Costa Brava noch wild

Lloret de Mar ist bekannt für Betonsünden. Doch hier beginnt auch der Camí de Ronda, der zu winzigen Buchten und hohen Klippen führt. Der Wanderweg ist nur eine Möglichkeit, die Schönheit der Costa Brava zu entdecken.

Pere Sanz/ iStockphoto/ Getty Images
Dienstag, 11.06.2019   15:25 Uhr

Diese Treppen führen hinaus aus der Urlaubsszenerie der Strandliegen und Sonnenschirme. Sie führen vom Strand La Fosca nach oben, nordwärts, als Teil der Wanderroute Camí de Ronda vorbei an Überresten des mittelalterlichen Kastells Sant Esteve de Mar und um die nächste Landspitze. Agaven und Feigenkakteen krallen sich in die Ausläufer der Klippen. Im Meer ragen Felsblöcke auf, Möwen kreischen - es riecht nach Salz und Lavendel.

In der kleinen Bucht S'Alguer liegen Boote am Steinstrand, dahinter weiß getünchte Fischerhäuschen mit Fenstern und Türen in Gelb, Rot und Grün. Eine Wohltat im Vergleich zu den Bauten in Lloret de Mar, etwa 50 Kilometer weiter südlich. Dort liegt Spaniens Costa Brava, die wilde Küste, unter Beton begraben. Und dort startet der Camí de Ronda, der über 187,5 Kilometer oder zehn Etappen bis Portbou führt und sich zum Teil mit dem Fernwanderweg GR-92 deckt.

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Costa Brava: Die schöne Seite der wilden Küste

Daniel Punseti, 43, hat sein bisheriges Leben in dieser Küstengegend verbracht. Der Katalane hat dabei mitgeholfen, den Camí de Ronda wiederherzustellen, jenen Weg, "den schon unsere Eltern, Großeltern und Urgroßeltern gegangen sind", wie er sagt. Auf ihm kann eine weitgehend ursprüngliche Mittelmeerlandschaft aus Schirmpinien, Korkeichen, wilden Oliven, Buchten und Stränden erkundet werden.

Ursprünglich war die Strecke dazu gedacht, Schiffbrüchigen zu helfen und Gestrandeten in der Not den Weg ins nächste Dorf zu ermöglichen. Später gingen Militärpolizisten auf Patrouille, um Schmuggel und Schwarzhandel zu kontrollieren. Sie machten ihre Runde (ronda), daher der Name der Route. Kein gemütlicher Spaziergang von Bucht zu Bucht ist das, sondern ein schweißtreibendes Auf und Ab.

Hinter dem weiten Strand Castell steigt der Pfad zu den Überbleibseln einer Siedlung der Iberer an, die 2500 Jahre auf dem Buckel hat. Mit diesem Ausblick hoch über der Küste brütete der Schriftsteller Truman Capote in einer Villa über seinem Erfolgsroman "Kaltblütig", sagt Punseti. Und "Herr der drei Welten" wurde hier gedreht, ein vergessener Flop der Filmgeschichte über Gullivers Reisen.

Ein Tipp für den Weg zum Ferienort Calella de Palafrugell lautet eigentlich: Badezeug mitnehmen. Doch in den Buchten Estreta und Remendón ist die Bekleidung überflüssig: Hier ist traditionell Nudistenterrain. Niemand stört sich daran, die nächsten Orte und Straßen sind weit weg. "Deswegen wird es selbst im Sommer nicht voll", sagt Punseti. Aber auch nicht an den zu Calella de Palafrugell gehörigen Stränden Golfet und Port Pelegrí.

Dalís Schloss für seine Gala

Der Camí de Ronda ist eine Möglichkeit, die Costa Brava abseits der Hotelbunker und Strandpromenaden zu erkunden. Eine andere: einfach mit dem Auto durch das Hinterland streifen und sich zum Beispiel von mittelalterlichen Orten wie Pals, Ullastret und Peratallada überraschen lassen. Efeu und Rosenstöcke ranken sich um Gitterfenster, Pflanzenkübel stehen neben Hauseingängen. Restaurants und Unterkünfte wissen um den Charme alter Steine - dementsprechend sind die Preise.

Kleiner und unbekannter sind St. Martí Vell, Madremanya, Cruïlles und Palau-Sator. In Canapost trifft man hinter der Kirche Sant Esteve gewissermaßen Daniel Punseti wieder - als Archäologe half er vor Jahren dabei mit, einen Friedhof aus dem Mittelalter freizulegen.

Das Dorf Púbol würde bis heute ein beschauliches Dasein fristen, hätte nicht Salvador Dalí seiner Gemahlin und Muse Gala ein Schloss versprochen. 1969 kaufte er im Landstrich Baix Empordà in Púbol das heruntergekommene Anwesen und "dalinisierte" es - samt einem Thron für Gala im Wappensaal und golden glänzenden Wasserhähnen über der Badewanne. Die Extravaganz setzt sich im Garten fort, während die Grabstätte Galas konservativ pompös daherkommt.

Das Palais ist das am wenigsten besuchte Ziel im Dalí-Dreieck mit dem Museumshaus hoch im Norden an der Küste von Portlligat und seinem umgestalteten Stadttheater in Figueres, dem Tempel des Surrealismus, in dem Dauermassenbetrieb herrscht.

Gegenwartskunst anderer Art pflegt Annick Galimont, 45, in La Bisbal d'Empordà, wo das Terrakotta-Museum die Geschichte des Töpferorts dokumentiert und jeden Freitagvormittag ein Markt stattfindet. Vor einigen Jahren zog die gebürtige Französin hierher, eröffnete eine Keramikwerkstatt und verkauft seither ihr originelles Markenzeichen: die Waltasse, eine Tasse mit Walschwanz als Henkel. Galimont lebte zuvor mit ihrer Familie in Barcelona, doch das ging an die Substanz. "Die ganzen Autos, der Lärm, die Hektik", sagt sie.

Hartes Training für den Menschenturm

Auch Elena Moreno, 56, hat Barcelona den Rücken gekehrt. Sie führt heute einen Juwelierladen nahe dem Ort Torrent und empfängt Gäste in der Weinkellerei Mas Oller. Der Trend geht hier eindeutig in Richtung junger, fruchtiger Weine. So auch im Hinterland in der Kellerei Brugarol. Interessant ist dort weniger der Wein als vielmehr die Architektur, die mit dem Pritzker-Preis geadelt wurde. Die Anlage aus recycelten Metallen eines Schiffsfriedhofs verschwindet im Untergrund, ein Spiel mit Licht und Finsternis, Symmetrien und Asymmetrien.

Salt bei Girona ist dagegen bekannt durch die Castells, die bis zu zehn Meter hohen Menschentürme - eine katalanische Tradition, die zum immateriellen Weltkulturerbe der Unesco zählt. Die Castellers Els Marrecs de Salt haben ihre großen Auftritte bei Volksfesten wie Ende Juli in Salt und Ende Oktober in Girona. Dienstags und freitags sind Gäste bei Proben in der Kulturfabrik Coma Cros willkommen.

Die Kletterakrobatik zur Errichtung der oberen Stockwerke, Positionen, Armgriffe und die Krönung des Konstrukts durch Kleinkinder mit Schutzhelmen - all das erfordert hartes Training. "Es gibt keine Netze, du musst die ganze Zeit voll konzentriert sein. Das ist, wie beim Fußball einen Elfmeter im Champions-League-Finale zu schießen", erklärt Trainer Salvi Folgueras.

Andreas Drouve, dpa

insgesamt 3 Beiträge
spon_3170549 11.06.2019
1. Lohnt sich wirklich
Der Camí de Ronda lohnt sich wirklich! Anders als der Artikelanfang vermuten lässt, startet man jedoch klassischerweise nicht in Lloret de Mar sondern in Portbou ganz im Norden der Costa Brava und wandert über viele Tage in [...]
Der Camí de Ronda lohnt sich wirklich! Anders als der Artikelanfang vermuten lässt, startet man jedoch klassischerweise nicht in Lloret de Mar sondern in Portbou ganz im Norden der Costa Brava und wandert über viele Tage in Richtung Lloret de Mar.
bontus.lodde 12.06.2019
2. Calella de Palafrugell...
... ist leider bereits touristisch überlaufen, es hat zwar noch immer einen Teil seines alten Charmes und ist zum Glück noch nicht zu einem Lloret de Mar verkommen, aber der Massentourismus und Instagram als Werbemittel (letztes [...]
... ist leider bereits touristisch überlaufen, es hat zwar noch immer einen Teil seines alten Charmes und ist zum Glück noch nicht zu einem Lloret de Mar verkommen, aber der Massentourismus und Instagram als Werbemittel (letztes Jahr war so ziemlich jede/r Influencer in Calella de Palafrugell) sind dabei dies zu ändern. Anders könnten die auffallend vielen qualitativ schlechten Restaurants nicht genug Gäste anlocken, Meerblick zählt dann scheinbar doch mehr als gutes Essen.
rainer-rau 12.06.2019
3. Schade,
dass von den Urlaubszielen keine realistischen Bilder gezeigt werden, auf denen die Touristen sich gegenseitig gegen das Umfallen stützen oder zum Betreten eines Massenzieles Nummern ziehen müssen.
dass von den Urlaubszielen keine realistischen Bilder gezeigt werden, auf denen die Touristen sich gegenseitig gegen das Umfallen stützen oder zum Betreten eines Massenzieles Nummern ziehen müssen.
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