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Reise

Roadtrip bei Alice Springs

Das echte Outback

Australien-Fans kennen den Uluru, den heiligen Felsen der Aborigines. Wer sich Zeit nimmt für die Gegend, sieht Felskängurus, hört das Jaulen von Wildhunden und begegnet sehr besonderen Typen.

Getty Images/ WorldFoto
Von Julica Jungehülsing
Freitag, 01.03.2019   08:22 Uhr

Auf einem Vorsprung sonnt sich ein Felskänguru, getarnt im rotgelben Gestein der Ormiston Gorge. Der Schwanz zwischen den Hinterläufen, die Ohren gespitzt. Erst als eine Kamera klickt, verschwindet es in einer Spalte.

Früh morgens ist es in der Berglandschaft westlich von Alice Springs kühl und friedlich - unterwegs in einer der schönsten Schluchten der West MacDonnell Ranges trifft man um diese Zeit wenig Menschen, dafür Tiere und Vögel. Die Sonne taucht Felsen in Rotorange. Am Ormiston Creek blüht Eukalyptus, Echsen huschen durchs Büffelgras.

Wer in Australiens Outback eine Wüste erwartet, wird in den "West Macs" - wie Einheimische die Gebirgskette nennen - eines Besseren belehrt.

Fotostrecke

Red Centre Way: Roadtrip zu Schluchten und heiligen Felsen

Gut 130 Kilometer westlich von Alice Springs ist die Ormiston Gorge ein erster Höhepunkt auf dem Roadtrip durchs südliche "Red Centre", das heiße Herz des Nordterritoriums. Die Region ist selbst für viele Australier exotisch: Weit, wild und einsam gilt es als das "wahre Outback", das "Never-Never-Land" für Kerle und Krokodile.

Mit 1,3 Millionen Quadratkilometern ist das Nordterritorium fast so groß wie Deutschland, Frankreich und Spanien zusammen. Auf dieser Fläche leben mit 230.000 Einwohnern gerade mal so viele wie in Freiburg. Knapp die Hälfte wohnt in der Hauptstadt Darwin, das macht den Rest der Gegend umso einsamer - und attraktiver für Entdeckungstouren.

Camp unter Sternen und mit Bergblick

Nach der Wanderung bietet sich ein Bad im Billabong an zwischen Sandsteinwänden, Granitblöcken und Büschen in der Ormiston-Schlucht. Die Nachbarschaft ist beeindruckend. Ein langes, trockenes Flussbett führt unter weißstämmigen "Ghost-Gums"-Bäumen zur Redbank Gorge. Über dem Wasserbecken im Inneren der Schlucht schieben sich die Wände so eng zusammen, dass kaum mehr als ein Spalt des Himmels zu sehen ist.

Mit Blick auf den 1379 Meter hohen Mount Sonder campen wir unter dem Kreuz des Südens am Finke River. Aborigines nennen ihn Lhere Pirnte, den salzigen Fluss, dem auch der Larapinta Trail, eine der großen Wanderrouten des Kontinents ihren Namen verdankt. 223 Kilometer weit führt er in zwölf Etappen von Alice Springs bis zur Redbank Gorge.

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Wir fahren bei unserem Roadtrip auf dem Red Centre Way weiter. Bald endet der Asphalt des Namatjira Drives. Auf der anschließenden Mereenie Loop Road reduzieren roter Staub, Schotter und weicher Sand das Tempo auf maximal 40 km/h. Die Piste windet sich durch Spinifex, vorbei an Windflüchtern und Salzbüschen, Keilschwanzadler kreisen über einem trockenen Bachbett, die Luft flirrt in der Hitze. Hinterm Gosse Bluff, einem Meteoritenkrater, traben zwei Dutzend Kamele durch den Staub davon.

"So was passiert immer out the back", sagt der Mann, dessen Beine schräg unter einem Transporter hervorlugen, "da, wo Nachbarn eine halbe Tagesreise entfernt wohnen." Wir haben angehalten, um zu sehen, was los ist. Doch der Australier winkt nur mit einer Hand, flucht ein wenig und schraubt mit der anderen Hand weiter an seinem Auspuff. Dann steht er auf, klopft sich den Staub vom Hemd: "Out the back, wo's an schlechten Tagen mehr Fliegen gibt als vorstellbar." Dann grinst er: "How's it going?"

500 Stufen bis zum Rand des Kings Canyons

Out the back - das ist für Australier nicht nur eine Region. Es ist ein Zustand. Im Outback ist der Horizont weiter als anderswo, heben Truck-Fahrer zum Gruß den Finger am Lenker, kleben in Kneipen Fünf-Dollar-Scheine überm Tresen - handsigniert, damit ihre Besitzer im Zweifelsfall beim nächsten Besuch ihr Bier zahlen können.

Wie der australische Fotograf Adam Ferguson das Outback erlebt, lesen und sehen Sie hier:

Die Mereenie Loop Road führt durch Aborigines-Land. Bis am Kings Canyon wieder die befestigte Straße beginnt, begegnet uns niemand mehr. In der Ferne tönt das Jaulen eines Dingos, dem australischen Wildhund. Die Abendsonne malt Rottöne auf Felsen, zum Rand der Königsschlucht führen 500 Stufen, der Ausblick in den Canyon ist jede einzelne wert.

Die folgende Luritja Road endet am Lasseter Highway, dem Abzweig zum Uluru. Kaum einer lässt Australiens legendären Fels aus. Den meistfotografierten Hügel des Kontinents glaubt jeder zu kennen, ohne je dort gewesen zu sein. Als der Monolith in der dunstigen Ebene langsam größer wird, ist der Anblick dennoch trotzdem ein Erlebnis.

Weiter westlich schieben sich die Olgas wie Fingerknöchel aus der Wüste. Weniger berühmt als ihr Nachbar, sind die "vielen Köpfe" geheimnisvoller und stiller. Im Valley of the Winds führt der Wanderweg weit weg von Reisegruppen. Bis heute nutzen die örtlichen Anangu-Aborigines einige nicht zugängliche Plätze in dieser Region für Zeremonien.

Red Centre Way in Australiens Nordterritorium

Die Strecke
Die Strecke ist streckenweise asphaltiert, dennoch empfiehlt sich hier Vierradantrieb. Zelt, Wasser und Kühlbox mit Verpflegung sind gute Reisebegleiter, aber nicht die einzige Möglichkeit: Unterkünfte gibt es in Glen Helen, Yulara, Kings Canyon Resort, Kings Creek Station, Curtin Springs und Erldunda.

https://www.australia.com/de-de/itineraries/nt-red-centre-way.html
Larapinta-Wanderweg
Der Trek im West MacDonnell National Park ist einer der schönsten Überlandwanderungen im Herzen Australiens. Die 223 Kilometer lange Strecke ist in zwölf Etappen aufgeteilt, die sich auch einzeln gut als Tageswanderungen laufen lassen. Höchster Punkt ist der Mount Sonder mit 1379 Metern. Mehrere Veranstalter bieten Transfers für Individualwanderer an, Trek Larapinta organisiert geführte Mehrtageswanderungen.

https://www.treklarapinta.com.au

https://www.larapintatrail.com.au
Permits
Für Fahrten durch das Land der Aborigines braucht man eine Genehmigung (permit), den meist das jeweilige Aboriginal Land Council ausstellt. Für den Mereenie Loop ist ein Permit (5 Australische Dollar) im Glen Helen Resort, im Alice Springs Visitor Centre, in Hermannsburg oder dem Kings Canyon Resort erhältlich.
Alice Springs Desert Park
Beuteltiere wie das Bilbys werden die meisten nie in freier Wildbahn sehen. Sie sind nachtaktiv und vom Aussterben bedroht. Im Desert Park erlauben Dunkelräume, seltene Fauna zu beobachten. Dazu sind die Habitate australischer Wüstenlandschaften mit Flora und Tierwelt des "Roten Zentrums" zu erleben.

Adresse: Larapinta Drive, Alice Springs, geöffnet von 7.30 bis 18 Uhr.

alicespringsdesertpark.com.au/

Auf dem Rückweg nach Alice Springs schneidet der Asphaltstreifen die Ebene in symmetrische Teile. Nach dem Trubel im Nationalpark am Uluru sind 240 einsame Kilometer Landstraße erholsam. Hier ist spürbar, dass jeder Nordterritorianer fünf Quadratkilometer für sich allein hat und dass nur ein Prozent aller Australier in dem nördlichen Bundesstaat leben.

Vom Erldunda Roadhouse sind es 200 Kilometer auf dem Stuart Highway. Der ist benannt nach John McDuall Stuart, der 1862 als erster Europäer den Kontinent von Süden nach Norden durchquerte - zu Pferd, zu Fuß, zwölf Monate lang. Wen bei der Reise Fliegen oder Hitze plagen, möge kurz an Stuarts Strapazen denken.

insgesamt 11 Beiträge
ich2010 01.03.2019
1.
Kings Canyon und die Olgas sind imho wesentlich beeindruckender als der Uluru. Wenn man die Fliegen vermeiden möchte, ist das austral. Frühjahr ideale Reisezeit (z.B. September). Die Temperaturen tagsüber sind angenehm, relativ [...]
Kings Canyon und die Olgas sind imho wesentlich beeindruckender als der Uluru. Wenn man die Fliegen vermeiden möchte, ist das austral. Frühjahr ideale Reisezeit (z.B. September). Die Temperaturen tagsüber sind angenehm, relativ (!) wenig Fliegen. Nur die Nächte sind noch sehr frisch.
melcsi 01.03.2019
2.
Wer plant, mit einem Mietwagen in Australien längere Strecken auf unbefestigten Straßen zu fahren, sollte auf jeden Fall wissen, wie man einen Reifen wechselt. Hitze, Fliegen und dirt road kónnen einen schnell zum Schwitzen [...]
Wer plant, mit einem Mietwagen in Australien längere Strecken auf unbefestigten Straßen zu fahren, sollte auf jeden Fall wissen, wie man einen Reifen wechselt. Hitze, Fliegen und dirt road kónnen einen schnell zum Schwitzen bringen, selbst wenn man weiß, wie ein Wagenheber anzubringen ist.
hansvonderwelt 01.03.2019
3. Übernachtung auf dem Ayers Rock.
Fuhr mal auf einer unbefestigten staubigen Straße von Alice Springs zum Ayers Rock.Nach gegen 1 Uhr bestiegen ein Amerikaner und ich den Ayers Rock.In der einen Hand den Schlafsack und zwei Dosen Bier,in der anderen Hand hielt [...]
Fuhr mal auf einer unbefestigten staubigen Straße von Alice Springs zum Ayers Rock.Nach gegen 1 Uhr bestiegen ein Amerikaner und ich den Ayers Rock.In der einen Hand den Schlafsack und zwei Dosen Bier,in der anderen Hand hielt ich mich an der Kette fest immer auf der unterbrochenen weißen Linie.Auf dem kleinen harten Plateau,in meinem Bundeswehr Schlafsack war es schweinekalt,an Schlaf war nicht zu denken,trotz eine Joints.Am Morgen der rote Sonnenaufgang über den Olgas.Gegen 10 Uhr wanderte ich zum Flugplatz,eine kleine Cessna 172 stand mit zwei Passagierinnen zum Abflug an der Landebahn.Es war noch ein Sitz neben dem Piloten frei und los ging es.Der Pilot rauchte mit ernstem Gesicht hektisch einige Zigaretten,unter uns nur Wüste und in der Ferne glitzerten Salzseen.Manchmal betrachtete der Pilot mit Stirnrunzeln die Instrumente.Kurz nach der Landung schoßen in Fontänen links und rechts aus dem Flugzeugmotor ÖL.Kommentar des Piloten:ER DACHTE WIR STÜRZEN AB.(Danke Leben,es war eine tolle Zeit)
Politische Bildung? 01.03.2019
4. Gerade erlebt
Bei dem Artikel geht mir das Herz auf - Teile der Strecke (Coober Pedy, Uluru, Olgas, Kings Canyon, Erldunda Roadhouse, Alice Springs, ...) habe ich die letzten Wochen und Tage besucht. Erst vor 2 Tagen bin aus Alice Springs [...]
Bei dem Artikel geht mir das Herz auf - Teile der Strecke (Coober Pedy, Uluru, Olgas, Kings Canyon, Erldunda Roadhouse, Alice Springs, ...) habe ich die letzten Wochen und Tage besucht. Erst vor 2 Tagen bin aus Alice Springs abgereist. Vor 3 Tagen habe ich nocj im Erldunda Roadhouse Kängurus und Emus beobachtet und Kamele gestreichelt. Die Strecken in Outback sind momentan wunderbar passierbar. Die letzten Tage waren es auch nur ca. 38 Grad, was für Sommer im Outback durchaus angenehm ist. Es war wirklich wundervoll! Aufgrund der anhaltenden Trockenheit gibt es allerdings momentan noch mehr Fliegen als sonst. Die 10 Dollar für ein Fliegennetz waren bestens investiert! Am besten hat mir Coober Pedy und meine von dort gestartete Outbacktour in die painted Desert gefallen :)! Viele Grüße von Frasier Island
frenchie3 01.03.2019
5. Anfang der 80er
Von Perth (per Flugzeug) nach Sydney und dann im Campmobil Brisbane, Tennant Creek, Alice Springs, Ayers Rock, Kings Canyon, Melbourne in einem Monat. Über 40 Filme verknipst - und alle Fotos zusammen ersetzen nicht eine Sekunde [...]
Von Perth (per Flugzeug) nach Sydney und dann im Campmobil Brisbane, Tennant Creek, Alice Springs, Ayers Rock, Kings Canyon, Melbourne in einem Monat. Über 40 Filme verknipst - und alle Fotos zusammen ersetzen nicht eine Sekunde live. Wer immer es sich zeitlich und finanziell leisten kann: macht es
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