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Reise

Mein Weg auf den Mont Blanc

Atemlos in der Höhenkammer

Der Gipfel des Mont Blanc liegt auf 4810 Meter, ihr Wohnort Hamburg auf sechs Meter Höhe - wie soll man sich da auf eine Besteigung vorbereiten? Katherine Rydlink stürzt sich in ein ausgiebiges Sportprogramm.

Foto: Ralf Gantzhorn
Mittwoch, 16.08.2017   05:28 Uhr

Hamburg ist nicht gerade der perfekte Ort, um sich auf Bergtouren vorzubereiten. Der notorische Nieselregen dieses Sommers heizt dem inneren Schweinehund erst so richtig ein: Joggen, wenn's nass ist? Och… nö.

Auch mit der Akklimatisierung wird das in Hamburg, das ganze sechs Meter über dem Meeresspiegel liegt, so eine Sache. Für den Mont Blanc muss ich mich an Höhen von mehr als 4000 Metern anpassen - wie soll das gehen?

Nach meiner Recherche wird klar: Eine Simulation muss her. Eine Möglichkeit wäre, sich im Wohnzimmer ein spezielles Zelt aufzustellen, in dem der Sauerstoff in der Luft reduziert werden kann. Beim Nächtigen in solchen Sauerstoffzelten wird dem Körper vorgegaukelt, sich in großen Höhen zu befinden - er beginnt, sich zu akklimatisieren. Die Nachteile: Das Zelt steht über mehrere Wochen im heimischen Wohnzimmer, es ist nur eine passive Akklimatisierung möglich, und mit etwa 300 Euro pro Woche wird das eine ganz schön teure Angelegenheit.

Zur Person

Stattdessen habe ich mich entschieden, in der Höhenkammer des Lans Medicums, einem sportmedizinischem Zentrum in Hamburgs Innenstadt, zu trainieren. In dem Raum, der kaum spektakulärer aussieht als der Fitnessbereich eines Wellnesshotels an der Ostsee, können Höhen von bis zu 4500 Metern simuliert werden. 25 Euro kostet eine Stunde in der Höhenluft.

Normalerweise trainieren hier eher Leistungssportler, die in der Wettkampfvorbereitung den sogenannten Hypoxie-Effekt zur Leistungssteigerung nutzen wollen. Neben ihnen fühle ich mich ziemlich unsportlich, wie ich mit meinem Wanderrucksack und den klobigen Bergschuhen in Schildkrötengeschwindigkeit auf dem Laufband gehe. Eine Unterhaltung ist kaum möglich, nach spätestens einer halben Minute bin ich außer Atem.

Normalerweise wird man für die Plackerei wenigstens mit einem phänomenalen Ausblick belohnt - in der fensterlosen Höhenkammer hängen aber nur Schwarz-Weiß-Fotografien von Bergen an der Wand, die sehnsuchtsvolle Erinnerungen wecken. Und ein riesiger Flachbildschirm, auf dem mir das "ZDF Morgenmagazin" entgegenflackert.

Höhentraining

Lans Medicum
Das Lans Medicum ist ein medizinisches Zentrum mit Sitzen in Hamburg, in Lans und am Tegernsee. Fachärzte, Sport- und Ernährungswissenschaftler sowie Physiotherapeuten und Osteopathen arbeiten individuelle Trainingspläne für ihre Patienten aus. Das Lans Medicum in Hamburg ist für seine Höhenkammer bekannt - vor allem Leistungssportler nutzen den Hypoxie-Effekt für die Saisonvorbereitung. Doch auch Alpinisten können sich dort auf Expeditionen und Hochtouren vorbereiten. In der Höhenkammer kann eine Höhe von bis zu 4500 Metern simuliert werden.
Info/Kontakt
Lans Medicum Hamburg

Stephansplatz 5
20354 Hamburg
Tel: +49 40 320 88 32 0
Kosten
Als Zehnerkarte kostet eine Stunde Training in der Gruppe 25 Euro.

"Hier kannst du sehen, wie du auf die Höhe reagierst", erklärt mir Sonja Pottebaum, die mich als Sportwissenschaftlerin betreut. Sie steckt mir einen Clip an den Finger. Rot leuchtet dort die Zahl 89. "Deine Sättigung ist super", sagt Pottebaum. Gut zu wissen. Die Zahl gibt den Sauerstoffgehalt im Blut an. Normalerweise sollte der Wert so nah wie möglich an 100 Prozent liegen. In der Höhe sinke er jedoch aufgrund des Sauerstoffmangels teilweise unter 80, sagt die Trainerin.

In Hamburg auf 4500m. #höhentraining #lanserhof #hamburg #vorbereitung #akklimatisieren #akklimatisierung #mountaineering #mountains #alpinism #hochtour #montblanc #bergsteigen #berge #höhenkammer #dünneluft #schlechteaussicht #training #höhenluft

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In der Höhenkammer wird nicht nur meine Sauerstoffsättigung gemessen, sondern auch mein Puls. Immer ist jemand da, der darauf achtet, dass ich genug Flüssigkeit zu mir nehme. Sobald ich mich unwohl fühle, kann ich den Raum verlassen und befinde mich sofort wieder auf Meeresspiegelhöhe. In den Bergen ist das nicht möglich. Wenn mir die Höhe am Mont Blanc sehr zusetzt, muss ich so schnell wie möglich absteigen - über Geröll und Stein, auf unebenen Wegen.

Dass mein Körper durch das Höhentraining tatsächlich anfängt, vermehrt rote Blutkörperchen zu bilden, ist relativ unwahrscheinlich. Eine Akklimatisierungsphase im Gebirge muss ich trotzdem einplanen - was nicht schlimm ist, denn bei den Eingehtouren kann man sich gleichzeitig an das Gelände gewöhnen. Das Training in der Höhenkammer ist vor allem dazu gut, um zu sehen, wie man auf die zunehmende Höhe reagiert. Außerdem wird meinem Körper ein Akklimatisierungsreiz gegeben, das heißt, meine Atem- und Pulsfrequenz steigen.

Zweimal pro Woche solle ich jeweils zwei Stunden in der Höhenkammer trainieren, sagt Sonja Pottebaum. Dazu müsse ich meine Grundlagenausdauer verbessern: Joggen gehen, mindestens zwei- bis dreimal. Durch das Klettern sei meine Rumpfmuskulatur schon einigermaßen gut ausgeprägt, doch müsse ich vermehrt auch Beinübungen ins Krafttraining mit einbeziehen. Durch Yoga und Dehnübungen könne ich meine Beweglichkeit fördern.

Mein Trainings- und Ernährungsplan für die kommenden Wochen sieht also so aus:

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Das sind mehr als 20 Stunden Sport die Woche - ein Halbzeitjob quasi. Im Gegensatz zu den Belastungen, die am Berg auf mich zukommen, ist das noch harmlos: Am Mont Blanc muss ich mit Gehzeiten von bis zu zwölf Stunden in steilem, brüchigem Gelände rechnen. Und die muss ich erst mal durchhalten können.

Dafür ist es auch notwendig, meine Energiedepots regelmäßig aufzufüllen. "In der Höhe steigt der Kalorienverbrauch um rund 1000 Kalorien, gleichzeitig sinkt das Appetitgefühl", sagt Jonas Schaerk, Sportwissenschaftler des Athleticums am Universitätsklinikum-Eppendorf (UKE) in Hamburg. Umso wichtiger sei es, regelmäßig Snacks und leicht verdauliche Mahlzeiten zu sich zu nehmen.

Schaerk kennt sich mit der Ernährung für Extremsportler aus, im Athleticum betreut und berät er Profisportler. "Da du ja deine gesamten Tagesrationen immer auch mitschleppen musst, brauchst du leichte Nahrung, die gleichzeitig kalorienreich ist", sagt er. Power-Riegel seien gut, Nüsse, Schokolade oder auch Sport-Gels. "Und viel Wasser natürlich, am besten mit Elektrolyten angereichert."

Viel Schokolade? Das bekomme ich hin. Nun muss ich also für meine Mont-Blanc-Tour trainieren. Zu ärgerlich wäre es, wenn die Besteigung an der Kondition scheitert, einem Faktor, den man im Gegensatz zu vielen anderen beeinflussen kann. Also gehe ich joggen, lerne den Hamburger Nieselregen lieben (oder rede es mir zumindest ein) - und schaue mir in der Höhenkammer YouTube-Videos von den echten Bergen an.

Katherine Rydlink zeigt in einer sechsteiligen Multimedia-Serie bei SPIEGEL ONLINE, wie sie sich auf die Hochtour auf den Mont Blanc vorbereitet - vom notwendigen Training, Gletscherkursen bis zur richtigen Ausrüstung - und den Aufstieg wagt.

Hier lesen Sie die ersten Teile:

Teil 1 - Der Mont Blanc und ich: Warum mich Schweiß und Angst glücklich machen
Teil 2 - Gefahren: "Beim Klettern will man fallen, beim Bergsteigen nicht"

insgesamt 15 Beiträge
ge1234 16.08.2017
1. Nun sollte...
... man aber auch keine Wissenschaft daraus machen. Hey, es ist der Mont Blanc, nicht der Everest! 2 Wochen vor Ort mit verschiedenen Akklimatisierungstouren sollten eigentlich reichen!
... man aber auch keine Wissenschaft daraus machen. Hey, es ist der Mont Blanc, nicht der Everest! 2 Wochen vor Ort mit verschiedenen Akklimatisierungstouren sollten eigentlich reichen!
The Restless 16.08.2017
2.
Das wollte ich auch gerade schreiben: Einfach etwas früher anreisen, ein paar schöne Touren unternehmen, die Schritt für Schritt höher hinaus gehen, danach jeweils wieder runter und etwas erholen, und schon ist alles klar. [...]
Das wollte ich auch gerade schreiben: Einfach etwas früher anreisen, ein paar schöne Touren unternehmen, die Schritt für Schritt höher hinaus gehen, danach jeweils wieder runter und etwas erholen, und schon ist alles klar. Jogging ist natürlich eine gute Grundlage dafür. Die 25 Euro pro Stunde in dieser Kammer würde ich mir jedenfalls sparen.
hooge789 16.08.2017
3. Was hat das mit Bergsteigen zu tun?
Hier muss sich jemand etwas beweisen. Manch einer läuft einen Marathon, andere nehmen gar an einem Triathlon Teil. Sie !will auf den Montag Blanc. Nur um zu sagen, seht her wenn ich will, kann ich. Warum nicht im Harz ein [...]
Hier muss sich jemand etwas beweisen. Manch einer läuft einen Marathon, andere nehmen gar an einem Triathlon Teil. Sie !will auf den Montag Blanc. Nur um zu sagen, seht her wenn ich will, kann ich. Warum nicht im Harz ein bisschen wandern und wenn es gefällt langsam steigern.? In der Kontinuität liegt das Geheimnis des Erfolgs.
norgejenta 16.08.2017
4. völlig überlaufen
der weisse Berg. Überteuerte, vollstopfte Hütten auf denen geklaut wird. Leute die mit Bergen eigentlich nichts am Hut haben werden von Führern hochgezogen.. Warum? weil es der höchste ist.. in Europa.. angeblich... (Elbrus?). [...]
der weisse Berg. Überteuerte, vollstopfte Hütten auf denen geklaut wird. Leute die mit Bergen eigentlich nichts am Hut haben werden von Führern hochgezogen.. Warum? weil es der höchste ist.. in Europa.. angeblich... (Elbrus?). Das selbe Gezappel wie im Himalaya..Diese Leute verstehen nicht was " Berg gehen" bedeutet.
andreasreiter 16.08.2017
5. Treppensteigen nicht vergessen
alseinfache Vorbereitung kann man jede Treppe verwenden an der man vorbeikommt. Wenn man dann noch immer zwei Stufen aufs Mal nimmt, trainiert man genau die Muskeln, die später benötigt werden.
alseinfache Vorbereitung kann man jede Treppe verwenden an der man vorbeikommt. Wenn man dann noch immer zwei Stufen aufs Mal nimmt, trainiert man genau die Muskeln, die später benötigt werden.

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