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Reise

Tipps für Familienabenteuer am Berg

Kinder, so macht Wandern Spaß!

Hauptsache, rauf? Nein, wer seine Kinder fürs Wandern begeistern will, sollte besser das Motto "Hauptsache, Spaß" beherzigen. Zehn Tipps für ein unvergessliches Abenteuer in den Bergen.

Jekaterina Nikitina/ Stone Sub/ Getty Images
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Mittwoch, 29.05.2019   10:23 Uhr

Sobald Kinder "Mehr!" schreien können, wollen sie ans Meer. Dort kribbelt Salzwasser auf der Haut, dort entstehen Traumschlösser aus Sand - und der Eismann liefert direkt unter den Sonnenschirm. In den Bergen dagegen: Steine, Wald und das große Gähnen. Wandern kann so müde machen. Oder das Schönste sein, was einer Familie passieren kann - ob in den Ferien oder an einem langen Wochenende.

Lesen Sie hier, was Sie bei der Planung beachten müssen, was in den Rucksack gehört und wie Sie Ihre Kinder aufs Wandern einstimmen.

1. Vorfreude wecken: Mit Apps und Büchern auf den Gipfel

Behilflich können dabei Bilderbücher sein - etwa "Mein Wimmelbuch: Hier in den Bergen" (Ravensburger, ab 2 Jahren), "Dr. Brumm geht wandern" (Thienemann, 4-6 Jahre) oder "Wir entdecken die Berge" (Ravensburger, 4 bis 7 Jahre, aus der "Wieso, weshalb, warum"-Reihe). Auch Apps können die Kinder darauf vorbereiten, was sie im Urlaub erwartet, zum Beispiel "Heidi, Abenteuer in den Bergen" (ab 4 Jahre).

Älteren Kindern kann man mit Gadgets wie Becherlupen oder einem Tourenbuch (z.B. "Mein erstes Tourenbuch", 8 bis 10 Jahre, Berg Verlag) das Abenteuer Berge schmackhaft machen. Und was immer funktioniert: Bilder der Eltern anschauen, wie sie müde, verschwitzt und glücklich auf einem Gipfel stehen.

2. Streckenwahl: Das Abenteuer liegt in der Baumwurzel

Seien Sie bloß nicht zu ehrgeizig, wenn Sie mit Kindern in die Berge gehen! "Der Gipfel ist eine Richtung, nicht das Ziel", sagt Jürgen Einwanger vom österreichischen Alpenverein. "Was zählt, ist der Weg dorthin."

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Wandern mit Kindern: Tipps gegen "Wie laaaaaange noch?"

Und der sollte nicht zu anstrengend sein. 200 Höhenmeter wuppen Erwachsene in 45 Minuten, für Dreijährige ist es eine Tagestour. Vierjährige schaffen rund 400 Höhenmeter am Tag. Mit Vorschulkindern empfiehlt Einwanger Touren bis maximal vier Stunden, im Grundschulalter bis fünf Stunden und maximal 600 Höhenmetern.

Viel wichtiger als die Höhenmeter und Länge der Wanderung ist aber die Wahl der Wege: Schmale Steige mit Baumwurzeln, Steinen und Bachläufen versprechen viel mehr Abenteuer als der breite Forstweg.

3. Die richtige Ausrüstung: Sonnencreme und ein kleines Spielzeug

Alles, was Wanderer für den Tag am Berg brauchen, muss in den Rucksack passen - für Kinder gilt diese Regel natürlich nur mit Einschränkung. Sie sollten zwar früh lernen, ihr eigenes Gepäck zu tragen. "Allerdings sollte der Rucksack nicht mehr als ein Zehntel ihres Eigengewichts wiegen", sagt Bergexperte Einwanger. Das entspricht je nach Alter kaum mehr als einer Trinkflasche, zwei Äpfeln und der Regenjacke.

Die Eltern schultern bei einer Wanderung immer noch die Hauptlast: Mütze, Sonnencreme und Fleece für alle, Matschhose und Wechselklamotten für die Kinder. Dazu Erste-Hilfe-Set, Essen und Trinken sowie ein kleines Spielzeug für unterwegs, zum Beispiel eine Lupe, ein Taschenmesser oder ein Kompass.

Packen Sie die Rucksäcke unbedingt schon am Abend, das erspart Hektik in der Früh. Ein Ausflug in die Berge sollte nie zu spät beginnen. "Kinder werden schnell müde und in der Mittagshitze will niemand wandern", sagt Einwanger. Und wenn alle verschlafen haben? Ab an den Badesee - und die große Bergtour auf den nächsten Tag verschieben.

4. Und nun zum Wetter

Im Gebirge sorgt das Wetter immer wieder für unangenehme Überraschungen - daran kann auch die beste App nichts ändern. Ins Gepäck müssen daher regenfeste Jacken für alle Wanderer. Sollten heftige Gewitter vorausgesagt sein, sollten Sie den Gipfelsturm mit Kindern lieber auf den nächsten Tag verschieben und in Talnähe bleiben.

Doch auch schönes Wetter birgt Gefahren - vor allem für die Haut: Das beste Mittel gegen UV-Strahlung ist natürlich Schatten. Wer im Sommer unter einem wolkenlosen Himmel wandert, braucht in jedem Fall Sonnencreme, -hut, und -brille. Besser noch ist leichte Kleidung, die die Haut bedeckt. Große wie kleine Wanderer müssen außerdem reichlich Flüssigkeit dabei haben, am besten Wasser und Fruchtschorlen.

5. Motivation am Weg: Balancieren, spielen, Blätter sammeln

Wandern mit Kindern heißt vor allem: spielen! Am besten läuft es, wenn Kinder vergessen, dass sie gerade wandern. Balancieren Sie mit den Kleinen über Baumstämme oder waten Sie mit ihnen durch den eiskalten Gebirgsbach! Sammeln Sie Steine, Hölzer und Blätter und basteln Sie damit später auf der Hütte kleine Andenken. Für ältere Kinder ist eine Rallye schnell und einfach vorzubereiten. Denken Sie sich Fragen aus wie "Welche Tiere siehst du unterwegs?" oder "Wie hoch über dem Meer liegt die Almhütte?" - der Nachwuchs ist damit erst mal beschäftigt und lernt auch noch dazu.

Viele Reiseziele werben mit Themenwegen für Familien. Kinder bewältigen dort Aufgaben oder lösen Rätsel wie bei einer Schnitzeljagd. Das beste Mittel gegen Langeweile ist aber immer noch das Rudel: Wandern Sie mit anderen Familien. Motivieren sich Kinder gegenseitig, wird keines so schnell müde.

6. Essen und Trinken: Ein hungriges Kind - und Sie können umkehren

Picknickpausen gehören zu einer zünftigen Wanderung dazu. Nirgendwo schmeckt die Käsestulle besser als auf einer Almwiese mit Aussicht auf schneebedeckte Gipfel. Die Vorräte sollten daher für alle reichlich bemessen sein, auch für die Eltern. Schmieren Sie also ordentlich Butterbrote und rechnen Sie bei den Getränken mindestens einen Liter pro Person, auch für jedes Kind. Erstens macht die Bergluft hungrig, zweitens ist Wandern Sport! "Es gibt nichts Schlimmeres als hungrige Kinder am Berg", sagt Jürgen Einwanger. "Die gehen keinen Schritt mehr."

Zwischendurch eignen sich Nüsse, Salzgebäck sowie klein geschnittenes Obst und Gemüse. Gummibärchen und Schokorosinen sind zwar keine Nahrung, erhöhen aber die Motivation. Mülltüte nicht vergessen, damit Ihr Abfall nicht auf dem Berg bleibt!

7. Hütteneinkehr: Tagesziel Kaiserschmarrn

Die Aussicht auf einen Kaiserschmarrn ist für Kinder weitaus attraktiver als der Blick auf die Karwendelkette. Schon deshalb ist eine Almhütte ein besseres Ziel als ein Gipfel. Zudem ist die Atmosphäre dort oben einmalig - und das Essen selbst gekocht. Viele Hütten haben sich auf Familien spezialisiert, etwa weil sie leicht zugänglich sind, keine Absturzgefahr droht und sie im besten Fall sogar mit einem Spielplatz oder Streichelzoo ausgestattet sind.

Einige dieser Hütten bieten auch Übernachtungen an: Neben Massenschlafsälen gibt es vielerorts inzwischen auch Familienzimmer. Die Broschüre "Mit Kindern auf Hütten" (als Gratis-Download auf der Webseite des Deutschen Alpenvereins) listet familienfreundliche Unterkünfte in Bayern und Österreich auf, für die Schweiz finden sich Tipps beim Schweizer Alpenclub (über die Suchmaske).

8. Wildnis erleben: Raus aus der Kinder-Komfortzone

Spätestens wenn Kinder in die Schule kommen, wollen sie in den Ferien Abenteuer erleben. Die Berge sind der perfekte Ort dafür: Hier können sie auf Bäume klettern, in Bergseen schwimmen und auf dem Klettersteig ihre Schwindelfreiheit testen. Vermutlich haben sie abends Risse in der Hose, Kratzer am Bein oder blaue Flecken am Knie - aber auch unvergessliche Erlebnisse im Kopf. "Eltern sollten ihren Kindern erlauben, die Komfortzone zu verlassen", sagt Einwanger, der selbst drei Kinder hat und weiß, wie schwer manchen Eltern das Loslassen fällt. "Kinder wissen erst, wie stark sie sind, wenn sie die Möglichkeit zum Starksein haben."

9. Geführte Touren buchen: Kühe und die "Big Five" der Alpen

Steinbock, Gämse, Murmeltiere, Steinadler und Bartgeier: Wer die "Big Five" der Alpen kennen lernen will, kann auf zufällige Begegnungen hoffen. Besser beobachten lassen sich die Tiere bei einer geführten Familienwanderung mit einem Ranger, der natürlich weiß, wo die Murmeltiere ihre Höhlen verlassen.

Doch in den Bergen leben auch unzählige Kühe. Von Juni bis September genießen sie die Sommerfrische auf der Alm - was den Vorteil hat, dass viele Hütten Milch, Joghurt und Käse aus Eigenproduktion anbieten. Was Sie wissen sollten: Kühe sind keine aggressiven Tiere, aber eine Kuhherde ist auch kein Streichelzoo. Bleiben Sie auf Abstand, besonders bei Jungtieren, deren Mütter permanent in Alarmbereitschaft sind. Ansonsten gilt: Ruhe bewahren - und lässig an den Viechern vorbei marschieren. (Lesen Sie hier zehn goldene Regeln zum Wandern in den Alpen.)

10. Für fortgeschrittene Familien: Trauen Sie sich an eine Mehrtagestour

Eine Woche lang von Hütte zu Hütte über die Alpen, das klingt wie ein Traum. Allerdings setzt eine Mehrtagestour Ausdauer und gute Ausrüstung voraus - schließlich muss jeder sein Gepäck für mehrere Tage auf dem Rücken tragen "Mehrtägige Touren sind für Kinder ab zehn Jahren zu empfehlen. Und Kinder und Eltern sollten schon Bergerfahrung haben", sagt Jürgen Einwanger. Wer sich unsicher ist, plant lieber erstmal nur eine einzelne Hüttenübernachtung. Dabei lässt sich auch testen, ob der Nachwuchs den fehlenden Komfort - kein W-Lan, keine heiße Dusche, kein Remmi-Demmi - genau so genießt wie Sie es tun.

insgesamt 7 Beiträge
demiurg666 30.05.2019
1.
Wenn man soviel schreiben muss, um aufzuzeigen wie man Kindern den Spaß beim Wandern beibringt, ist Wandern wahrscheinlich einfach nicht spaßig für Kinder. Ähnliche Tipps könnte man auch für lange Besuche in Ämter [...]
Wenn man soviel schreiben muss, um aufzuzeigen wie man Kindern den Spaß beim Wandern beibringt, ist Wandern wahrscheinlich einfach nicht spaßig für Kinder. Ähnliche Tipps könnte man auch für lange Besuche in Ämter schreiben, damit die Kids den tollen Spaß an Behördengängen kennenlernen...
aliof 30.05.2019
2. Seltsame Kritik an dem Artikel
.. dachte ich mir, und , warum schreiben Sie überhaupt , wenn Ihnen der Artikel nicht gefällt .. der ja in einer breiten und detaillierten Übersicht viel Anregendes wiedergibt. Dann aber erinnerte ich eigene Erfahrungen [...]
Zitat von demiurg666Wenn man soviel schreiben muss, um aufzuzeigen wie man Kindern den Spaß beim Wandern beibringt, ist Wandern wahrscheinlich einfach nicht spaßig für Kinder. Ähnliche Tipps könnte man auch für lange Besuche in Ämter schreiben, damit die Kids den tollen Spaß an Behördengängen kennenlernen...
.. dachte ich mir, und , warum schreiben Sie überhaupt , wenn Ihnen der Artikel nicht gefällt .. der ja in einer breiten und detaillierten Übersicht viel Anregendes wiedergibt. Dann aber erinnerte ich eigene Erfahrungen als Kind und Heranwachsender , der mit-wandern mußte. Denn so völlig anders bewegen sich die (allerallermeisten) Erwachsenen als wir als damalige Kinder. Das fing schon im Park an, oder auf dem Fußweg : was zur Hölle soll der Sinn davon sein, auf einer geraden Linie, oder immer 50 cm vom rechten Rand eines gepflasterten Weges von hier nach da, und zurück zu gehen ? .. wenn man doch viel besser einem Ball nachjagen könnte, oder über eine freigelegte Wurzel springen. .. und im Wald und am Berg über Baumstämme balancieren, querfeldein durch den (Rest-) Urwald, oder gar Steine einen Abhang hinunterwerfen .. Letzteres wäre natürlich zu reflektieren .. Was also stimmt , jetzt wieder aus rationaler Erwachsenensicht , nicht (so ganz) an dem Artikel ? .. womit ich Ihnen im Prinzip ja auch zustimme : es ist aus meiner Sicht die semantische Verknüpfung von "Spaß haben" und "sollen". Daher , meine Anregung zum nachdenken : Worte haben Bedeutungen , in diesem Fall : Spaß haben und Sollen gehören möglicherweise je einer anderen Kategorie an ..
Newspeak 30.05.2019
3. ...
Ich weiss nicht, was ich von dem Artikel halten soll. Einerseits ja gut gemeint. Andererseits, meine Mutter hat damals nichts davon gemacht, und die Wanderungen waren trotzdem toll. Klar, man wurde schon gefragt, ob man mitgehen [...]
Ich weiss nicht, was ich von dem Artikel halten soll. Einerseits ja gut gemeint. Andererseits, meine Mutter hat damals nichts davon gemacht, und die Wanderungen waren trotzdem toll. Klar, man wurde schon gefragt, ob man mitgehen mag. Aber dann hatte man das auch zu tun. Vielleicht war es sogar manchmal langweilig, aber man hatte ja gesagt, dass man mitwollte. Sehr oft war es anstrengend, aber man wollte ja mit. Ein Ratschlag lautet, man solle die Kinder aus der Komfortzone bringen. Das tut man ironischerweise am Besten, indem man die anderen Ratschlaege nicht beachtet! Es braucht kein Spielzeug fuer unterwegs, die Natur bietet genug davon. Es braucht keine Matschhose, auch die normale Hose kann man waschen. Es braucht keine Berghuette mit Kaiserschmarrn, der Apfel und das Butterbrot reicht auch. Es braucht nicht einmal ein Erste-Hilfe-Set. Was man den Kindern aber beibringen kann, ganz kostenlos, ist Respekt und Ehrfurcht vor der Natur, einen Blick zu entwickeln auch fuer die scheinbar langweilige Bergaussicht, und das tolle Gefuehl sich trotz Anstrengung und schlechter Laune zwischendurch auf den Gipfel gekaempft zu haben. DAS ist raus aus der Komfortzone. Nicht das betuettelte Wandern, das hier empfohlen wird.
NewYork76 30.05.2019
4. Nicht nur die Kinder
Es geht nicht immer nur um die Kinder. Je frueher die Kinder verstehen, dass man im Leben auch mal Kompromisse machen muss desto besser. Wenn die Eltern wandern wollen, dann muessen die Kinder eben mal das ipad aus der Hand [...]
Zitat von demiurg666Wenn man soviel schreiben muss, um aufzuzeigen wie man Kindern den Spaß beim Wandern beibringt, ist Wandern wahrscheinlich einfach nicht spaßig für Kinder. Ähnliche Tipps könnte man auch für lange Besuche in Ämter schreiben, damit die Kids den tollen Spaß an Behördengängen kennenlernen...
Es geht nicht immer nur um die Kinder. Je frueher die Kinder verstehen, dass man im Leben auch mal Kompromisse machen muss desto besser. Wenn die Eltern wandern wollen, dann muessen die Kinder eben mal das ipad aus der Hand legen und sich zusammenreissen. Die Wandertipps sind jedenfalls sinnvoll. Wir haben viele dieser Tipps durch eigenes Ausprobieren gelernt. Wer im Wald Trolle und Drachen jagt, der fragt nicht alle 10 Schritte wie weit es noch ist. Einzige Anmerkung zum Artikel: Immer ein Auge auf die Kinder haben; besonders an gefaehrlichen Wegstellen. Ich bin im Gebirge aufgewachsen und weiss, dass es immer Wanderwege mit Stellen gibt bei denen man die Kinder besser an die Hand nimmt. Auch nicht alle Almhuetten sind gut abgesichert.
Mohr 30.05.2019
5. Dieser Beitrag beherberkt Lebensgefahr!!
Von jedem Forstamt geht die höchste Warnung aus, auf aufgestapelte Baumstämme zu turnen. Diese können sehr leicht ins Rutschen kommen, und es kommt oft zu tötlichen Verletzungen. Dann holen sie mal schnell Hilfe.
Von jedem Forstamt geht die höchste Warnung aus, auf aufgestapelte Baumstämme zu turnen. Diese können sehr leicht ins Rutschen kommen, und es kommt oft zu tötlichen Verletzungen. Dann holen sie mal schnell Hilfe.
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