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Reise

Dolomiten, Gardasee, Ortlermassiv

Die schönsten Mountainbike-Trails der Alpen

Endlose Abfahrten, kilometerlange Flowtrails und grandiose Ausblicke - auf der Bucketlist ambitionierter Mountainbiker sollten diese Trails nicht fehlen.

Stefan Herbke/ www.srt-bild.de
Von Stefan Herbke
Dienstag, 06.08.2019   09:27 Uhr

Das Herz vieler Mountainbiker schlägt höher, wenn sie den Namen "Goldseetrail" hören: Ein flowiger Trail, der spektakuläre Ausblicke auf das Ortlermassiv bietet. Die Gardaseeberge sind ohnehin bekannt für ihre schönen Mountainbike-Strecken, die Sella Ronda jedoch ist eher Skifahrern ein Begriff - doch immer mehr Biker strömen mittlerweile in die Dolomiten, um die berühmte Runde auch im Sommer zu fahren.

Stefan Herbke hat einige der berühmtesten Trails in den Alpen getestet - und steile Anstiege, rasante Abfahrten und gemütliche Einkehrmöglichkeiten gefunden (Mehr zu den Fahrradneuheiten der Saison 2020 lesen Sie hier).

Gletscherkulisse im Wallis: Saflischpass

Stefan Herbke/ www.srt-bild.de

Atemberaubend schön, aber auch ganz schön lang ist die Auffahrt aus dem Rhonetal zum Saflischpass auf 2563 Metern. Über das Bilderbuchdorf Ernen mit seinen alten Holzhäusern geht es hoch über einer Schlucht ins Binntal.

Die kilometerlange Auffahrt aus dem Rhonetal ist dabei nur ein gemütliches Warm-up: Ab dem Talschluss bei Heiligkreuz geht es noch einmal rund 1100 Höhenmeter bergauf, anfangs auf langgezogenen Güterwegen, später auf traumhaften Steigen. Eine anstrengende Plackerei mit reichlich Schiebepassagen, doch der Ausblick auf die vergletscherten Drei- und Viertausender entschädigt.

Zur Belohnung folgt ein Trail der Extraklasse: Wunderschön quert der Pfad die steilen Hänge, wechselt schließlich bei Fleschboden mit seiner Einkehrmöglichkeit auf einen Wiesenrücken und verwandelt sich bei Rosswald in einen wunderbaren Singletrail, der in vielen Serpentinen hinunter nach Brig im Rhonetal führt.

Militärwege am Gardasee: Tremalzo

Stefan Herbke/ www.srt-bild.de

Im Grunde passt der Tremalzo gar nicht mehr in die heutige Zeit der Trails, und doch hat die legendäre Strecke hoch über dem Gardasee nichts von ihrer Attraktivität eingebüßt. Der Tremalzo gehört einfach zum Pflichtprogramm eines Lago-Urlaubs - wegen der Länge der Tour, der Serpentinen und eines schönen Trailabschnitts mit Tiefblick zum See.

Das Bergauf verkürzen mittlerweile viele mit einem Shuttle, zu anstrengend ist der lange 1800-Höhenmeter-Anstieg. Wer allerdings genug Kondition mitbringt, sollte sich die steilen Rampen nicht entgehen lassen - nur wer alles mit eigener Kraft kurbelt, kann die Faszination Tremalzo wirklich nachvollziehen.

Am Scheiteltunnel startet die lange Abfahrt: Im teils tiefen Schotter rollt das Mountainbike über eine serpentinenreiche Strecke entlang eines Gratkamms. Danach passieren die Radfahrer am Passo Nota eine einfache Einkehr und genießen nach ein paar kurzen Gegenanstiegen den hoch über dem blauen See verlaufenden Trail zum Passo Rocchetta. Teilweise sehr steil geht es schließlich hinunter nach Pregasina, wo man sich noch einmal mit Pasta stärken kann, und nach einem letzten Aperol Spritz in der Bar Ponale Alto Belvedere führt der Weg über die kühn angelegte alte Ponalestraße zurück nach Riva (Lesen Sie hier, wo es Alternativen zum teilweise sehr touristischen Gardasee gibt).

Flowtrails und Spitzkehrenmarathon: Goldseetrail

Stefan Herbke/ www.srt-bild.de

Eingefleischte Mountainbiker kennen diesen Namen nur allzu gut: Der legendäre Goldseetrail startet oberhalb des Stilfser Jochs und bietet spektakuläre Blicke auf die Gletscher des Ortlermassivs. Atemberaubend zieht der vor allem anfangs flowige Trail mit seinen ausgesetzten Passagen durch die riesigen Hänge.

Für die kräftezehrende Strecke hinauf zum Stilfser Joch empfiehlt sich ein Shuttle, um rechtzeitig am Start des Klassikers zu sein - zwischen 9 und 16 Uhr ist der Weg nämlich den Wanderern vorbehalten.

Bis zur Furkelhütte (2153 Meter) benötigt man vom Start beim Rifugio Garibaldi, das vom Stilfser Joch nach einem 80-Meter-Anstieg erreicht wird, eine gute Stunde, wobei das eher knapp kalkuliert ist. Denn neben zahlreichen Fotostopps gibt es auch immer wieder Passagen, an denen man besser absteigt und schiebt.

Immer beliebter wird daher die Alternative Bimbam-Trail, die in vielen Kehren nach Trafoi führt. Von dort geht es mit der Sesselbahn zur Furkelhütte und zur Fortsetzung der Tour über die Stilfser Alm und den Almenweg. Die finale Abfahrt nach Prad mit ihren unzähligen Spitzkehren beweist eindrucksvoll, warum der Goldseetrail ein Höhepunkt für Mountainbiker ist.

Grandiose Landschaften in Graubünden: Val Mora

Stefan Herbke/ www.srt-bild.de

Das Val Mora liegt versteckt zwischen dem Val Müstair an der Auffahrt zum Ofenpass und dem Valdidentro bei Bormio.

Nach einem langen, wenn auch gleichmäßig steilen und gut zu fahrenden Uphill wechselt man bei Döss Radond ins Bergparadies. Lange rollt man durch das Tal mit einem breiten Bachbett.

Zum Finale folgt ein grandioser Trail, der im ewigen Auf und Ab entlang eines Baches den Namen Flowtrail mehr als verdient hat. Satt an Eindrücken fährt man nach dem Passo di Val Mora flussabwärts. Hoch über einem leuchtend blauen, fjordartigen Stausee quert man die Hänge, ehe ein anstrengender Gegenanstieg in die Fuorcla del Gal den Flow unterbricht. Bis auf die kurze Steigung zum Ofenpass führt die Genusstour schließlich zurück ins Val Müstair.

Faszination Dolomiten: Sella Ronda

Stefan Herbke/www.srt-bild.de

Die Skirundtour Sella Ronda ist eigentlich der Traum aller Wintersportler. Seit einigen Jahren aber auch der vieler Mountainbiker. Wie im Winter nutzt man auf der Umrundung der Sellagruppe die Lifte - eine Grundvoraussetzung, um die Tour überhaupt an einem Tag zu schaffen. Die Anstiege reduzieren sich dadurch auf erträgliche 450 Höhenmeter - falls man die Tour im Uhrzeigersinn startet, sonst sind es 1000 Höhenmeter bergauf.

Bergab geht es auf der legendären Runde über vier Pässe auf teils extra angelegten Trails wie vom Grödner Joch Richtung Alta Badia, deren Abfahrten sich auf stolze 3500 Höhenmeter summieren. Ein Traum, ebenso wie die Ausblicke auf die Felszacken der Dolomiten bis hin zur vergletscherten Marmolada. Im Grunde möchte man an jeder Ecke stehen bleiben, um diese Kulisse zu genießen, doch dafür bleibt keine Zeit: Die Sella Ronda mit dem Mountainbike ist trotz Seilbahnunterstützung eine sportliche Aufgabe.

srt

insgesamt 20 Beiträge
nadennmallos 06.08.2019
1. Vermutlich geht von den Bergwanderern jetzt das Biker-Bashing los ..
... aber einen Trend kann man nicht aufhalten. Ich zähle mich eher zu den Fußgängern am Berg (Die Kletterzeit ist lange vorbei), dennoch: Wenn sich beide Gruppen mit Fairness und Respekt (Auch gegenüber Mutter Natur!) [...]
... aber einen Trend kann man nicht aufhalten. Ich zähle mich eher zu den Fußgängern am Berg (Die Kletterzeit ist lange vorbei), dennoch: Wenn sich beide Gruppen mit Fairness und Respekt (Auch gegenüber Mutter Natur!) begegnen, sollte eine friedliche Co-Existenz möglich sein. Allerdings fürchte ich, das es auch viele Ungeübte mit ihren e-bikes in die Berge zieht oder Speed-Freaks die Pisten runter brettern, ohne Rücksicht auf Verluste. Naja, der Ein oder Andere kommt dann für den Darwin-Award in Frage und wird dann aus dem Gen-Pool entfernt.
peter_freiburg 06.08.2019
2. keine generellen Probleme
Den Nörglern kann man nur mit Fakten antworten. So sieht z.B. der Deutsche Alpensportverein keine größeren Probleme im Miteinander von Wanderern und Bikern. Im Gegenteil, er begrüßt das Biken sogar! Die Probleme gibt [...]
Zitat von nadennmallos... aber einen Trend kann man nicht aufhalten. Ich zähle mich eher zu den Fußgängern am Berg (Die Kletterzeit ist lange vorbei), dennoch: Wenn sich beide Gruppen mit Fairness und Respekt (Auch gegenüber Mutter Natur!) begegnen, sollte eine friedliche Co-Existenz möglich sein. Allerdings fürchte ich, das es auch viele Ungeübte mit ihren e-bikes in die Berge zieht oder Speed-Freaks die Pisten runter brettern, ohne Rücksicht auf Verluste. Naja, der Ein oder Andere kommt dann für den Darwin-Award in Frage und wird dann aus dem Gen-Pool entfernt.
Den Nörglern kann man nur mit Fakten antworten. So sieht z.B. der Deutsche Alpensportverein keine größeren Probleme im Miteinander von Wanderern und Bikern. Im Gegenteil, er begrüßt das Biken sogar! Die Probleme gibt es ja auch eher im urbanen Bereich, also wo die Stadt an einen Berg reicht und sich viele Begegnungen ergeben zwischen Bikern und Fußgängern/Spazierern. Aber auch hier sind das doch eher Einzelfälle. Hier kann man nur sagen, dass es auf beiden Seiten vielleicht Holzköpfe gibt. Aber meiner persönlichen Erfahrung nach sind das alles Einzelfälle, die nicht die Mehrheit bilden, das sage ich nach 20 Jahren Biken in der Bike-Region Schwarzwald, ich hatte lediglich zwei unangenehme Begegnungen in zwei Dekaden! Da wird vieles hochgekocht... Aber sie haben recht, gleich kommen wieder die Nörgler mit Geschichten a la "erst gestern... Kampfradler... wildes Geklingel... schwarz angezogen... Fahrerflucht " etc. :). Einfach ignorieren und weiterhin rücksichtsvoll biken gehen.
Indiana.Jones 06.08.2019
3. Bashing
" Vermutlich geht von den Bergwanderern jetzt das Biker-Bashing los .." Nein, geht es nicht. Meine Frau und ich machen alles, (Renn-)Radfahren, Laufen und Wandern. Das Motto ist "Ich bin OK, Du bist OK". [...]
Zitat von nadennmallos... aber einen Trend kann man nicht aufhalten. Ich zähle mich eher zu den Fußgängern am Berg (Die Kletterzeit ist lange vorbei), dennoch: Wenn sich beide Gruppen mit Fairness und Respekt (Auch gegenüber Mutter Natur!) begegnen, sollte eine friedliche Co-Existenz möglich sein. Allerdings fürchte ich, das es auch viele Ungeübte mit ihren e-bikes in die Berge zieht oder Speed-Freaks die Pisten runter brettern, ohne Rücksicht auf Verluste. Naja, der Ein oder Andere kommt dann für den Darwin-Award in Frage und wird dann aus dem Gen-Pool entfernt.
" Vermutlich geht von den Bergwanderern jetzt das Biker-Bashing los .." Nein, geht es nicht. Meine Frau und ich machen alles, (Renn-)Radfahren, Laufen und Wandern. Das Motto ist "Ich bin OK, Du bist OK". Die Sellagruppe kennen wir sehr gut, da wir dort regelmäßig Wanderurlaub machen. Die Gruppe, mit der es absolut keinen Stress gibt, sind die MTBler ( ohne "E-"). Das "E-" sorgt dann dafür, dass - Radler will ich sie nicht nennen, also - Menschen mit den Teilen dann in Regionen vordringen, in denen sie nichts zu suchen haben. Rauf geht es vielfach noch, runter kann dann das Problem sein. Auf den Bildern ist das "30%"-Schild gut zu erkennen. Letztes Jahr haben uns zwei E-Fahrer fast weggeschreddert, weil sie auf den geschotterten Wirtschaftswegen nicht bremsen und gleichzeitig ausweichen konnten. Solange die sich selber aus dem Gen-Pool entfernen, soll es mir recht sein, Probleme habe ich damit, wenn ich mit entfernt werde :-).
eggi 06.08.2019
4.
Hm die schönsten Trails der Alpen? Gibs den? War in den letzten Jahren immer in Sölden zum MTB fahren ein sehr schönes Gebiet mit soviel Trails da reicht ein Leben nicht um alles zu fahren.
Hm die schönsten Trails der Alpen? Gibs den? War in den letzten Jahren immer in Sölden zum MTB fahren ein sehr schönes Gebiet mit soviel Trails da reicht ein Leben nicht um alles zu fahren.
peter_freiburg 06.08.2019
5. sollte man mal machen
Ich kann übrigens jedem Mountainbike Fahrer nur empfehlen, wenigstens einmal einen Alpenrcross zu machen. Mit minimalem Gepäck im Rucksack, tolle Landschaften, sportlich herausfordernd, herrliche Luft, und dann das schöne [...]
Ich kann übrigens jedem Mountainbike Fahrer nur empfehlen, wenigstens einmal einen Alpenrcross zu machen. Mit minimalem Gepäck im Rucksack, tolle Landschaften, sportlich herausfordernd, herrliche Luft, und dann das schöne Einkehren in eine urige Hütte und dazu ordentlich lecker Essen --> herrlich!
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