Schrift:
Ansicht Home:
Reise

Gartenreise durch die Normandie

Das Geheimnis des Seerosenteichs

Wie hat es Claude Monet geschafft, dass sein Garten so prachtvoll leuchtete? Noch heute bewundern Besucher den Jardin d'eau mit seinem Seerosenteich - und können gleich weiterbummeln durch die blühende Normandie.

Daniela David/ TMN
Donnerstag, 04.04.2019   10:15 Uhr

Seerosen, wucherndes Grün und viele bunte Blüten - der Garten von Claude Monet in Giverny inspirierte damals den Maler zu seinen farbflirrenden Gemälden und heute auch Hobbygärtner. Monet war selber ein leidenschaftlicher Gärtner, der viel über Gartenkunst las, Ausstellungen besuchte und in der Normandie sein Haus mit immer mehr Beeten umgab. Nicht zuletzt mit dem Jardin d'eau, dem Wassergarten mit dem durch seine Bilder berühmt gewordenen Seerosenteich.

In dem Malergarten tummeln sich leider oft zu viele Besucher aus aller Welt. Nur wer früh genug dran ist, kann den Zauber dieses impressionistischen Refugiums erleben. Monets Zuhause kann aber Ausgangspunkt sein für eine Reise zu den weniger bekannten Gärten der Region. Von denen gibt es immerhin 120 in unterschiedlicher Ausprägungen: vom französischen Barockgarten bis zum englischen Landschaftspark.

Fotostrecke

Normandie: Von Monets Garten bis zum Barockschloss

Château de Brécy: Streng symmetrisch

"Elektrische Leitungen in Sichtweite habe ich in die Erde verlegen lassen", sagt Didier Wirth, der Eigentümer von Château de Brécy im Departement Calvados. Ungetrübt soll der Blick sein in dem streng symmetrisch angelegten Garten des Schlosses mit Wasserbecken und Laubengängen. Der Jardin zählt zu den wenigen noch erhaltenen Gärten aus dem 17. Jahrhundert.

Mehrere Gärtner schneiden die Gehölze akkurat in Kugel-, Kegel- und Glockenform. Aufwendig ist auch die Pflege des großen Parterres aus Buchsbaum, das wie Stickereien aus Pflanzen aussieht. Wer diese Gartenkunst einmal weiterführen wird, ist unklar. "Meine Kinder interessieren sich nicht für den Garten", sagt Wirth, 77, Präsident des französischen Nationalkomitees für Parks und Gärten.

Intérieur à Ciel ouvert: Überwucherte Mülldeponie mit viel Kunst

Ein Kontrastprogramm ist der zeitgenössische Garten Intérieur à Ciel ouvert. Auf dem Gelände einer ehemaligen Mülldeponie südlich von Caen haben Benoît Delomez und seine Frau Dominique ein dicht bewachsenes Pflanzenparadies geschaffen und mit Kunstwerken versehen. Der Bildhauer musste 50 Lastkraftwagen Erde anliefern lassen. "Inzwischen haben wir allein 135 Sorten Farne und 30 Sorten Stechpalmen", sagt Delomez. Eine Rambler-Rose schlängelt sich durch gigantische Bambusse. Überall fließt Wasser.

Der Intérieur à Ciel ouvert schafft sich eine eigene intime Welt. Holzwege führen über verschiedene Ebenen zu einem transparenten Glaskubus. Die Besucher spiegeln sich darin. Ein Stück weiter fängt ein akustisches Kunstwerk namens Racine das Geräusch des Wurzelwachsens aus der Erde ein. In diesem verspielten Garten dringt der Besucher - auch metaphorisch - in tiefere Schichten vor.

Jardin Retiré: "Meine Welt ist mein Garten"

Daniela David/ TMN

Annie Blanchais im Jardin Retiré: gärtnern statt reisen

"Ich mache keine Reisen mehr", erzählt Annie Blanchais. "Meine Welt ist mein Jardin Retiré, mein zurückgezogener Garten." Die blonde Normannin mit dem freundlichen Gesicht und der Erde unter den Fingernägeln zupft und schnippelt unentwegt, während sie durch ihr raffiniertes Dickicht führt. Einzelne Garteninseln hat sie wie romantische Bühnenbilder inszeniert.

Die Tanzlehrerin legte um ihr Haus in Bagnoles-de-l'Orne einen 2500 Quadratmeter großen Schattengarten mit Bäumen, Sträuchern, Hortensien und 80 verschiedenen Sorten Waldreben an. Eine ist nach der Tänzerin Josephine Baker benannt. Sie blüht in Rosa.

Die Gärtnerin initiierte in ihrer Stadt die Fête des Plantes. Zu diesem Gartenfest lädt der Kurort ein - Gartenbegeisterte flanieren zwischen Blumentöpfen und Gartenkunst im Park des Rathauses. Im Schatten seltener Bäume trinken sie einen Cidre oder verspeisen eine Tarte Tatin. Was wäre die Normandie ohne ihre Apfelbäume?

Jardin de la Ferme Ornée: 135 Sorten Magnolien

Jean-Pierre Morby, 63, ist zwar kein Apfelbauer, zählt aber trotzdem 120 verschiedene Apfelsorten in seinem Jardin de la Ferme Ornée in Carrouges. Das Gartenformat der Zierfarm stammt aus dem England des 18. Jahrhunderts. Schönes sollte mit dem Nützlichen verbunden werden - ein Garten, der an ein Gut erinnert, es gibt Pferde und Schafe.

Gemeinsam mit seiner Frau Cecile hat der Übersetzer und Autor auf einem Acker einen 15 Hektar großen Garten bepflanzt - sieben Gartenräume voller Gehölze und Stauden. Madame kümmert sich um die Farben, Monsieur um die Struktur. Er liebt Bäume, vor allem Magnolien, 135 Sorten hegt er. "Wir gärtnern nachhaltig, ohne groß zu bewässern oder chemisch zu düngen", sagt Morby.

Schloss Bizy: "Unser kleines normannisches Versailles"

Daniela David/ TMN

Garten von Schloss Bizy: Weitläufig und herrschaftlich

Zu einer Tour durch die Gärten der Normandie gehört auch der Besuch adliger Besitzungen. Wie der Garten von Schloss Bizy. "Das ist unser kleines normannisches Versailles", sagt Nicole Dutertre. Die Französin führt durch die herrschaftlichen Salons, aus längst vergangenen Epochen. Die betagte Eigentümerin, Tochter des Herzogs von Albufera, wohnt übrigens selbst noch im Schloss.

Im 80 Hektar großen Park rinnt das Wasser über Stufen. Vereinzelt zieren märchenhafte Tierfiguren die Becken und scheinen Fragmente aufwendiger barocker Wasserspiele gewesen zu sein. Vieles in diesem Garten wurde während der Französischen Revolution zerstört.

Gärten in der Normandie

Anreise
Am besten mit der Bahn nach Paris und von dort weiter mit einem Mietwagen in die Normandie. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind viele Gärten nicht oder nur mühsam zu erreichen.
Gärten
Die meisten Gärten sind von Frühjahr bis Herbst geöffnet und kosten Eintritt. Für ihren Besuch sollte man sich zuvor genau nach den Öffnungszeiten erkundigen. Häufig sind Gartenführungen möglich, zumeist auf Französisch, manchmal auch auf Englisch. Während des alljährlichen "Rendez-vous aux jardins" öffnen landesweit viele private Gärten ihre Pforten. Das Gartenfest in Bagnoles-de-l'Orne findet wieder am 1. und 2. Juni 2019 statt.
Information
Atout France - Französische Zentrale für Tourismus, Postfach 10 01 28, 60001 Frankfurt (E-Mail: info.de@france.fr, http://de.france.fr/)

Château d'Acquigny: Englischer Landschaftspark des französischen Adels

Chausseen durch die normannische Landschaft leiten von einem Garten zum anderen. Hektik ist anderswo. Besonders der Landschaftsgarten von Château d'Acquigny im Departement Eure strahlt Ruhe aus. Mitten im Park steht ein stattliches Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert. "In einem renovierungsbedürftigen Schloss zu leben, ist eher schwierig", sagt jedoch Agnès d'Esneval, deren Familie das Anwesen seit 1656 besitzt. Den englischen Landschaftspark zeigt sie aber stolz.

Wie in einem Naturgemälde rauscht das Wasser über Kaskaden. Im Fluss spiegeln sich riesige Bäume. "Diese Platane ist rund 200 Jahre alt", sagt d'Esneval. Dann leitet sie weiter zum historischen Kräutergarten, den eine Backsteinmauer schützt. Schiefertafeln im Beet verweisen auf die Anwendungsgebiete der Heilkräuter - etwa bei Stress und Nervosität.

Daniela David, dpa/abl

insgesamt 1 Beitrag
middleline 04.04.2019
1. Giverny ist ein ganz schrecklicher Ripoff.
Aber wenn es einem schon in dieses Dörfchen verschlagen hat, findet man nur ein paar 100 Meter entfernt das Musém de Mécanique Naturelle. Hier betreibt ein quirliger Franzose, der durchaus der Bruder von Luis deFunes sein [...]
Aber wenn es einem schon in dieses Dörfchen verschlagen hat, findet man nur ein paar 100 Meter entfernt das Musém de Mécanique Naturelle. Hier betreibt ein quirliger Franzose, der durchaus der Bruder von Luis deFunes sein könnte sein Privatmuseum. Zu sehen gibt es alles was Dampf- und Motorkraft in den letzten 200 Jahren an Innovationen hervorgebracht haben. Von großen Dampfmaschinen, bis zu winzigen Funktionsmodellen, die der Dampfmaschinenvertreter anno dazumal im Musterkoffer dabei hatte. Von der Waschmaschine mit Benzinmotor zu automatischen Holzschuhschnitzmaschine. Alles funktioniert und wird gerne vorgeführt. Eine Paradies für jeden Steampunker oder auch nur jeden der sich am Rande für Technik interessiert. Es Kostet noch nicht mal Eintritt, es wird aber um Spenden gebeten. Und wer die horrenden Eintrittspreise in Giverney gezahlt hat, darf hier gerne nochmal großzügig sein.
Newsletter
Die schönsten Reiseziele: Nah und Fern

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP