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Togean-Inseln

Backpacker-Inselromantik mit Herz

Stephan Orth

Romantik: Direkt vor dem Holzsteg befindet sich eine herzförmige Koralle im Wasser

Von
Dienstag, 25.06.2013   14:12 Uhr

"Zeigen Sie uns das beste Zimmer, das Sie haben." Es fühlt sich gut an, diesen Satz zu sagen, das habe ich noch nie gemacht. Frauen mögen Männer, die so reden, und auf Kadidiri, einer der indonesischen Togean-Inseln, geht das sogar, ohne dass man dafür Opas goldene Uhr verpfänden muss.

Das freistehende Apartment namens "Sunset", zu dem uns der Angestellte des "Kadidiri Paradise" führt, ist eine holzgewordene Urlaubskatalogphantasie: eigener Steg zum Schnorchelwasser voller Buntfischgewusel, King-, nein Kingkong-Size-Bett mit weißem Vorhang, damit die Moskitos nicht reingucken können. Dazu ein Badezimmer mit halboffenem Dach und hereinwachsender Palme, das einem Location-Scout für Duschgel-Werbespots die Freudentränen in die Augen treiben würde. Nur die herzförmige Koralle im Wasser vor dem Holzsteg ist ein wenig übertrieben.

Wir sind schon seit drei Wochen unterwegs in Indonesien, haben viele Stunden in altersschwachen Reisebussen und auf knatternden Auslegerbooten verbracht. Für die letzten Tage auf den Togeans, berühmt für Tauchspots, unverdorbene Tropeninsel-Einsamkeit und riesige Kokoskrebse, wollten wir uns mal was gönnen. 70 Euro kostet das Doppelzimmer pro Nacht mit Vollpension, für indonesische Verhältnisse ein Vermögen. Im Frühstücksraum schüren die Mitarbeiter den Sozialneid, indem sie nur den "Sunset"-Bewohnern ein köstliches Ei servieren, während sich die anderen Gäste mit Papayas und Müsli begnügen müssen.

Mehr Extras gibt's nicht, mittags und abends kommt für alle das gleiche auf den Tisch, von Barrakuda-Filet bis Tintenfischsuppe, die Tagesform des Kochs ist allerdings ein wenig wechselhaft. Kadidiri liegt eben doch sehr viele Bootsstunden weg von der nächsten Ortschaft, die Versorgungslage ist etwas beschränkt, das ist der Preis der Einsamkeit. Auch der etwas gemächliche Service hat wenig mit dem zu tun, was Luxushotels auf Mauritius oder den Malediven bieten. Dafür setzen die Putzfrauen ihre Besen virtuos beim Verjagen handgroßer Spinnen ein: So ein bisschen Nervenkitzel ist ja auch romantisch, irgendwie.

Stephan Orth

"Sunset"-Zimmer auf Kadidiri Island: Zwei Reisetage vom nächsten Flughafen entfernt

insgesamt 2 Beiträge
janlaukien 25.06.2013
1.
Eigentlich gibt es in Gorontalo auch einen Flughafen mit dem man über Ujung Pandang wieder nach Bali oder Jakarta zurückfliegen kann. Mann muss nicht unbedingt über Manado fliegen :o). Der nächste Flughafen liegt also etwa [...]
Eigentlich gibt es in Gorontalo auch einen Flughafen mit dem man über Ujung Pandang wieder nach Bali oder Jakarta zurückfliegen kann. Mann muss nicht unbedingt über Manado fliegen :o). Der nächste Flughafen liegt also etwa 10-14h von Kadidiri entfernt
Swen Goldpreis 10.01.2014
2.
Ich würde hier mal sagen: Ja und nein. Zwei Tage bis zum nächsten Flughafen ist zwar etwas arg reisserisch formuliert, aber nicht ganz falsch. Es stimmt, dass Gorontalo nur etwa 12 bis 13 Schiffsstunden entfernt liegt (und noch [...]
Ich würde hier mal sagen: Ja und nein. Zwei Tage bis zum nächsten Flughafen ist zwar etwas arg reisserisch formuliert, aber nicht ganz falsch. Es stimmt, dass Gorontalo nur etwa 12 bis 13 Schiffsstunden entfernt liegt (und noch eine weitere Stunde im Taxi zum Flughafen), allerdings fahren die Fähren so selten, dass man im Schnitt schon 48 Stunden braucht. Alternativ besteht auch die Möglichkeit nach / von Poso zu fliegen. Das sind dann etwa 6 Stunden im Schiff und nochmals sechs Stunden im Auto. Seit einiger Zeit ist Poso ruhig und eigentlich sicher zu bereisen. Auch diese Fähre geht nur jeden zweiten Tag. Was vielleicht auch noch ergänzt werden kann: Die Hotelzimmer auf Kadiri kosten nur etwa 10 Euro, wenn man vor Ort bucht und nicht das abgebildetete Luxuszimmer nimmt. Hier eine Auflistung der Anreise- und Übernachtungsmöglichkeiten: http://weltreiseforum.com/blog/kadidiri-wo-selbst-das-nichtstun-zu-viel-ist/

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