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Reise
Planet Erde

Kenia von oben

Dorfbesichtigung per Drohne

Michael Martin/ Jörg Reuther
Montag, 18.12.2017   04:00 Uhr

Ob Schilfhütten, ein riesiger Wüstensee oder sensible Flamingos - mit einer Drohne gelingen Luftaufnahmen aus geringer Entfernung beeindruckend gut. Michael Martin erprobt das Fluggerät in Kenia zum ersten Mal.

Zur Person

Behäbig liegen die Flusspferde im Mara-River, der ein paar Kilometer weiter die natürliche Grenze zu Tansania bildet. Hier queren zwischen Mai und Juli Millionen von Gnus und mit ihnen Löwen und andere Raubtiere den Fluss in der Massai Mara, Kenias bekanntestem Nationalpark.

Für mich und meinen Fotografenkollegen Jörg Reuther ist der Mara-Fluss Ausgangspunkt für eine Reise durch Kenia - von der Südgrenze bis hinauf an die Grenze zu Äthiopien. Zum ersten Mal haben wir neben unseren Kameras auch eine Foto-Drohne im Gepäck. Unser Traum von den neuen Möglichkeiten fand am Parkeingang aber ein vorläufiges Ende. Eine vorsichtige Nachfrage bei den Rangern löste heftiges Kopfschütteln aus.

Kenia und Tansania untersagen den Einsatz von fliegenden Kameras in ihren Nationalparks streng. Zu groß ist das Risiko, die Tiere und andere Besucher zu stören, und zu hoch die Gefahr, wenn eine abgestürzte Drohne geborgen werden muss. Trotzdem setzen wir die Drohne in der Massai Mara ein - ohne montierte Rotorblätter dient sie als perfekt stabilisierte Filmkamera, um aus dem Auto heraus Fahrszenen aufzunehmen.

Drohne und Flamingos - funktioniert das?

Zurück in der kenianischen Hauptstadt Nairobi suchen wir uns einen Veranstalter, der viel Erfahrung im Norden Kenias hat, und finden mit Rufus und seinem Landcruiser den richtigen Mann und das richtige Fahrzeug. Unser nächstes Ziel in Kenia ist der Lake Bogoria, 250 Kilometer nördlich von Nairobi. Von einem Überflug mit einer Cessna im September wusste ich, dass sich dort derzeit Hunderttausende Flamingos aufhalten.

Im Unterschied zur Massai Mara ist der Lake Bogoria kein Nationalpark, sondern ein National Reserve. Die Ranger am Gate reagieren auf unsere vorsichtige Nachfrage wegen der "Flying camera" positiv. So stehen Jörg und ich mit unserem neuen Fluggerät am Ufer des Sees und treffen Vorbereitungen für den Jungfernflug.

Jörg ist Drohnenpilot der ersten Stunde und hat die Entwicklung der letzten Jahre hin zu immer kleineren, betriebssicheren Drohnen mitgemacht - und dabei bereits zwei davon samt Kamera im Wasser versenkt. Jetzt aber sind wir zu zweit und können dabei Fluggerät und Motive gemeinsam im Blick behalten.

Die entscheidende Frage muss aber noch beantwortet werden - wie reagieren die Flamingos auf die Drohne? Wir fliegen in großer Höhe auf den nächsten am Ufer stehenden Schwarm zu und sinken dann langsam. Zu unserer großen Erleichterung zeigen die Vögel keinerlei Reaktion. Selbst in nur zehn Meter Flughöhe über den Tieren ist keine Unruhe oder gar Fluchtverhalten zu beobachten.

Ganz offensichtlich nehmen die Flamingos die Drohne als Artgenossen war. Es kommt auch zu keinen Zusammenstößen vorbeifliegender Vögel, da die Tiere wie selbstverständlich ausweichen. Wir atmen auf, wissen wir doch von Flügen mit Sportflugzeugen, wie leicht sich die Flamingos stören lassen. Auch am Ufer kann man ihnen kaum mehr als 100 Meter nahekommen, ohne ein Zurückweichen des Schwarms zu verursachen. Nach 15 Flugminuten haben wir fünf Minuten Filmmaterial und zwei brauchbare Bilder. Und eine heil zurückgekehrte Drohne.

"Oh, mein Dorf!"

Nach zwei Fahrttagen auf miserabler Piste erreichen wir den Lake Turkana und machen Station in dem kleinen Ort Loyangalani. Bei einem abendlichen Besuch der beiden nördlich gelegenen El-Molo-Dörfer packen wir auf einem Hügel die Drohne aus, nicht ohne uns die Erlaubnis der Dorfverantwortlichen geholt zu haben. Wir starten nach nicht einmal fünf Minuten Vorbereitung und ziehen zunächst eine Runde über das Dorf.

Auf dem Bildschirm des Tablets, der mit der Fernsteuerung verbunden ist, tauchen die Hütten und die Boote im Wasser auf. Es ist ein schöner Anblick, der auch die Dorfbewohner begeistert, die sich mittlerweile um den Bildschirm scharen. Ein alter Mann ruft voller Stolz aus: "Oh, das ist mein Dorf!" Wir lassen die Drohne höher steigen, um die umgebende Wüste zu sehen. Die 30 Minuten maximale Flugzeit reichen aber für mehr. Wir fliegen das Ufer des Turkanasees entlang und erleben den größten Wüstensee der Erde.

Die Drohne verschafft einen ganz besonderen und neuen Blick auf Landschaften und die Spuren menschlichen Lebens und Wirtschaftens. Wir sind uns natürlich auch der problematischen Seite des Drohnenfliegens bewusst. Die oft gegen Drohnen vorgebrachten Argumente wie Gefährdung des Luftverkehrs oder Ruhestörung spielen in den dünn besiedelten Gebieten Afrikas aber keine Rolle. Es ist letztlich in der Verantwortung der Piloten, die Grenzen zu sehen und einzuhalten.

Als wir zwei Tage später uns in das entlegene Koobi Fora kurz vor der äthiopischen Grenze aufmachen, passieren wir ein Feld prähistorischer Hügelgräber. Auch hier zeigt die Drohne die Verteilung und Dimension der Gräber viel besser als die Kamera am Boden. Selbst die Entdeckung der wohl wichtigsten, jemals gemachten frühmenschlichen Funde in Koobi Fora am Ufer des Turkanasees durch Richard Leakey ist dem Blick aus der Luft zu verdanken. Man schrieb das Jahr 1967 - damals war diese Perspektive noch Vögeln und Flugzeugen vorbehalten.

insgesamt 8 Beiträge
maria_tönnis 18.12.2017
1.
Ich finde es sehr, sehr nervig, das es bald keinen Platz mehr gibt, wo man ungestört sein wird und den Lärm den diese Drohnen machen ist fürchterlich. Dachte die Drohnen sind in Kenia verboten... Schade, war wohl nur ein [...]
Ich finde es sehr, sehr nervig, das es bald keinen Platz mehr gibt, wo man ungestört sein wird und den Lärm den diese Drohnen machen ist fürchterlich. Dachte die Drohnen sind in Kenia verboten... Schade, war wohl nur ein Wunschdenken :-( Die Menschen in den Dörfern werden bestimmt nicht wissen, wo ihre Bilder einmal überall landen werden und wer damit Geld verdient, wovon sie aber nie was sehen werden...
almeo 18.12.2017
2.
Öh, selbst eine "alte" Phantom 3 ist in 5-10 Metern Höhe nicht mehr zu hören. Haben Sie jemals eine Drohne live gesehen?
Öh, selbst eine "alte" Phantom 3 ist in 5-10 Metern Höhe nicht mehr zu hören. Haben Sie jemals eine Drohne live gesehen?
lampo 18.12.2017
3.
Heutzutage basieren ganze Filme fast ausschließlich nur noch auf Drohnenaufnahmen, so dass sich der schöne Überblickeffekt allmählich totläuft. Man sieht, die Menschen lieben Drohnenaufnahmen und hassen andererseits mit teils [...]
Heutzutage basieren ganze Filme fast ausschließlich nur noch auf Drohnenaufnahmen, so dass sich der schöne Überblickeffekt allmählich totläuft. Man sieht, die Menschen lieben Drohnenaufnahmen und hassen andererseits mit teils irrationalen Ängsten die kleinen Fluggeräte. Verkehrslärm ist akzeptiert, aber das Surren einer Drohne lässt manche zum Gewehr greifen. Schade, dass der Artikel nicht motiviert in jedem Land zunächst die Gesetzeslage für Drohnenflüge zu prüfen, sich rechtzeitig Flugkarten mit den Flugverbotszonen im Internet zu suchen und die Drohe gesetzeskonform zu konfigurieren (erlaubten Flughöhe und Flugweite einstellen!). Hier nur daran zu appellieren selbst aufzupassen, ist verantwortungslos!
Papazaca 18.12.2017
4.
Scheinmoralische Kommentare mit Erziehungsfunktion Interessant, das Afrika, sprich Kenia, Tansania und Äthiopien nur beiläufig vorkommen. Wichtig ist, was der jeweilige Kommentator über Drohnen denkt. Da werden dann gleich [...]
Scheinmoralische Kommentare mit Erziehungsfunktion Interessant, das Afrika, sprich Kenia, Tansania und Äthiopien nur beiläufig vorkommen. Wichtig ist, was der jeweilige Kommentator über Drohnen denkt. Da werden dann gleich deutschen Maßstäbe angelegt. Aber diese Drohnen wurden mit Erlaubnis eingesetzt (Ranger, Dorfvorsteher etc). Also, wo ist das Problem? Mir ist klar, wo und was das Problem ist .... erklärt sich quasi von selbst ...
tuvalu2004 19.12.2017
5.
@almeo: Ja ich habe Drohnen live erlebt, in Afrika, in einem wunderbaren Nationalpark, mit wunderbarer Stimmung. Das dachte auch ein Drohnenpilot, der - wohl mit Erlaubnis - eine große Drohne steigen ließ und rund 50 Besucher [...]
@almeo: Ja ich habe Drohnen live erlebt, in Afrika, in einem wunderbaren Nationalpark, mit wunderbarer Stimmung. Das dachte auch ein Drohnenpilot, der - wohl mit Erlaubnis - eine große Drohne steigen ließ und rund 50 Besucher des Parks verärgerte, weil auch in 30 Meter Höhe die Drohne noch zu hören war, weil er Besucher mit der Kamera verfolgte und weil es nervt wenn man ohne eigene Erlaubnis fotografiert oder gefilmt wird, und weil ab da die Stimmung zum Teufel ist. Der normale Besucher ist eben nur an diesem Tag zu genau dieser Stunde da. Als das Ding nieder ging und eingepackt wurde gab es Applaus. @Papazaca es ist völlig irrelevant ob eine Störung mit Erlaubnis der "Obrigkeit" oder ohne erfolgt, es bleibt eine Störung und der Einzelne wurde eben nicht gefragt. In diesem Park war es halt eine große Drohne, in einem anderen habe ich erlebt was eine Minidrohnen als Selfistick-Ersatz für einen Ärger verursachen kann. @lampo Es sind keine irrationalen Ängste. Drohnen stören und belästigen. In Israel stand mal eine kleine Drohne vor dem Fenster unserer Unterkunft in Tel Aviv - hat zwar nicht rein gefilmt, war aber trotzdem unangenehm. Und natürlich sind Luftaufnahmen noch immer etwas wunderbares. So sieht man die Landschaft eben nie, selbst wenn man auf Bergen steht kann man nicht senkrecht runter schauen. Das fasziniert. Ich habe auch kein Problem damit, wenn Profis damit fotografieren oder Sportler ihre Extremsportart filmen. Aber leider wird das immer mehr und immer aufdringlicher und ohne jeden Respekt vor Orten und Menschen. Mitlerweile gibt es Minidrohnen für Selfis. Wer schon einmal an einem Touristenmagneten war, weiß wie Selfisticks nerven können. Jetzt einfach mal alle Sticks in Gedanken durch Minidrohnen ersetzen.
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