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Reise

Extrem abgelegene Hotels

Still, weit & weg

Lodge am Lyngenfjord, Wellnesstempel in der Wüste: Je abgeschiedener ein Hotel ist, desto mehr Sehnsucht entfacht es. Doch was macht den erträumten Luxus aus? Ein Bildband porträtiert 22 solcher Orte.

David De Vleeschauwer/ Remote Places to Stay/ gestalten 2019
Freitag, 13.09.2019   04:26 Uhr

Das Fogo Island Inn ist nur mit dem Hubschrauber oder per Fähre zu erreichen. So oder so ist die Anreise beschwerlich, wenn arktische Stürme über die Nordküste Neufundlands fegen. Die Pension Briol müssen Gäste zu Fuß oder mit einem Geländetaxi ansteuern, sie liegt 1320 Meter hoch in den norditalienischen Bergen.

Und das Convento di Santa Maria di Costantinopoli ist zwar durch eine kurvenreiche Küstenstraße mit der süditalienischen Barockstadt Lecce verbunden; einem Geheimversteck ähnelt es dennoch. "Kein Schild, kein Name, keine Klingel - niente", heißt es in dem Buch "Remote Places to Stay", das 22 abgelegene Hotels auf der ganzen Welt porträtiert.

Gleich dreimal kommt Italien darin vor. Neben dem Südtiroler Berg-Hideaway Briol und dem aufgemöbelten Kloster in Apulien preisen die Autoren eine restaurierte Dorfschönheit in den Abruzzen an.

Fotostrecke

Extrem abgelegene Hotels: Sonne, Mond und Ferne

Doch mit Island, Estland, Griechenland und der Schweiz sind auch andere europäische Länder in dem Bildband vertreten, der kürzlich im Gestalten Verlag erschienen ist. Der Untertitel lautet: "Die schönsten Hotels an entlegenen Orten". Und viele von ihnen sind wirklich weit weg, zum Beispiel in Patagonien, in der Kalahari und in der Mongolei.

Abgeschiedenheit ist der neue Luxus

Was die im Buch genannten Pensionen, Hotels und Resorts gemeinsam haben: Sie sind von Stille umgeben. Wenn hier etwas Geräusche macht, dann kommt es in der Regel aus der Natur - oder von der Kaffeemaschine. "Erreichbare Abgeschiedenheit ist zu einem neuen Luxus geworden", schreibt Debbie Pappyn, Autorin von "Remote Places".

Das englische Wort remote kann man mit "weit entfernt liegend" übersetzen. Doch es steht für noch mehr. Es steht auch für "abgeschieden" und "weltentrückt" - Wörter, die nicht nur mit einer räumlichen Distanz zu tun haben.

Wer sich an einem Ort aufhält, der weitab von allem ist, was wir unter Zivilisation verstehen, der entfernt sich auch von Alltag und Arbeit, von Lärm, To-do-Listen und vollen Terminkalendern. "Je mehr Raum man um sich hat, desto mehr Raum entdeckt man in sich selbst", schreibt der britische Autor und Essayist Pico Iyer in seinem Vorwort. Wenn er morgens ohne all die piependen Geräte aufwache, so komme es ihm vor, als würde sich "ein Tag mit über tausend Stunden" vor ihm ausbreiten.

Die Fotos von den im Buch beschriebenen Unterkünften haben einen großen Wow-Faktor. Doch wer kann sich solche Etablissements leisten? Die Autoren haben die Hotels in vier Preiskategorien eingeteilt: "erschwinglich", "mit einem Touch Eleganz", "für gehobene Ansprüche" und "exklusiv".

"Sich verlieren in dem, was uns umgibt"

Was für Reisende "erschwinglich" ist, hängt freilich stark vom individuellen Budget ab. Eine Nacht im isländischen Hotel Budir ist Ende September ab 180 Euro zu haben, der Zimmerpreis im italienischen Dorfhotel Sextantio beginnt ab 140 Euro. Für Suiten in den teuersten der Unterkünfte, etwa dem Amangiri Resort im US-Staat Utah, müssen Reisende vierstellige Summen hinblättern - pro Nacht.

Zusammengestellt haben die Autorin Debbie Pappyn und der Fotograf David de Vleeschauwer die Orte nach ausführlicher Begutachtung. "Nachdem wir über 1500 Hotels und Campingplätze besucht und erlebt haben, verringerten wir die Auswahl auf 22 Orte, an denen man sich wirklich vom gewohnten, hektischen Leben trennen kann."

Preisabfragezeitpunkt:
12.09.2019, 10:19 Uhr
Ohne Gewähr

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gestalten, Debbie Pappyn, David De Vleeschauwer
Remote Places To Stay (DE): Die schönsten Hotels an entlegenen Orten

Verlag:
Die Gestalten Verlag
Seiten:
312
Preis:
EUR 39,90

In einer Zeit der Beschleunigung schätzten wir nichts so sehr wie Langsamkeit, schreibt Pico Iyer. Und: "In einer Zeit der Zerstreuung macht uns nichts glücklicher als ein Gefühl der Versunkenheit, des Sich-Verlierens in dem, was uns umgibt."

Der Autor verweist darauf, dass die im Buch genannten Hotels nur Beispiele sind für eine Art von Unterkunft, die dem Reisenden mehr geben als ein Bett und ein Frühstück - nämlich eine Erfahrung für die Seele. Es könnten Gästehäuser, Zelte oder Klöster sein, "wo man seine Gedanken ordnen, die Welt um sich herum und sich selbst wieder spüren und hören" könne, schreibt er. Sein Tipp: "Es gibt zweifelsohne auch Orte der Abgeschiedenheit ganz in eurer Nähe."

jus

insgesamt 7 Beiträge
fatherted98 13.09.2019
1. no go...
....ist kein Badezimmer....im Urlaub auf den Eimer müssen, ist ein no go.....das können gerne alle anderen machen.
....ist kein Badezimmer....im Urlaub auf den Eimer müssen, ist ein no go.....das können gerne alle anderen machen.
sternenguckerle 13.09.2019
2.
Nachhaltiger Tourismus sieht anders aus.
Nachhaltiger Tourismus sieht anders aus.
Marion Müller 13.09.2019
3.
Es gibt auch in Deutschland abgeschiedene Hotels...da braucht man nicht quer über den Erdball fahren/ fliegen. Wer zb in Berlin wohnt, findet es schon "abgeschieden", wenn das Hotel in einem Dorf mit 100 Einwohnern [...]
Es gibt auch in Deutschland abgeschiedene Hotels...da braucht man nicht quer über den Erdball fahren/ fliegen. Wer zb in Berlin wohnt, findet es schon "abgeschieden", wenn das Hotel in einem Dorf mit 100 Einwohnern steht. Meine SChwester (wir wohnen Raum Mannheim, also sehr quirlig) war über ein verlängertes Wochenende in einem Waldhotel in den neuen Bundesländern. Sie war sowas von begeistert... kein Autobahn -Lärm, kein Kindergeschrei (sie wohnt direkt neben einer Schule), kein Kirchengebimmel usw...
mayazi 14.09.2019
4. Abgeschiedenheit
Abgeschiedenheit kann man ersetzen durch Meditation. Macht auch weniger CO2.
Abgeschiedenheit kann man ersetzen durch Meditation. Macht auch weniger CO2.
okto11ber 15.09.2019
5.
Ich bleibe zu Hause, Frühstücke auf meinem Balkon mit über 30pm umgeben von Laubbäumen. Als Gast kommt jeden Morgen eine Biene geflogen und klappert an meinem Honigbrötchen herum. Lese meine Tageszeitung und lasse den [...]
Ich bleibe zu Hause, Frühstücke auf meinem Balkon mit über 30pm umgeben von Laubbäumen. Als Gast kommt jeden Morgen eine Biene geflogen und klappert an meinem Honigbrötchen herum. Lese meine Tageszeitung und lasse den Herrgott einen guten Mann sein.
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