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Reise

Ganesha-Fest in Indien

Gott mit Nebenwirkungen

Zu Ehren des Elefantengottes Ganesha werden in Indien gerade Hunderttausende von Statuen versenkt. Eine fröhliche Tradition, nur leider schlecht für die Umwelt - weshalb es nun Figuren gibt, die sich in Fischfutter verwandeln.

AP
Sonntag, 27.09.2015   12:48 Uhr

Millionen Hindus sind am Sonntag an den Indischen Ozean sowie die Bäche, Flüsse und Seen Indiens gekommen. Dort versenkten sie Statuen des Elefantengottes Ganesha, von dem sie sich nach zehn Tagen voller Gebete und Feierlichkeiten verabschiedeten. Es wurde getrommelt, wild getanzt, bunte Farbe in Gesichter geschmiert, Wunderkerzen angezündet, und es wurden Rituale mit Blüten, Kokosnüssen und ungekochtem Reis vollzogen.

Das jährliche Festival Ganesha Chaturthi sei für die Menschen ein großer Spaß - für die Tiere im Wasser aber nicht, sagt Umweltaktivist Satyendra Bhagat. "Die meisten Statuen sind aus Gips, der zerbröselt nur sehr langsam, wenn er nass wird. Hinzu kommen die meist ölhaltigen Farben mit all ihren Giftstoffen wie etwa Schwermetallen - Inder mögen ihre Statuen grell und glänzend", sagt er. Bei jährlich geschätzten 150.000 Statuen allein in Mumbai, manche davon sieben Meter hoch, ist das eine gewaltige Belastung für die ohnehin meist verdreckten Gewässer.

Deswegen rufen zahlreiche Aktivisten und Organisationen in diesem Jahr dazu auf, nur noch sonnengetrocknete Tonfiguren mit natürlichen Farben zu verwenden. Bhagat organisierte mehrere Kurse für Kinder, in denen er mit ihnen zusammen umweltfreundliche Ganeshas baute, die sich leicht in Wasser auflösen. "Dabei erzähle ich ihnen auch, dass Ganeshas Elefantenkopf Weisheit und Klugheit symbolisiert, und er so einen dicken Bauch hat, weil darin der ganze Kosmos zu Hause ist."

Ein Wirbel wie bei Weihnachtsbäumen

Die Umweltstiftung Sprossen setzt auf Ganesha-Statuen, die den Fischen sogar zugutekommen: Die Figuren sind aus Pappmaché, gefüllt mit getrocknetem Mais, Spinat und Mehl. Landen sie im Wasser, werden sie zu Fischfutter. Sprossen-Gründer Anand Pendharkar geht am Tag nach dem Festival außerdem mit mehr als 150 anderen Freiwilligen los, um die völlig zugemüllten Strände Mumbais von den Gipsstatuen zu säubern. "Wer mal stundenlang Statuen geschleppt hat, hält seine Familie das nächste Mal davon ab, Gipsfiguren zu kaufen", ist sich der Wildtierbiologe sicher.

Die alten indischen Schriften sprechen ohnehin nicht von großen Statuen, wie Anjali Parasnis, Westindien-Direktorin der Umweltorganisation Teri, erzählt. Ursprünglich sei es darum gegangen, zum Flussbett zu gehen, etwas Erde zu nehmen und eine winzige Ganesha-Figur auf der Hand zu formen. "Der Gläubige berichtete ihr alle seine Sorgen, und wenn er fertig war, wusch er sich die Hände, und die Figur löste sich im Wasser auf." Heute jedoch ginge es vielen Menschen darum, mit möglichst großen Statuen anzugeben - wie in Europa mit Weihnachtsbäumen, sagt sie.

Rahul Nagvekar, ein Kollege von Parasnis, ist ebenfalls einer der wenigen Umweltbewussten. "Es ist etwas schwierig mit den Ton-Ganeshas", gibt er zu, "denn sie dürfen nicht nass werden, etwa bei den Blütengaben". Auch hielten sie nicht viel aus, sodass sie nicht viele Blumengirlanden tragen könnten. "Und wenn sie einen Riss bekommen, ist das ein schlechtes Omen", sagt er. Doch bei ihm ging diesmal alles gut. Die Statue seiner Familie wurde in einem Eimer in seinem Garten versenkt - und mit dem Wasser der Rasen gegossen.

Doreen Fiedler/dpa

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