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Reise

Nordlichter-Flug in Yukon

Auf Augenhöhe mit Aurora

Schlieren, Bögen, Flackern: Näher können Fans von Polarlichtern dem schillernden Himmelsphänomen kaum kommen. In Kanada können sie Aurora borealis - dem Nordlicht - entgegenfliegen.

Neil Zeller / Tourism Yukon
Von Ole Helmhausen
Dienstag, 15.01.2019   04:42 Uhr

Der Start vom Flughafen in Whitehorse in Kanada in die schwarze Nacht ist unwirklich: Die Kabine ist verdunkelt, hin und wieder blitzen vorn die Bedienungslichter im Cockpit auf, dringen Gesprächsfetzen der Mitreisenden ans Ohr. Nach etwa einer halben Stunde kommt endlich die Ansage von Kapitän Dan Kenny: "Auf der linken Seite. Es geht los!"

Und dann sind sie da - die Nordlichter über dem winterlichen Yukon im Nordwesten Kanada. Am Horizont taucht eine feine graue, innerhalb weniger Sekunde grün werdende Linie auf. Ein paar Minuten hängt sie da, als wüsste sie nicht, wohin mit sich, dann beginnt sie zu flimmern und reißt einen mattgrünen, riesigen Vorhang auf, der kurz hin- und herschwingt wie ein Bettlaken auf der Leine.

Das Himmelsspektakel erleben die 90 Passagiere an Bord weit weg von Staub und Feuchtigkeit. Hoch über den Wolken in gut 12.000 Metern Höhe, an Bord einer eigens zu diesem Zweck gecharterten Boeing 737-500, die mit der Rotation der Erde Schritt halten und deshalb für erstaunliche Fotos sorgen wird. So zumindest hatte es Anthony Gucciardo von der Yukon Astronomical Society im Beringia Interpretive Centre von Whitehorse erklärt.

Fotostrecke

Nordlichter-Flug: Am Himmel über Yukon

Der Ansage des Kapitäns folgt kollektives Sitzerutschen. Wer rechts sitzt und kaltblütig genug ist, wartet, bis die Blitze auch vom eigenen Platz aus zu sehen ist. Wer Angst hat, etwas zu verpassen, steht auf und beobachtet vom Gang aus die Mitternachtsshow. Kenny lässt für die Fotografen die Positionslichter löschen, diese bitten darum, alle unnötigen Lichter in der Kabine zu dimmen.

Im Düstern drängeln sich die Passagiere freundlich, aber zielstrebig und rangeln um die besten Plätze. Da kommt die Stewardess mit einem Tablett voller Cocktails gerade recht. Die Drinks werden von grün leuchtenden LED-Eiswürfeln illuminiert. "Da ist Gin drin", sagt sie, "und ein paar geheime Zutaten, die unser Mixologist nicht preisgeben will."

Cocktails beruhigen die Nerven

Die Aufregung legt sich, die Cocktails beruhigen die Nerven. Das Gewusel in der B-737 fühlt sich nicht länger wie im Safaribus an, stattdessen zeigt man einander auf den Kameras die Ausbeute des Rendezvous mit Aurora borealis. Astronom Gucciardo wandert durchs Flugzeug und beantwortet Fragen. Ja, man wisse in etwa, wann und wo das Nordlicht die nächste Vorstellung geben werde, und nein, die Farbenintensität müsse man abwarten.

Das Naturphänomen folgt keinem Plan: Erst wenn elektrisch geladene Teilchen von der Sonne auf das Magnetfeld der Erde und auf die Atmosphäre treffen, beginnt der Himmel zu flackern. Werden Stickstoffatome getroffen, wird es grün. Sind es Sauerstoffatome, leuchtet es rot. Vor allem in der Dunkelheit des Winters an den Polen sind die bunten Schlieren, Bögen und Fahnen gut zu beobachten.

Für den Tourismus hier im äußersten Nordwesten Kanadas ist "Aurora360" eine große Sache: Der Nordlichterflug, organisiert von Air North, soll den Yukon auf den Schirm internationaler Lichterfans rücken und zeigen, dass das Territorium mehr drauf hat als Wildnis und Goldrauschvergangenheit. Dabei firmieren die Sternegucker aus dem Yukon gemeinsam mit Air North und der Regierung des Territoriums als Veranstalter.

Nach Whitehorse angereist sind für die Premiere des fast vierstündigen Himmelstrips Touristen aus 17 Ländern. Ein deutsches Paar aus dem Münsterland ist begeistert. "In Kanada haben wir die Aurora schon ein paarmal gesehen, aber das hier schlägt alles." Ein paar Sitzreihen weiter klebt Ethan Matsuo am Fenster. Der 13-Jährige aus Vancouver ist mit seinen Eltern an Bord und strahlt.

Rachelle Mackintosh, eine Fotografin aus Australien, presst ihre Kamera gegen das Fenster und zieht ihren Mantel über den Kopf, um den Bild-Chip vor überflüssigem Licht zu schützen. "Es fühlt sich an, als sei man auf Augenhöhe mit der Aurora borealis."

Büro im Lichterfest

Auch wenn das eine optische Täuschung ist: Während der nächsten zwei Stunden wähnt man sich den Nordlichtern näher als je zuvor. Kapitän Kenny lässt die Tür zum Cockpit während des gesamten Fluges weit geöffnet. Wer ihn besucht, ist zunächst von den mehreren Hundert leuchtenden Bedienungselementen vor, über und neben ihm überwältigt.

Nachdem sich die Augen an die Lichtschau gewöhnt haben, schaut man hinaus. Zunächst meint man, noch nie ein schwärzeres Schwarz gesehen zu haben. Doch dann macht man Sterne aus, erst nur ein paar, dann immer mehr, und ein paar Minuten später passiert es wieder - das grüne Himmelsleuchten. "Kapitän Kenny, Sie haben ein tolles Büro!" Der Pilot dreht an ein paar Schaltern, lächelt und sagt: "Oh well - man gewöhnt sich dran." Und wirft dann doch einen ziemlich langen Blick auf den Vorhang da draußen.

Flug "Aurora 360" in Yukon

Termin
Im November 2017 fand der erste Nordlichter-Flug in Yukon statt. Der nächste Termin ist vom 7. bis 11. Februar 2019. Er wird im Rahmen einer mehrtägigen Reise angeboten, die auch Besuche im Yukon Wildlife Preserve und den Takhini Hot Springs und einen Empfang im neuen Yukon Astronomical Observatory beinhaltet.
Veranstalter und Preis
Veranstalter des Aurora-Fluges sind Air North, die Regierung von Yukon und die Yukon Astronomical Society. Im Preis von 2930 Kanadische Dollar (etwa 1930 Euro) sind vier Nächte in einem Hotel in Whitehorse enthalten. Wer ausschließlich den Flug buchen will, bezahlt 1045 Kanadische Dollar (690 Euro).
Information
Webseite Aurora 360 (aurora-360.ca)
Buchung (aurora-360.ca/bookings)
insgesamt 2 Beiträge
sardor99 15.01.2019
1. ...
Warum ist der Artikel nicht als Werbung gekennzeichnet?? Zum einen sind die Nordlichter nur durch die Digitalkameras so farbig - mit blosem Auge sieht mancher nur grau, andere nur schwache Farben! Die Wahrnehmung ist bei jedem [...]
Warum ist der Artikel nicht als Werbung gekennzeichnet?? Zum einen sind die Nordlichter nur durch die Digitalkameras so farbig - mit blosem Auge sieht mancher nur grau, andere nur schwache Farben! Die Wahrnehmung ist bei jedem Menschen anders. Zum anderen gibt es auch deutsche Anbieter, die von Köln/Bonn aus fliegen - dafür muß man nicht nach Kanada!
shewolf135 15.01.2019
2.
Das Ganze ist oekologischer Schwachsinn, Nordlichter kann man ebenso gut vom Boden aus sehen (noch dazu entspannter und mit besseren Fotomoeglichkeiten als durch ein Flugzeugfenster). Bleibt zu hoffen, dass dieser Unfug wieder [...]
Das Ganze ist oekologischer Schwachsinn, Nordlichter kann man ebenso gut vom Boden aus sehen (noch dazu entspannter und mit besseren Fotomoeglichkeiten als durch ein Flugzeugfenster). Bleibt zu hoffen, dass dieser Unfug wieder eingestampft wird.
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