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Reise

Alaskas Inuit

Highlife in der Arktis

Eisige Winter, unvergleichliches Licht: Der Fotograf Brian Adams gibt einen Einblick in das Leben von abgelegenen Inuit-Gemeinden in Alaska - und setzt sich auch mit seinen eigenen Wurzeln auseinander.

Brian Adams
Von
Freitag, 18.01.2019   10:54 Uhr

Als Brian Adams noch ein Baby war, verließen seine Eltern Kivalina, ein Dorf, in dem damals rund 350 Inuit lebten. Sie zogen nach Anchorage, der größten Stadt Alaskas. Als Teenager fühlte sich Adams seines kulturellen Erbes beraubt: Von väterlicher Seite aus gehört er den Inupiaq an, einer Gruppe von Inuit, die die gleichnamige Sprache sprechen. Vor 13 Jahren fing der Fotograf daher an, sich künstlerisch mit der Kultur seiner Vorfahren zu beschäftigen.

Für sein Projekt "I am Inuit" besuchte er über ein Jahr hinweg 20 Inuit-Gemeinschaften im Nordwesten Alaskas. Knapp 270 Menschen interviewte und fotografierte er, um ihr Leben und ihren Alltag zu dokumentieren.

In einigen der Dörfer hatte er familiäre Verbindungen, bei den anderen kontaktierte er zuerst die NGO Inuit Circumpolar Council, die sich für die Rechte der Inuit in den Vereinigten Staaten, Kanada, Grönland und Russland einsetzt. Diese fragte in den jeweiligen Orten an, ob Adams sie in das Projekt einbeziehen dürfe.

Die größte Schwierigkeit folgte erst dann: Kaum eines der Dörfer kann man über eine Straße erreichen, Adams musste sich überall hinfliegen oder mit einem Schneemobil fahren lassen. Vor Ort angekommen, sprach er die Menschen einfach auf der Straße an - die meisten fühlten sich geehrt, bei seinem Projekt mitzuwirken.

Die Porträts sollten so natürlich wie möglich sein, Adams positionierte die Menschen daher nicht, nahm sie direkt dort auf, wo er sie traf. Bevor oder nachdem er fotografierte, sprach er viel mit ihnen: "Es war mir sehr wichtig, dass mir jeder selbst seine Geschichte erzählt. Ich will sie so unmittelbar wie möglich an den Betrachter weitergeben."

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Beim Fotografieren nutzte Adams eine analoge Mittelformatkamera, die auch bei niedrigen Temperaturen verlässlich funktioniert. "Außerdem trage ich warme Kleidung und gehe sehr schnell, um meine Körpertemperatur zu halten."

Mit seinen Bildern will der Fotograf Stereotype durchbrechen. Er zeigt einen Mann mit seiner Gitarre, ein Kind, das seinen Vater beim Ansteuern seiner Drohne beobachtet, aber auch eine Frau, die Robbenfleisch trocknet. "Die Traditionen der Inuit sind immer noch lebendig, aber sie haben sich auch angepasst. Ihre Kultur stagniert nicht und es gibt immer wieder Veränderungen", sagt Adams.

Das Leben in den kleinen Dörfern birgt viele Herausforderungen, fordert eine große Widerstandsfähigkeit von den Menschen: wenig Arbeitsplätze, schwer zugängliche Nahrungsmittel, die Abhängigkeit von der Umwelt. Trotz allem lieben laut Adams die Einwohner ihr Land, ihre Lebensweise und Kultur.

Die Inuit, die er getroffen hat, teilen auch die gleiche Sorge bezüglich des Klimawandels und den Auswirkungen auf ihre Heimat. Einige Einwohner mussten bereits wegen der Folgen umziehen. Ein Thema, das auch Adams sehr beschäftigt: Kivalina, das Dorf in dem er seine ersten Lebensmonate verbrachte, könnte bald wegen der Eisschmelze vom Meer verschluckt werden.

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