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Reise

Sundowner-Lokale in Italien

Hinsetzen, einschenken, genießen

Aperol Spritz, Campari Orange, Martini dry: Hier sind die acht besten Orte für den perfekten Abend-Aperitif in Italien.

Ehegartner/ srt
Sonntag, 07.08.2016   17:14 Uhr

Marsala: Windmühlenromantik oder Piazzaflair

In Marsala, ganz im Westen Siziliens liegt das Restaurant Mamma Caura gegenüber der kleinen Insel Mozia. Hier lässt sich live verfolgen, wie die Sonne hinter den Salzlagunen und Salzmühlen am Horizont verschwindet. Wer sich davon partout nicht losreißen kann, bleibt gleich zum Abendessen dort.

Weniger romantisch, dafür lebhafter gehts auf der Piazza della Repubblica im Zentrum von Marsala zu. Hier trifft sich, so scheints, halb Sizilien vor dem Abendessen. Ob süditalienische Erziehungsmethoden, Balzrituale oder einfach nur die aktuelle Abendmode - hier gibt es viel zu sehen. Aus einer Granità werden dann schnell zwei oder drei; gut, dass es das Wassereis in verschiedenen Geschmacksrichtungen gibt. Besonders zu empfehlen sind Zitrone und Mandel, sonst natürlich der portweinähnliche, gleichnamige Süßwein Marsala.

Capri: Insel-Insider-Gefühl am Abend

Schwertfeger/ srt

Piazetta in Capri

Gegen 18 Uhr, wenn die Tagestouristen ermattet auf ihre Schiffe zurückgekehrt sind, atmet die Insel im Golf von Neapel auf. In Capris Wohnzimmer, der Piazza Umberto I., wird es ruhiger - genau der richtige Moment für einen Aperitif, mit etwas Glück sogar mit Blick aufs Meer. Die Dagebliebenen eint ein Insel-Insider-Gefühl, fast möchten sie einander im gegenseitigen Wiedererkennen über ihren Campari Orange oder Aperol Spritz zunicken.

Etwas außerhalb - genauer gesagt: am westlichsten Zipfel der Insel mit spektakulärem Sonnenuntergangsblick - liegt als Aperitif-Alternative der Leuchtturm, Il Faro, mit Restaurant und Bar. Spätestens dann wird klar, warum dem Sonnenuntergang hier sogar ein eigenes Lied gewidmet worden ist.

Neapel: Allabendliches Spektakel im Blick

Die Kinder spielen auf der Piazza Fußball, ältere Herren in Anzug und mit leichtem Strohhut bummeln langsam über den Platz - das Dolce Vita auf der Piazza Bellini steckt an. Zeit für einen Aperitif etwa im Literaturcafé Intra Moenia: Von den bequemen Stühlen aus lässt sich das allabendliche typisch neapolitanische Spektakel bestens beobachten und bewundern. Keine Lust mehr aufzustehen? Einfach dableiben und Salat oder Pasta bestellen.

Und für diejenigen, die tagsüber noch nicht genügend Kulturgüter besichtigt haben sollten: Reste der antiken griechisch-römischen Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert vor Christus befinden sich in einem Ausgrabungsfeld auf der Piazza.

Venedig: Harry oder Markus?

Ehegartner/ srt

Aperitiv auf dem Markusplatz in Venedig

Tja, hier haben Besucher wirklich die Qual der Wahl. Solls der Aperitif-Klassiker der Lagunenstadt, der Bellini sein, der allerdings in der etwas düsteren Harry's Bar genossen werden müsste, oder doch vielleicht der Spritz auf der Piazza San Marco, dem mondänen Salon Venedigs? Der Preis bietet leider keine Orientierung, da beide Lokale sich ihre bevorzugte Lage teuer bezahlen lassen. Den Touri-Aufpreis auf den Hauptplätzen in italienischen Städten sollte man generell am besten als Eintrittspreis für das Piazza-Spektakel verbuchen.

Eine salomonische Entscheidung wäre die jahreszeitliche. In kühleren Monaten eher zu Harry's Bar und in den sommerlichen Abendstunden, wenn eine leichte Brise über den Markusplatz weht, Tauben und Möwen träge und satt gefuttert von all den Maiskörnern und Essensresten der Touristen über den Dogenpalast segeln und vor allem die Tagesbesucher fort sind, gehts auf die gemütlichen Korbstühle des Caffè Florian.

Florenz: Cin cin, David!

Keine Frage, in Florenz findet der Apéro, wie er hier heißt, auf der Piazza della Signoria statt. Bei San Bitter oder einem Glas Weißwein im Caffè Rivoiremit Blick auf die Replik von Michelangelos David und andere Skulpturen können die Eindrücke des Tages gemächlich verdaut werden.

Wer Kindheitserinnerungen auffrischen möchte oder mit eigenen Kindern unterwegs ist, findet auf der Piazza della Repubblica das antike und farbenfrohe Karussell. Rundherum befinden sich zahlreiche Restaurants und Bars, die sich preislich nicht groß unterscheiden und aufgrund ihrer Lage auch nicht direkt als Geheimtipp gelten. Zum Beobachten des Piazza-Lebens sind sie alle geeignet.

Rom: Spatzenglück am Piazza del Popolo

Ehegartner/ srt

Piazza Navona in Rom

Auch in der Hauptstadt Italiens wird es Liebhabern der frühen Abendstunde einfach oder auch schwer gemacht. Je nachdem, wie die Überfülle an schönen Plätzen und netten Bars bewertet wird. Die Jugend trifft sich meist auf dem malerischen Campo dei Fiori. Hier haben sich zahlreiche Cafés und Bars angesiedelt und bieten von Aperol bis Whiskey alles, was auf eine Aperitif-Karte gehört.

Die nahe gelegene Piazza Navona scheint ihrer Geschichte als Vergnügungsplatz Roms treu geblieben zu sein. Wer nach einem ausgiebigen Stadtbummel im Bermudadreieck um die Spanische Treppe keinen Extraschritt mehr gehen möchte, ist im Caffè Canova an der Piazza del Popolo bestens aufgehoben. Zu alkoholischen Getränken wird eine gute Auswahl an Stuzzichini, kleinen römischen Leckereien, serviert. Das wissen die Spatzen rund um den Platz allerdings auch und setzen sich mit an den Tisch, besser gesagt: auf den Tisch.

Bologna: Studentenleben und Straßenmusiker

Dass es in der Studentenstadt Bologna eine besonders große Auswahl an Bars und Cafés für den Aperitif gibt, ist verständlich. Einer der traditionellsten Orte für Spritz oder Prosecco ist die Piazza Maggiore, direkt vor dem Palazzo del Podestà, genau genommen sogar ein bisschen im Säulengang des Palastes. Straßenmusiker und Künstler unterhalten hier die Piazzabummler. Studenten aus Italien und aller Welt sitzen meist gemütlich direkt auf den warmen Steinen, wenn dort nicht gerade eine Baustelle ist.

Romantischer gehts auf der Piazza vor dem Kirchenkomplex Le sette chiese zu. Auf den kleinen, runden Steinen stehen die Stühle der Straßencafés etwas wackelig, vor der Kirchenmauer gegenüber strahlt das Blau der Glyzinienkaskaden.

Verona: Große Gefühle

Ehegartner/ srt

Fontana di Madonna in Verona

Das Schöne an Verona ist, dass die Stadt überschaubar ist und dennoch viel bietet. Zuallererst die Arena, diesen magischen Ort großer sommerlicher Operngefühle. Und weil der Weg vom Stadttor zur Arena und damit auch zur Fußgängerzone weit sein kann, ist er mit Restaurants und Cafés gesäumt, in denen sich der angeblich hier beheimatete Aperol Spritz genießen lässt.

Wer es kuscheliger und eingerahmter mag, begibt sich auf die Piazza delle Erbe, zum Beispiel ins Caffè Filippini und erlebt typisches Piazza-Feeling mit Brunnen, spielenden Kindern und verliebten Pärchen. Schnell wird klar, warum Shakespeare seine beiden tragischen Helden ausgerechnet in Verona angesiedelt hat - es ist einfach eine Stadt der großen Gefühle.

Weitere Informationen

Capri
Lido del Faro, Ristorante e Stabilimento Balneare, Località Punta Carena, 80071 Anacapri, Capri, Tel. 0039/081/8371798, lidofaro.com
Marsala
Ristorante Bar Mammacaura, Calle da Ettore Infersa sn, 91025 Marsala, Tel. 0039/388/8772499, mammacaura.it
Neapel
Intra Moenia Caffè Letterario, Piazza Bellini 70, 80138 Neapel, Tel. 0039/081/451652, intramoenia.it
Venedig
Harry's Bar, Calle Vallaresso 1323, 30124 San Marco, Venedig, Tel. 0039/041/5285777, harrysbarvenezia.com

Caffè Florian, Piazza San Marco, 57, 30124 Venedig, Tel. 0039/041/5205641, caffeflorian.com
Florenz
Caffè Rivoire, Piazza della Signoria, 5, 50122 Florenz, Tel. 0039/055/214412, rivoire.it
Bologna
Caffè delle Sette Chiese, Via Santo Stefano, 15, Bologna, Tel. 0039/051/0069483, facebook.com/IlCaffeDelleSetteChiese
Verona
Caffè Filippini, Piazza dell'Erbe, 26, 37121 Verona, Tel. 0039/045/8004549, caffefilippini.it

Sandra Ehegartner, srt

insgesamt 10 Beiträge
siebke 07.08.2016
1. Apulien !
Bitte nicht vergessen....Bari eine Bar nach der Anderen direkt am Hafen, Givinanzzo und Trani.
Bitte nicht vergessen....Bari eine Bar nach der Anderen direkt am Hafen, Givinanzzo und Trani.
rauschgiftengel 07.08.2016
2. Wahnsinn...
... wie lange es wohl gedauert hat, diese Tipps aus verschiedenen Reiseführern von der Airport-Buchhandlung zusammenzutragen! Tipp für Venedig: der Markusplatz ist im Sommer auch an den Abenden überlaufen mit Touris und [...]
... wie lange es wohl gedauert hat, diese Tipps aus verschiedenen Reiseführern von der Airport-Buchhandlung zusammenzutragen! Tipp für Venedig: der Markusplatz ist im Sommer auch an den Abenden überlaufen mit Touris und Strassenhändlern. Und einen schönen Ausblick hat man vom Caffé Florian auch nicht. Aber wer schon immer mal 8€ für einen kleinen Cappucino ausgeben möchte, ist dafür dann genau richtig!
Stäffelesrutscher 07.08.2016
3.
Hm. Abgesehen davon, dass es an der Westküste tausende von tollen Plätzen und Bars geben dürfte (Cinque Terre - schon mal gehört?), wäre natürlich auch ein Plätzchen in den Alpen mit Aussicht zu empfehlen. Aber das geht [...]
Hm. Abgesehen davon, dass es an der Westküste tausende von tollen Plätzen und Bars geben dürfte (Cinque Terre - schon mal gehört?), wäre natürlich auch ein Plätzchen in den Alpen mit Aussicht zu empfehlen. Aber das geht wohl über den Horizont von »srt«.
Hamberliner 08.08.2016
4. Jaja. Cin cin.
Aha. Hier wird den Alkoholika gehuldigt, in denen alte Frauen, die sich für jung, attraktiv und wichtig halten, ihren Kummer ertränken, wenn der Männerfang im Urlaub nicht so recht klappen will, weil nämlich der Zug längst [...]
Aha. Hier wird den Alkoholika gehuldigt, in denen alte Frauen, die sich für jung, attraktiv und wichtig halten, ihren Kummer ertränken, wenn der Männerfang im Urlaub nicht so recht klappen will, weil nämlich der Zug längst abgefahren ist. Piccolo, Cinzano und Eierlikör fehlen noch. Die Fotostrecke ist sehr treffend, denn sie gibt unfreiwillig Italiens Dilemma wieder: Im Text wird auf das romantischste vom Blick aufs Meer geschwärmt, aber ein solcher ist auf keinem der Fotos zu finden. Er wird sogar in Bild 1 mutwillig sabotiert, indem der Fotorgraf die Kamera so hält, dass das Panorama auf den Horizont durch ein Hindernis verbarrikadiert wird. Das passt zu Italien, wo man dem Meer den Rücken zukehrt als sei es eine irrelevante Wasserwüste, wo Kneipen und Restaurant mit Blick aufs Meer, auf Maritimes, auf einen romantischen Fischerhafen nur schwer zu finden sind. Wenn man herumfährt und danach sucht landet man eher auf einem dunklen unbeleuchteten Parkplatz am Strand, die Autos sind nur scheinbar verwaist und leer, das eine oder andere wackelt auf einmal, warum kann man sich denken. Die Lokale findet man in Italien stattdessen im Ortsinnern, an der Piazza, von wo aus das Meer nicht zu sehen ist, und der überwiegende Teil der Bevölkerung scheint sie nicht zu brauchen oder zu mögen, man steht und sitzt anderswo herum. Eine der ganz wenigen lobenswerten Ausnahmen ist der Hafen von Ischia.
varesino 08.08.2016
5. Ach wie gut das der SPON nicht weiss
Puh, gut das Online-Redakteure keine Zeit zu googeln, oder zu reisen haben. Da bleiben dann noch genügend, nicht überlaufene Örtlichkeiten den Abend zu genießen über. Salute
Puh, gut das Online-Redakteure keine Zeit zu googeln, oder zu reisen haben. Da bleiben dann noch genügend, nicht überlaufene Örtlichkeiten den Abend zu genießen über. Salute
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