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Reise

EU-Zeitumstellung und der Brexit

Alles rotiert

Wenn 2021 Schluss mit der Zeitumstellung wäre, könnte das die Europäer entspannen. Oder als Brexit-Nebenwirkung zu noch mehr Wirrwarr führen, die Folgen: Jetlags bei Kurzreisen - und ein "Clockstop"-Aufruhr in Nordirland.

AFP

"Big Ben": Die Zeitumstellung, die EU und der Brexit - eine Kombination, die noch mehr Wirrwarr garantiert

Von
Dienstag, 05.03.2019   20:48 Uhr

Die EU-Kommission will es, befragte EU-Bürger befürworten es mehrheitlich, das Parlament soll es in Kürze beschließen und die EU-Beamtenschaft bereitet die Sache schon mal vor: Am Montag beschloss der Verkehrsausschuss der Europäischen Union, die zweimalige Zeitumstellung im Laufe des Jahres endgültig abzuschaffen.

Vom anstehenden Parlamentsbeschluss hängt nun nur noch ab, was genau künftig gelten soll: Werden wir quasi ewig Sommer- oder Winterzeit haben?

Für beides gibt es Argumente, die im Parlament noch für hitzige Diskussionen sorgen könnten. Fiele die Entscheidung für eine dauerhafte Sommerzeit, ginge die Sonne an der Costa Brava im Winter erst gegen 9.10 Uhr auf. Fiele die Entscheidung hingegen für die Winterzeit, könnten Touristen an der polnischen Ostseeküste ihre Strandliegen schon um 3.30 Uhr morgens mit Handtüchern belegen, pünktlich zum Sonnenaufgang.

Doch da hört es nicht auf. Der Abschied von der Zeitumstellung wird auch die Liste der bisher wenig bedachten Brexit-Nebenwirkungen verlängern.

Dazu gehört nicht nur, dass sich Großbritannien künftig halbjährlich in einer anderen Zeitzone befinden würde. Die brächte - je nach Szenario - die Insel entweder für sechs Monate im Jahr in einen Gleichtakt mit der EU (Winterzeit-Szenario) oder würde sie wiederum halbjährlich für jeweils eine weitere, zusätzliche Stunde dem Rest Europas entrücken (Sommerzeit-Szenario).

Der ganz normale Wahnsinn: Alles am Brexit bringt Probleme

Denn eine Stunde Versatz zur Zeitzone Mitteleuropas leisten sich die Briten so oder so. Für jeweils ein halbes Jahr werden nach der Zeitumstellung die Uhren in Calais und Dover (circa 36 Kilometer) also entweder die gleiche Zeit zeigen oder bis zu zwei Stunden Unterschied - da droht schon der Jetlag! Es würde allerdings die Möglichkeit eröffnen, um 10 Uhr morgens in Düsseldorf loszufliegen und um 9 Uhr morgens in London zu landen. Kann man so machen.

Ob man das in Nordirland machen kann oder tun sollte, ist dagegen fraglich. Auch Irland liegt zwar in der Westeuropäischen Zeitzone - hier wäre das Problem also etwas weniger gravierend als beim Zeitunterschied zwischen Kontinentaleuropa und Großbritannien. Dafür wäre es nirgendwo so unmittelbar spürbar: Für sechs Monate im Jahr müsste man die Uhren an der inneririschen Grenze umstellen.

Klingt profan, wenn da nicht das Heer der täglichen Pendler wäre, die hüben leben und drüben arbeiten oder aus sonstigen Gründen die Grenze oft mehrfach täglich überschreiten.

Wollte man Zeitumstellungswirrwarr zwischen Nord- und Südirland vermeiden, bliebe nur die Option, Nordirland mit dem Rest der Insel in der EU-Zeitzone zu belassen - eine Alternative, die protestantische Hardliner in Nordirland, denen die "Union" heilig ist, niemals hinnehmen würden. Sie sind schon jetzt die härtesten Gegner der "Backstop"-Lösung für die Brexit-Probleme Nordirlands.

Nicht auszudenken, was für eine Wut ein "Clockstop" wecken könnte.

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