Schrift:
Ansicht Home:
Reise

Inselhopping rund um Komodo

Waransinnig voll

Macht sie jetzt dicht oder nicht? Nein, auch künftig werden Besucher auf die indonesische Insel Komodo reisen dürfen. Dort erwarten sie aber nicht nur die berühmten nach dem Eiland benannten Warane.

Philipp Laage/ TMN
Freitag, 08.11.2019   13:35 Uhr

Als die Riesenechse aus dem Gebüsch hervorbricht, laufen die Touristen auseinander. Eine Frau huscht verschreckt hinter einen Baum. Niemand hat den Komodowaran kommen sehen, züngelnd und nahezu lautlos läuft er zum Wasserloch.

Die bis zu drei Meter langen Warane sind die große Attraktion im Komodo-Nationalpark in Indonesien. Sie werden auch als "letzte Drachen der Erde" bezeichnet, was in die Irre führt, weil die Fabelwesen nur in der Fantasie existieren. Tatsächlich aber erinnern die Warane eher an eine Kreuzung aus Würgeschlange und Krokodil.

Fotostrecke

Komodo-Nationalpark: Inselhopping auf die indonesische Art

Pro Jahr kommen etwa 175.000 Besucher her - auch um sich von Parkwächtern zu den Tieren führen zu lassen. Neuerdings gehen vor Komodo sogar Kreuzfahrtschiffe vor Anker. "Dann sind auf einmal 800 Leute auf der Insel", sagt Chef-Ranger Johanes Rawi. "So viele können wir niemals unter Kontrolle halten."

Es gab Pläne, die Hauptinsel Komodo für Touristen ganz zu schließen. Die Idee war lokalen Medienberichten zufolge eine Reaktion auf den Diebstahl und Schmuggel von Babywaranen aus dem Park. Außerdem sollte sich die Population auf Komodo erholen. Dann überdachte die Regierung die Maßnahme - sie ist nun vom Tisch.

Die Komodowarane sind längst nicht die einzige Sehenswürdigkeit in dem Nationalpark, der neben Komodo selbst noch mehrere andere Inseln umfasst. Urlauber erkunden den Park am besten auf einer mehrtägigen Bootstour, statt nur einmal schnell für eine Stunde die Warane zu besuchen. Wer ausschließlich für die Echsen kommt, verpasst etwas: puderweiße Strände, artenreiche Korallenriffe - und Giganten unter Wasser.

Starbucks und Straßengrill auf Flores

Der Bootstrip, bei dem auch an Bord übernachtet wird, startet in Labuan Bajo auf Flores, eine Flugstunde von Bali entfernt. Die Auswahl an Unterkünften in dem Küstenort ist groß. Am Wasser gibt es abends einen Fischmarkt, wo Straßenköche vor den Augen der Kunden Oktopus und Papageienfisch grillen.

Labuan Bajo ist mit dem Fremdenverkehr gewachsen: Neue Hotels entstehen, es gibt viele Baugerüste. Den Charme eines Fischernests sucht man vergebens. Die Starbucks-Filiale greift zwar beim Interieur die Muster der regionalen Tenun-Webkunst auf, könnte so aber auch in Singapur oder Hongkong stehen.

Bis zu zehn Orte im Nationalpark laufen die eher kleinen Schiffe auf einer dreitägigen Bootsreise an. Erster Halt auf dieser Tour: Kanawa Island. Weißer Sand, türkises Wasser. Zwei indonesische Paare, drei Pärchen aus Europa, ein einheimischer Tiermediziner aus Bali setzen zu der kleinen Insel über. Ein Pfad führt hinauf zur höchsten Stelle des Eilands - der Moment für die Handykamera, er ist gekommen. Von oben betrachtet sind die Farben des Wassers in der Tat betörend.

Was sich aus dieser Perspektive auch zeigt: Der Komodo-Nationalpark ist in der Trockenzeit extrem karg. Von der sonst so üppigen Vegetation Südostasiens ist hier nichts zu sehen.

Philipp Laage/ TMN

Padar Island - landschaftlich herausragend

Nachmittags geht es per Boot tiefer hinein in den Nationalpark. Die Jungs von der Crew, keiner älter als 20 Jahre bis auf den tätowierten Kapitän, servieren Fisch. Zum Nachtisch gibt es frittierte Bananen. Das Meer schimmert im Licht der sinkenden Sonne.

Fluch der Schönheit

Unweit von Rinca - neben Komodo die zweite große Insel des Parks - wirft die Crew den Anker bei einem unscheinbaren Eiland aus. Es ist fast dunkel, die Stunde der Flughunde beginnt. Hunderte Tiere steigen aus den Mangroven in die Höhe und flattern über das Schiff hinweg, um nachts auf Nahrungssuche zu gehen.

Wer spektakuläre Fotos mitbringen möchte, muss vor Sonnenaufgang aufstehen. Ein gutes Dutzend Ausflugsboote legt vor Padar Island an, mindestens 200 Touristen steigen über einen Pfad hinauf zum höchsten Punkt. So überlaufen der Aussichtspunkt ist, so einsam und wild liegt die Inselwelt dar.

Jeder genießt die knapp zwei Stunden auf der Insel auf seine Weise. Pärchen hocken sich abseits des Trubels ins Gras und schauen auf den Horizont. Instagram-Touristen verbringen ihre Zeit mit Selfies. Padar ist einer dieser Orte, deren Schönheit ihnen zum Verhängnis werden kann. Einmal zum vermeintlichen Geheimtipp erkoren, gehen Fotos davon sofort um die Welt - und ziehen noch mehr Menschen an.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von Travel lifestyle (@travel_life_styyle) am

Kurs auf Komodo. Vor dem Besuch der Warane steht noch der Pink Beach auf dem Programm. Je näher man kommt, desto mehr erschließt sich der Name. Durch Ablagerungen von Korallen hat der Sand tatsächlich eine rötlich-pinke Farbe, die sich freilich durch entsprechende Bildbearbeitung noch verstärken lässt. Resultat: Auf manch einem Instagram-Bild wirken die Farben schon mal unrealistisch knallig.

Besuch auf der Dracheninsel

Die Reisegruppe ist euphorisch, als es endlich zu den Waranen geht. Überfahrt mit dem Beiboot, Anmeldung im Ranger-Zentrum, eine Stunde dauert der Spaziergang mit Guide. Dann am Wasserloch die Begegnung mit dem Waran aus dem Gebüsch. Angriffslustig ist er nicht.

Dennoch hält man als Mensch besser genügend Abstand. Die Echsen jagen sogar Wildschweine und Hirsche. Von den 54 verschiedene Bakterien, die sich im Maul eines Komodowarans befinden, ist eines für die Beutetiere tödlich. Oft liegen die größten Echsen der Welt aber bloß regungslos da. Dass sich eine in Bewegung setzt und außerdem noch das Maul aufreißt, ist eher selten. Die Besucher sind dann begeistert - nachdem der erste Schock verflogen ist.

Seek Sophie/ iDive/ TMN

Manta-Rochen

Der Höhepunkt kommt zum Schluss der Tour - und das ist nach Ansicht vieler Reisender nicht die Waran-Begegnung. Das Boot steuert am späten Nachmittag den Manta Point an. Die erfahrene Crew hält Ausschau: "Da!", ruft einer. In einiger Entfernung zeigt sich eine große Flosse. Schnell ins Beiboot, die Schnorchelmasken aufziehen und hinein ins Meer. Ein Manta-Rochen mit einer Spannweite von nahezu drei Metern gleitet wie ein fliegender Teppich wenige Meter unter dem eigenen Körper durch das Wasser.

Noch mehr Mantas tauchen auf. Einige schwimmen auf die Schnorchler zu und drehen erst kurz vorher ab.

Jüngsten Plänen zufolge soll Komodo nun zwar nicht gesperrt, aber zu einem Ort für reiche Touristen werden, wie BBC berichtet. Geplant ist eine Jahresgebühr von tausend US-Dollar (rund 900 Euro). Ob diese wirklich Anfang 2020 eingeführt wird, ist fraglich. Die Einheimischen sind jedenfalls dagegen. Sie fürchten um ihre Einnahmen.

So kommen Sie in den Komodo-Nationalpark

Wo sind die Inseln und wie kommt man hin?
Der Komodo-Nationalpark liegt östlich von Bali und Lombok in der indonesischen Provinz Ost-Nusa-Tenggara und westlich der Insel Flores. Direktflüge nach Labuan Bajo gibt es täglich günstig zum Beispiel von Bali und Jakarta aus. Je nach Reiseroute lässt sich der Komodo-Park somit flexibel einbauen.
Wann ist die beste Reisezeit?
Das beste Wetter für einen Besuch herrscht in den Monaten der Trockenzeit von Mai bis Oktober. Mantarochen lassen sich das ganze Jahr über beobachten.
Wo übernachten Urlauber im Nationalpark?
Im Nationalpark gibt es kaum Herbergen. Darum schläft man am besten auf einem Ausflugsboot. Viele Anbieter haben solche Touren im Programm. Je höher der Preis, desto größer ist der Komfort an Bord und desto individueller die Route. Mancher Anbieter ist allerdings schlecht organisiert, und das Programm wird spontan gekürzt. Touren starten in Labuan Bajo auf Flores. Dort gibt es Unterkünfte verschiedener Preisklassen.
Muss ich mich gegen Malaria schützen?
Für die Inseln östlich von Lombok empfehlen Tropenmediziner eine Malaria-Prophylaxe. Einheimische versichern aber, das sei im Nationalpark in der Trockenzeit nicht nötig. Viele Touristen, die in dieser Zeit für eine Bootstour herüberfliegen, verzichten daher auf die Einnahme von Malaria-Tabletten.
Weitere Informationen
Visit Indonesia Tourism Office Germany, Hanauer Landstraße 184, 60314 Frankfurt/Main (Tel.: 069/175371038, www.indonesia.travel).

Philipp Laage/dpa/jus

insgesamt 6 Beiträge
Gluehweintrinker 08.11.2019
1. Der Ausverkauf der Natur geht weiter
Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sich auch auf dieser Insel irreparable Schäden ausweiten, die der Massentourismus mit sich bringt. Man möchte den nicht ungefährlichen Echsen zurufen: wehrt euch!
Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sich auch auf dieser Insel irreparable Schäden ausweiten, die der Massentourismus mit sich bringt. Man möchte den nicht ungefährlichen Echsen zurufen: wehrt euch!
k70-ingo 08.11.2019
2.
Dem Bericht ist zu entnehmen, daß Kreuzfahrttouristen das Problem massiv verschärfen.
Zitat von GluehweintrinkerEs ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sich auch auf dieser Insel irreparable Schäden ausweiten, die der Massentourismus mit sich bringt. Man möchte den nicht ungefährlichen Echsen zurufen: wehrt euch!
Dem Bericht ist zu entnehmen, daß Kreuzfahrttouristen das Problem massiv verschärfen.
martine-primus 08.11.2019
3. wenn ich das lese...
dann beschleicht mich ein ungutes Gefühl. Ich war 1993 und 1996 dort. Labuhan Bajo war ein niedliches Dörfchen. Backpacker gab damals, wir gehörten dazu, aber wir haben in keinem Hotel geschlafen, sondern ins Losmens. Zimmer, [...]
dann beschleicht mich ein ungutes Gefühl. Ich war 1993 und 1996 dort. Labuhan Bajo war ein niedliches Dörfchen. Backpacker gab damals, wir gehörten dazu, aber wir haben in keinem Hotel geschlafen, sondern ins Losmens. Zimmer, die die Einheimischen anboten gegen Bezahlung. Es war jedenfalls nicht touristisch überlaufen. Auf Komodo-island sind die Führer mit Stöcken, die die Warane fernhalten sollten (geht das eigentlich *hüstel*?) vor uns gelaufen. Es waren nur wenige Touristen dort! Auf Flores haben wir damals gewohnt. Ob ich Indonesien in den Bereichen noch wiedererkennen würde? Ich glaube nicht. Die Gili-Inseln sind ja auch bereits touristisch ausgebaut. Nein, der Massentourismus macht alles kaputt.
eunegin 09.11.2019
4. Wir, die großen Klima- und Umweltschützer
Egal ob Medien, Unternehmen oder Privatpersonen: auf der einen Seite geben sich alle als die großen Klimaschützer, auf der anderen Seite fliegt man kreuz und quer, um die Füße in Indonesien oder anderswo in Wasser zu halten [...]
Egal ob Medien, Unternehmen oder Privatpersonen: auf der einen Seite geben sich alle als die großen Klimaschützer, auf der anderen Seite fliegt man kreuz und quer, um die Füße in Indonesien oder anderswo in Wasser zu halten und zu Hause damit angeben zu können. Am besten noch in ein Öko-Resort. SPON ist da keine Ausnahme: Appelle an das Klimaschutzbewusstein in einem Artikel, dann jubelnde Werbung für einen neuen SUV oder semi-kritische Fernreisebeiträge. Komodo ist ja nur ein kleines Beispiel. Die Welt ist inzwischen unser Mallorca. Massentourismus und Massenkonsum - alle kritisieren dass, aber irgendwer muss ja wohl auch mitmachen, oder? Ausgleichen kann man das durch den erhobenen Zeigefinger. Es sind ja immer die anderen. So, und jetzt mal Flotte für das gute Gewissen ein E-Auto bestellt. Das ist ein unbezahlbarer Imagegewinn! Hat zum Glück in der Garage noch Platz neben dem SUV und dem Mini Cabrio.
raeuber.hotzenplotz 09.11.2019
5. Wenn erstmal 1 Mrd Chinesen kommen...
...dann kann man Südostasien umwelttechnisch und von der Natur her knicken. Das Problem: der Reisepreis beinhaltet nicht die wahren Kosten jeder Reise; jede Reise wird mal grob geschätzt zu 80% von der Natur gesponsort, die ja [...]
...dann kann man Südostasien umwelttechnisch und von der Natur her knicken. Das Problem: der Reisepreis beinhaltet nicht die wahren Kosten jeder Reise; jede Reise wird mal grob geschätzt zu 80% von der Natur gesponsort, die ja ihre Rechnung 1. nur mit großer Verspätung und 2. auch nur für die Allgemeinheit ausstellt. Klar ist: Reisen muß nachhaltig werden, und eins ist somit ebenso klar: das kostet. Es gibt nur zwei Wege: weiter so und bald ist alles dort Schrott, wo auf Kosten der Natur Tourismus betrieben wird (kann man schon auf vielen (Alp-)Trauminseln begutachten), oder dramatische Preisexplosion, die die wahren Kosten für nachhaltigen Tourismus beinhaltet. Letzteres bedeutet für die allermeisten Menschen: viel weniger bis gar keine Reisen außerhalb des Fahrradradiusses um den Wohnort. Nicht schön, aber die Welt geht d a v o n garantiert nicht unter...und dann und wann genehmigt man sich denn doch mal eine nachhaltige Fernreise, z.B. zum 50st Hochzeitstag oder so. Weniger ist mehr, und wenn schon denn schon...das ist das Konzept der Zukunft, nicht nur beim Reisen...

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP